Alexis Pinturault () (* 20. März 1991 in Moûtiers) ist ein ehemaliger französischer Skirennläufer. Er galt als Allrounder und trat in sämtlichen Disziplinen außer der Abfahrt an, wobei seine besonderen Stärken im Riesenslalom und in der alpinen Kombination lagen. Im Alpinen Skiweltcup entschied er die Disziplinenwertung in der Kombination sechsmal für sich, so oft wie kein anderer Athlet vor ihm. Dazu gewann er einmal die Riesenslalom-Disziplinenwertung. In der Saison 2020/21 entschied er auch die Gesamtwertung für sich, nachdem er zuvor fünf Mal Zweiter oder Dritter geworden war. Mit 34 gewonnenen Rennen ist er der erfolgreichste Franzose der Weltcupgeschichte.

Pinturault gewann bei den Weltmeisterschaften 2019 und 2023 jeweils die Goldmedaille in der Kombination, bei den Weltmeisterschaften 2017 eine weitere goldene im Mannschaftswettbewerb. Hinzu kommen Silber in der Kombination bei den Olympischen Winterspielen 2018 und im Riesenslalom je eine Bronzemedaille bei den Olympischen Winterspielen 2014 sowie bei den Weltmeisterschaften 2015 und 2019. Darüber hinaus ist er zweifacher Riesenslalom-Juniorenweltmeister und neunfacher französischer Meister.

Biografie Beginn der Karriere Pinturault wuchs in Courchevel auf, wo sein Vater Claude Besitzer des Hotels Annapurna ist. Seine Mutter Hege stammt aus Norwegen, weshalb er auch die norwegische Staatsbürgerschaft besitzt. Im August 2006 bestritt Pinturault in Argentinien seine ersten FIS-Rennen. Im Winter 2006/07 nahm er ausschließlich an Wettbewerben in Frankreich teil, blieb dabei aber ohne größere Erfolge. Erst zu Beginn der Saison 2007/08 kam er erstmals unter die besten zehn in einem FIS-Rennen. Bei seinem ersten Großereignis, den Juniorenweltmeisterschaften 2008 im spanischen Formigal, kam er in allen Wettbewerben ins Ziel und erreichte damit Platz 13 in der Kombinationswertung. Kurz zuvor hatte er in Madesimo erstmals an Europacuprennen teilgenommen, ohne jedoch die Punkteränge zu erreichen. Auch in der Saison 2008/09 blieb Pinturault in seinen sieben Europacupeinsätzen ohne Punkte, allerdings verfehlte er diese zweimal als 31. nur knapp.

Im Dezember 2008 gewann Pinturault sein erstes FIS-Rennen. Für Aufsehen sorgte er bei den Juniorenweltmeisterschaften 2009 in Garmisch-Partenkirchen, als er überraschend die Goldmedaille im Riesenslalom gewann (vor den Österreichern Björn Sieber und Marcel Hirscher). Zwei Wochen später bestätigte er diese Leistung mit dem französischen Meistertitel in der Super-Kombination. Als Juniorenweltmeister kam er beim Saisonfinale in Åre auch zu seinem ersten Einsatz im Weltcup, wo er jedoch im ersten Durchgang des Riesenslaloms ausschied.

Ende November 2009 holte Pinturault mit Platz 25 im zweiten Riesenslalom von Levi seine ersten Europacuppunkte und Anfang Dezember kam er im Riesenslalom von Val Thorens erstmals im Europacup unter die besten zehn. Bei den Juniorenweltmeisterschaften 2010 in der Region Mont Blanc erreichte er im Super-G den fünften Platz, während er im Slalom nach überlegener Laufbestzeit im 2. Durchgang ausschied. Im Europacup gelang ihm mit Rang zwei im letzten Riesenslalom der Saison 2009/10 in Kranjska Gora der erste Podestplatz. Bei seinen vier Weltcupeinsätzen in diesem Winter erreichte er nie das Ziel.

Rascher Aufstieg im Weltcup Im Januar 2011 feierte Pinturault im Riesenslalom und im Slalom von Kirchberg in Tirol seine ersten Europacupsiege. In den nächsten Wochen folgten weitere drei Siege, womit er sich bereits vorzeitig den Gesamtsieg in der Europacupsaison 2010/11 sicherte. Bei den Juniorenweltmeisterschaften 2011 gewann er zum zweiten Mal die Goldmedaille im Riesenslalom. Nachdem er bei seinen vorangegangenen Weltcup-Einsätzen im Slalom und Riesenslalom ohne Punkte geblieben war, fuhr er am 5. Februar 2011 bei seinem ersten Weltcup-Super-G in Hinterstoder mit Startnummer 62 auf den sechsten Platz. Im vier Tage später ausgetragenen Super-G der Weltmeisterschaften 2011 in Garmisch-Partenkirchen fiel Pinturault aus, im WM-Slalom belegte er Rang 17. Den ersten Weltcup-Podestplatz erzielte er zwei Wochen später am 5. März 2011, als er im Riesenslalom von Kranjska Gora den zweiten Platz belegte.

