Die Geschichte der hessischen Kleinstadt Hadamar reicht noch vor ihre urkundliche Ersterwähnung im Jahr 832 zurück (in Hatimero marca). Von besonderer Bedeutung war ihre Funktion als Residenz des kurzlebigen Fürstentums Nassau-Hadamar im 17. und frühen 18. Jahrhundert sowie als Standort der NS-Tötungsanstalt Hadamar.

Chronologie Vor- und Frühgeschichte links|mini|Ansicht von Hadamar um 1900 mini|Das Hadamarer Rathaus, erbaut 1639

Eines der ältesten Zeugnisse von der Besiedlung der Region Hadamar ist das der Wartbergkultur entstammende, also etwa 5000 Jahre alte Steinkistengrab im Stadtteil Niederzeuzheim. Ein weiteres Grab wurde in Oberzeuzheim gefunden, es wurde jedoch abgebaut und im Burggarten von Hachenburg wieder aufgebaut.

Früh- und Hochmittelalter Von den heutigen Stadtteilen wurden Ober- und Niederweyer 772 als erste urkundlich erwähnt; der Name der Stadt selbst als „Hatimer“ 832 in einer karolingischen Tauschurkunde. Die Endung -mar, die möglicherweise bereits auf eine vorgermanische Sprache zurückgeht, deutet auf eine sehr alte Siedlung hin, wobei unklar ist, ob die heutige Kernstadt oder der heutige Stadtteil Niederhadamar der erste Träger des Namens war. Eine oft kolportierte Herleitung aus dem Germanischen nach den Worten „hadu“ und „mar“, was so viel wie „umkämpfte Wasserstelle“ bedeuten soll, ist zumindest fraglich. Zur Unterscheidung von Niederhadamar wurde die heutige Kernstadt im Mittelalter auch „Ober-“ oder „Mönchhadamar“ genannt.

Die Siedlung gehörte im Frühmittelalter zum fränkischen Niederlahngau. Gerichtsort für die hohe Gerichtsbarkeit blieb auch über diese Phase hinaus Dietkirchen. Auch was die niedere Gerichtsbarkeit und das Verwaltungswesen betraf, gehörte Hadamar zunächst dem Zentgericht Dietkirchen an. Diese Verbindung hängt vermutlich mit der Bedeutung des späteren Lubentiusstifts in Dietkirchen für die Christianisierung der Region zusammen. Erst mit der Verleihung der Stadtrechte wurde Hadamar zum Hauptort einer eigenen Zent.

Hadamar gehörte wohl schon bei der Bildung der Grafschaft Diez im 11. Jahrhundert zu diesem Territorium. Wahrscheinlich trug der heutige Mönchberg eine Burg, die sich aber zusammen mit Teilen der Siedlung im Besitz des Hauses Leiningen befand. Neben ihr wurde spätestens 1190 die Ägidienkapelle errichtet. Unterhalb der Burg, aber immer noch hochwasserfrei auf dem Burgberg, befand sich rechts des Elbbachs der Kern der Siedlung. Vermutlich sollte die Siedlung zum Überwachen einer von Ost nach West verlaufenden Altstraße dienen, die aus Richtung Hundsangen kam, über eine Furt und später über die Steinerne Brücke den Elbbach überquerte und in Richtung Faulbach weiterlief. Darauf deutet die langgestreckte Form der alten Stadtgemarkung hin. Östlich des Orts verlief die Auln- oder Ulenstraße in Nord-Süd-Richtung, die bei Faulbach auf die Ost-West-Straße traf. Im Westen erstreckte sich ein Nord-Süd-Weg von Niederhadamar nach Niederzeuzheim und noch weiter westlich verlief die Straße zwischen Köln und Frankfurt durch Hundsangen (heute Bundesstraße 8).

Im Jahr 1190 errichteten die Zisterzienser des Rheingauer Klosters Eberbach in Hadamar einen Musterhof. Er befand sich links des Elbbachs, also gegenüber dem ursprünglichen Siedlungskern. Das Land, einen schon vorher vorhandenen Hof am Elbbach und zwei Mühlen, bekamen sie von einem Ritter des Hauses Dehrn geschenkt. In den folgenden Jahren erwarben die Zisterzienser von zahlreichen niederadligen Familien Ländereien im Umland. Unter anderem legten die Mönche auf Mönch- und Herzenberg Weinberge an. Ebenfalls um diese Zeit herum wurde die Turmburg auf dem Mönchberg aufgegeben und neben dem Klosterhof ein Festes Haus errichtet. Bereits im frühen 13. Jahrhundert begann eine scharfe Auseinandersetzung zwischen den Zisterziensern und mehreren Niederadligen der Region. Meist versuchten Nachfahren von Stiftern, Güter zurückzuerhalten, die dem Klosterhof gestiftet worden waren. Am 18. Dezember 1320 verkauften die Zisterzienser ihren Hof mit umfangreichen Ländereien und der Ägidienkirche, behielten aber Besitzungen, insbesondere in Niederhadamar, Faulbach und Niederzeuzheim.

