Die Schiffbauervereinigung Latte wurde 1878 von Schiffbaustudenten am Gewerbeinstitut Berlinhochhaus-schiffsbetrieb.jimdo.com gegründet. Sie vertritt auch heute noch an der TU-Berlin die Interessen der Schiffbaustudenten. 1904 wurde an der Technischen Hochschule in DanzigErnst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 129–130. eine Tochtervereinigung gegründet, die über Umwege heute als Heylige Frawe Latte an der Technischen Universität Hamburg beheimatet ist.Festausschuss der Latte (Hrsg.): Festschrift zum 50. Ordensfest der Schiffbauer Latte. Berlin 26. Februar 1928. Die Bezeichnung „Latte“ bezieht sich auf die Straklatte – das alltägliche Arbeitsmittel.

mini|Zirkel und Schriftzug der Latte Berlin (Quelle Latte) 200px|mini|Auszeichnung der Markgrafschaft Flensburg

Hintergrund der Gründung der Latte-Vereinigung Kaiser Wilhelm I. hatte am 2. Juni 1878 ein Attentat von Karl Eduard Nobiling schwer verletzt überlebt und kehrte nach fast sechs Monaten krankheitsbedingter Abwesenheit nach Berlin zurück. Diese Rückkehr wurde gefeiert und dazu waren auch die Vertreter sämtlicher deutscher Hochschulen eingeladen. An den zweitägigen Festlichkeiten nahmen Bürger der Reichshauptstadt und die Berliner Studentenschaft teil. Letztere bestand aus Studierenden der Friedrich-Wilhelms-Universität sowie der Bau-, Berg-, Gewerbe- und Kunstakademie. Sie feierten in einer bis dahin noch nie da gewesenen Einmütigkeit dieses Ereignis. Öffentliche Versammlungen, patriotische Kundgebungen und ein abendlicher Fackelzug mit 5.000 Fackeln Unter den Linden bildeten den Abschluss dieser Feierlichkeiten.

Die Begeisterung wollte sich nach dem Ende der Festtage bei den Studierenden des Schiffbaus der Königlichen Gewerbeakademie nicht legen. Daher zogen die Studenten zur Hasenheide, um in einem Raum der Unionsbrauerei noch einen allerletzten Kaisertag zu feiern. Die Feststimmung stieg, viele patriotische Reden wurden gehalten und Kommerslieder gesungen. Einer der Studenten hatte seine beste Straklatte aus dem Schiffbauersaal mitgenommen. Sie wurde zerbrochen und in feierlicher Handlung an die Anwesenden verteilt. Dies galt als Zeichen der Zusammengehörigkeit und später als Gründungsakt des Ordens der Schiffbauer Latte.

Latte-Vereinigung Im Laufe der Zeit wurden Regeln aufgestellt und es entstand eine Lattenlaufbahn vom Anwärter bis zum Ordensmeister. Ähnlich der Äquatortaufe bei der Seefahrt wurde zur Aufnahme in den Orden der Heyligen Frau Latte eine Taufe eingeführt. Erst nach empfangener Taufe war man ein vollwertiger Lattenjünger.

Organisation der Latte Jedes Jahr wurde das Ordenskapitel, so nannte sich das Leitungsgremium der Latte, neu gewählt. Es bestand aus dem Ordensmeister, dem Kanzler und dem Zeremonienmeister. Unter dieser Leitung sorgte die Latte nicht nur für geselligen Zusammenschluss,J. Beutel, J. Müller-Graf, B. Hochhaus, K.-H. Wessel J.: Die Schiffbauervereinigung Latte wird 130 Jahre. In: Hansa Nr. 11/2008. sondern sie erleichterte den studentischen Mitgliedern auch das Studium.

Die Besonderheit des Schiffbau-Studienganges waren die riesigen Schiffszeichnungen, die im Rahmen des Studiums maßstabsgerecht anzufertigen waren. Dafür standen den Studenten Arbeitssäle, die sogenannten Schiffbauersäle, mit großen Zeichentischen zum Erstellen der Zeichnungen zur Verfügung. Je nach der Zahl der Schiffbaustudenten waren es drei bis vier Räume, die jeweils von einem demokratisch gewählten „Saaldirektor“ organisiert wurden. Es waren ideale Rückzugsräume zwischen den Vorlesungen. Die Lattevereinigung hatte im Laufe der Zeit Materialien für das Studium und für die umfangreichen und zeitraubenden Erstellung der Zeichnungen beschafft, Planimeter, Integratoren, genau abgerichtete eiserne Lineale, spezielle Kurvenkasten, und außerdem wertvolle Fachbücher, die der Einzelne in der Regel nicht selbst beschaffen konnte. Die zur Beschaffung erforderlichen Geldmittel kamen aus den regelmäßigen Beiträgen, aus wiederholten Zuwendungen des Lehrkörpers, Spenden von Freunden und Ehemaligen der Latte, aber auch von Werften und seltener von Reedereien.

