Die Atsugewi (in Achumawi) oder korrekter Atsugé (in Atsugewi) (“Volk, das im Kiefernwald lebt”), ein Indianer-Volk im Nordosten Kaliforniens in den Vereinigten Staaten von Amerika, und die sprachlich-kulturell eng verwandten Achumawi („Fluss-Volk, d. h. Pit River-Volk“) im Norden zählen zum nordamerikanischen Kulturareal von Kalifornien.

Die Atsugewi (evtl. drei autonome Bands, sog. „tribelets“) am Südufer des Pit Rivers entlang des Hat Creek, Horse Creek und Burney CreeksEine Karte ihres traditionellen Territoriums findet sich . und die Achumawi (neun Bands, sog. „tribelets“) entlang des Fall River, beiderseits des Pit River bis hin zum Goose Lake an der Grenze zu Oregon werden bis heute kollektiv auf Grund ihrer Stammesgebiete entlang des gleichnamigen Flusses einfach als Pit River Indians oder Pit River Tribe bezeichnet. Sollten nur die Atsugewi bezeichnet werden, wurde zumeist der Begriff Hat Creek Indians verwendet.

Kulturell wurden die Achumawi stärker von den nördlich lebenden Stämmen des Columbia Plateau beeinflusst als die Atsugewi, die ihrerseits mehrere Kulturtechniken der Stämme des Great Basin übernommen hatten.

Die Atsugewi zählten in den frühen 1800er Jahren ca. 1.000 Stammesangehörige.

Namensherkunft Der Flussname sowie der heute allgemein im Englischen gebräuchliche Sammelbegriff für die Atsugewi und Achumawi als “Pit River” wird gemeinhin von der Jagdtechnik der indigenen Bands (tribelets) beiderseits des Flusses abgeleitet. Die Europäer beobachteten, dass die Achumawi und Atsugewi auf Wildwechseln entlang des Flussufers Fallgruben oder trapping pits anlegten, um Rehe und andere Wildtiere zu fangen, die dort zum Trinken kamen. Diese Pits waren so zahlreich, dass daher der Fluss und die in seinem Einzugsgebiet lebenden Bands (tribelets) einfach als Pit River bezeichnet wurden.

Anthropologen und Linguisten benutz(t)en ebenfalls fälschlicherweise kollektiv den Sammelbegriff “Achumawi / Achomawi” für beide Stammesgruppen, dieser Begriff leitet sich von acúmmáááwi / ‘àdzùmà·wi’ (Name einer einzigen Achumawi-Band entlang des Fall Rivers und des Mittellaufs des Pit Rivers) her; in ihrer Sprache bedeutet acúmmá / ‘àdzùmà / achoma / aj'umma' “Fluss” (im Allgemeinen gleichgesetzt mit dem Pit River) bzw. wàdzùm-à “fließendes Gewässer” und das Suffix wi bezeichnet „Leute / Bewohner“ oder „Leute / Bewohner von …“. So wird acúmmáááwi / ‘àdzùmà·wi’ bzw. Achomawi mit „Fluss-Volk, d. h. Pit River-Volk“ übersetzt.

In der Kultur/Sprache beider Stammesgruppen gab es kein kollektives Wort für alle Atsugewi und Achumawi-Bands oder eine politisch-militärische Idee einer gemeinsamen Nation (Identität), sie sprachen von sich selbst einfach als owte (in Atsugewi) bzw. wi / me (in Achumawi) („Mann, Person; Leute, Bewohner von...“) oder gé/gi (in Atsugewi) bzw. íssíícann (in Achumawi) („Volk“) und identifizierten sich als Gruppe anhand ihrer gemeinsamen Sprache – und schlossen hierbei die Achumawi aus (diese wurden als verwandte, jedoch separate Ethnie betrachtet, da beide Sprachen gegenseitig nicht verständlich waren), manchmal bekämpften sich die einzelnen Bands gegenseitig.

Heute bezeichnen die “Achumawi/Achomawi” und Atsugewi in ihrem eigenen aktuellen Sprachgebrauch den Fluss, ihre beiden Sprachen sowie sich selbst daher als Pit River, Pit River language/Talk und Pit River Tribe/Indians.

Die feindlichen Klamath (ál ámmín) und Modoc (lutw̓áámíʼ) im Norden nannten die „Pit River Indians“ P'laikni bzw. P'laitankni (“Hochland/Bergbewohner”) oder später ebenfalls nach dem Pit River (Klamath-Modoc-Name: Moatuashamkshini/Móatni Kóke – “Südlicher Fluss”) Móatuash maklaks („Südliches Volk“).