Unter der älteren Linie Nassau-Hadamar mini|Südflügel des Schlosses

Käufer des Zisterzienserhofs war Graf Emich I. von Nassau-Hadamar. Er wandelte die Anlage in eine Wasserburg um. Im Jahr 1324 erhielt Emich vom späteren Kaiser Ludwig IV. die Frankfurter Stadtrechte für seine Residenz. Die Stadt bekam einen eigenen Gerichtsbezirk und ein Wappen, das zwei gekreuzte Gerichtsstäbe zeigte. Grund für diesen Erwerb war vermutlich die Tatsache, dass Emichs Tochter Jutta 1324 Graf Gerhard VI. von Diez heiratete. Im Verlauf der Eheverhandlungen hatte Emich umfangreiche Vormundschaftsrechte über die im Niedergang befindliche Grafschaft Diez zugesprochen bekommen. Zudem waren die Diezer erheblich bei den Nassauer Grafen verschuldet. Die Bildung des Herrschaftsschwerpunkts in Hadamar diente vermutlich der besseren Kontrolle von Emichs Interessen in der Grafschaft Diez und der fortgesetzten Übernahme von Ländereien und Herrschaftsrechten des Hauses Diez. Die gräflichen Rechte über Hadamar selbst übergaben die Diezer 1332 an Emich.

Zahlreiche niederadlige Familien siedelten sich als Burgmannen in der Stadt an. Größeren Grundbesitz in der Stadt hatten die Stroß von Schönborn, die Waldbot und die Sprikast von Waldmannshausen, die von Rheinberg, die von Nassau, die von Langenau, die von Hoenberg, die Waldbot von Pfaffendorf, die von Irmtraut und die vom Hof genannt Bell. Vertreten waren auch die Familien von Allendorf, von Brambach, von Bubenheim, von Dehrn, von Dernbach, von Diez, Klüppel von Elkerhausen, von Fetzberg, von Hohenstein, von Hunsbach, von Liebenstein, von Mudersbach, von Nesselrode und von Seelbach. Zudem gab es aus Hadamar stammende niederadlige Familien (siehe unten).

mini|Die Limburger Pforte der Stadtmauer, auch „Hammelburger Tor“ genannt

Vermutlich wurde kurz nach der Stadtrechtsverleihung eine Stadtmauer gebaut, die den neueren Teil der Stadt links des Elbbachs umschloss. Die Burg befand sich etwa im Zentrum der Mauer-Westflanke. An der nördlich davon gelegenen Elbbachbrücke befand sich der Brückentorturm. Ab diesem Punkt wandte sich die Mauer in einem Bogen nach Osten. Am Scheitelpunkt dieses Mauerbogens befand sich der Waldbotenturm. Kurz nach einem scharfen Knick nach Süden schloss sich das Obertor in der heutigen Brückengasse an. Weiter südlich folgte ein kurzer, nach Osten verlaufender Mauerabschnitt, in dessen Mitte sich das Siegener Tor befand, das um 1700 noch vorhanden war. Außen vor dem Tor befand sich der erste Hadamarer Marktplatz. Unmittelbar östlich des Siegener Tors folgte der 1817 abgerissene Hexenturm, der als Gefängnis diente und an dem die Mauer nach Süden abknickte und bis zum heute noch erhaltenen Limburger Tor verlief. Von dort führte die Mauer am Faulbach entlang bis zu dessen Mündung in den Elbbach, um von dort wieder auf die Burg zuzulaufen.

Das erste, heute nicht mehr erhaltene Rathaus befand sich zusammen mit dem Backhaus am Lindenplatz (heute Melanderplatz), unmittelbar am Brückenturm. Der Landesherr setzte einen Schultheiß ein, dem das Bürgertum ein sechs- bis siebenköpfiges Schöffenkollegium zur Seite wählte. Sie bildeten gemeinsam das Stadtgericht. Ab etwa 1600 wählten die Schöffen zwei Bürgermeister. Für 1430 ist ein Jahrmarkt in Hadamar verbürgt.

