mini|hochkant=1.3|Ehemalige Wohngebiete beim ersten Kontakt mit Europäern Als Lenni Lenape, im Deutschen auch Delawaren (kurz Lenape oder Delaware), werden sprachlich und kulturell eng verwandte Indianer bezeichnet, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Flusstäler und angrenzende Gebiete entlang des Delaware River und des mittleren und unteren Hudson River bis zur Atlantikküste im heutigen Nordosten der Vereinigten Staaten bewohnten. Kulturell zählten sie zu den Stämmen des Nordöstlichen Waldlands.
Von den weißen Einwanderern nach Westen gedrängt, lebten sie ständig an der Siedlungsgrenze, der so genannten Frontier, und waren damit im Zentrum des Geschehens: den Kriegen zwischen den Kolonialmächten England und Frankreich und später zwischen den US-Amerikanern und Indianern, die ungezählte Opfer auf beiden Seiten forderten. 2005 lebten etwa 13.500 Nachkommen der Lenni Lenape verstreut in über sieben Staaten der USA und einer Provinz in Kanada.
Sprache Der Volksstamm der Lenni Lenape sprach zwei eng verwandte, als Delawarisch oder Lenape (Lixsëwakàn, Lunaapeew, Lënape) bezeichnete, Östliche Algonkin-Sprachen: das Unami (Lënape, Lënapei èlixsuwakàn) (mit drei Dialektvarianten) sowie das Munsee (Lunaapeew, Huluníixsuwaakan) (das offenbar eng mit der Sprache der nördlich lebenden Mahican verwandt war). Einst wurde angenommen, dass die ursprünglich vier regionalen Hauptgruppen der Lenni Lenape – die Unalimi („Volk flussaufwärts“, auch „nördliche Unami“, im Gebiet von Trenton, Hauptstadt von New Jersey) und Unami („Volk flussabwärts“, auch „südliche Unami“, im Gebiet von Philadelphia, Pennsylvania) in der Mitte, die Unalachtigo („Volk, das nahe dem Ozean lebt“ – auf Grund der Nähe zur Delaware Bay im südlichen New Jersey) im Süden sowie die Munsee („Volk des steinigen (bergigen) Landes“, nördlich des Delaware Water Gap) im Norden – nur zwei Dialekte einer gemeinsamen Sprache gesprochen hätten. Da sich diese aber trotz ihrer Ähnlichkeit in ihrer Syntax, Phonologie und im Wortschatz deutlich unterscheiden und Sprecher beider Dialekte diese untereinander als schwer oder nicht verständlich empfinden, werden sie in jüngerer Zeit als eigene Sprachen behandelt.
Das Delaware-Pidgin wurde von Unami-Sprechern bewusst zur Kommunikation mit europäischen Siedlern (Niederländern, Schweden und später Engländern) entwickelt. Bei dieser Pidgin-Sprache handelt es sich um eine gelernte Sprache; dies zeigt sich auch darin, dass es als Verkehrssprache von verwandten Munsee-Sprechern ebenfalls benutzt und übernommen wurde. Im Englischen wurde es daher auch als Trader’s Jargon (Jargon / Slang der Händler) bezeichnet.
Die meisten Lenni Lenape sprechen heute Englisch als Muttersprache. Nur wenige ältere Leute beherrschen noch Varianten der delawarischen Sprachen (oder Sprache), die bereits seit Längerem als stark gefährdete Sprache gilt. Ende des 20. Jahrhunderts wurde versucht, die aussterbende Sprache wiederzubeleben oder wenigstens zu dokumentieren. So gab es auch von Zeit zu Zeit Versuche, einen Schulunterricht für Kinder in der Munsee-Sprache ins Leben zu rufen.
Name Ihr Eigenname ist Lenape / Lënape („wahrer, wirklicher Mensch“) oder Lënapeyok („wahre, wirkliche Menschen“), später Lëni Lënape (in Unami) bzw. Lunaapeew (in Munsee), in Unami ist auch manchmal einfach Lënuwàk („mehrere Personen“) gebräuchlich. Um sich von den weiter im Landesinnern lebenden Algonkin-Völkern im Westen abzugrenzen, nannten sie sich auch Woapanachke („Leute, des Sonnenaufgangs“ oder „Leute, die im Osten leben“), eine Wortgleichung mit Wôbanakiak oder Wâbŭna'ki, der Eigenbezeichnung der Abenaki, Mitglied der mächtigen Wabanaki-Konföderation.
Weitere belegte historische Varianten der Unami-Bezeichnungen sind: Renóáppi , Lennappe und Lenóáúpaa für „Lenape / Lënape“ sowie Lennappewak , Lennappejook und Lenaupóáóáyuk für „Lënapeyok“.
