Der Altai (auch: das Altaigebirge; ; in türkischer Lateinschrift Altay; chinesische 阿爾泰山脈 Ā'ěrtài shānmài (wörtlich: Altai-Gebirge)) ist ein bis zu hohes zentralasiatisches Hochgebirge im Grenzgebiet von Kasachstan, Russland (Sibirien), der Mongolei und China.
Es erstreckt sich über rund 2100 km Länge vom Quellgebiet der Flüsse Irtysch und Ob in Südsibirien bis in die Trockenregionen Xinjiangs und zum ostmongolischen Hochplateau. Teile des Altai sind Weltnaturerbe der UNESCO.
Der Altai gliedert sich in drei Teile, den Großen oder Russischen, den Mongolischen und den Gobi-Altai, deren höchste Gipfel über oder um aufragen und große Gletscher tragen. Nördlich des Mongolischen Altai liegt der geografische Mittelpunkt Asiens in der Nähe der tuwinischen Hauptstadt Kysyl.
Das Gebirge ist durch die Schönheit seiner Landschaft und Flora (Naturschutzgebiet „Goldene Berge“) und die altaische Kultur ein Anziehungspunkt für Bergsteiger und Exkursionen. Bis in Höhen von sind die Berghänge mit Zedern, Kiefern, Lärchen, Fichten und Birken bewachsen. Bis zur Schneegrenze (2400 bis ) liegen Hochgebirgsweiden und -steppen. Der Altai ist reich an Bodenschätzen wie Kohle, Blei und Zink, aber auch Edelmetallen und Eisenerz.
Der Asteroid des mittleren Hauptgürtels (2232) Altaj wurde nach dem Gebirge benannt.Lutz D. Schmadel: Dictionary of Minor Planet Names. 5. Auflage, Springer Verlag, Berlin/Heidelberg 2003, ISBN 978-3-540-29925-7, S. 181 (link.springer.com online): „Named by the discoverer for the place of residence of her mother“.
Etymologie Die Herkunft des Begriffs Altai ist nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie geht davon aus, dass sich das Wort aus den alttürkischen Wörtern *altun = Gold, golden und *tāg (Pl. *tāgi) = Berg(e) zusammensetzt. Eine andere Erklärung geht von den turko-tatarischen Begriffen al = hoch und tay = Berg; Wald mit der Bedeutung Hochland; hoher Berg aus.
Geografie Gliederung mini|Kutscherla-Tal Das Gebirgssystem des Altai, das von vielen weiteren Hochgebirgen begrenzt wird, besteht aus den eingangs genannten drei Teilgebirgen:
Der Große Altai oder Russische Altai liegt im Grenzgebiet der oben erwähnten vier Länder, jedoch überwiegend in Russland, wo er sich über die beiden Verwaltungseinheiten Republik Altai und Region Altai (Altaiski krai) erstreckt. Er geht im Nord-Nordwesten und Norden über das Tal des Ob allmählich in das Westsibirische Tiefland über. Im Nordosten schließt sich der Westsajan und im Osten das Tannu-ola-Gebirge und das mongolische Hochland an. Im Südosten geht der Russische Altai in den Mongolischen Altai über. Im Süden und Südwesten fällt sein Gelände zum Tal des Irtysch mit dem Saissansee ab, der bei Vollstau des Buchtarma-Stausees von dessen Wasser überflutet wird; jenseits des Flusses und der Seen breitet sich die Kasachische Schwelle aus. In Richtung Nordwesten fällt es zur Kulundasteppe ab. Der höchste Berg des Russischen Altai ist die Belucha (). Der Mongolische Altai oder Ektag Altai (mongol. „weißgipfliger Altai“), an den sich im Nordwesten und Norden der Russische Altai anschließt, befindet sich überwiegend in der Mongolei im Grenzgebiet zur Volksrepublik China. Er fällt nach Norden und Osten in das zuvor genannte mongolische Hochland ab, aus dem sich das Changai-Gebirge erhebt. Im Südosten geht er in den Gobi-Altai und in die Wüste Gobi über. Im Süden und Südwesten fällt sein Gelände unter anderen über das Tal des Irtysch zum Becken der Dsungarei und zum bereits genannten Saissansee ab. Der höchste Berg des Mongolischen Altai ist der Mönkh Khairkhan Uul (). Der Gobi-Altai, an den sich im Nordwesten der Mongolische Altai anschließt, befindet sich ausschließlich in der Mongolei. Er fällt in Richtung Norden zum bereits erwähnten mongolischen Plateau ab. Im Osten, Südosten, Süden und Südwesten geht er in die Wüste Gobi über; als südliche Fortsetzung kann das Bergland am Hoangho (Gelber Fluss) gelten. Der höchste Berg des Gobi-Altai ist der Ich Bogd Uul ().
