(originaler Langtitel laut Vorspann Der 90. Geburtstag oder Dinner for One) ist ein etwa 18-minütiger Sketch von Lauri Wylie, der in der Fassung des englischen Komikers Freddie Frinton mit seiner Partnerin May Warden im englischen Seebad Blackpool gespielt wurde.

1963 wurde diese Fassung des Sketches in Hamburg vom Norddeutscher Rundfunk (NDR) für das Fernsehen in Schwarz-Weiß aufgezeichnet. Seit 1972 wird der Sketch mit großem Erfolg an Silvester in den Dritten Fernsehprogrammen der ARD ausgestrahlt. Der NDR verkaufte die Aufzeichnung weltweit in 20 Staaten, während sie im britischen Fernsehen weitgehend unbekannt ist.

Regie führte Heinz Dunkhase, obwohl Frinton der eigentliche Schöpfer der Inszenierung war. Die Einleitung in der deutschen Version spricht Heinz Piper.

Handlung Zu Anfang führt ein Conférencier in die Geschichte ein: Miss Sophie feiert ihren 90. Geburtstag. Wie in jedem Jahr hat sie zu einem Geburtstagsdinner ihre vier engsten Freunde eingeladen: Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und Mr. Winterbottom. Diese sind jedoch alle längst verstorben – der letzte vor 25 Jahren –, weshalb Miss Sophie alleine am Tisch sitzt, während ihr Butler James der Reihe nach für die Gäste einspringt.

James hat nun nicht nur seiner Arbeitgeberin das Menü – Mulligatawny-Suppe, Schellfisch aus der Nordsee (), Hühnchen () und Obst () – zu servieren, sondern muss auch den vier imaginären Herren die jeweils von Miss Sophie ausgewählten Getränke (Sherry, Weißwein, Champagner und Portwein) einschenken, in ihre Rollen schlüpfen und auf die Gastgeberin jeweils einen Toast ausbringen, wobei er den jeweiligen Gast nachahmt und dessen Glas austrinkt. Insgesamt umrundet er den Tisch 23-mal, wird immer betrunkener und verliert zusehends seine würdevolle Haltung – sowohl hinsichtlich der Mimik als auch bei den Bewegungen; so schenkt er auf absurde Weisen ein und trinkt (nach 15 Glas alkoholischer Getränke) versehentlich aus der Blumenvase.

Schließlich beendet Miss Sophie den Abend mit einem Augenaufschlag und einem einladenden , was der zu diesem Zeitpunkt schon schwer angetrunkene James nach dem obligatorischen, kaum noch verständlichen mit einem Augenzwinkern und einem nonchalanten quittiert, um ihr in die oberen Räumlichkeiten zu folgen.Peter Bekes: , Medienspezial in: Deutschunterricht, 6/2005, S. 44–47 (PDF).

Running Gags Im Stück gibt es mehrere Running Gags: James stolpert elfmal über den Kopf eines ausgelegten Tigerfells; als zusätzliche Pointe läuft er einmal zu seinem eigenen Erstaunen daran vorbei, stolpert dann aber auf dem Rückweg, einmal schreitet er grazil darüber hinweg und zu guter Letzt springt er sehr angeheitert darüber.Vgl. Stefan Balzter: Wo ist der Witz? Techniken zur Komikerzeugung in Literatur und Musik (= Allgemeine Literaturwissenschaft, Bd. 18). Erich Schmidt Verlag, Berlin 2013, S. 62–65. Sir Toby möchte von jedem Getränk zusätzlich etwas mehr eingeschenkt haben, wobei James der Aufforderung zunächst höflich und dann zunehmend sarkastisch nachkommt. Miss Sophie erwartet, dass James als Admiral von Schneider mit dem Ausruf Skål! („Prost!“) die Hacken zusammenschlägt. Weil er sich dabei stets den Fußknöchel schmerzhaft anschlägt, fragt er zuvor, ob er das wirklich müsse, und lässt sich von seiner Herrin dazu überreden. Dieser Gag wird als Zusatzpointe durchbrochen, als die Füße des schon angetrunkenen James einander verfehlen, was ihn straucheln lässt. Vor jedem Gang und zunehmend lallend fragt James: ; diese erwidert stets: Dieser Dialog kommt fünfmal vor.

Besondere Aussagen Sir Toby prostet einmal mit „Sugar in the morning!“ Dabei zitiert er das Lied Sugartime (1958) der McGuire Sisters: “Sugar in the morning, sugar in the evening, sugar at suppertime …” Als Mr. Winterbottom versehentlich die Blumenvase statt seines Bechers austrinkt, ruft er: „Huuuhhh, I’ll kill that cat!“ („Huuuhhh, ich werde diese Katze töten!“). In der Soldatensprache wird Fusel oft als Katzenpisse (cat piss) bezeichnet: Es schmeckt zwar nicht, aber runter damit!