Die Engländer übernahmen die indigene Bezeichnung als Lenape, während Lenni Lenape erst Ende des 18. Jahrhunderts gebräuchlich wurde und Wahres Volk heißen könnte.
Die Schweden gebrauchten den Ausdruck Lenappi (jedoch meist für die Unami-Sprecher), während die Munsee (zusammen mit Mahican und Wappinger), die ebenfalls entlang des Hudson River lebten, bei den Niederländern und Engländern oftmals einfach als „River Indians“ bezeichnet wurden. Die indianischen Verbündeten der Franzosen bezeichneten sowohl die Mahican als auch die Munsee als „das Wolfs-Volk“; da unter beiden Völkern das Clan-Totem Wolf dominierte, bezeichneten die Franzosen diese in ihrer Sprache ebenfalls als Loups („Wölfe“). Das Zeichen für die Lenni Lenape in der Zeichensprache der Prärie-Indianer war eine abwärts streichende Bewegung der flachen Hand mit geschlossenen Fingern am Hinterkopf. Dieses Zeichen wies auf das Band hin, das die Lenape-Frauen als Haarschmuck trugen.
Der Name Delaware stammt vom Delaware River, der nach Sir Thomas West, 3. Baron De La Warr, dem zweiten Gouverneur von Virginia, benannt wurde. Die Engländer in Maryland benutzten am Ende des 17. Jahrhunderts die Bezeichnungen Delaware Bay Indians und Delaware Indians, obwohl dieser Name in Pennsylvania erst gebräuchlich wurde, als diese Indianer schon vom Delaware fort nach Westen gezogen waren. Für viele Algonkin sind die Lenape die „Großväter“, eine Bezeichnung voller Respekt, die vom Glauben ausgeht, die Lenape seien der Ursprung aller Algonkin sprechenden Völker. Diese Überzeugung gab den Lenape die Autorität, bei Streitigkeiten zwischen rivalisierenden Stämmen zu vermitteln.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Band 15: Northeast. Kapitel: Delaware, S. 213.
Ursprüngliche Stammesgebiete Einer gemeinsamen Überlieferung zufolge teilen die meisten Algonkin die Überzeugung, dass die Lenni Lenape (Unalimi, Unami, Unalachtigo und Munsee), Nanticoke (Unami: Wenètkok, Munsee: Unechtgo / Unalachtgo, beides „Volk, das nahe dem Ozean lebt“; oft auch als Südliche Delaware bezeichnet), Powhatan (Eigenbezeichnung: Renape) und Shawnee (Shawnuwàk – „die Südlichen“) einst ein einziger Stamm waren und im traditionellen Gebiet der Lenape lebten. Diese Theorie wird sowohl durch linguistische Merkmale als auch durch Migrationsmuster gestützt (allerdings ist dies nur für die Nanticoke gesichert – die Shawnee werden oft als fünfter Stamm der Gruppe der Meskwaki (Fox-Sauk)-sprachigen Völker zugerechnet).
Das seit mehreren Jahrtausenden von den Lenni Lenape bewohnte Siedlungsgebiet Lënapehòkink („Land der Lenape“) umfasste zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein waldreiches, durch Mittelgebirge, Hügellandschaften und Flusstäler geprägtes Gebiet, das sich von der Atlantikküste im Westen Connecticuts entlang des Delaware River (Lena'pe Sipu / Lënapei Sipu – „Fluss der Lenape“) und des mittleren und unteren Hudson River (in Munsee und Mahican: Muhheakantuck/Muhheahkunnuk/Mohicanichtuck – „Wasser, das immer fließt“, in Unami: Shatemuc; beides wörtlich: „Fluss, der in beide Richtungen fließt“)abgeleitet von: shëwanpi - „Salzwasser, Ozean, Meer“, da der Unterlauf des Hudson dem Einfluss der Gezeiten unterworfen ist. Der Tidenhub macht sich noch über 225 Kilometer flussaufwärts, bis zum Wehr in Troy, nördlich von Albany, bemerkbar. Dieser Abschnitt wird als Estuary (dt.: Ästuar) bezeichnet. westwärts ins Landesinnere bis in den Norden des heutigen Bundesstaat Delaware erstreckte. Zudem bewohnten sie den gesamten späteren US-Bundesstaat New Jersey, Upstate New York, das westliche Ende von Long Island, die Inseln Staten Island und Manhattan sowie Gebiete im Osten von Pennsylvania.
Neben dem heutigen New York City befinden sich weitere urbane Zentren auf ehemaligen Stammesgebiet: Newark, Atlantic City, Trenton, Princeton, Philadelphia und Wilmington (um nur die größten und bekanntesten zu nennen).
