mini|hochkant|Kösener Raute mit der Rudelsburg Der Vorort des KSCV ist das jährlich wechselnde Leitungsgremium des Kösener Senioren-Convents-Verbandes (KSCV).

Leitung des Verbandes mini|hochkant|Fahnenwechsel 2008

„Vororte“ gab es im Mittelalter und in der frühen Neuzeit viele, z. B. in Städtebünden wie der Hanse. Der Begriff bezeichnete treffend das jeweils geschäftsführende Mitglied. Nach dem Deutschen Wörterbuch war der Begriff auch in der Studentensprache der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gängig. Populär wurde er im staatsrechtlichen Gebrauch für den Kanton (Schweiz), der der Eidgenossenschaft (bis 1848) vorstand.„Vorort“ im Deutschen Wörterbuch

Direkte Mitglieder des KSCV sind im Sinne der Subsidiarität nicht die Corps, sondern die Senioren-Convente (SC) an den jeweiligen Hochschulorten. Einzelcorps können SC-Rechte erhalten. Geleitet wird der KSCV seit 1855 vom Vorort, den die SC im jährlichen Wechsel stellen.Als Schiedsgericht konnte der Kösener Vorort Strafen nur bestätigen, mildern oder aufheben, nicht aber verschärfen. Die Vorort-Mannschaft besteht aus drei oder mehr Angehörigen der einzelnen Corps. Einzelcorps mit SC-Rechten stellen den Vorort allein oder bitten um Dispens. Primus inter pares und verantwortlich für die Führung der Vorortgeschäfte ist der so genannte Vorortsprecher, den traditionell das älteste oder das jeweils präsidierende SC-Corps stellte, in moderner Zeit jedoch im SC gewählt wurde. Die Corpszugehörigkeit des Vorortsprechers und des in Vorortsachen präsidierenden Corps sind stets identisch. Seit 1855 wechselt der Vorort in der alphabetischen Reihenfolge der Hochschulorte. In den ersten Jahrzehnten des KSCV wechselte der Vorort beim alljährlichen Kösener Congress in der Woche vor Pfingsten, ab 1874 nach dem Congress und später zum Jahresende. Seit den 1970er Jahren beginnt das Amtsjahr offiziell Anfang November mit dem so genannten Vorortübergabekommers beim übernehmenden Corps. Auf dem Turm der Rudelsburg weht die Fahne des präsidierenden Vorortcorps. Die erste nach der Wiedervereinigung war im August 1993 die von Teutonia-Hercynia, dem präsidierenden Vorortcorps im Göttinger Senioren-Convent. Seither wird die Fahne symbolisch zur jährlichen Übergabe der Vorortgeschäfte im August gewechselt.

Der Vorortsprecher leitet den ordentlichen Kösener Congress (oKC). Vorort und Vorsitz beim oKC fallen in neuerer Zeit zusammen. Traditionsgemäß stellen alle Kösener Listen nicht auf den Vorortsprecher, sondern auf den Vorsitzenden des oKC ab. Der traditionelle Tagungsort bis 1935 und erstmals wieder seit 1994 des Congresses ist der Mutige Ritter in Kösen. Für Arbeitssitzungen und Festveranstaltungen wird die Rudelsburg genutzt. Während der Deutschen Teilung tagte der Congress von 1954 bis 1993 in Würzburg. Zu verdanken war das Max Meyer und Philipp Zeitler. Als Rektor der Julius-Maximilians-Universität Würzburg setzte Meyer sich seit 1948 bei der Westdeutschen Rektorenkonferenz für die Korporationen ein. Zeitler trieb den Wiederaufbau der zerstörten Stadt voran und förderte die Kösener Congresse. KSCV und VAC tagten erst in der Festung Marienberg, dann in den Huttensälen.