Der nordwestliche Teil des Russischen Altai bei Öskemen mit dem Belucha-Massiv () gehört zu den Südsibirischen Gebirgen und stellt die Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten der großen sibirischen Flüsse Ob und Irtysch dar. Die südöstlichen Fortsetzungen (Mongolischer Altai und Gobi-Altai) trennen zusammen mit den Gebirgen Dsungarischer Alatau und Westsajan die verzahnten Quellgebiete des Ob und des Jenissei sowie der innermongolisch versiegenden Binnenflüsse.
Berge mini|hochkant=1.5|Belucha – höchster Berg im Altai-Gebirge Der höchste Berg des gesamten Altai-Gebirges ist mit die Belucha (russ. Gora Belucha), die sich in der russischen Republik Altai etwa 300 km östlich der kasachischen Großstadt Öskemen im Russischen Altai befindet. Dessen Gipfel ragt nur wenige Kilometer nördlich der Grenze zu Kasachstan und ungefähr 100 km nordnordwestlich des Dreiländerecks Russland–China–Kasachstan auf.
Der zweithöchste Berg des Altai-Gebirges ist der Chüiten-Gipfel (; auch Nairamdal, Freundschafts-Gipfel; chinesisch Youyi Feng), der als höchster Punkt der Mongolei an der mongolisch-chinesischen Grenze aufragt. Das Dreiländereck zwischen Russland, China und der Mongolei wird etwa 2,5 km weiter nördlich vom niedrigeren Tawan Bogd gebildet.
Die höchsten und bekanntesten Berge im Altai sind (Auswahl): Belucha () – Großer Altai Chüiten-Gipfel () – Großer Altai / Mongolischer Altai Mönkh Khairkhan Uul () – Mongolischer Altai Tsast Uul () – Mongolischer Altai Tsambagaraw Uul () – Mongolischer Altai Sutai Uul () – Mongolischer Altai Tawan Bogd () – Großer Altai / Mongolischer Altai Ich Bogd Uul () – Gobi-Altai
Gletscher Oberhalb von etwa 3000 Höhenmeter (stellenweise auch darunter) sind die Kämme des Altai heute noch intensiv vergletschert, insbesondere die Nordhänge, was für die nördliche Halbkugel der Erde charakteristisch ist. Mit 1330 Gletschern auf einer Gesamtfläche von 890 km² ist das Gebirge nach dem Kaukasus eines der bedeutendsten Gletscherreservoire Russlands und Innerasiens. Wie in anderen Teilen der Welt, schmelzen auch im Altai die Gletscher (→ Gletscherschwund seit 1850). Im russischen Teil des Gebirges ist die vergletscherte Fläche bis Mitte der 2010er Jahre um etwa ein Viertel zurückgegangen. Ursache sind vor allem gestiegene Sommertemperaturen, die nicht durch die Zunahme der winterlichen Niederschlägen kompensiert werden konnte.
Bemerkenswert sind die Gletscher in den Katun- und Tschuja-Kämmen, wo die Belucha das Hauptzentrum der Vereisung bildet. An ihren Flanken befinden sich einige 4 bis 9 km² große, radial angeordnete Gletscher, deren Zungen mit Gletschertoren bis herab in eine Höhe von (Mensugletscher) gelangen.
Relief mini|Kutscherla-Tal in der Republik Altai Das gegenwärtige Relief des Altai ist stark untergliedert. Neben schroffen, steilen Gebirgskämmen sind mehr oder weniger breite Plateaus und großflächige Einsenkungen charakteristisch. Ferner umringen typische Mittelgebirgsformen sowie einzelne Gebirgsketten und Hochflächen den Gesamtaltai. Meist verlaufen diese Reliefformen in NW-SO streichender Richtung.
Umsäumt von Bergketten liegen die mit Lockermaterial aufgefüllten Ebenen – hier befanden sich in Höhen von 1000 bis die eiszeitlichen Stauseen. Die größten und bedeutendsten dieser Art sind das Tschuja-, Kurai- und Uimonbecken, welche sich im zentralen und östlichen Teil des Gebirges befinden. Demgegenüber stehen die 2000 bis hohen Hochplateaus, wie die Ukok-, Baschkaus-, Tschulyschman- und Terekta-Hochfläche. Auch bei den am stärksten zergliederten, höchsten und schmalsten Gebirgsketten des Altai, wie den Katun-, Süd-Tschuja- und Nord-Tschuja-Rücken (3000 bis ), konnten alte Plateauflächen rekonstruiert werden.
