mini|Fassade der Chiesa degli Scalzi mini|Der 37 m hohe CampanileCesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 120, S. 79 f. mini|Innenraum Santa Maria di Nazareth, umgangssprachlich Chiesa degli Scalzi („Kirche der Barfüßer“) oder kurz Scalzi, ist eine barocke Klosterkirche im Sestiere Cannaregio gleich neben dem Bahnhof Venezia Santa Lucia. Zu ihrer Linken führt die Ponte degli Scalzi über den Canal Grande in die Stadt.
Geschichte Im Jahre 1633 ließen sich die Unbeschuhten Karmeliten (scalzo: „barfuß“) in Venedig nieder. 1636 erhielt der Orden die Genehmigung zum Bau eines Klosters. 1861 bis 1863 musste diese zusammen mit dem Karmelitenkloster dem Hauptbahnhof weichen.
1654 legte Baldassare Longhena den Entwurf für die Kirche vor. Unter seiner Bauleitung entstand bis zur Weihe 1705 eine helle Saalkirche in der Nachfolge Andrea Palladios, mit zwei großen Seitenkapellen, die von je zwei kleineren Kapellen flankiert werden. Als Longhena 1682 starb, leitete Giuseppe Pozzo, Bruder des Architekten Andrea Pozzo und Mitglied der Laienbruderschaft der Karmeliter, ab 1685 die Bauarbeiten und entwarf die mittleren Seitenkapellen und den Altar neu.Antonio Manno: Venedig. Gruner + Jahr, Hamburg 2004, S. 348f ().
mini|links|Der Innenraum der in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 1915 von einer Bombe getroffenen Kirche
Die Kirche wurde 1853–1862 während der österreichischen Regierung gründlich restauriert. Während des Ersten Weltkriegs erlitt das Bauwerk erhebliche Schäden durch eine Bombe. Dabei wurde Tiepolos Fresko der Traslazione della Santa Casa di Loreto („Die Überführung des Heiligen Hauses nach Loreto“) zerstört, dass er zwischen 1743 und 1750 geschaffen hatte.Ugo Ojetti: Il martirio dei monumenti, Mailand 1917, S. 33 und .
Die vormals ruhige Gegend wurde durch die Einweihung der Zugverbindung mit dem Festland 1846 belebt, das Bahnhofsgebäude mehrmals vergrößert, der heutige Bau wurde 1955 fertig. Die nun wichtig gewordene direkte Verbindung in das Stadtzentrum wurde durch die erste Scalzi-Brücke gewährleistet, eine britische Eisenbrücke von 1852, die 1932 durch die heutige neoklassische Steinbrücke ersetzt wurde.
Fassade Die zweistöckige Spätbarock-Fassade mit korinthischen, auf Sockeln ruhenden übereinanderstehenden Doppelsäulen wurde 1672 bis 1680 von Giuseppe Sardi fertiggestellt, der anstelle des in Venedig üblichen Kalksteins aus Istrien, Marmor aus Carrara verwendete. Die Fassade ist mit 25 Metern Breite und einer Höhe von 26 Metern im Aufriss nahezu quadratisch., auf der Seite der Carmelitani Scalzi della Provincia Veneta, venezia.carmeloveneto.it, von 2013, abgerufen am 28. Februar 2013. In den unteren Nischen stehen von links der heilige Sebastian, die heilige Maria Magdalena, die heilige Margareta und der heilige Johannes der Täufer. Allegorische Figuren befinden sich in den Eingangszwickeln, der Schlussstein ist als Konsole mit zwei Putten ausgebildet. In der oberen Reihe links sind eine Statue des heiligen Hieronymus und eine Allegorie des Glaubens zu sehen. In der Mitte befindet sich die Gottesmutter mit dem Kind auf ihrem Thron, nach der die Kirche benannt ist, von Bernardo Falconi. Die Statue der Hoffnung rechts davon ist beim Herabstürzen zerstört worden, rechts außen sieht man eine Statue des heiligen Bartholomäus. Die meisten Statuen der Fassade stammen von Bernardo Falconi. Das Tympanon trägt in einem Rundgiebel das Wappen der Familie Cavazza. Auf der Spitze des Dreiecksgiebels steht der auferstandene Christus, an den Ecken flankiert von Adam und Eva.