Sozio-politische Organisation Die Atsugewi waren in zwei (evtl. drei) Bands (tribelets) unterteilt. Die eine waren die Atsugé (in Achumawi Atsugewi genannt; „Volk, das im Kiefernwald lebt“), die das stark bewaldete westliche Stammesgebiet zwischen Mount Lassen und dem Pit River, mit dem Hauptsiedlungsgebiet entlang des Hat Creek bewohnten. Wegen dieses Wohngebiets wurden sie meist als „Hat Creek Indians“ oder „Pine Tree Tribe“ bezeichnet. Die andere Band namens Aporige / Apwaruge (in Achumawi Apwarugewi bzw. ammítciname genannt; „Volk im Apwariwa-Tal, d. h. Dixie Valley“) bewohnte das weniger bewaldete, aber durch reichhaltige Marsch- und Sumpfgebiete gekennzeichnete östliche Stammesgebiet entlang des Horse Creeks und war daher auch als Mahuopani („Wacholderhain/strauch-Volk“) bekannt. Sie wurden daher meist als „Horse Creek Indians“ oder „Dixie Valley Tribe“ bezeichnet. Eine evtl. dritte Band namens Wamari'i/Wamari'l (in Achumawi wanúmcíw̓awí; „Volk im Burney Creek-Tal“) wird zumeist den „Atsugé“ zugerechnet, sprach jedoch eine eigene Dialektvariante, so dass diese auch oft als eigenständige Band betrachtet wird.

Zudem waren die Atsugewi in drei soziale Klassen unterteilt, die auf Reichtum und Fleiß beruhten (wobei man allgemein annahm, dass die Reichen auch die Fleißigen seien):

Saswahecar (die Handel treibenden, und daher fleißigen „Reichen“) Wikoi (die Gemeinen, die Normalen, „das einfache Volk“, das Gefolge eines Saswahecar, eines Reichen) Brumui (die als faul verachteten „Armen“, denn wären sie fleißig, wären sie ja reich)

Die sozialen Klassen waren zwar prinzipiell nach oben wie nach unten durchlässig, doch wurden meist Heiraten innerhalb der sozialen Klassen geschlossen, so dass sich der Status (und der damit verbundene materielle Wohlstand) innerhalb der verschiedenen Klassen angehörenden Familien weiter vererbte.

Lebensweise Während des Sommers lebten die Atsugewi in mehreren halbnomadischen Gruppen, die von der Jagd, vom Fischfang sowie vom Sammeln von Wildpflanzen lebten. Im Winter errichteten sie entlang der Flüsse größere permanente Siedlungen, bestehend aus drei bis zweiundzwanzig mit Rinde gedeckten Hütten sowie Erdhütten. Manch größere Siedlung mag bis zu hundert Einwohner gezählt haben. Jede Ansiedlung war autonom und hatte einen oder mehrere Bawi (Häuptlinge), Männer die auf Grund ihres großen Wohlstands, ihrer Erfahrung im Jagen und Fischen, ihrer Persönlichkeit und ihres Prestiges, die Führung übertragen bekommen hatten. Die Bawi waren für die Organisation von Jagd- und Fischzügen verantwortlich, und sie teilten den Bewohnern der Siedlungen mit, wann und wo sie verschiedene Wurzeln und Pflanzen zu sammeln hatten.

Die Grundlage für den Reichtum der Bawi war der Besitz von Ländereien sowie weiterer Besitz (Boote, Netze, Fallen, Metates), die sie manchmal verliehen um hierfür wiederum Geschenke (erlegtes Wild und handwerkliche Produkte) zu erhalten. Der Reichtum eines Mannes bemaß sich in der Anzahl der Handelsgüter, Perlen sowie Fellen.

Ernährung Die Atsugewi nutzten saisonal über hundert verschiedene Pflanzen und Tiere, die in ihrem Territorium beheimatet waren. Hierbei waren die Frauen verantwortlich für das Sammeln und Kochen von Gemüse und Wurzeln, das Flechten von Körben und Matten. Männer gingen auf die Jagd, fischten und kochten das Fleisch. Zudem stellten sie aus Fellen Kleidungsstücke her.

Die bedeutendsten Lebensmittel waren Lachs und Eicheln, trotzdem wurde Wildbret als Nahrungsquelle mit Prestige angesehen und wurde mit Reichtum verbunden. Hirsche und Antilopen wurden in den Bergen während des Sommers gejagt, wobei Hirsche von Männern wie Frauen gejagt wurden, zumeist in dörflichen Jagdgesellschaften. Hirsche wurden meist aus dem Hinterhalt erlegt oder mittels Fallstricken oder Fallen, die entlang der Wasserlöcher ausgelegt wurden. Bei dieser Jagd trugen die Jäger meist Hirschköpfe, um sich verstecken zu können. Wildbret wurde frisch oder geräuchert gegessen sowie für den Winter getrocknet und gelagert. Erlegte Hirsche und Antilopen wurden unter allen Mitgliedern der Siedlungen verteilt. Zudem jagten die Atsugewi Kleinwild, Vögel und Wasservögel. Fisch stellte einen wichtigen Bestandteil der Ernährung dar. Man jagte mittels Korbfallen, Netzen und Speeren verschiedene Arten wie Lachs und Hecht. Nachts wurden Fische mit Speerwürfen aus Booten erlegt. Genauso wie Wild wurde Fisch entweder frisch oder geräuchert gegessen sowie als Trockenfisch für den Winter eingelagert.

