Der Ford Scorpio ist ein von den Ford-Werken in Köln zwischen Frühjahr 1985 und Sommer 1998 hergestellter Pkw der oberen Mittelklasse mit Hinterradantrieb. Zeitweise waren auch Versionen mit Allradantrieb verfügbar. Der Scorpio wurde als Nachfolger des Ford Granada entwickelt und markierte einen Übergang zwischen den europäischen D- und E-Segmenten (codenamed DE-1). Er gewann die Wahl zum Auto des Jahres 1986 und war der erste Großserien-Pkw in Europa, der serienmäßig mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet war.
Der Scorpio wurde anfangs nur mit Fließheck („Aero-Heck“) angeboten. Ende 1989 kam die Stufenhecklimousine und im Frühjahr 1992 der Kombi „Turnier“ hinzu.
Modellgeschichte Entwicklung und Einführung Die Entwicklung des Scorpio begann auf einer gestreckten Version der Sierra-Plattform. Das Design, inspiriert von der aerodynamischen Philosophie der Sierra und des dritten Generation Escort, zielte darauf ab, Ford als Alternative zu Mercedes und BMW im europäischen Executive-Segment zu etablieren. Der Scorpio wurde im März 1985 als Fließhecklimousine („Aero-Heck“) vorgestellt und erreichte die Märkte ab Sommer 1985, über ein Jahr vor neuen Konkurrenten von Rover und Opel/Vauxhall. Ursprünglich sollte das Modell „Lugano“ heißen, doch der Name Scorpio wurde gewählt, um ein modernes und kraftvolles Image zu vermitteln.
Die anfängliche Ausstattung war für ein Massenfahrzeug außergewöhnlich, mit Features wie beheizter Windschutzscheibe, Tempomat, elektrisch verstellbaren Sitzen (vorne und hinten) und später Allradantrieb. Bis 1987 wurden Chubb AVA-Schlosszylinder verwendet, danach Tibbe-Schlösser. Der Scorpio bot ein überdurchschnittliches Platzangebot, insbesondere im Fond, und setzte Maßstäbe in Sicherheit und Komfort.
Der Gepäckraum des Scorpio Aero-Heck betrug dank umlegbarer Rücksitze 440 bis 833 Liter (bis zur Fensterunterkante gemessen).
Marktpositionierung und Varianten Der Scorpio war zunächst nur als Fließhecklimousine erhältlich, was sich als Fehlentscheidung erwies, da die konservative Kundschaft der oberen Mittelklasse das Design ablehnte. In Großbritannien und Irland wurde er daher bis 1994 als „Granada Scorpio“ vermarktet, wobei der Granada-Name aufgrund seiner Bekanntheit beibehalten wurde. Eine Stufenhecklimousine folgte im Dezember 1989, und der Kombi „Turnier“ wurde im März 1992 eingeführt, nach einem Facelift, das Elemente des kommenden Mondeo andeutete. Diese späte Einführung von Stufenheck und Kombi trug zum moderaten Verkaufserfolg bei, mit insgesamt 850.000 produzierten Einheiten – etwa der Hälfte der 1,6 Millionen Consul/Granada zwischen 1972 und 1985. Trotz guter Kritiken der Fachpresse und zahlreicher Modellpflegemaßnahmen blieb der Verkauf insgesamt hinter den Erwartungen zurück.Spiegel Online, Artikel Ford Scorpio – Weder Fisch noch Pferd vom 3. Januar 2016, abgerufen am 3. Januar 2016
Der Scorpio war 1985 der erste Großserien-Pkw in Europa, der serienmäßig mit Antiblockiersystem (ABS) angeboten wurde. Bis dahin gab es ABS von verschiedenen Herstellern nur als teure aufpreispflichtige Extra-Ausstattung. Ab Modelljahr 1994 waren auch Fahrer- und Beifahrerairbags serienmäßig, ab Frühjahr 1998 dann auch Seitenairbags. Das Platzangebot war (besonders im Fond) für dieses Fahrzeugsegment überdurchschnittlich groß.
