mini|Mike Espy (2012) Alphonso Michael „Mike“ Espy (* 30. November 1953 in Yazoo City, Mississippi) ist ein amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei. Zwischen 1987 und 1993 vertrat er den zweiten Kongresswahlbezirk des Bundesstaats Mississippi im US-Repräsentantenhaus, von 1993 bis 1994 war er Landwirtschaftsminister unter Präsident Bill Clinton. Espy bewarb sich 2018 um einen Sitz im Senat der Vereinigten Staaten und trat 2020 wieder für denselben Sitz an. Mit seiner Wahl 1986 war Espy der erste Afroamerikaner im Kongress aus Mississippi seit der Zeit der Reconstruction.

Familie, Ausbildung und Beruf Mike Espy und seine Zwillingsschwester waren die jüngsten von sieben Kindern von Henry und Willie Jean Huddelston Espy. Sein Bruder Henry war bis 2013 Bürgermeister von Clarksdale (Mississippi). Sie wuchsen in der verarmten ländlichen Region Mississippi Delta in relativem Wohlstand auf. Beide Eltern hatten das Tuskegee Institute besucht, der Vater war in den 1930er Jahren Regionalagent des US-Landwirtschaftsministeriums und arbeitete später im Bestattungsunternehmen seines Schwiegervaters T. J. Huddleston, der einer der wohlhabendsten und bekanntesten Afroamerikaner in den Südstaaten war. Mike Espy besuchte ab 1969 die gerade desegregierte High School in Yazoo City als erster Afroamerikaner. Er studierte an der Howard University in Washington, D.C. und schloss diese 1975 mit dem Bachelorgrad in Politikwissenschaft ab. Danach studierte er an der Santa Clara University in Kalifornien Jura und erhielt dort 1978 den Juris Doctor. Er kehrte nach Mississippi zurück und war zwischen 1978 und 1980 Anwalt bei der juristischen Dienstleistungsbehörde Central Mississippi Legal Services angestellt. Von 1980 bis 1984 arbeitete er als stellvertretender Secretary of State für die Behörde zur Verwaltung des öffentlichen Landes (Public Lands Division), von 1984 bis 1985 war er stellvertretender Attorney General Mississippis für Verbraucherschutz.Espy, Alphonso Michael (Mike). In: History.House.govBunthay Cheam: Espy, Mike (1953– ). In: Black Past.

Der Baptist Espy ist geschieden von Sheila Bell, mit der er zwei Kinder hat. Sein Sohn Michael ist Footballspieler. Espy lebt heute im Madison County.Bobby Harrison: Mike Espy, 32 years after historic victory and fall, hopes to rise to moment again. In: Mississippi Today, 29. Oktober 2018.

Politische Laufbahn Bei der Democratic National Convention 1984 saß Espy im Geschäftsordnungsausschuss.

Kongressmitglied 1987–1993 Bei der Wahl 1986 wurde Espy im zweiten Kongresswahlbezirk Mississippis in das US-Repräsentantenhaus in Washington gewählt.Carla Hall: Espy’s Mississippi Milestone. In: The Washington Post, 19. Dezember 1986. Dort löste er am 3. Januar 1987 den Republikaner Webb Franklin ab, den er mit 52 zu 48 Prozent der Stimmen geschlagen hatte. Er war der erste Afroamerikaner im Kongress aus Mississippi seit John R. Lynch zur Zeit der Reconstruction sowie der einzige Afroamerikaner, der ein ländliches Gebiet vertrat. Der seit dem Neuzuschnitt der Wahlkreise infolge des United States Census 1980 mehrheitlich afroamerikanische zweite Kongresswahlbezirk Mississippis umfasste vor allem die Mississippi-Delta-Region im Westen des Bundesstaates mit den Städten Vicksburg und Greenville. Der Bezirk wurde 1986 unter Aufsicht des US-Justizministeriums geographisch nochmals verändert, um mit eindeutiger afroamerikanischer demographischer Mehrheit dem Voting Rights Act zu genügen. Es handelte sich damals um den ärmsten Kongresswahlbezirk der USA mit 42 Prozent der Einwohner unter der Armutsgrenze und einer Arbeitslosigkeit, die in fünf Countys zwanzig Prozent überschritt. Espy gewann anders als der afroamerikanische Kandidat Robert G. Clark 1982 und 1984 einen signifikanten Anteil der Weißen als Wähler und mobilisierte durch einen Haustürwahlkampf.Chris Danielson: Robert G. Clark. In: The Mississippi Encyclopedia