Streit um die Erbfolge Mit dem Tod von Emichs Enkel Emich III. starb die ältere Linie des Hauses Nassau-Hadamar 1394 aus. Da Emich III. schwachsinnig war, begannen bereits 1368 nach dem Tod seines älteren Bruders Heinrich Streitigkeiten um das zu erwartende Erbe. Hauptkontrahenten waren Ruprecht VII. von Nassau-Sonnenberg, der mit Emichs Schwester Anna verheiratet war, und Johann I. von Nassau-Dillenburg. In diesem Zusammenhang stand auch der Überfall des Sternerbunds, eines Ritterbündnisses, auf die Stadt Hadamar im Jahr 1372. Nachdem die Sterner bereits die Stadtmauern überwunden hatten, wurden sie von den Einwohnern der Stadt zurückgeschlagen. 1394 wurde schließlich ein Aufteilungsvertrag für die Grafschaft Hadamar zwischen Annas zweitem Mann Diether VIII. von Katzenelnbogen und den Dillenburgern geschlossen, der eine gemeinsame Herrschaft über die Stadt festschrieb. Es folgten noch einige Auseinandersetzungen um den hadamarischen Besitz, aber 1405 wurden sie mit einem zweiten Vertrag zwischen Katzenelnbogen und Dillenburg (1408 mit einem Schiedsspruch noch einmal abgeändert) beigelegt. Damit gehörte die Stadt zu zwei Dritteln Katzenelnbogen und zu einem Drittel Nassau-Dillenburg. 1450 einigten beide sich dann auf eine hälftige Teilung.

Als die Grafen von Katzenelnbogen 1479 ausstarben, kam es zum erneuten Streit um die Überbleibsel der alten Grafschaft Hadamar zwischen Nassau-Dillenburg und den Landgrafen von Hessen sowie dem Haus Eppstein. Erst 1557 kam es in Frankfurt am Main zu einer Einigung zwischen den Parteien. Die Stadt Hadamar wurde darin gänzlich Nassau-Dillenburg zugesprochen. Bis 1866 blieb die Stadt ungeteilt in nassauischem Besitz, wenn auch in wechselnden Linien des Hauses.

Stadtbrand und Hexenprozesse Am 14. Mai 1540 kam es zu einer verheerenden Brandkatastrophe. Bis auf drei Häuser an der Limburger Pforte brannte die gesamte Stadt ab. Auch die Burg wurde erheblich beschädigt. Drei Brandstifter wurden gefasst und zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Für 1547 sind 42 wieder aufgebaute Häuser und zehn Scheunen belegt. Für 1566 sind erstmals Auskünfte über die Bevölkerungsgröße überliefert: 54 hausbesitzende und steuerzahlende Bürger gab es. 1577 gab es den ersten Hexenprozess in Hadamar. In den späten 1580er Jahren erreichte die Welle der Hexenprozesse in Hadamar einen Höchststand. Die letzten „Hexen“ wurden 1699 in Hadamar enthauptet.

Unter der jüngeren Linie Nassau-Hadamar mini|hochkant|Fürst Johann Ludwig von Nassau-Hadamar mini|Ehemaliges Rathaus am Neumarkt, im Rahmen des Stadtumbaus nach dem großen Brand errichtet

Ein umfassender Stadtumbau folgte unter dem Grafen, später Fürsten, Johann Ludwig von Nassau-Hadamar (1590–1653), der die jüngere Linie des Hauses Nassau-Hadamar begründete. Im Rahmen der nassau-oranischen Brüderteilung erhielt er 1607 Burg und Stadt Hadamar sowie das zugehörige Amt Oberhadamar. Johann Ludwig ließ das alte Wasserschloss von 1612 bis 1629 zur Residenz und zum Renaissance-Schloss erweitern. Zudem kaufte er einen Großteil des Stadtgebiets um die Burg herum auf und ließ dort die barocke Neustadt schachbrettförmig mit drei großflächigen Marktplätzen und öffentlichen Brunnen anlegen. Fassungsgebiet dieser sowie der späteren Laufbrunnen war die Gemarkung „Bruchborn“ östlich der Stadt am Fuß des Galgenbergs. Von den vorherigen Straßen der Stadt blieben nur Brücken- und Schlossgasse sowie die Kirchgasse außerhalb der Stadtmauer bestehen. Zusätzlich zur alten steinernen Brücke über den Elbbach entstand südlich des Schlosses die Schlossbrücke mit steinernen Pfeilern und hölzerner Fahrbahn. Auch das alte Rathaus fiel dem Stadtumbau zum Opfer. 1693 war das neue Rat- und Zunfthaus fertiggestellt, das den Neumarkt nach Osten abschloss. An mehreren Stellen begann die Stadt über ihre alte Mauer hinauszuwachsen. So ließ Andreas von Meuser, gräflicher Sekretär und Landschultheiß der Dehrner Cent, 1639 einen repräsentativen Gebäudekomplex errichten, der den ehemaligen Marktplatz vor dem Siegener Tor in zwei Hälften teilte und heute als Hadamarer Rathaus dient. Der östliche Teil, heute noch „Alter Markt“ genannt, wurde komplett überbaut. Der westliche Teil blieb als „Untermarkt“ erhalten. Auch die heutige Borngasse, die ab 1648 bebaut wurde, befand sich außerhalb der alten Stadtmauer und war zuvor Gartenland gewesen. 1630 wurde dort zudem eine Quelle mit Heilwasser entdeckt.

mini|Allianzwappen von Fürst Johann Ludwig und Fürstin Ursula von Nassau-Hadamar am Portal des Schlosses