Als Motorisierung wurden – je nach Modell und Baujahr – Ottomotoren zwischen 1,8 und 2,9 Litern Hubraum angeboten, zusätzlich Dieselmotoren mit 2,5 Litern Hubraum (anfangs von PSA, ab 1993 von VM Motori zugeliefert). Besonders häufig wurden der 1989 eingeführte DOHC-Motor mit 88 kW (120 PS) – der 1992 für eine günstigere Einstufung in der Kfz-Haftpflicht auf 85 kW gedrosselt wurde – und der 2,9-Liter-V6 mit 107 kW (145 PS) verkauft.
In Großbritannien wurde er bis zum Modellwechsel 1994 noch als Granada verkauft, da dieser Name sehr gut eingeführt war. Das Aero-Heck des neuen Modells kam aber besonders bei der konservativen britischen Kundschaft dieser Fahrzeugklasse nicht gut an.
Scorpio '85
Vorstellung Im März 1985 wurde der Scorpio, der ursprünglich „Lugano“ heißen sollte, als Nachfolger des Ford Granada vorgestellt und war zunächst ausschließlich als Fließhecklimousine (mit dem sogenannten Aero-Heck) erhältlich. Im Frühjahr 1986 wurde der Scorpio 4×4 mit Allradantrieb und 2,8-Liter-V6-Motor vorgestellt.
Im Dezember 1989 kam – zusammen mit einigen Detailveränderungen – die klassische Stufenhecklimousine auf den Markt.
Ab Herbst 1991 war die Top-Motorisierung mit einem 2,9-Liter-24V-Motor des Motorenherstellers Cosworth erhältlich. Dieser Motor mit 143 kW (195 PS) (1991–1994) bzw. 152 kW (207 PS) (1994–1998) war ausschließlich mit Automatikgetriebe erhältlich. Der Scorpio 24V war als komfortable Reiselimousine positioniert, daher tauchte der Name Cosworth in der Modellbezeichnung nicht auf.
Scorpio '92 Einführung Im März 1992 wurde der Scorpio mit einem Facelift versehen. Nun wurde er auch als Kombi – bei Ford traditionell Turnier genannt – angeboten. Auf den britischen Inseln behielt der Scorpio bis zum Modellwechsel im Herbst 1994 den Namen Granada, lediglich die Top-Version wurde unter der Bezeichnung Granada Scorpio verkauft.
Motoren ab 1985: 1,8-Liter-OHC-Vergasermotor ohne Katalysator (66 kW/90 PS); 2,0-Liter-OHC-Vergasermotor ohne Katalysator (77 kW/105 PS); 2,0-Liter-OHC-Einspritzmotor ohne Katalysator (85 kW/115 PS); 2,0-Liter-OHC-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (74 kW/101 PS); 2,8-Liter-V6-Einspritzmotor ohne Katalysator (110 kW/150 PS);
ab 1986: 2,5-Liter-PSA-Diesel (51 kW/69 PS)
ab 1987: 2,4-Liter-V6-Einspritzmotor ohne Katalysator (96 kW/130 PS); 2,4-Liter-V6-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (92 kW/125 PS); 2,9-Liter-V6-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (107 kW/145 PS); 2,9-Liter-V6-Einspritzmotor ohne Katalysator (110 kW/150 PS); 2,5-Liter-PSA-Turbo-Diesel (68 kW/92 PS)