Innenraum mini|280px|Krönung der Hl. Theresa von Gregorio Lazzarini (über der Orgel)
Die Kirche ist innen 45 Meter lang, 25 Meter breit und hat eine Firsthöhe von 24 Metern. 14 Fenster beleuchten den Innenraum. Die Ausstattung gestaltete wiederum Giuseppe Pozzo. Er deutete Longhenas Kirchenentwurf in eine dramatische, barocke Theaterszenerie um.
An jeder Wandseite befinden sich drei Seitenaltäre, zwei kleine und in der Mitte beider Seiten eine große Kapelle. Die je zwei flankierenden kleinen Kapellen werden durch auf Sockeln stehende korinthische Pilaster vom Hauptschiff abgegrenzt. Die sieben Statuen zwischen den Pilastern stellen Apostel dar und werden zuweilen auch Bernardo Falconi zugeschrieben. Darüber befinden sich zwölf Büsten von Päpsten, Bischöfen und Presbytern, die entweder Clemente Moli oder Giovanni Marchiori zugeschrieben werden. Durch die Verwendung von polychromem Marmor und reichem Figurenschmuck wird das Licht der seitlichen Thermenfenster gedämpft. Der opulente Hauptaltar, der deutlich an den Altar Berninis im Petersdom anknüpft, trennt das Presbyterium vom Mönchschor. Mehr als 60 Grabplatten in weißem oder rotem Marmor befinden sich auf dem Fußboden.
mini|hochkant|Die Glorie der Hl. Theresa von Heinrich Meyring (nach Bernini)
Das große Deckengemälde von Giambattista Tiepolo (Traslazione della Santa Casa di Loreto) wurde 1915 durch eine österreichische Fliegerbombe, die dem Bahnhof galt, fast völlig zerstört. Ein Entwurf von 1743 und Reste des Freskos befinden sich jetzt in der Gallerie dell’Accademia, ein zweites Fragment einer Vorbereitungsstudie im Getty-Museum in Los Angeles. Außerdem existiert eine vollständige Kopie in Gouache von Mariano Fortuny, die der spanische Künstler 1914 vor Ort angefertigt hat, sowie eine Fotografie der gesamten Decke von James Anderson aus dem gleichen Jahr
1934 wurde das Bild durch das Deckengemälde Proklamation der jungfräulichen Empfängnis beim Konzil von Nikäa von Ettore Tito (1859–1941) ersetzt.
In der zweiten Seitenkapelle rechts ist Die Glorie der Heiligen Theresa von Avila Tiepolos zu sehen. In der dritten Seitenkapelle links ist dem heiligen Sebastian gewidmet. Außerdem finden wir in der Kirche ausdrucksstarke Statuen der karmelitischen Heiligen Theresa von Avila und Johannes vom Kreuz.
Die finanziellen Mittel für die umfangreichen Dekorationsarbeiten stellte die Familie Manin zur Verfügung. Es ist die Begräbniskirche des letzten Dogen Ludovico Manin, der 1797 abdankte, und mit seiner Gattin Elisabetta Grimani im linken Seitenschiff bestattet ist.
Literatur Giacomo Bettini, Martina Frank (Hrsg.): La chiesa di Santa Maria di Nazareth e la spiritualità dei Carmelitani Scalzi a Venezia, Marcianum Press, Venedig 2014. Ennio Concina, Piero Codato, Vittorio Pavan: Kirchen in Venedig, Hirmer, München 1996, ISBN 3-7774-7010-4. Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 282 f. (Digitalisat). Giandomenico Romanelli, Mark E. Smith: Venedig, Hirmer, München 1997, ISBN 3-7774-7390-1. Herbert Rosendorfer: Kirchenführer Venedig, 2. Auflage. Seemann, Leipzig 2013, ISBN 978-3-86502-220-2, S. 207–209. Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 334–336, n. 81 („S. Maria in Nazaret, I Scalzi genannt, Carmeliter Barfüsser“). (Digitalisat)
Weblinks
Museum Planet engl.
Einzelnachweise
Kategorie:Weltkulturerbe Venedig und seine Lagune Maria Di Nazareth Scalzi Kategorie:Klosterkirche in Italien Venedig Kategorie:Erbaut in den 1680er Jahren Kategorie:Bauwerk (Canal Grande) Kategorie:Barocke Kirche Maria Di Nazareth Scalzi Kategorie:Kirchengebäude in Europa