miniatur|Skulptur Hommage à Vasarely (2006/2007) von Ingo Glass in Hünfeld Ingo Gerhardt Glass (* 9. April 1941 in Timișoara, Königreich Rumänien; † 27. Oktober 2022 in Budapest) war ein deutscher Bildhauer.

Leben Ingo Glass absolvierte zwischen 1961 und 1967 sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste, Cluj-Napoca (), als Meisterschüler bei Artur Vetro. 1967 schloss er die Kunstakademie mit Staatsexamen für Kunstgeschichte und Diplom für Kunst, Fachrichtung Skulptur, ab. Von 1967 bis 1971 war er Konservator des Museums für Moderne und Zeitgenössische Rumänische Kunst in Galați. Von 1972 bis 1973 arbeitete er als Assistent in der Klasse für Formstudium an der Universität für Architektur und Stadtplanung Ion Mincu in Bukarest. Hier hielt er von 1976 bis 1978 die Position des Kulturreferenten des Deutschen Kulturhauses Friedrich Schiller. 1978 betätigte sich Glass als Initiator und Organisator der ersten Landesausstellung deutscher Künstler aus Rumänien. 1979 siedelte er in die Bundesrepublik Deutschland über. Im gleichen Jahr wandte er seine Aufmerksamkeit dem Organisationskomitee der ersten Ausstellung Münchner Künstler in der Galerie im Rathaus, München zu. Hier war er auch Jurymitglied. Seit 1980 betätigte er sich als Kustos des Üblacker-Häusls (Herbergenmuseum). Von 1983 bis zu seiner Pensionierung war er Ausstellungsgestalter der Ausstellungen des Kulturreferats der Landeshauptstadt München und der Künstlerwerkstatt Lothringer Straße in München. Im Berufsverband Bildender Künstler München und Oberbayern war er von 1983 bis 1993 als Mitglied im Vorstand und in der Ausstellungskommission engagiert. Seit 1983 war Glass Mitglied im Vorstand der Esslinger Künstlergilde e.V., Landesverband Bayern und zwischen 1989 und 1990 1. Vorsitzender der Sektion Bayern des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler. 1993 promovierte er über Constantin Brancusi und sein Einfluss auf die Skulptur des 20. Jahrhunderts an der Universität Bukarest.

Glass lebte und arbeitete zuletzt in Budapest.

Werk miniatur|Alpha + Omega (1987), Dunaújváros. 13 m hoch miniatur|Turm (1985), München In seinem Donauprojekt, das er 1976 in Galatz/Rumänien – seiner ersten Wirkungsstätte – begann, setzen bis zu 13 m hohe Stahlskulpturen entlang der Donau über Dunaújváros/Ungarn (1987), Regensburg und Ingolstadt bis hin nach Gundelfingen (1984) und Neu-Ulm (1998) ein Zeichen der Völkerverbindung zwischen den Donauanrainern.

1992 war Glass Mitautor der sechsbändigen Dokumentation über etwa 2500 bildende Künstler in München und Oberbayern.

Nach der Wende konnte Glass einige Denkmal-Projekte in Rumänien verwirklichen: „Öffnung“ – ein Denkmal für die Märtyrer der Revolution von 1989 in Temeswar/Timișoara (1992), „DADA“ – ein Denkmal zum 100. Geburtstag von Tristan Tzara in Moinești (1996) sowie ein Mahnmal zum Gedenken der Kriegsopfer 1941–1945 in Lugoj/Lugosch (1999).

Unter dem Motto Dem Geist Raum lassen – dem Raum Geist geben gibt es einen Skulpturenweg mit zwölf monumentalen Stahlplastiken des Künstlers in der Gemeinde Vaterstetten. Er wurde am 11. Juli 1998 der Öffentlichkeit präsentiert. (Konkrete-Kunst.de) [Einige der gezeigten Skulpturen sind dort allerdings Stand Oktober 2011 nicht mehr zu sehen oder wurden umgesetzt.]

Auszeichnungen (Auswahl) 1981 Förderstipendium der Landeshauptstadt München 1984 Seerosenpreis der Landeshauptstadt München 1985 Lovis-Corinth-Förderpreis des Bundesinnenministeriums 1986 Preis für Bildhauerei der Fondation Brancusi in Montreal 1992 Preis der Internationalen Biennale für Bildhauerzeichnungen, Budapest 1995 Donauschwäbischer Kunstpreis des Landes Baden-Württemberg 2004 Kultureller Verdienstorden für Bildende Kunst im Rang eines Offiziers, Rumänien 2010 Seerosenring, Wanderpreis des Seerosenkreises München 2011 Ritterkreuz des Verdienstordens der Republik Ungarnsiebenbuerger.de, Ehrung für Ingo Glass, im Rahmen seiner Ausstellung im Generalkonsulat von Rumänien in München 2012 Ehrenbürger der Stadt TemeswarAna Sălişte: Temeswars neue Ehrenbürger. Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien, 30. März 2012 2013 Bundesverdienstkreuz am Bande

Ausstellungen (Auswahl) Bei den mit „E“ („AB“) gekennzeichneten Ausstellungen handelt es sich um eine Einzelausstellung (Ausstellungsbeteiligung). Zu den mit „K“ gekennzeichneten Ausstellungen erschien ein Katalog.