Liste der Vororte mit den Vorsitzenden der Congresse Jahr Vorort Präsidierendes Corps Vorsitzender des oKC Aufgenommene SC, Chronik10. Juni 1848Heidelberger Senioren-ConventVandalia HeidelbergFriedrich von Klinggräff50px|rechts SC-Deputierten-Versammlung auf der RudelsburgErich Bauer: Die Jenaer Corpsversammlung (15. bis 17. Juli 1848), die Wiege des Kösener Seniorenconventsverbandes. Einst und Jetzt, Bd. 3 (1958), S. 20–41. Auf die Rudelsburg kamen 400 bis 500 Corpsstudenten. Halle schickte den Westfalen Kramer und den Märker Wendt; Jena den Westfalen Reinhard, den Sachsen Schweitzer, den Franken Wurlitzer und den Thüringer v. Stein. – Unter Zugrundelegung der im Archiv der Brunsviga Göttingen gefundenen Abschrift lautet der Beschluss: „12. Die SC-Convente treten im Winter vor dem 15. Dezember in Correspondenz in Bezug auf statistische Nachrichten und Mittheilungen über die Verhältnisse der SC zur Studentenschaft der betr. Universität. Im Sommersemester findet in Kösen unter der Rudelsburg zu Pfingsten eine Versammlung von SC-Vertretern statt.“15. Juli 1848HeidelbergVandaliav. Klinggräffv. Sileon GuestphaliaeDie Sileon waren eine rumänische Familie und stellten vier Heidelberger Westfalen.70px|rechtsGründung des KSCV in JenaErich Bauer: Die Jenaer Corpsversammlung (15. bis 17. 7. 1848). Die Wiege des Kösener SC-Verbandes. Einst und Jetzt, Bd. 3 (1958), S. 20 ff. Der Prorektor der Universität Jena, Dietrich Georg von Kieser, hatte die Aula zur Verfügung gestellt. Auf dem ersten Congress waren 11 SC vertreten: Heidelberg (v. Klinggräff, v. Sileon), Halle (Graf Guestphaliae und Müller Marchiae), Jena (Wurlitzer Franconiae und v. Stein Thuringiae), Leipzig (Gretschel Lusatiae), Gießen (Ludwig Starkenburgiae), Breslau (Szmula Silesiae), Erlangen (Ordnung Baruthiae), Freiburg, Greifswald, Göttingen (Pieper, damals Hannoverae, später als Progressist Mitstifter der Teutonia Göttingen) und vermutlich Bonn. Inoffiziell vertreten waren Suevia München (Rothenfelder) und Bavaria München (v. Lobkowitz). Freiburg war zu spät eingeladen worden. Kiel hatte nur 5 Corpsburschen und ließ sich durch Heidelberg vertreten. – Die auf der Wartburgversammlung gefallene Behauptung, der Korpskongreß habe nur den Zweck, „aufs neue die Fahne des Partikularismus zu erheben, und auf alle Weise die Errungenschaften (!) der Wartburgversammlung zu vernichten“, wurde zurückgewiesen und eine entsprechende Veröffentlichung in der Göttinger Deutschen Studentenzeitung (Nr. 6) beschlossen; Wilhelm Frabricius: Geschichte und Chronik des Kösener S.C.-Verbandes, Marburg 1907, S. 15.1849Hallenser Senioren-ConventMarchia (III)Rudolf Wendt (EM)KösenDen zweiten Congress beschickten nur 5 SC: Halle, Jena, Berlin, Heidelberg und Breslau. Göttingen kam zu spät.1850JenaThuringia JenaFriedrich Weller (EM) sp. Saxoniae LeipzigWeller wurde 1870 Leiter der Kriminalpolizei in Dresden. „Die Ehrenhaftigkeit seines Charakters haben selbst die Sozialisten und Anarchisten, auf die Weller ein besonderes Auge hatte, nicht anzutasten gewagt.“ (Academische Monatshefte 5 (1884), S. 380).50px|rechts1851Berliner SCKösener FlauteVertreten waren nur Berlin, Heidelberg (Musset Rhenaniae), Jena (Grosch Franconiae) und Leipzig.1852HeidelbergMeldungen zwischen 9 SC1853Meldungen zwischen 7 SC1854Meldungen zwischen 6 SCGöttingen fordert „neuen Congress in Kösen“1855Göttinger SCBrunsviga GöttingenAlexander Conze (EM)Für den präsidierenden SC zu Göttingen unterschrieben das Protokoll: A. Hübener (Brunsviga), H. Oltmann (Friso-Luneburgia) und W. Wehland (Hannovera).50px|rechts Neukonstitution mit den SC zu Breslau, Gießen, Halle, Heidelberg, Jena, LeipzigDen SC zu Leipzig vertrat Poltrack Lusatiae. und Marburg, alphabetische Vorortreihenfolge1856GreifswaldGuestfaliaPeter Hanstein (EM) fr. Hanseae BonnHanstein gehörte zu den Stiftern von Hansea Bonn.SC zu Berlin, Bonn, Breslau, Freiburg und Greifswald, Bewährung des Meldewesens1857HalleMarchia IIIBernhard HassertTübinger Senioren-Convent1858HeidelbergSuevia HeidelbergTheodor Eiserhardt fr. PomeraniaeErste Kösener Statuten, Abweisung des Senioren-Convents zu Freiberg, Erlanger Pfarrerstochter1859JenaThuringiaHermann Rittscher sp. Brunsvigae Göttingen40px|rechts SC zu WürzburgDie in Süddeutschland (Erlangen, München, Würzburg, Tübingen) damals