Espy gewann die drei folgenden Wahlen mit mindestens 67 Prozent der Stimmen und blieb bis zu seinem Rücktritt am 22. Januar 1993 im Kongress. Dort galt er als progressiver und innovativer Politiker und war unter anderem Mitglied in den Ausschüssen für Landwirtschaft, Haushalt, Ressourcen und mehreren Unterausschüssen. In seiner ersten Mandatsperiode spielte er eine entscheidende Rolle bei der Schaffung der Lower Mississippi Delta Commission, die sich der regionalen Armutsbekämpfung widmete. Espy wurde Vorsitzender des Lower Mississippi Delta Caucus von Kongressabgeordneten aus sieben Bundesstaaten und förderte die ökonomische Entwicklung des ländlichen Gebiets. So setzte er sich für die Welszucht seines Bundesstaates ein, unter anderem, indem er die US Army zu deren Ankauf verpflichtete und zwei Verarbeitungsfabriken in seinem Wahlbezirk fördern ließ. Er stand oftmals in Opposition zum Congressional Black Caucus, etwa, als er in einem Werbespot des Waffenlobbyisten National Rifle Association auftrat oder mit dem damaligen Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, das zentristische Democratic Leadership Council entwickelte, das von den früheren Sozialstaatsideen der Demokraten (New Deal, Great Society) Abstand nahm und entideologisierte, wirtschaftsfreundliche Politik propagierte.Craig S. Piper: Espy, Mike. In: Ted Ownby, Charles Reagan Wilson (Hrsg.): The Mississippi Encyclopedia. University Press of Mississippi, Jackson, MS 2017, S. 396 f., hier S. 397 1990 stimmte er für die von Präsident Bush eingebrachte Steuererhöhung zur Senkung des Haushaltsdefizits.

Landwirtschaftsminister 1993–1994 mini|Mike Espy, Porträtbild als Landwirtschaftsminister (1993) mini|Espy und Bill Clinton im Oval Office (1993) Nach dem Amtsantritt des 1992 gewählten Präsidenten Bill Clinton berief dieser Espy zum Landwirtschaftsminister, dem ersten Afroamerikaner und ersten Einwohner Mississippis auf diesem Posten. Er folgte Edward Rell Madigan nach, der unter George Bush auf dieser Position gedient hatte, und war einer von vier Ministern der Bundesregierung überhaupt, die aus Mississippi stammen. Espy legte sein Mandat im Kongress nieder und leitete eine grundlegende Reform des viertgrößten Ministeriums ein, das vor großen Herausforderungen stand, da die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe überall in den Vereinigten Staaten abnahm und das seit den 1930er Jahren bestehende bürokratische System des Ministeriums als archaisch galt. Er reduzierte die Mitarbeiterzahl um 7000, verbesserte Schlachtinspektionen nach dem Fund von E. coli-Bakterien in Hamburgerfleisch und organisierte die Hilfe für Landwirte nach der Flutkatastrophe am Mississippi River 1993. Drei Monate nachdem Sonderermittler Donald Smaltz Ermittlungen gegen Espy wegen Korruptionsverdacht aufgenommen hatte, trat er zum 31. Dezember 1994 aus dem Kabinett Clinton zurück. Sein Nachfolger im Landwirtschaftsministerium wurde Dan Glickman.