ab 1989: 2,0-Liter-DOHC-Vergasermotor ohne Katalysator (80 kW/109 PS); 2,0-Liter-DOHC-Vergasermotor mit ungeregeltem Katalysator (77 kW/105 PS); 2,0-Liter-DOHC-Einspritzmotor ohne Katalysator (92 kW/125 PS); 2,0-Liter-DOHC-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (88 kW/120 PS)
ab 1991: 2,9i-24V-Cosworth-BOA-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (143 kW/195 PS)
ab 1992: 2,0-Liter-DOHC-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (85 kW/115 PS)
ab 1993: 2,5-Liter-VM-Turbodiesel (85 kW/115 PS)
Die Scorpio-Modelle mit Ottomotor sind ab Baujahr 1992 E10-verträglich. E-10 Kraftstoff
Ausstattungsvarianten (exemplarisch) CL – höhenverstellbares Lenkrad, ABS, Mittelarmlehne hinten, zwei von innen manuell einstellbare Außenspiegel (erst ab etwa 1987 wurde der CL-Ausstattungsumfang erweitert: nunmehr waren auch Servolenkung, Zentralverriegelung und höhenverstellbarer Fahrersitz serienmäßig, welche zuvor beim CL nur gegen Aufpreis erhältlich gewesen waren); GL – zusätzlich elektrische Fensterheber vorn, Drehzahlmesser, Mittelarmlehne vorn, getönte Scheiben, elektrisch einstellbare Außenspiegel, andere Radzierblenden; Ghia – zusätzlich elektrisch verstellbare Rücksitzlehnen, Kaschmir-Velours-Bezugsstoffe, zusätzliches Beleuchtungspaket, elektrische Fensterheber hinten, große Rammschutzleisten außen an den Türen, optional Radiosteuerung und Kopfhörerbuchsen hinten, graue Stoßstangen, Leichtmetallfelgen, Nebelscheinwerfer, Bordcomputer.
Zum Facelift 1992 wurde die Ausstattungsvariante CL zu CLX sowie der GL zum GLX umbenannt. Nur die Bezeichnung Ghia blieb. Saphir (1991–1992) – Basis ist der CL, jedoch serienmäßig verfeinert mit Holzoptik-Zierleiste im Armaturenbrett, speziellen Stoffbezügen, in Wagenfarbe lackierter Heckblende, Alufelgen und etwas Komfortausstattung wie elektrische Fensterheber vorn. Topas (1993–1994) – Basis ist der CLX. Hier wurden zusätzlich Außenspiegel, Seitenzierleisten und Türgriffe in Wagenfarbe lackiert. Dazu gab es spezielle Alufelgen und Stoffbezüge, dunkleres Holzdekor innen. Für mehr Komfort sorgen serienmäßig elektrische Fensterheber vorn und die vordere Mittelarmlehne.
Merkur Scorpio mini|Heckansicht Zeitweilig wurde der Scorpio unter der 1985 eigens für den Import europäischer Ford-Modelle geschaffenen Premium-Marke Merkur in den USA durch ausgewählte Händler der Lincoln-Mercury-Division vertrieben. Der Scorpio wurde (nach der Verfügbarkeit des 2,9i-V6-Motors mit einem geregelten Katalysator) in den Modelljahren 1988 und 1989 dort angeboten, allerdings wurde die Marke Merkur aufgrund von Akzeptanzproblemen (Schwierigkeit der Markenabgrenzung zur Marke Mercury) 1989 eingestellt. Neben dem Scorpio wurde auch der Sierra XR4 Ti mit einem 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbomotor angeboten, in dieser Version gebaut bei der Fa. Karmann in Rheine.