Erkennungskneipe und Ordensfest Die Höhepunkte des Lattenjahres waren die Erkennungskneipe, die Taufe und das Ordensfest. Nach der Taufe wurden die Anwärter zum Knappen ernannt und nach dem Vorexamen zum Ritter der Heiligen Frau geschlagen. Die höchste Ehre wurde den Lattenjüngern zuteil, wenn sie das Diplom erwarben und aus diesem Anlass zum Komtur erhoben wurden. Dann wurde den erfolgreichen Schiffbauingenieuren das ersehnte Komturkreuz verliehen. Aber es gab auch Anreiz-Orden für kleinere Verdienste im Rahmen der Lattegemeinschaft, zum Beispiel den Exkursionsorden, weil man sich an der Organisation einer Exkursion beteiligt hatte oder die Lattenbibliothek verwaltete.

Die im Herbst auf den Schiffbauer-Sälen auftauchenden Studienanfänger wurden von den Saaldirektoren auf die Arbeitssäle verteilt und in das „Saalleben“ integriert. Die Studienanfänger nahmen in der Regel an der Erkennungskneipe teil, eine gemeinsame von den Studenten organisierte Veranstaltung, an der die Mitarbeiter und Studenten der Schiffstechnik teilnahmen. Hier sah der neue Student erstmals den schiffbaulichen „Lehr-, Ober- und Unterkörper“, d. h. die Assistenten, die Tutoren und die Professoren in voller Größe.

Ordensfest Das jährliche Ordensfest mit Musik und Gesang fand abwechselnd auf einem der Säle statt, die dafür umgeräumt und maritim geschmückt wurden. Es wurde die aktuelle Ordenszeitung verteilt, in der die Nieder- und Höhepunkte des Jahres, aber auch die Exkursionen beschrieben waren. Auch wenn sich die Abläufe im Laufe der Zeit geändert haben, so wurde auf jeden Fall herzhaft gegessen, früher Eisbein oder Labskaus als zünftiges Seemannsessen, um eine gute Grundlage zu haben. Heute häufig Schmalzbrot oder Gulaschsuppe. Die Bedienung erfolgte durch die Backschafter, in der Regel Erstsemester und das Ordenskapitel saß auf einer Art Bühne. Sehr wichtig war die ehrenvolle Begrüßung der Honoratioren, das waren die Professoren, ehemalige Ordensmeister und offizielle Gäste von Werften, Zulieferindustrie, Reedereien und Klassifikationsgesellschaften, die diese Veranstaltung gerne besuchten. Sie waren häufig selbst Lattenbrüder, die ihre Professoren und viele alte Freunde herzlich begrüßten, aber auch neue Kontakte knüpften. Sie gewannen hier unter den Studenten nicht selten Praktikanten, Studien- und Diplomarbeiter und häufig auch den zukünftigen Nachwuchs. Auch die Abordnungen der Schiffbaustudenten aus Hannover, Aachen und den Markgrafschaften aus Flensburg, Bremen, Kiel, Emden, Wilhelmshaven, Lübeck und anderen wurden offiziell begrüßt.

Dazu wurden Reden gehalten, Urkunden verlesen und Gastgeschenke überreicht. Letztere konnten sowohl wertvolle Bücher, Schiffsmodelle als auch Ulkgegenstände sein, die mit viel Würde und großer Geste überreicht wurden. Der gastgebende Ordensmeister bedankte sich entsprechend, die Ordonnanz reichte den obligatorischen Begrüßungstrank und das Lattenvolk drückte lautstark seine Zustimmung oder auch das Gegenteil aus. Zwischendurch wurden immer wieder auf das Wohl der Heyligen Frau Latte getrunken und Lieder gesungen. Dazu lagen auf den Tischen die Liederbücher der Latte bereit. Die anschließende Verteilung der neu erworbenen Titel und Orden war ein weiterer Höhepunkt.

50. Ordensfest Auch die kulturelle Seite kam nicht zu kurz, so verfügte die Latte über eine sogenannte Geschwaderkapelle und einen Geschwaderchor. Zum 50. Ordensfest führten sie und die Theatergruppe der Latte im Renaissance-Theater Charlottenburg ein aufwendiges Theaterstück auf.Reinhard Rürup (Hrsg.): Wissenschaft und Gesellschaft, Beiträge zur Geschichte der Technischen Universität Berlin 1879–1979. Springer, Berlin 1979. Die musikalische Leitung hatte Hermann Woermann aus dem Haus C. Woermann.

mini|Die Theatergruppe der Latte führte im Renaissance-Theater Berlin zum 50. Geburtstag der Latte ein aufwendiges Theaterstück auf, hier das 2. von 6 Bildern (Quelle Latte).