Szenenbild mini|alt=Szenenbild von Dinner for One aus der Vogelperspektive|Szenenbild von Dinner for One aus der Vogelperspektive Die gesamte Geschichte spielt in einem einzigen Raum. In der Mitte des Raums steht der Esstisch. An diesem Esstisch sitzen Miss Sophie und ihre imaginären Gäste. Der Butler James läuft während der Geschichte immer wieder um den Esstisch, um die Gäste und die Gastgeberin zu bedienen sowie die Gäste beim Zuprosten zu vertreten. Die Getränke und Speisen holt er von einer Anrichte an der linken Wand des Raumes. Zwischen dieser Anrichte und dem Esstisch liegt auf dem Fußboden ein Tigerfell mit erhabenem Schädel, über den James regelmäßig stolpert. Nach dem Essen geht Miss Sophie eine Treppe nach oben hinauf, James folgt ihr; beide verlassen so den Raum.

Geschichte Der Autor des Sketches ist Lauri Wylie, der ihn in den 1920er Jahren geschrieben haben soll. Nach einigen Quellen führte Freddie Frinton das Dinner for One bereits ab 1945 im englischen Varieté-Theater auf und zahlte entsprechende Gebühren an Wylie. 1950/1951 habe er dann Wylie alle Rechte abgekauft. Offiziell wurde das Stück 1948 im Londoner Theater Duke of York’s uraufgeführt.

Frinton hatte mit diesem Sketch in Großbritannien großen Erfolg und tourte mit verschiedenen Partnerinnen durchs Land. Pointen und Handlung veränderte er im Laufe der Jahre. So baute Frinton den Vorleger aus Tigerfell mit dem Kopf als Stolperfalle auf dem Weg des Butlers zwischen Anrichte und Festtagstisch nachträglich in das Stück ein. Aufgrund mehrhundertmaligen Anstoßens von Frintons Schuh an den Tigerkopf schabte das Fell dort bis auf den Knochen ab. Frinton behalf sich damit, dass er die schadhafte Stelle mit Teilen eines Leopardenfelles reparieren ließ.Julia Lührs und Elif Senel in Neugier genügt, WDR-5 Radiosendung vom 31. Dezember 2013.Gunda Bartels im Tagesspiegel vom 29. Dezember 2012, „Dinner für Millionen“. S. 8.

Im deutschen Fernsehen lief der Sketch möglicherweise das erste Mal am 9. Dezember 1961 in der Livesendung Lassen Sie sich unterhalten, die von der Sängerin Evelyn Künneke moderiert wurde. Von dieser Ausstrahlung gibt es keine Aufzeichnung.

wurde von Peter Frankenfeld und dem Regisseur Heinz Dunkhase im englischen Blackpool, einer Hochburg des Varieté-Theaters, für das Fernsehen entdeckt. Angeblich erfolgte am 8. März 1963 auf ndr.de eine Ausstrahlung des Sketches in der von Frankenfeld moderierten Livesendung Guten Abend, Peter Frankenfeld. Tatsächlich wurde die Sendung allerdings nur in den Jahren 1960 und 1961 gezeigt. Frinton war hierbei in den Folgen vom 22. Oktober 1960 und vom 8. April 1961 zu Gast, wobei nicht bekannt ist, welche Sketche aufgeführt wurden. Der Sketch kam so gut an, dass der NDR Frinton und Warden vom 30. April bis 4. Mai 1963 für eine Aufzeichnung des Sketches ins Studio B des NDR in Hamburg-Lokstedt erneut einlud. Freddie Frinton wollte eigentlich nicht in Deutschland auftreten. Er war Truppenbetreuer im Zweiten Weltkrieg gewesen und hatte keine hohe Meinung von Deutschland, sodass er sich weigerte, den Sketch auf Deutsch aufzuführen.