1964 Casa Universitarilor, Cluj-Napoca 1968 Muzeul de Artă Modernă și Contemporană, GalațiE 1974 Simeza-Galerie des Rumänischen Künstlerverbandes, BukarestE 1980 Galerie Glaub, KölnE 1982 Münchner Stadtmuseum im Üblacker-HäuslE 1982 Initiator und Organisator der ersten Ausstellung „Haidhauser Künstler“ in der Künstlerwerkstatt Lothringer Straße in München 1983 Initiator und Organisator der ersten Ausstellung „Banater Künstler in der Bundesrepublik Deutschland“, in Landshut und Pforzheim 1985 Museum Ostdeutsche Galerie, RegensburgE 1991 Edwin Scharff Museum, Neu-UlmE 1996 Viktor Vasarely Museum, Budapest;E Nationalmuseum, BukarestE 2007 Grundformen und Grundfarben im Raum, Galerie Emilia Suciu in EttlingenE 2009 Abigail Galerie, Budapest, 16. Dezember 2008 – 16. JanuarE 2009 Goethe-Institut, München, 21. Januar – 13. MärzAB 2009 Galerie Abigail, Budapest, 25. Januar – 21. FebruarAB 2009 Rathaus, Vaterstetten, 24. März – 16. AprilAB 2009 Grünhaus der Stadtwerke Ettlingen, 29. März – 10. MaiAB 2009 Städtische Galerie im Schloss, Ettlingen, 29. März – 10. MaiAB 2009 Galerie der KünstlerGilde e.V., Esslingen am Neckar, 7. Mai – 13. JuniAB 2009 Kreismedienzentrum Göppingen, 20. Juni – 1. AugustAB 2009 MTA-MADI-Museum, Győr, Ungarn, 11. September – 14. NovemberE 2009 (AB) Rathaus, Kunstkreis Gräfelfing 29. Oktober – 18. Dezember 2009 (AB) Kunstvilla Bad Godesberg, 7. November – 13. Dezember 2011 Wanderausstellung Offene Räume im Münchner Künstlerhaus, 15. April – 25. MaiE,KOffene Räume: Skulpturen im Innenhof - Ingo Glass (Münchner Künstlerhaus) / A22 Galéria, Budapest, 29. April – 15. JuniK / Kunstmuseum Timișoara, 7. Juli – 7. August 2012 Wanderausstellung Verbindende Kraft der Grundformen und Grundfarben mit dem RaumE,K im Kunsthaus Rehau, 4. Mai – 10. Juni / Glaspavillon „Hans-Schmitz-Haus“, Rheinbach, 6. Juli – 5. August, Ausstellung im Glaspavillon Rheinbach (Stadt Rheinbach) / Zichy-Szterényi-Kastell und Schlossgarten des Grafen Velekey-Modroczky, Sárszentmihály (Ungarn) / Galleria il Tesoro (zusammen mit Robert S. Gessner / Gemälde und Eugen Gomringer / konkrete Poesie), Altendorf, 9. September – 21. Oktober 2012 , 9. September - 21. Oktober 2012, Altendorf 2013 Die magische Kraft des Dreiecks. Anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Skulpturenpfads Vaterstetten. Rathaus Vaterstetten, Lichthof, 14. Juni, 19 Uhr, bis 4. JuliE,K,. Gemeinde Vaterstetten, 2013 2016 Wanderausstellung anlässlich seines 75. Geburtstags mit Stationen im Üblacker-Häusl, München (April/Mai),E,K in der By Art Galerie, Budapest/Ungarn (Juni/Juli),E im Kunstmuseum des Landkreises Kreisch in Oradea, Rumänien, (September/Oktober)E,K und im Kulturhaus in der Wesselényi, Budapest (Dezember 2016 bis Januar 2017)E 2018 Ingo Glass: Drei Formen, drei Farben – Basis Konkreter Kunst. Stiftung für Konkrete Kunst, Freiburg-Zähringen, 18. März bis 29. April 2018 2018/19 Ingo Glass: Formă – Culoare – Lumină – Spaţiu (rumän. für Ingo Glass: Form – Farbe – Licht – Raum). Rumänisches Kulturinstitut, Budapest, Ausstellungshallen in der Izsó-Straße, 12. Dezember 2018 bis 11. Januar 2019Ingo Glass: Forma – Szín – Fény – Tér. Rumänisches Kulturinstitut, Budapest, 2018 2019 Jakob Bleyer Heimatmuseum, Budaörs 2019 Complexul Muzeal Bistrița-Năsăud, Bistrița, 4. Juli bis 4. August 2019;Ingo Glass, Muzeul Bistrita, 2019 Nationalmuseum der Kunst Moldawien, Chișinău, 8. August bis 15. September 2019

Innerhalb Europas zeigte Glass seine Werke auch in Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Polen, und Spanien. Im außereuropäischen Raum beteiligte sich Glass an Ausstellungen in Ägypten, Australien (Museum of Modern Art, Canberra), Japan, Kanada, Mexiko und USA (Washington D.C.).