Entstehung und Geologie mini|Tschuja-Tal im Altaigebirge
Der Grundstock des Altai ist ein paläozoisches Faltengebirge, dessen Bildung in zwei verschiedenen Erdzeitaltern erfolgte. Während die Orogenese des Gebirgsaltai bereits im Alt-Paläozoikum, also kaledonisch, vonstattenging, unterlagen die Randbereiche wie der Erz-Altai nochmaliger variszischer Faltung, welche erst an der Grenze zum Mesozoikum ihren Abschluss fand. Heute ist von dem alten Faltengebirge kaum mehr etwas zu sehen – nur im Bereich des Zentralaltai können die Fachleute einige der ursprünglichen Faltungsschichten erkennen.
Erneute tektonische Bewegungen im Tertiär führten zu einer allgemeinen Hebung der Rumpffläche en bloc. Diese wurde durch Brüche fragmentiert, wobei die Hebung und Senkung der einzelnen Schollen bis ins eiszeitliche Quartär reichte. Die entstandenen Verwerfungen bilden die Ausgangslinien, an denen die Gebirgsbildung des gegenwärtigen Altai ansetzte.
Die verschiedenen Entstehungsphasen sind bereits Peter Simon Pallas, und von Gustav Rose 1842 referiert, aufgefallen, als er – vom Ural kommend – „kein neueres […], sondern Schiefergebirge“ vorfindet, das „mit Übergangskalkstein abwechselt und von Granit und Porphyren durchsetzt wird“.Gustav Rose: Mineralogisch-geognostische Reise nach dem Ural, dem Altai und dem Kaspischen Meere. (= Alexander von Humboldt, Christian Gottfried Ehrenberg, Gustav Rose: Reise nach dem südlichen Ural und dem Kaspischen Meere, Uebersicht der Mineralien und Gebirgsarten des Ural. Band 2), Verlag der Sanderschen Buchhandlung, Berlin 1842, S. 7 (online, PDF).
Extreme Klimaschwankungen während des Pleistozäns lösten auf der ganzen Welt mehrfache Vereisungsperioden aus. Man spricht von fünf glazialen Zyklen, welche im Altai-Gebiet stattgefunden haben. Man wies anhand von zahlreichen Bohrungen, Schnitten und C14-Datierungen nach, dass das meiste glaziale Formengut des Gebirges auf der letzten Eiszeit, der Würm-Kaltzeit, beruht. Etwa 20.000 bis 16.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung erreichte sie ihr Maximum, wobei Gletscher weite Täler und intramontane Becken abriegelten. Während der Degradierungsphase füllten sich diese mit Schmelzwasser, so dass riesige Paläoseen wie in der Tschuja-, Kurai- und Uimon-Steppe entstanden. Brüche in den natürlichen Eisstaudämmen führten zu katastrophalem Ausfließen dieser Seen. Heute sind die Zeugnisse dieser Naturkatastrophen in Form von Gigantrippeln und Wellenschlag-Terrassen in den großen intramontanen Becken sichtbar.
mini|Kutscherla-See Da das Gebirge während der quartären Kaltzeit in großen Teilen vereist war – die Schneegrenze lag gegenüber dem jetzigen Niveau um durchschnittlich 1000 m tiefer –, bestimmt der übliche glaziale Formenschatz das heutige Landschaftsbild: Kare, Kartreppen und Taltröge im Bereich der hohen Ketten; Endmoränen und glazialfluviale Schotterfelder in den Tälern.
Außer einigen größeren Seen (Saissansee und Markakol in Kasachstan; Chowd-Fluss, Atschit Nuur und Char Us Nuur in der Mongolei) gibt es im Altai auch viele kleine Gebirgsseen, die im Gefolge der Eiszeit entstanden sind. Auch großräumig ist diese Gebirgsregion von großen Seen umgeben, wie dem Alakölsee, Bortala- und Balchaschsee im Südwesten und den Chöwsgöl Nuur und Baikalsee im Osten.
Die häufigsten Gesteine des Russischen Altai sind meist stark gefaltete Schiefer, die vor allem die Hauptketten des Gebirges bilden und ihnen stellenweise grünliche oder violette Farben verleihen.
Klima Das Klima des Altai ist stark kontinental geprägt, was sich am deutlichsten in den langen, kalten Wintern zeigt. Die warmen oder sogar heißen Sommer sind dagegen kurz.
Aufgrund seiner geografischen Lage zwischen trockenen Steppenklimaten und relativ feuchten Nadelwäldern und des ausgeprägten Gebirgsklimas variieren die Niederschlagsverhältnisse innerhalb des Altai beträchtlich. Die westlichen und nördlichen Teile des Russischen Altai erhalten die höchsten Niederschläge, die dort während des ganzen Jahres niedergehen. Die südlichen Teile, insbesondere der Gobi-Altai, sind dagegen viel trockener.