mini|Alleruntertänigster Gruß und Glückwunsch von der Churmarkgrafschaft Bremen (Quelle Latte) mini|Diese Orden wurden zum achtzigsten Ordensfest kreiert (Quelle Latte)

Eine Taufe um 1950 Am Ende des Sommersemesters fand die als „Lattenspritze“ bezeichnete Taufe statt, dies war eine Art Sommer- und Sportfest für die Studenten und den Lehrkörper der Schiffstechnik mit lustiger Prüfung und anschließender Taufe der Studienanfänger. Hierzu mietete die Latte ein etwa 100 bis 120 Personen fassendes Fahrgastschiff, das nahe der TU am Charlottenburg Anleger wartete. Die zu Backschaftern auserkorenen Prüflingsanwärter und Knappen hatten aus der TU-Mensa geliehene große Alutöpfe, Bestecke, die Biergläser der Latte, ca. 120 Portionen Kartoffelsalat und 120 Paar Wiener Würstchen mitgebracht. 5 Fass Bier zu je 50 Liter mit CO₂-Zapfgeräten wurden von den bereits erfahrenen und trinkfesten Lattenbrüdern beschafft und an Bord des Fahrgastschiffs transportiert. Eine weitere Gruppe von Lattenbrüdern war für die Sportgeräte in Form von Bällen, Tampen für das Tauziehen und Säcken zuständig.

An das Fahrgastschiff wurde ein hölzernes Beiboot des Akademischen Seglervereins angehängt. Auf dem Schiff fand jeder Student seine Saalbrüder wieder und angefüllt mit Reden des Ordenskapitels und des Lehroberkörpers ging es auf dem Wasserweg bis zum Wannsee und hier etwa bis zum Kaiser-Wilhelm Turm, dem heutigen Grunewaldturm.

Vor dem Aussteigen oder Anlanden am Ufer waren an Bord bereits mehrere Runden Bier geflossen. Im Ufersand der Havel fanden zunächst das Sportfest statt bestehend aus den Wettkämpfen der Professoren und Assistenten sowie das Tauziehen gegen die Assistenten statt. Anschließend folgten die Wettkämpfe der Assistenten untereinander und auch der Studenten. Diese Vorführungen wurden kritisch von den im Sportdress herumstehenden Lattenbrüdern kommentiert.

Am Ende der Sportkämpfe näherte sich von Mitte Fahrwasser kommend das Beiboot mit Neptun, Thetis und den Schergen. Sie waren von weitem an dem langen Dreizack zu erkennen. Neptun, Thetis und etwa 10 Schergen hatten sich etwa 30 Minuten vorher mit ihren Requisiten und dem während der Fahrt streng bewachten Trank der Weisheit zu einem ca. 100 Meter entfernten Uferstreifen begeben, um sich dort ungestört umziehen zu können. Während einige Schergen Neptun und sein Gefolge über das Wasser ruderten, hatten die anderen Schergen die neuen Studente -die Prüflinge im Badezeug- vom Zuchtmeister und Notzuchtmeister übernommen, sie parallel zum Ufer mit dem Gesicht zu den Zuschauern aufgestellt und malten sie mit Quast und Pinsel an.

Sobald Neptun im flachen Wasser mit seinem Beiboot festsaß, wurde er vom Ordenskapitel mit Kanonendonner begrüßt. Nach einem Bier und einer Begrüßungsrede durch seine Herrlichkeit, dem Ordensmeister, erfolgte die Gegenrede Neptuns über seine Reise zu den schmutzigen Gewässern Berlins und über seine Tätigkeit. Neptun schritt dann zur Tat und beginnt bei den älteren Prüflingen mit der Tauffrage. Bei diesem Akt standen dem Täufling drei Schergen hilfreich zur Seite. Nach dem Trank der Weisheit musste der Prüfling Thetis die Füße küssen. Anschließend wurde der Täufling mit viel Wasser vom Erdenschmutz gereinigt, von zwei Schergen untergetaucht, die sich hierfür entsprechende Taufsprüche ausgedacht hatten.

Nach dem Taufzeremoniell fand das reichlich mit Bier gewürzte Mittagessen bestehend aus Kartoffelsalat, Senf, sauren Gurken und heißen Würstchen statt. Manchmal gab es auch Bouletten. Nachmittags wurden die am Vormittag nicht durchgeführten Sportwettkämpfe beendet und anschließend brachte das Motorschiff die Taufgesellschaft zurück zum Charlottenburg Anleger. Die Lattenspritze endete meistens hier an der Anlegestelle. Auf dem nächsten Ordensfest im Herbst wurden die Prüflinge durch den Zeremonienmeister zum Knappen befördert.

„Tochter“ oder „Enkelin“ der Berliner Latte Heylige Frawe Latte in Harburg?