Zu Beginn der Weltcup-Saison 2011/12 am 23. Oktober 2011 in Sölden belegte Pinturault hinter Ted Ligety den zweiten Platz im Riesenslalom. Zwei weitere zweite Plätze folgten Anfang Februar 2012 in Chamonix in der Super-Kombination und Anfang März in Kranjska Gora im Riesenslalom. Der erste Weltcupsieg gelang ihm am 21. Februar 2012 beim City Event in Moskau. Beim Weltcupfinale in Schladming folgte mit Platz zwei im Super-G die erste Podestplatzierung in einem Speedrennen, wobei er sich nur um zwei Hundertstelsekunden dem Italiener Christof Innerhofer geschlagen geben musste. Er beendete den Riesenslalom- und Kombinationsweltcup jeweils an vierter Position und wurde im Gesamtweltcup Zehnter.

Ende Juli 2012 erlitt Pinturault beim Tennisspielen einen Bänderriss im linken Sprunggelenk. Er musste rund drei Monate pausieren und versäumte das Auftaktrennen der Saison 2012/2013 in Sölden. Im November stieg er wieder in den Weltcup ein und feierte am 8. Dezember 2012 im Slalom von Val-d’Isère seinen zweiten Weltcupsieg. Ein weiterer Sieg gelangen ihm in der Super-Kombination von Wengen. In der Kombinations-Disziplinenwertung belegte Pinturault punktgleich mit Ivica Kostelić den ersten Platz. Bei den in Schladming ausgetragenen Weltmeisterschaften 2013 verpasste er in vier Rennen jeweils knapp eine Medaille; er wurde einmal Fünfter und dreimal Sechster. Unmittelbar nach der WM gewann er am 24. Februar 2013 in Garmisch-Partenkirchen erstmals einen Weltcup-Riesenslalom. Nach Patrick Russel im Jahr 1971 war er der erste Franzose, der in derselben Weltcupsaison sowohl einen Slalom als auch einen Riesenslalom gewinnen konnte. Einen weiteren Sieg vergab er im Riesenslalom von Kranjska Gora, als er im zweiten Durchgang bei deutlicher Halbzeitführung ausschied.

Etablierung an der Weltspitze In der Saison 2013/14 war Pinturault im Lauberhornslalom von Wengen und in der Super-Kombination von Kitzbühel siegreich. Außerdem sicherte er sich erneut die Kombinations-Disziplinenwertung, diesmal punktgleich mit Ligety. Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi schied er im Slalom der Super-Kombination aus. Hingegen gewann er am 19. Februar mit Bronze im Riesenslalom seine erste olympische Medaille, hinter dem damaligen Dominator Ligety und dem überraschenden Franzosen Steve Missillier. Beim Weltcup-Finale in Lenzerheide gelang Pinturault am 13. März 2014 der erste Weltcupsieg im Super-G. Von nun an konnte er bereits in allen Disziplinen außer der Abfahrt mindestens einen Weltcupsieg vorweisen.

Vor Beginn der Saison 2014/15 wechselte Pinturault die Skimarke: Nachdem er zuvor stets mit Salomon-Skis gefahren war, entschied er sich nun für Skis von Head. Mit Starts in allen Super-Gs und in einigen technisch schwierigeren Abfahren wagte er erstmals den Versuch, die Weltcup-Gesamtwertung für sich zu entscheiden. Zwei Siege in der Kombination von Kitzbühel und im Riesenslalom von Kranjska Gora sowie je zwei zweite und dritte Plätze waren zwar eine beeindruckende Bilanz, reichten schließlich jedoch nur für den dritten Gesamtrang. Bei den Weltmeisterschaften 2015 in Beaver Creek gewann er im Riesenslalom die Bronzemedaille, während die übrigen Rennen für ihn eher enttäuschend endeten.

