mini|hochkant|Viriathus-Statue bei Zamora, Spanien Viriathus (auch Viriatus; portugiesisch und spanisch Viriato; * um 180 v. Chr. in Lusitanien; † 139 v. Chr. wohl nahe dem Tajo) war ein bedeutender Anführer der Lusitaner im Kampf gegen die römische Eroberung Lusitaniens. Er führte von 147–139 v. Chr. im Westen der Iberischen Halbinsel einen meist erfolgreichen Unabhängigkeitskrieg (sog. Viriatischer Krieg) gegen die römischen Besatzer. 140 v. Chr. erreichte er nach einem deutlichen Sieg über Quintus Fabius Maximus Servilianus den Abschluss eines Friedensvertrags, in dem seine Gebietserwerbungen bestätigt wurden. Doch bereits im nächsten Jahr kassierten die Römer den Vertrag und der neue Befehlshaber Quintus Servilius Caepio bestach zu ihm entsandte lusitanische Unterhändler, die Viriathus ermordeten.

Etymologie Der Name Viriathus lässt sich aus verschiedenen Wurzeln herleiten.Armando Silva: O nome de Viriato. (PDF; 84 kB). Er besteht aus den Elementen Viri und Athus. Die Schreibweise folgt der des Cassius Dio.

Viri bedeutet: im indoeuropäischen Sprachraum *uiros Mann unter Hervorhebung von Kraft; in der keltischen Sprache *uiro- Mann; in älteren Formen viros, viri, viro, viron, in der altirischen Sprache firDouglas Hyde: The Glories of Ireland, Irish Language and Letters. in der keltiberischen Sprache *uei-, gewundene Armbänder, wie sie von Kriegern verwendet wurden. Viriathus wäre demnach gleichbedeutend mit der lateinischen Bezeichnung Torquatus für denjenigen, der den Torques/Wendelring als Zeichen für Tapferkeit trägt.Marco V. Garcia Quintela: Celtic Elements in Northwestern Spain in Pre-Roman times. In: e-Keltoi. Journal of Interdisciplinary Celtic Studies. Bd. 6, Article 10 (online). In der lateinischen Sprache *vir, zu deutsch Mann, Held

Die keltoiberische Elite nannte sich selbst uiros uerams zu deutsch der höchste Mann, in Latein summus vir.Leonard A. Curchin: The romanization of central Spain. Complexity, diversity, and change in a provincial Hinterland. Routledge, London u. a. 2004, ISBN 0-203-63371-7. Der Historiker Adolf Schulten nimmt an, dass der Name Viriathus aus der keltischen Sprache stammt.Henri Hubert: The greatness and decline of the Celts. (PDF; 110 kB).

Quellen Es liegen nur römische Quellen zu Viriathus vor, die dementsprechend die Sicht seiner Kriegsgegner spiegeln, nicht jedoch lusitanisch-iberische Überlieferung. Von den erhaltenen antiken Darstellungen ist jene des Kriegshistorikers Appian die wichtigste Quelle für das Leben des Viriathus.Appian, Iberike 60, 254 – 70, 300 und 74, 311 – 75, 321. Appian benutzte vor allem Polybios als Gewährsmann, doch wirft sein Bericht in Anordnung und Zuverlässigkeit zahlreiche Fragen auf. Des Weiteren sind einige Viriathus behandelnde Fragmente aus dem 33. Buch der Bibliothḗkē historikḗ des griechischen Geschichtsschreibers Diodor überliefert,Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 33, 1; 33, 33, 7; 33, 19; 33, 21a. die auf Poseidonios zurückgehen. Auch Poseidonios legte für seine Darstellung Polybios zugrunde, beschritt aber in Details der Geländebeschreibung aufgrund von Autopsie und der Erörterung von Schuldfragen aus politischer Konzeption andere Wege als sein Quellenautor.