Für das Schweizer Fernsehen wurde 1963 im Studio Bellerive in Zürich eine eigene Version des Stücks mit den Originaldarstellern Freddie Frinton und May Warden gedreht., Studio Bellerive

Ursprünglich war der Sketch gar nicht als Silvester-Unterhaltung geplant. Nachdem er einige Male als Pausenfüller in der ARD und vom NDR gesendet worden war, bekam die Sendung neun Jahre nach der ersten Ausstrahlung ihren festen Sendeplatz. Am 31. Dezember 1972 holte NDR-Unterhaltungschef Henri Regnier das Band aus dem Archiv hervor. Seitdem wird Dinner for One zu jedem Jahreswechsel ausgestrahlt. Zur Wahl als Silvestersketch könnte der Spruch (James als Mr. Pommeroy) beigetragen haben.

wird manchmal als eine der ersten Magnetaufzeichnungen (MAZ) des deutschen Fernsehens bezeichnet.hr-online: Allerdings bestand diese Möglichkeit für die ARD bereits ab Dezember 1958. ist eine der wenigen Sendungen, die im deutschen Fernsehen unsynchronisiert auf Englisch gezeigt werden; es existiert jedoch eine deutschsprachig kommentierte Fassung für Sehbehinderte. Die Einleitung wurde von Heinz Piper gesprochen; als Eingangsmelodie ist Charmaine in einer Aufnahme des Orchesters Victor Silvester zu hören. Laut Angaben des NDR erhielten Frinton und Warden für diesen Auftritt 4150 DM. Kameramann für den NDR war Frank A. Banuscher. Da der Abspann wegen der nachfolgenden Tagesschau kurz gehalten werden musste, taucht sein Name dort nicht auf.

Zum 60. Jubiläum gab es eine Jubiläumsshow mit Gastgeber Bernhard Hoëcker und den vier Gästen Jens Riewa, Katrin Müller-Hohenstein, Axel Prahl und Wigald Boning.

Ausstrahlungen In Deutschland ist der Sketch inzwischen fester Bestandteil des Silvester-Fernsehprogramms aller dritten Programme der ARD. Die Sendung ist die am häufigsten wiederholte des deutschen Fernsehens und wurde 1988 im Guinness-Buch der Rekorde als „weltweit am häufigsten wiederholte Fernsehproduktion“ aufgeführt. 2003 wurde der Sketch in Deutschland 19-mal ausgestrahlt, von 1963 bis Ende 2003 insgesamt 231 Mal. Die Sendung hat Kultstatus und ist in vielen Haushalten fester Bestandteil des Tagesablaufs zu Silvester. So sahen beispielsweise im Rekordjahr 2004 insgesamt 15,6 Millionen Deutsche den Sketch.

Im Schweizer Fernsehen wird er seit 1989 am letzten Tag des Jahres ausgestrahlt. Auf dem Berner Lokalsender TeleBärn läuft die Schweizer Version des Klassikers zu Silvester stündlich. Dort ist die Sendung ebenfalls relativ beliebt, 1997 erzielte sie 47 Prozent Zuschaueranteil.

Der österreichische ORF strahlt die Sendung ebenfalls als Jahresabschluss aus.

In Norwegen wird der Sketch jedes Jahr am 23. Dezember gesendet. In Dänemark ist er seit 1980 jedes Jahr am 31. Dezember (ohne die Einleitung) im Fernsehen gezeigt worden (mit Ausnahme von 1985). Auch in anderen Ländern wie Finnland, Schweden, den Färöern, Südafrika, Grönland, Estland, Australien und Luxemburg ist Dinner for One ein alljährliches Kult-Ereignis. In Schweden war die Aufzeichnung zunächst für sechs Jahre, bis 1969, nicht zur Sendung freigegeben. Sie galt als ungeeignet, da James im Sketch zu viel Alkohol trinkt.

Im Ursprungsland Großbritannien wurde Dinner for One nur vereinzelt ausgestrahlt und ist weitgehend unbekannt. 2007 sahen sich Journalisten des Daily Telegraph den Sketch an und empfahlen, ihn auch im britischen Fernsehen auszustrahlen, „da der typisch britische Humor die wohlwollende Beachtung der Briten verdiene“. Als Internetvideo ist der Sketch bei den Briten bereits beliebt und im Sommer 2006 inszenierte eine Amateur-Varietétruppe in der Hafenstadt Portsmouth den Sketch vor Publikum. Der Film wurde am 23. November 2018 im Rahmen des Scottish Comedy Film Festival in Campbeltown erstmals öffentlich aufgeführt. Am 31. Dezember 2018 wurde er erstmals im britischen Fernsehen beim Sender Sky Arts gezeigt.

Versionen Abwandlungen der deutschen Fassung Der Dialog in Dinner for One ist zwar – bis auf die Einleitung durch Heinz Piper – komplett in englischer Sprache, gilt aber auch für Zuschauer, die die englische Sprache nicht beherrschen, als verständlich.

1968 wurde eine Farbaufzeichnung des Sketches geplant, die aufgrund des plötzlichen Todes Frintons nicht mehr realisiert wurde.