Regionale Dialekt- und Hauptgruppen Ursprünglich unterschied man vier regionale Hauptgruppen mit zwei delawarische Sprachen – Munsee und Unami, wobei sich das Unami nochmals in drei regionale Dialektvarianten unterteilte: das Munsee unterschied sich etwas stärker von den beiden (vormals drei) Unami-Dialektvarianten und war offenbar eng mit dem Mahican verwandt. Die Munsee (auch: Muncie, Munsiiw, Minnesink, Minsi, Mansiwak', Monsey, Minsiu, früher Minassiniu – „Volk des steinigen (bergigen) Landes“, wörtlich: „Volk verstreut unter Felsen“; die Unami-Sprecher nannten sie daher Monsi (Singular, Plural: Monsiyok) oder auch Luwàneyunki Awènik – „Volk aus dem Norden“; Eigenbezeichnung: Lunaapeew): lebten entlang der Oberläufe des Delaware Rivers und Susquehanna Rivers im nördlichen New Jersey sowie beiderseits des Hudson Rivers einschließlich der Catskill Mountains in New York sowie im Westen von Long Island und südwärts bis zum Lehigh River (Lechewuekink – „da, wo viele Teilungen, Abzweigung sind“) und Conewago Creek im Nordosten von Pennsylvania. Auf Grund der Lage ihrer Stammesgebiete auch als auch Nördliche Delaware bezeichnet.
das Unami unterteilte sich nochmals in drei Dialektevarianten – Nördliches Unami (Unalimi), Südliches Unami, Unalachtigo (manchmal auch als Unalimi oder Nördliches Unami bezeichnet): Die Unalimi oder Nördliche Unami („Volk flussaufwärts“, sprachen Nördliches Unami bzw. Unalimi): lebten im Gebiet der Delaware-Flussgabelung, daher wurden sie auch als The Forks Lenape bezeichnet. Die Unami oder Südliche Unami (Eigenbezeichnung: Wënami oder W'namiu, in Munsee: Wə̆ná·mi·w – „Volk flussabwärts“, daher historisch: Wunameewak , Oonaomee / Woonaumee oder Unámiwak bezeichnet, sprachen Südliches Unami) lebten entlang des Delaware River im Norden von New Jersey (einschließlich Staten Islands) und den angrenzenden Gebieten im Südosten von Pennsylvania bis südlich des heutigen Philadelphia.Native Americans – Lenape Subdivisions Die Unalachtigo (Eigenbezeichnung: Wënilaxtikuwàk oder W'nalachtko, in Munsee: Unalactigo bzw. Unechtgo / Unalachtgo – „Volk, das nahe dem Ozean lebt“ oder „Volk, das getrennt von der Stelle ist, an der es Wellen gibt“, daher historisch: Unalâchtigo und Wunalàchtigo , auf Grund der Nähe zur Delaware Bay, abgel. von wunalawat – „auf etwas zugehend / in dessen Richtung gehend“ und t'kow / t'kou – „Welle“, sprachen Unalachtigo): lebten beiderseits des Unterlaufs des Delaware Rivers südlich von Philadelphia einschließlich des Gebiets rund um die Delaware Bay im Norden Delawares, Südosten von Pennsylvania sowie im Süden von New Jersey.
Auf Grund ihrer Nähe zum Meer wurden die Unalachtigo – manchmal zusammen mit den direkt südlich der Lenni Lenape an der Atlantikküste lebenden Nanticoke – als „südliche Delaware“ bezeichnet. Die Nanticoke waren ebenfalls als Unalachtigo bekannt, so dass diese beiden Gruppen oftmals nicht unterschieden werden können. Jedoch sind die Letzteren als Wenètko (Sing.) oder als Wenètkok (Plural) unter den Unami-Sprechern bekannt und unter den Munsee-Sprechern als Unalactigo bzw. Unechtgo / Unalachtgo („Volk, das nahe dem Ozean lebt“), was beides jeweils ihre Eigenbezeichnung als Nentego („Volk der Gezeiten, von Ebbe und Flut“) widerspiegelt.
Gegen 1700 waren die Unalachtigo durch Vertreibungen sowie Kriege bereits in den Unami-Gruppen aufgegangen, später schlossen sich auch die Unalimi-Sprecher den Unami an, so dass es nunmehr nur noch Munsee- und Unami-Sprecher gab.
Diese vier (später drei) Hauptgruppen unterteilten sich wiederum in eine Vielzahl von kleineren, unabhängigen, jedoch untereinander verwandten Gruppen (Bands), die aus einigen wenigen Dörfern (èlikhatink) meist entlang von Flussläufen bestanden und von Häuptlingen (Sakima; heute: Wojauwe) geführt wurden. Die Lenni Lenape bildeten dabei niemals eine politische Einheit oder gar Konföderation (wie benachbarte Völker) und kannten auch keine zentrale Führung durch einen allgemein anerkannten Sachem wie im Häuptlingstum üblich. Zudem gab es innerhalb aller Gruppen das gleiche mütterseitige Clansystem, bestehend aus drei Clans: