Carl August Müller (* 11. Januar 1804 in Adorf/Vogtland; † 27. Januar 1870 in Mainz) war ein deutscher Hofinstrumentenbauer und Metallblasinstrumenten-Fabrikant. Im Laufe seines Lebens entwickelte, erfand und verbesserte er Instrumentenbauarten. Diese finden teils heute noch Anwendung.
Leben und Wirken In seiner Geburtsstadt Adorf, die heute zum Musikwinkel gezählt wird, war Müller wahrscheinlich Schüler des Instrumentenbauers Johann Gottlieb Roth sen. (1787–1864).Herbert Heyde: Das Ventilblasinstrument. 1987, Google Books In den 1820er Jahren wanderte er aus dem Königreich Sachsen nach Mainz aus, um dort als Instrumentenmacher zu arbeiten. In den ersten Jahren in Mainz war er an der Schott-Manufaktur tätig, bis er sich schließlich 1827 mit der Firma C. A. Müller Musikinstrumenten-Fabrik selbstständig machte, um fortan unter eigenem Namen Instrumente zu fabrizieren.Carl August Müller – Hörner. Bis nach 1830 stellte er jedoch auch weiterhin Instrumente für Schott her.Trompeten, Posaunen, Tuben (Dr. Herbert Heyde, 1980) Google Books mini|hochkant|Trompete mit drei Ventilen und „Neumainzer Druckwerk“, C. A. Müller (ca. 1833) mini|hochkant|Dreiventiliges Waldhorn („Altmainzer Modell“) von C. A. Müller (1827–1833)
Bereits 1830 fügte er ein drittes Ventil zum Ventilhorn und zur Ventiltrompete hinzu und war somit ein Pionier auf diesem Gebiet. Diese Bauweise nach Müller ist bis heute gültig.Friedel Keim: Das große Buch der Trompete: Instrument, Geschichte, Trompeterlexikon. Schott 2005, Google Books Im selben Jahr erhielt unter seinen Händen das Horn erstmals ein drittes Ventil.Allgemeine deutsche Real-Encyclopädie für die gebildeten Stände – Conversations-Lexikon. Band 8, 1866, Google Books Müller führte in Mainz zunächst das Mainzer Modell (später Altmainzer Modell) ein, das in ähnlicher Form schon von Johann Gottlieb Roth sen. in Adorf gebaut worden war.Herbert Heyde: Das Ventilblasinstrument. 1987, Google Books Als nachfolgendes Modell entwickelte er Anfang der 1830er Jahre die Neumainzer Maschine, eine modifizierte Bauweise zu den Ventilen der Instrumentenbauer Kail und Riedl.Günter Dullat: Metallblasinstrumentenbau: Entwicklungsstufen und Technologie. Bochinsky 1989, Google Books
Müller pflegte persönlichen Kontakt zu dem Musiktheoretiker und Juristen Gottfried Weber,Herbert Heyde: Das Ventilblasinstrument. 1987, Google Books der als Gründer der Zeitschrift Cäcilia Berichte über Müllers Arbeit veröffentlichte.
Eines von Müllers Zielen war es, alle gebräuchlichen Holzblasinstrumente in gleicher Qualität auch in Metall herzustellen. Im Jahre 1840 schien sich schließlich ein erster Erfolg abzuzeichnen, wie man in der folgenden Anzeige lesen kann, die C. A. Müller in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung und der Neuen Zeitschrift für Musik veröffentlichte:
Anzeige von Blasinstrumenten aus Messing
Für seine Errungenschaften, die die Entwicklung im Bereich des Musikinstrumentenbaus stark vorantrieben, wurde er zum Großherzoglich-Hessischen Hofinstrumentenmacher ernannt. Im Jahr 1851 wurden Instrumente aus seiner Manufaktur auf der ersten Londoner Weltausstellung gezeigt."Dick Martz’ Collection of Strange and Wonderful Horns"
Müller lebte und wirkte noch bis zu seinem Tod 1870 in Mainz. Die Firma C. A. Müller Musikinstrumenten-Fabrik, die zunächst von Müllers Nachkommen geführt wurde (C. A. Müller Nachf. Fabrikation von Metallblasinstrumenten, Lyren und Schellenbäumen), ging später an Friedrich Max Enders über (Max Enders, vorm. C. A. Müller).Herbert Heyde: Das Ventilblasinstrument. 1987, Google BooksZeitschrift für Instrumentenbau, Band 36, 1915. Der Glanz der Firma konnte sich auch unter dessen Führung halten. Herbert Heyde: Das Ventilblasinstrument. 1987, Google Books Das von Müller gegründete Unternehmen konkurrierte zeitweise mit der Mainzer Firma Gebrüder Alexander.Eva-Maria Duttenhöfer: Gebrüder Alexander: 200 Jahre Musikinstrumentenbau in Mainz: ein Beitrag zur Musikinstrumentenkunde. Schott-Verlag, 1982
Die von Müller gefertigten Klappentrompeten Nr. 1839–1841 wurden von dem bekannten Instrumentensammler Paul de Wit (1852–1925) um 1893 von Ferdinand August Müller, dem Sohn des Herstellers, erworben und in Leipzig ausgestellt.Herbert Heyde: Trompeten, Posaunen, Tuben. 1980, Google Books Im Jahr 1905 verkaufte de Wit seinen gesamten Bestand an den Kölner Papierfabrikanten Wilhelm Heyer (1849–1913). Seit 1926 werden die Instrumente im Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig ausgestellt.Universitätsmuseum Leipzig
Familie August Müller war der Sohn von Johann Adam Müller und dessen Ehefrau Johanna Magdalena Müller, geb. Hertel (1770–1853). Im Jahr 1832 heiratete er in Mainz in der Kirche St. Ignaz Katharina Wagner, mit der er bereits einige Jahre zusammengelebt hatte. Ihre Tochter Caroline Josephine Auguste Müller (1826–1885) und deren Ehemann, der Mainzer Kaufmann, Fotograf und Auswanderungsagent Philipp Müller (1822–1867), waren die Großeltern des Frankfurter Stadtdirektors Adolf Dannhof (1880–1956), der wiederum der Vater von Edith Dannhof (1906–2001) war. Edith Dannhof war mit einem Enkel von Heinrich Siesmayer und Sohn von Philipp Siesmayer verheiratet.
Siehe auch Metallblasinstrumentenmacher Liste Mainzer Persönlichkeiten
Literatur Friedel Keim: Das große Buch der Trompete: Instrument, Geschichte, Trompeterlexikon. Schott, 2005 Günter Dullat: Metallblasinstrumentenbau: Entwicklungsstufen und Technologie. Verlag Bochinsky, 1989, (Das Musikinstrument, Band 48) Musikalisches Conversations-Lexikon: Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften, Band 10. L. Heimann, 1878 Christoph Reuter: Klangfarbe und Instrumentation: Geschichte, Ursachen, Wirkung. Verlag P. Lang, 2002 F. G. K. Zamminer: Die Musik und die musikalischen Instrumente in ihrer Beziehung zu den Gesetzen der Akustik. 1855 W. Heyer, G. Kinsky: Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln: kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstrumente. Breitkopf & Härtel, 1913 Herbert Heyde: Das Ventilblasinstrument. 1987 Herbert Heyde: Trompeten, Posaunen, Tuben. 1980
Weblinks Carl August Müller – Klappentrompete. Universität Leipzig
Einzelnachweise
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