Folgende Tiere verzehrten die Atsugewi entweder aus religiösen Gründen nicht, denn sie galten als Taboo, oder da sie als nicht genießbar angesehen wurden: Adler, Krähen, Frösche, Kojoten, Nerze, Graufüchse und Schwalben (engl. Martin).

Wichtige vegetarische Lebensmittel waren Eicheln, fünf Arten von Sonnenblumenkernen, Essbare Prärielilien-Wurzeln sowie andere Wurzeln und Beeren. Wurzeln und Nüsse wurden zu Mehl verarbeitet, um daraus dann Kekse oder Brei herzustellen und für den Winter einzulagern.

Handelsbeziehungen Mit benachbarten Stämmen handelten die Atsugewi zur Erlangung fehlender Güter oder zum Verkauf, um damit Reichtum zu erlangen, der auf Besitz von handelbaren Gütern beruhte, die Prestige gaben. Daher waren erfolgreiche Händler meist auch Saswahecar oder Bawi.

Handelspartner verkaufte Güter gekaufte Güter Achumawi Pelze, Felle, Fleisch, Gräser, verschiedene Wurzeln, Gemüse geflochtene Hüte, Tule-Körbe, Lachs, Lachsmehl, Kanichenfell-Decken, Eicheln, Dentalia-Muscheln (Gehäuse von Kahnfüßern) Nördliche Paiute Pfeil und Bogen, Körbe, Muscheln und Perlen verarbeitete Felle, roten Ocker, Perlen, (und später) Pferde, Waffen und Glas-Perlen Maidu Pelze, Pfeil und Bogen, Körbe und (später) Pferde Perlen, Spiral-Körbe Yana Felle, Pfeile, Wildkatzen, Köcher Salz, Dentalia-Muscheln Klamath Körbe Wintun Perlen, Dentalia-Muscheln

Bands der Pit River-Stämme (Achumawi und Atsugewi) Wie bereits erwähnt, werden zu den allgemein als Pit River-Stämme bezeichneten Stammesgruppen der Atsugewi und Achumawi insgesamt 11 (manchmal 12) autonome Bands (“tribelets”) gezählt, die jedoch nie eine Einheit bildeten, unterschiedliche nicht gegenseitig verständliche Sprachen sprechen und sich zwar als verwandte Völker – jedoch nicht als ein Volk – betrachteten:

Die Achumawi lebten beiderseits des Pit Rivers und dessen nördlichen Nebenflüssen und umfassten neun Bands (tribelets), die meist aus mehreren kleineren Dörfern und Camps bestanden, die sich wiederum um eine Hauptsiedlung konzentrierten; die Bands wurden meist nach der Hauptsiedlung oder des Flussgebiets benannt.Achumawi Dictionary (Quelle für indigene Gruppenbezeichnungen) Meist hatten die einzelnen Achumawi-tribelets ebenfalls auch einen „Atsuge“-Namen.Big Bend Hot Springs Project – Big Bend and Big Bend Hot Springs History Zudem gruppierten sich die Achumawi regional in zwei Dialektgruppen.

Atsugewi (Atsugé) Bands Die entlang des Südufers des Pit Rivers lebenden Atsugewi umfassten mindestens zwei (eventuell sogar drei) Bands (tribelets) und wurden (werden) oft wegen der sprachlich-kulturellen Ähnlichkeit manchmal sogar als Achumawi bezeichnet.Thomas R. Garth – ATSUGEWI ETHNOGRAPHY (Quelle für indigene Bandbezeichnungen) Zudem sind die einzelnen Bands (tribelets) zumeist historisch unter ihrer Achumawi-Bezeichnung und nicht unter der Atsugewi-Bezeichnung bekannt: Atsugé (in Atsugewi) oder Atsugewi (in Achumawi) („Volk, das im Kiefernwald lebt“), oftmals auch unter der Achumawi-Bezeichnungen als haatííw̓iwí („Volk vom haatiiw̓iw, d. h. des Hat Creeks“) bzw. atuwanúúci („Volk von Atsuge (Hat Creek)“) bekannt: ihre Jagd- und Fischgründe sowie ihre fünf Siedlungen befanden sich größtenteils in Kiefernwäldern entlang des Hat Creeks zwischen Mount Lassen und dem Pit River sowie entlang des Burney Creeks (die dort siedelnden Familien werden manchmal als separate Wamari'i / Wamari'l Band betrachtet); im Englischen meist als „Hat Creek Indians“ oder „Pine Tree Tribe“ Wamari'i/Wamari'l (in Atsugewi) oder wanúmcíw̓awí (in Achumawi) (beides: „Volk im Burney Creek-Tal“): ihre Siedlungen befanden sich entlang des Burney Creeks bis zu dessen Mündung in den Pit River (werden meist zu den Atsugewi gezählt); im Englischen meist ebenfalls als „Hat Creek Indians“ oder „Pine Tree Tribe“ bezeichnet