Die maßgebliche spätere römische Darstellung war jene von Titus Livius, der Viriathus in den Büchern 52–54 seines Geschichtswerks Ab urbe condita behandelte. Von seinen Ausführungen blieben nur sehr stark verkürzte Inhaltsangaben dieser Bücher (sog. Periochae) erhalten, daneben vor allem die auf ihm fußenden Breviarien des Florus und Orosius. Durch die Anfang des 20. Jahrhunderts in Oxyrhynchus entdeckten Fragmente einer antiken Livius-Epitome auf einem Papyrus konnten punktuelle Fortschritte in der Rekonstruktion der Chronologie von Viriathus’ Feldzügen erzielt werden. Ferner existieren noch einige auf Viriathus bezügliche Fragmente aus dem Geschichtswerk des kaiserzeitlichen Historikers Cassius Dio.Cassius Dio, Römische Geschichte, Fragmente 73, 77, und 78. Durch die Beschreibung verschiedener Strategeme (Kriegslisten), die Viriathus im Kampf gegen die Römer anwandte, illustriert Sextus Iulius Frontinus die Feldherrnkunst des lusitanischen Anführers.

Leben Herkunft; frühes Leben Das Geburtsjahr des Viriathus kann nur annähernd geschätzt werden. Er wurde wohl etwa zwischen 190 und 170 v. Chr. geboren. Sein Geburtsort lag nach Schulten wahrscheinlich in den Bergen der Serra de Estrela zwischen Tajo und Duero.Adolf Schulten: Viriatus, in: Neue Jahrbücher 39 (1917), S. 209–237, hier: S. 215. In der neueren Forschung wird hingegen meistens angenommen, dass Viriathus im Süden Lusitaniens zur Welt kam.Javier Cabrero Piquero: Viriato, in: Diccionario biográfico español, Madrid 2009–2013, Online-Version. Über seine Eltern ist nichts bekannt. Laut dem antiken Geschichtsschreiber Cassius Dio soll er von niedriger Herkunft gewesen sein,Cassius Dio, Römische Geschichte, Fragment 73. doch kann es sich dabei auch nur um einen literarischen Topos handeln. Über seine Jugendjahre sind keine Informationen vorhanden. Die literarische Überlieferung gibt sodann an, dass Viriathus zunächst als Hirte und Jäger lebte. Danach soll er ein Räuber und Bandenführer geworden sein. Vielleicht wirkte er in dieser Eigenschaft bereits zu Beginn des Lusitanischen Kriegs 154–153 v. Chr. mit.Livius, Ab urbe condita, periocha 52; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 33, 1; Cassius Dio, Römische Geschichte, Fragment 73, 1; Orosius, Historiae adversus paganos 5, 4, 1; u. a.

Das raue Leben in den Gebirgsregionen Lusitaniens war prägend für Viriathus’ geistige und körperliche Entwicklung. Hierdurch erlangte er eine kräftige Körperstatur, große Schnelligkeit und Beweglichkeit sowie eine asketische Lebensweise. Auch war er abgehärtet gegen Hunger und Durst sowie Wetterextreme.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 33, 1, 1 f.; Cassius Dio, Römische Geschichte, Fragment 73, 1. Früh erlernte er das Legen von Hinterhalten und die Fähigkeit, sich aus schwierigen Situationen zu befreien. Auch wurde er mit der gebirgigen Topographie Lusitaniens bekannt, so dass er über viele Zufluchtsorte Bescheid wusste, was ihm bei seinen späteren Kämpfen zustattenkam. So besaß er alle Voraussetzungen zum erfolgreichen Guerilla-Krieg gegen die Römer, wie er ihn in späteren Jahren praktizierte.

