mini|hochkant|Ludwig Passini: Bildnis Ernst von Mendelssohn-Bartholdy, 1894 mini|hochkant|Ernst von Mendelssohn-Bartholdy Ernst Moses Felix Mendelssohn-Bartholdy, seit 1896 von Mendelssohn-Bartholdy, (* 13. Dezember 1846 in Berlin; † 24. Dezember 1909 in DresdenStadtarchiv Dresden, Standesamt Dresden II, Sterbe-Neben-Register 1908, Nr. 2458.) war einer der wichtigsten und einflussreichsten deutschen Privatbankiers seiner Zeit und Angehöriger der Familie Mendelssohn.

Leben Ernst Mendelssohn-Bartholdy war ein Sohn von Paul Mendelssohn-Bartholdy und dessen Ehefrau Albertine, geb. Heine. Seine Geschwister waren Pauline, Katharine, Gotthold und Fanny. Felix Mendelssohn Bartholdy war sein Onkel. Am 23. Januar 1875 heiratete er Marie Warschauer, eine Tochter des Bankiers Robert Warschauer und der Marie Mendelssohn und Enkelin Alexander Mendelssohns. Das Paar hatte sechs Kinder: den späteren Bankier Paul, die Töchter Käthe, Charlotte, Enole, mit dem Juristen Albert von Schwerin liiert, und Marie sowie Alexander, später Gutsbesitzer. Seine Enkel waren die Juristen Erckhinger von Schwerin, Hans Bone von Schwerin, der Religionswissenschaftler Joachim Wach und Dorothea Eckardt, geb. von Schwerin.

Ernst Mendelssohn-Bartholdy erhielt eine gute schulische Ausbildung und legte 1864 sein Abitur ab. Er studierte an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin und durchlief anschließend eine kaufmännische Lehre im In- und Ausland. 1869 reiste er für dreieinhalb Monate durch die USA.Ernst Mendelssohn-Bartholdy: Von New-York nach San Francisco. Flüchtige Reiseskizzen aus dem Jahre 1869, Hrsg. Karin Bürger/Sebastian Panwitz (= Haskala. Wissenschaftliche Abhandlungen, Bd. 41); Georg Olms, Hildesheim/Zürich/New York 2009. ISBN 978-3-487-14287-6. Anschließend trat er in das väterliche Bankhaus Mendelssohn & Co. ein, dessen Teilhaber er 1871 wurde. Zusammen mit Franz von Mendelssohn übernahm er nach dem Tod des Vaters 1874 die Leitung der Bank.

In der Zeit der gemeinsamen Leitung stieg das Bankhaus zu einer der bedeutendsten europäischen Privatbanken auf. Ernst (von) Mendelssohn-Bartholdy war auch Mitglied des Zentralausschusses der Reichsbank und Vorsitzender des Aufsichtsrats des Berliner Kassenvereins. Im Jahr 1887 wurde er Ältester der Korporation der Kaufmannschaft Berlins. Als solcher gehörte er 1892/93 auch der Börsenenquetekommission an.

Rudolf Martin gab in seinem Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre Ernst von Mendelssohn-Bartholdys Vermögen im Jahr 1897 mit 29 Millionen Mark an. Damit war er der reichste Bürger Berlins.Rudolf Martin: Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Preußen, Zweiter Teil: Biographische Notizen der fünffachen Millionäre (mit einem Vermögen über 5 Millionen Mark). Verlag W. Herlet, Berlin 1912, S. 201. Er verfügte 1908 über ein Jahreseinkommen von etwa 2,9 Millionen Mark. Damit war er der höchst besteuerte Bürger Berlins.Rudolf Martin: Art. Ernst von Mendelssohn-Bartholdy. In: ders.: Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Preußen, Zweiter Teil: Biographische Notizen der fünffachen Millionäre (mit einem Vermögen über 5 Millionen Mark). Verlag W. Herlet, Berlin 1912, S. 90–95, hier S. 91. Er stand auf der Liste der reichsten preußischen Einwohner Preußens an siebzehnter Stelle.Rudolf Martin: Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Preußen, Erster Teil. Verlag W. Herlet, Berlin 1912, S. 2. Neben einem Wohnhaus in Berlin besaß er seit 1892 das 1105 ha umfangreiche Rittergut Börnicke bei Bernau. Er wurde mit seiner Frau Marie an der Börnicker Dorfkirche beigesetzt.