zahlreichen Lebenscorps taten sich mit dem Beitritt zum KSCV schwer und hatten auch danach durch die aufkommende Kreispolitik der Waffencorps große, zum Teil existenzielle Probleme. Rolf-Joachim Baum: Vor 125 Jahren. Würzburgs Anschluß an den Kösener SC-Verband. Einst und Jetzt, Bd. 29 (1984), S. 95–111.1860SC zu LeipzigSaxonia LeipzigRobert Geyler50px|rechts SC zu München1861LeipzigMarburg fehlte.Lusatia LeipzigEmil Munz (EM)40px|rechts Erlanger Senioren-Convent, Herulia WienWalter Rabe: Das Wiener Corps Herulia 1861/62. Einst und Jetzt, Bd. 26 (1981), S. 89–109.1862Würzburger Senioren-ConventNassoviaKarl Schroeder50px|rechts Tigurinia1863BerlinGuestphalia BerlinRudolf WindelbandCongress der bayerischen Lebenscorps in Nürnberg1864BonnBorussia BonnWilhelm von Heyden-Linden (EM)50px|rechts Deutsch-Dänischer Krieg, Silber-Litthuania im KSCV, Mensurpflicht, Paukbrille1865Senioren-Convent zu BreslauBorussia BreslauRobert Dalen50px|rechts SC zu KielSC zu Kiel (VfcG)Königsberger Senioren-Convent 1866Erlanger Senioren-ConventOnoldiaCarl Müller50px|rechts Deutscher Krieg, Kösener Statuten1867Freiburger Senioren-ConventRhenania FreiburgOtto GageurAufnahme der Corps in Österreich abgelehntR. Paschke (1968), S. 28 f.1868Gießener Senioren-Conventa) Starkenburgiab) Teutonia Gießenc) Hassia Gießena) August Streckerb) Wilhelm Küchler fr. Rhenaniae Heidelbergc) Wilhelm Flegler60px|rechts Kösener Kreise1869GöttingenHildeso-GuestphaliaErich Gerstenberg Göttinger und Gießener StreitschriftenErnst von Bothmer (Bremensia): Was sind und wollen die Corps? Göttingen 1869; ohne Verfasser: Die Stellung der Corps im heutigen Studentenleben. Gießen 1869.1870GreifswaldPomeraniaFritz SiemensDeutsch-Französischer Krieg, Alamannia Basel1871HalleBorussia HalleFriedrich RuckserRuckser, Weltz (Franconia Jena, Franconia München) und Dautzenberg (Guestphalia Leipzig) saßen in der Kommission für den Bau des Gefallenendenkmals.Rhenania Bern, beim Nachkriegscongress fehlen sechs SCNach dem Deutsch-Französischen Krieg sollte der oKC zunächst ausfallen.1872HeidelbergRhenania HeidelbergCarl GötzDie drei Schweizer Corps mit einer Stimme im KSCV, Gefallenendenkmal für 158 CorpsstudentenDas Gefallenendenkmal hatte Rauch (Teutonia Marburg, Lusatia Leipzig) angeregt. Einzelheiten bei Wilhelm Frabricius: Geschichte und Chronik des Kösener S.C.-Verbandes, Marburg 1907, S. 45.1873JenaFranconia JenaFriedrich Weltz (EM) fr. Franconiae MünchenWeltz war Chefarzt in Wernigerode und Leibarzt des Fürsten zu Stolberg-Wernigerode.SC zu Straßburg1874Königsberger Senioren-ConventBaltiaFranz FischerSezessionsstreit in Erlangen1875LeipzigGuestphalia LeipzigMax Robert Hein fr. Rhenaniae BerlinHein nahm 1874 in Leipzig eine Pistolenforderung an und bekam 14 Tage Karzer, siehe Die Berliner Künstlervereinigung Roma wurde am 28. März 1873 zum Corps Rhenania. Dieses nahm am 8. Dezember 1882 den Namen Borussia und im WS 1887/88 die Farben schwarz-weiß an; Wilhelm Fabricius: Die deutschen Corps, 1926, S. 355.1876MarburgHasso-NassoviaCarl Schönemannrechts|50px Samiel tritt ab1877 SC zu MünchenSuevia MünchenJosef Bernpointner sp. Rhenaniae Heidelbergrechts|50px1878StraßburgRhenania StraßburgKarl Lorenz70px|rechts Grün-Helvetia Zürich, Österreichische Corps in Melk1879Tübinger Senioren-ConventFranconia TübingenLudwig Weber1880WürzburgNassoviaHans von Campe sp. Palatiae Straßburgv. Campe war Fuchs bei Baltia Königsberg gewesen.1881ZürichTiguriniaAntoine-Frédéric Vermeil fr. Hasso-BorussiaeZandersche Reformbewegung, Vermählung von Kronprinz WilhelmAls Wilhelm im Februar 1881 Prinzessin Auguste Viktoria heiratete, überreichte der Vorort Würzburg (Fink Nassoviae) eine sog. Adresse, der Vorort Berlin eine silberne Nachbildung des Rudelsburg-Denkmals.1882BerlinGuestphalia BerlinKarl Piest sp. Franconiae Tübingenrechts|40px SC zu Rostock (1)Borussia, Saxonia und später Hansea renoncierten bei Holsatia.1883BonnBorussia BonnOskar von der Osten-Warnitz1884BreslauMarcomanniaRufin ReichertAcademische Monatshefte1885ErlangenOnoldiaWilhelm von Meinel50px|rechts1886FreiburgHasso-BorussiaHans von DitfurthSpende für Scheffel-Denkmal in Heidelberg1887GießenTeutonia GießenAdolf Geßner40px|rechts Spende für Nachtigal-Denkmal in Stendal1888Göttingen (1)HannoveraMax Porzig fr. Guestphaliae Jena50px|rechts