Wohl zu jenem Zeitpunkt, als Viriathus als Bandenführer eine gewisse Bekanntheit erlangt hatte oder erst als er zu Anfang der Revolte seines Stamms gegen die Römer einer von deren Anführern geworden war, heiratete er eine Tochter des wohlhabenden, romfreundlich eingestellten Lusitaners Astolpas. Über diese Hochzeit ist nur der Bericht Diodors erhalten. Demzufolge stellte Astolpas anlässlich dieser Gelegenheit seinen Reichtum zur Schau, indem er bei der Bewirtung der Gäste die Mahlzeiten in silbernen und goldenen Schüsseln auftragen, ferner auch wertvolle Teppiche präsentieren ließ. Viriathus habe aber diese Reichtümer geringschätzig betrachtet, die prorömische Haltung seines Schwiegervaters verachtet und die zahlreich angebotenen Gerichte nicht angerührt, sondern mit seinem Gefolge nur etwas Fleisch und Brot verzehrt. Nach der Vollziehung der Opferhandlung gemäß iberischem Brauch sei er mit seiner Braut fortgeritten, habe aber Astolpas zuvor gefragt, warum dieser sich von seiner Schutzmacht Rom abgewendet und ihm, obwohl er relativ arm sei, angeschlossen habe.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 33, 7, 1-4.

Kampf gegen Rom Vorgeschichte Nach dem Zweiten Punischen Krieg hatten sich die Römer auf der iberischen Halbinsel festgesetzt, dort 197 v. Chr. zwei Provinzen an der Ost- und Südküste eingerichtet und diese Gegenden dem Römischen Reich einverleibt. Dagegen gab es von Anfang an Widerstand der dort lebenden Stämme, und bald kam es auch zu Kämpfen zwischen den Römern und den in Mittel-Spanien siedelnden Keltiberern sowie etwas später auch mit den im mittleren Westen der Iberischen Halbinsel wohnenden Lusitanern. Dieser sog. Keltiberische Krieg (195–179 v. Chr.) endete mit einem römischen Erfolg und der freilich noch sehr prekären Unterwerfung Keltiberiens. Wegen der zunehmenden Härte des römischen Regiments begannen 154 v. Chr. erneute langjährige kriegerische Feindseligkeiten, nämlich der bis 133 v. Chr. andauernde große Aufstand der Keltiberer und Lusitaner. Die Römer waren nun nicht mehr gewillt, durch Verhandlungen eine friedliche Beherrschung der Iberischen Halbinsel zu erzielen, sondern sie führten nun einen faktischen Vernichtungskrieg gegen die Keltiberer und Lusitaner. Wegen gleichzeitiger Kriege am Balkan sowie in Nordafrika gegen die Karthager (Dritter Punischer Krieg) konnten sie aber anfangs nur relativ geringe Streitkräfte – drei bis vier Legionen und bundesgenössische Kontingente – auf den iberischen Kriegsschauplatz schicken. Dabei erlitten die im Kampf mit den sich unter Ausnutzung der geographischen Natur des Landes der Guerilla-Taktik bedienenden Iberern häufig herbe Verluste. So zog sich der Krieg in die Länge.Klaus Bringmann: Geschichte der Römischen Republik, C. H Beck, München 2002, ISBN 3-406-49292-4, S. 199.

Erstmals quellenmäßig für ein zeitlich fixierbares Jahr bezeugt ist Viriathus 150 v. Chr. Damals griff der Proprätor Servius Sulpicius Galba, der die Provinz Hispania ulterior verwaltete, im Verbund mit dem Statthalter der Provinz Hispania citerior, Lucius Licinius Lucullus, die Lusitaner verheerend an. Bei anschließenden Verhandlungen täuschte Galba die Führer der Lusitaner, indem er ihnen gegen ihre Unterwerfung gutes Siedlungsland versprach, dann aber ihre auf seinen Befehl hin entwaffneten Krieger niedermetzeln ließ. Viriathus war einer der wenigen, die dieses Massaker überlebten.Appian, Iberike 59 f.; Livius, Ab urbe condita, periocha 49; Orosius, Historiae adversus paganos 4, 21, 10; u. a. Über seine Rolle in den nächsten Jahren ist nichts bekannt.

Erste erfolgreiche Kämpfe 147–146 v. Chr. 250px|mini|Karte von Viriathus’ Feldzügen auf der Iberischen Halbinsel