Ford Scorpio '85Ford Scorpio:1.82.02.0i2.0i 8V DOHC2.4i2.8i2.9i2.9i 24V2.5 D2.5 TD2.5 TDBaujahr:1985–19871985–19891989–19931989–19941986–19941985–19861986–19941991–19941986–19891988–19921993–1994 Motor: 4-Zylinder-Reihenmotor (Viertakt) 6-Zylinder-V-Motor (Viertakt; Zylinderwinkel 60°) 4-Zylinder-Reihenmotor (Viertakt) Hubraum: 1796 cm³ 1993 cm³ 1998 cm³ 2394 cm³ 2792 cm³ 2933 cm³ 2499 cm³ 2500 cm³ Bohrung × Hub: 86,2 × 77 mm90,8 × 77 mm86 × 86 mm 84 × 72 mm93 × 68,5 mm93 × 72 mm94 × 90 mm92 × 94 mm Leistung(PS)bei 1/min: 66 kW(90 PS)5400 74–77 kW(100–105 PS)5200 74–85 kW(100–115 PS)5100–5500 88 kW(120 PS)5500 92–96 kW(125–130 PS)5800 110 kW(150 PS)5800 107 kW(145 PS)5500 143 kW(195 PS)5750 51 kW(69 PS)4200 68 kW(92 PS)4200 85 kW(115 PS)4200 max. Drehmomentbei 1/min: 137 Nm3500 154 Nm4000 145–157 Nm4000 171 Nm2500 182–193 Nm3000 219 Nm3000 222–228 Nm3000 275 Nm4500 145 Nm2000 197 Nm2250 270 Nm2200 Gemischaufbereitung: ein Fallstrom-Registervergaser elektron. Einspritzung(Ford EEC) elektron. Einspritzung (Bosch L-/LE-Jetronic) elektron. Einspritzung(Bosch LH-Jetronic) Verteilereinspritzpumpe(TD: zusätzl. Garrett-Turbolader,85 kW: dito mit Ladeluftkühler) Ventilsteuerung: OHC, Zahnriemen DOHC, Steuerkette zentrale Nockenwelle, Kette DOHC, Duplexkette unterliegende Nockenwelle, Einfachkette, 93/94 obenliegende Nockenwelle, Zahnräder Kühlung: Wasserkühlung Getriebe: 5-Gang-Getriebe Typ 9 oder MT75optional (außer 1,8 und Dieselmodelle) Vierstufenautomatik (Ford A4LD); bei 2,9i 24V serienmäßig Radaufhängung vorn: MacPherson-Federbeine, Querlenker Radaufhängung hinten: Schräglenkerachse, Schraubenfedern Bremsen: Scheibenbremsen rundum (Ø vorne 260, hinten 253 mm), ABS Scheibenbremsen rundum (Ø vorne 278, hinten 273 mm), ABS Lenkung: Zahnstangenlenkung Karosserie: Stahlblech, selbsttragend Spurweite vorn/hinten: 1477/1476 mm 1489/1512 mm Radstand: 2761 mm Länge: 4630–4745 mm Leergewicht: 1200–1475 kg Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h 184–188 km/h175–193 km/h 188–192 km/h 186–195 km/h 205–210 km/h 200–208 km/h 225 km/h 158 km/h 170–173 km/h 192–195 km/h 0–100 km/h: 14 s 12–14,5 s 12–14 s 11,5–13,5 s 11–13 s 10–12 s 9,5–12 s 8,8–9,3 s 21 s 14–14,8 s 11,4–11,8 s Verbrauch (Liter/100 Kilometer): 11,0 S 12,0 S 12,0 S 11,0 S 13,0–14,0 S 13,0–14,0 S 14,0–15,0 N/S 15,0 S 9,0 D 9,5 D 7,1–7,3 D (Drittelmix)
Scorpio '95 (1994–1998) (GFR/GGR/GNR)
Im Oktober 1994 erfolgte eine umfassende Modellpflege am Scorpio. Das Design orientierte sich nun am US-amerikanischen Kundengeschmack, obwohl der Scorpio ausschließlich in Europa verkauft wurde und war heftig umstritten.
Mit der Überarbeitung entfiel die Schräghecklimousine, da sie sich zunehmend schlechter verkaufte, auch weil sie in der oberen Mittelklasse eher eine untypische Erscheinung darstellte. Somit beschränkte sich das Angebot an Karosserieversionen nur noch auf die Stufenhecklimousine und den Kombi.
Das Facelift war das erste vollständig am CAD/CAM-Rechner entwickelte Ford-Design.Auto, Motor, Sport, Artikel Youngtimer Ford Scorpio II: Ford zum Sonntag