Die Saison 2015/16 verlief für Pinturault zu Beginn deutlich unter den eigenen hochgesteckten Erwartungen. Im Riesenslalom von Beaver Creek am 6. Dezember 2015 stürzte er heftig und erlitt dabei eine leichte Gehirnerschütterung, worauf er das nächste Rennen in Val-d’Isère auslassen musste. Erst im neuen Jahr erreichte er wieder sein gewohntes Niveau, setzte dann aber Ende Januar zu einer Siegesserie an. Innerhalb von sechs Wochen stand er sechsmal zuoberst auf dem Podest: bei den Kombinationen von Kitzbühel und Chamonix sowie bei den Riesenslaloms von Naeba, Hinterstoder (zweimal) und Kranjska Gora. Mit seinem insgesamt 15. Weltcupsieg egalisierte er die bisherige französische Bestmarke von Jean-Claude Killy.

mini|hochkant|Pinturault im Jahr 2017 Zum Auftakt der Saison 2016/17 gewann Pinturault den Riesenslalom von Sölden. Es folgten drei weitere Siege in den Riesenslaloms von Val-d’Isère und Adelboden sowie in der Kombination von Santa Caterina. Obwohl er in der Kombination von Wengen aufgrund schwieriger Wetterverhältnisse nur den 20. Platz belegte, konnte er in jener Saison zum vierten Mal den Kombinationsweltcup für sich entscheiden. In der Gesamtwertung hingegen fiel er ein weiteres Mal rasch hinter Hirscher zurück, da er vor allem im Slalom mehrmals ausschied. Vor den Weltmeisterschaften 2017 in St. Moritz gehörte er dennoch zu den meistgenannten Favoriten, kam jedoch in den Einzelrennen nicht über einen sechsten Platz hinaus. Immerhin gelang ihm im Mannschaftswettbewerb erstmals der Gewinn einer Goldmedaille. Die Saison 2017/18 war für Pinturault nicht so erfolgreich wie die Jahre zuvor. Gewinnen konnte er den Riesenslalom in Val-d’Isère und die Kombination von Bormio. Im Gesamtweltcup wurde er Sechster, im Riesenslalomweltcup war er mit Platz drei am erfolgreichsten. Bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang holte er in der Kombination die Silbermedaille hinter Hirscher sowie die Bronzemedaille im Riesenslalom.

In der Saison 2018/19 war Pinturault insgesamt wieder erfolgreicher und konstanter. In den Slaloms von Zagreb und Schladming wurde er jeweils Zweiter hinter Hirscher, in Kitzbühel Dritter. Im Riesenslalom von Alta Badia errang er den dritten Platz und erreichte dort im Parallel-Riesenslalom erstmals ein Podest in einem Parallelwettbewerb. Bei den Weltmeisterschaften 2019 in Åre gewann Pinturault die Goldmedaille in der Kombination sowie die Bronzemedaille im Riesenslalom. Am 22. Januar 2019 gewann er erstmals seit Dezember 2017 wieder ein Weltcuprennen, die Kombination von Bansko. Damit entschied er zum fünften Mal die Disziplinenwertung in der Kombination für sich und stellte den Rekord von Kjetil André Aamodt ein.

Jagd auf den Gesamtweltcup Nach Hirschers Rücktritt und vor Beginn der Weltcupsaison 2019/20 rechneten die Medien im Kampf und die Weltcup-Gesamtwertung allgemein mit einem Duell zwischen Pinturault und Henrik Kristoffersen. Pinturault unterstrich seine Favoritenrolle mit dem Sieg im ersten Rennen der Saison, dem Riesenslalom von Sölden. Am 15. Dezember 2019 konnte er in Val-d’Isère den ersten Sieg im Slalom seit mehr als fünf Jahren feiern. Insgesamt gelangen ihm während der Saison sechs Siege, davon zwei in Kombinationen, womit er zum sechsten Mal die Kombinations-Disziplinenwertung für sich entschied und so einen neuen Rekord aufstellte. Diesen Erfolgen standen aber auch vier Rennen ohne Punktgewinn gegenüber, sodass er sich nicht entscheidend absetzen konnte. Als größter Konkurrent erwies sich indes nicht Kristoffersen, sondern der konstanter fahrende Aleksander Aamodt Kilde, der Mitte Februar 2020 die Gesamtführung übernahm. Zwei Wochen später holte sich Pinturault bei den Rennen in Hinterstoder die Führung zurück. Kilde reagierte am 6. März 2020 mit einem zweiten Platz in der Abfahrt von Kvitfjell und setzte sich mit 54 Punkten Vorsprung erneut an die Spitze. Da der Super-G am darauf folgenden Tag wegen Schlechtwetters abgesagt werden musste, schien Pinturault aufgrund des Restprogramms im Vorteil zu sein, doch dann brach die FIS die Saison am 12. März wegen der COVID-19-Pandemie ab und er musste sich mit dem zweiten Gesamtrang begnügen.