Arbeiten im öffentlichen Raum (Auswahl) 1969 Sculptură. Standort: Galați, Dunărea-de-Jos-Universität 1971 Obiect spațial. Standort: Hotel in Târgoviște 1974 Relief mural. Standort: Tel Aviv 1975 Construcție gotică. Standort: Arcus Covasna (Stadt) 1976 Septenarius. Standort: GalatiGalati: Septenarius 1980 Structură monumentală – Gotische Quadratur, Stahl, 13 m hoch. Standort: Oberhausen, Essener Straße 1982 Uvertură gotică. Standort: München, Alter Botanischer Garten 1985 Turm. Standort: München, Thomas-Wimmer-RingIngo Glass: Turm (1985) (Welt der Form). 1986 Tor zur Rhön. Standort: Hünfeld 1991 Deschidere, Denkmal für die Opfer der Revolution von 1989, Stahl, 10 m hoch. Geschenk des Künstlers an die Stadt Timișoara. Standort: Timișoaraziaruldemures.ro, Locurile memoriei Revolutiei din Timisoara (in rumänischer Sprache) 1993 Pozitiv-negativ. Standort: Mertingen, Südstahl 1996 DADA. Standort: Moinești, ȘI O DUMINICĂ "DADAISTĂ", LA MOINESTI (in rumänischer Sprache) 2003 Hommage a Vasarely. Geschenk des Künstlers an die Stadt Timișoara. Standort: Timișoara, Skulpturenpark, Parc de sculptură (in rumänischer Sprache) 2009 Tor nach Serbien, Stahl, 9 × 5 × 5 m. Geschenk des Künstlers an die Stadt Timișoara. Standort: Michelangelo-Brücke, TimișoaraRaluca Nelepcu: Ein Stadtfest für Jung und Alt. Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien, 8. August 2012

Schriften

Literatur Octavian Barbosa: Dicționarul artiștilor români contemporani. București: Editura Meridiane, 1976. Claus Stephani: Grass und Glass. Zwei ostdeutsche Künstler in Washington. In: Südostdeutsche Vierteljahresblätter (München), 49. Jg., F. 4/2000, S. 366–367. Claus Stephani: Marginalien. Einführung zur Kunst von Ingo Glass. Von der verbindenden Kraft der Kunst. Stationen in Rumänien, 1941–1979 und 1991 bis heute. Begleitbuch zur Ausstellung. Haus des Deutschen Ostens: München, 2001, S. 5–12. Claus Stephani: Brücke über Zeiten und Grenzen. Ingo Glass’ Stationen in Rumänien. In: Banatica. Beiträge zur deutschen Kultur (München), 1/2001, S. 30–34. Claus Stephani: Die Meilensteine des Ingo Glass. Lugosch – Mexico City – Legnano – Milano. In: Ingo Glass. Von der verbindenden Kraft der Kunst. Stationen in Rumänien, 1941–1979 und 1991 bis heute. Begleitbuch zur Ausstellung. Haus des Deutschen Ostens: München, 2001, S. 14–15. Claus Stephani: In Europa beheimatet. Ingo Glass zum 60. Geburtstag. In: Kulturpolitische Korrespondenz (Bonn), Nr. 1131, 20. Mai 2001, S. 17–18. P. Z.: Culori și forme de bază în spațiu. Sculptorul german de avangardă Ingo Glass expune la Muzeul Țării Crișurilor. In: Jurnal Bihorean (Oradea), anul XI, nr. 2886, 14. Juni 2003. Ana Săliște: Tor nach Serbien. Neue Skulptur von Ingo Glass. In: Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (Bukarest), 15. Dezember 2009. Anna Barbara Ursula Thull: Jubiläumsausstellung in Budapest zeigt Werke von Ingo Glass. In: Siebenbürgische Zeitung (München), 14. September 2009. Oana Turdean: Ingo Glass (70) stellt in München und Budapest aus. In: Siebenbürgische Zeitung (München), 23. März 2011.

Weblinks

Andreea Oance: Rumäniendeutscher Künstler Ingo Glass gestorben. In: Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien vom 1. November 2022.

Einzelnachweise

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