Mendelssohn-Bartholdy verfügte über hervorragende gesellschaftliche Verbindungen bis hin in die höchsten politischen Kreise, wie etwa zu Otto von Bismarck und zum russischen Hof. Auch Wilhelm II. schätzte der national, monarchistisch und konservativ gesinnte Mendelssohn-Bartholdy sehr. Ihm widmete er seine bedeutendsten öffentlichen Stiftungen. Dazu zählten die von seinem Vater geerbte Musikautographensammlung sowie die Villa Falconieri in der Nähe von Rom. Außerdem war er als Mäzen vielseitig im Bereich der Kunst, der sozialen Hilfe und der Wissenschaft tätig.

Wilhelm II. erhob Mendelssohn-Bartholdy 1896 in den Adelsstand.A. Freiherr von Houwald: Brandenburg-Preußische Standeserhebungen und Gnadenakte für die Zeit 1873–1918. C. A. Starke Verlag, Görlitz 1939, S. 100.Dieter Hertz-Eichenrode: „Eure Majestät wolle geruhen, mir den erblichen Adel zu verleihen.“ Zur Nobilitierung Ernst Mendelssohn-Bartholdys. In: Mendelssohn-Studien 13 (MST 2003), Hrsg. Rudolf Elvers, Hans-Günter Klein, Duncker & Humblot, Berlin 2003, S. 227–257. ISBN 3-428-11161-3. Obwohl bereits sein Großvater Abraham Mendelssohn Bartholdy vom Judentum zum Protestantismus konvertiert war, blieb Ernst (von) Mendelssohn-Bartholdy antijüdischen Vorurteilen ausgesetzt. Im Jahr 1902 wurde er vom Kaiser zum Mitglied des Preußischen Herrenhauses ernannt. Neben zahlreichen Orden wurde ihm die Position eines Generalkonsuls von Dänemark verliehen. 1889 erfolgte die Ernennung zum Kommerzienrat, 1893 zum Geheimen Kommerzienrat. 1909 schließlich erhielt er den Titel eines Wirklichen Geheimen Rates mit dem Prädikat Exzellenz.

Literatur in der Reihenfolge des Erscheinens Rudolf Martin: Art. Ernst von Mendelssohn-Bartholdy. In: ders.: Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Preußen, Zweiter Teil: Biographische Notizen der fünffachen Millionäre (mit einem Vermögen über 5 Millionen Mark). Verlag W. Herlet, Berlin 1912, S. 90–95. Morten Reitmeyer: Bankiers im Kaiserreich. Sozialprofil und Habitus der deutschen Hochfinanz. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999. ISBN 978-3-525-35799-6. Sebastian Panwitz: Ernst von Mendelssohn-Bartholdy (1846–1909). Konservativer, Patriot, Familienvater. In: Mendelssohn-Studien. Beiträge zur neueren deutschen Kulturgeschichte, Bd. 17. Wehrhahn Verlag, Hannover 2011, ISBN 978-3-86525-233-3, S. 225–240. Sebastian Panwitz, Roland Dieter Schmidt-Hensel (Hrsg.): 250 Jahre Familie Mendelssohn. Wehrhahn Verlag, Hannover 2014, ISBN 978-3-86525-419-1.

Weblinks

Ernst (von) Mendelssohn-Bartholdy. Onlinebiographie Stammbaum der Familie Mendelssohn (Auszug)

Dokumentensammlung Ernst von Mendelssohn-Bartholdy an der Staatsbibliothek zu Berlin

Einzelnachweise

Kategorie:Nobilitierter (Preußen) Kategorie:Bankier Kategorie:Unternehmer (19. Jahrhundert) Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Unternehmer (Berlin) Kategorie:Mitglied des Preußischen Herrenhauses Kategorie:Mäzen Kategorie:Geheimer Kommerzienrat Kategorie:Exzellenz (Preußen) Kategorie:Wirklicher Geheimer Rat Ernst Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1846 Kategorie:Gestorben 1909 Kategorie:Mann