Korruptionsanklage und weiteres Engagement Ab 1994 war Espy in der politischen Öffentlichkeit kaum noch präsent. Im Jahr 1997 klagte Sonderermittler Smaltz Espy in 30 Punkten unter anderem wegen Vorteilsannahme an. Der aufwändig vorbereitete Prozess kostete über 20 Millionen Dollar. Eine Grand Jury sprach Espy im August 1997 in allen Punkten schuldig.Former Agriculture Secretary Espy Indicted. In: CNN.com, 27. August 1997. Tyson Foods hatte eingeräumt, ihm „Geschenke“ im Wert von 12.000 Dollar gemacht zu haben. Die Firma wurde dafür mit einer Strafe in Höhe von sechs Millionen Dollar und den Verfahrenskosten belegt. Auch die Sun-Diamond Growers of California gaben zweifelhafte Zuwendungen an Espy zu und mussten dafür Strafe zahlen. In Espys Fall befand das Gericht, dass die erhaltenen Zuwendungen nichts mit dessen dienstlichen Entscheidungen zu tun gehabt hatten, und sprach ihn daher am 2. Dezember 1998 frei. Der Supreme Court entschied im April 1999, dass für die Annahme von Bestechung ein quid pro quo vorliegen müsse, was hier nicht erkennbar sei, weshalb die Strafzahlungen aufgehoben wurden. Ein Manager von Tyson Foods wurde am 22. Dezember 2000 im noch laufenden Verfahren von Präsident Clinton begnadigt.Craig S. Piper: Espy, Mike. In: Ted Ownby, Charles Reagan Wilson (Hrsg.): The Mississippi Encyclopedia. University Press of Mississippi, Jackson, MS 2017, onlineSiehe John D. Copeland: The Tyson Story: An Update. In: Drake Journal of Agricultural Law. Band 6, 2001, S. 257–259 (PDF); United States v. Espy, 989 F. Supp. 17 (D.D.C. 1997); Final Report of the Independent Counsel. In Re: Alphonso Michael (Mike) Espy; United States v. Sun-Diamond Growers of California. In: Oyez.

Nach der Politik kehrte Espy in die Privatwirtschaft zurück und arbeitet als Rechtsanwalt und Berater in einer eigenen Kanzlei. Er ist Direktor der internationalen Non-Profit-Organisation Cultivating New Frontiers in Agriculture, die sich dafür einsetzt, den wachsenden Bedarf an Nahrungsmitteln sicherzustellen.About Mike Espy. In: MikeEspy.com; A. Michael Espy: Director. In: CNFA.org. Im Jahr 1999 beriet Espy das Energieministerium in unbezahlter Teilzeit. Er tritt regelmäßig als Gastkommentator im nationalen Fernsehen auf und gilt dank seiner guten Verbindungen in seinem Heimatbundesstaat weiterhin als einer der einflussreichsten Politiker. Für Aufsehen sorgte er im Jahr 2007, als er bei der Gouverneurswahl Mississippis den republikanischen Amtsinhaber Haley Barbour in dessen Wiederwahlkampagne unterstützte.Sam R. Hall, Geoff Pender: How Thad Cochran’s retirement impacts Mississippi midterm elections, political landscape. In: USA Today, 5. März 2018. Mehrfach deutete Espy an, nochmals für eine politische Position zur Verfügung zu stehen.

Senatskandidatur 2018 und 2020 Nachdem der langjährige republikanische Mandatsinhaber Thad Cochran angekündigt hatte, sich zum 1. April 2018 aus dem Senat der Vereinigten Staaten zurückzuziehen, gab Espy seinerseits am 5. März 2018 den „starken Willen“ bekannt, sich um den freiwerdenden Senatssitz für den Bundesstaat Mississippi zu bewerben.Geoff Pender: Mike Espy announces run for Thad Cochran Senate seat. In: Clarion Ledger, 5. März 2018. Auf republikanischer Seite gab der bisherige Bundesstaatssenator Chris McDaniel bekannt, sich statt in der Vorwahl gegen den ebenfalls im November 2018 zur Wiederwahl kandidierenden Senator Roger Wicker ebenfalls für die Nachfolge Cochrans zu bewerben. McDaniel gilt als Rechtsaußen-Politiker der Tea-Party-Bewegung.Geoff Pander: Gov. Phil Bryant slams Chris McDaniel for switch to Cochran race. In: Clarion Ledger, 14. März 2018.