Eine europäische politische Partei (umgangssprachlich auch Europapartei, früher offiziell politische Partei auf europäischer Ebene..) ist eine politische Partei bzw. ein Bündnis politischer Parteien, die bzw. das auf europäischer, insbesondere aber auf Ebene der Europäischen Union politisch tätig ist.
Die existierenden Parteien auf europäischer Ebene bestehen aus nationalen politischen Parteien mit ähnlicher politischer Richtung. Viele haben zusätzlich auch individuelle Bürger als Mitglieder, zum Beispiel Mitglieder des Europäischen Parlamentes bzw. der nationalen oder regionalen Parlamente. Stand 30. September 2024 sind zwölf Parteien bei der zuständigen Behörde für europäische politische Parteien und europäische politische Stiftungen registriert. Daneben gibt es transnationale Parteien und Parteienbündnisse, die gezielt auf der Ebene der Europäischen Union tätig sind, jedoch nicht die formalen Voraussetzungen der einschlägigen Verordnung erfüllen. Der Organisationsgrad variiert dabei von engen Bündnissen mit gemeinsamem Programm bis zu losen Allianzen mit unregelmäßigen Treffen.
Die ersten Europaparteien entstanden in den 1970er Jahren. Formal wurden politische Parteien auf europäischer Ebene mit dem Vertrag von Maastricht 1992 eingeführt. Die Fraktionen im Europäischen Parlament werden in der Regel von einer, manche von zwei europäischen politischen Parteien getragen. Dabei finden sich in den Fraktionen auch Abgeordnete, die keiner europäischen Partei angehören, andererseits gehören Abgeordnete einiger europäischen Parteien auch verschiedenen Fraktionen an. Derzeit gehören 89 % der Europaabgeordneten einer registrierten europäischen politischen Partei an. Auch die Fraktionen in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, im Europäischen Ausschuss der Regionen sowie im Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates werden von den (größeren) europäischen Parteien getragen. Die informellen Vorbesprechungen vor den Gipfeltreffen der Mitglieder des Europäischen Rats werden ebenfalls entlang der drei großen europäischen Parteien organisiert.
Die registrierten Parteien können Finanzierung aus dem EU-Haushalt erhalten. Den politischen Parteien auf europäischer Ebene stehen politische Stiftungen nahe, die ebenfalls Finanzierung aus dem Gesamthaushaltsplan der Europäischen Union erhalten können.
Hintergrund Gemäß Absatz 4 des Vertrages über die Europäische Union tragen „[p]olitische Parteien auf europäischer Ebene […] zur Herausbildung eines europäischen politischen Bewusstseins und zum Ausdruck des Willens der Bürgerinnen und Bürger der Union bei.“. In: Amtsblatt der Europäischen Union. C, Nr. 83, 30. März 2010. Europäische Parteien, die an den Wahlen zum Europäischen Parlament teilnehmen und die eine Reihe weiterer Voraussetzungen erfüllen (siehe unten), können vom Europäischen Parlament anerkannt werden. Seit dem 1. Januar 2017 ist die Behörde für europäische politische Parteien und europäische politische Stiftungen für die Registrierung der europäischen Parteien zuständig.
Die ersten Europaparteien entstanden in den 1970er Jahren aus den Fraktionen im Europäischen Parlament. Formal wurden politische Parteien auf europäischer Ebene mit dem Vertrag von Maastricht 1992 eingeführt. 2003 wurde in der Verordnung (EG) Nr. 2004/2003 der Begriff „politische Partei auf europäischer Ebene“ konkret definiert und die Möglichkeiten der öffentlichen Parteienfinanzierung dieser politischen Parteien auf europäischer Ebene festgelegt.
Heute bilden sich die Fraktionen im Europäischen Parlament vor allem aus den Mitgliedern der großen europäischen politischen Parteien. Dabei entsprechen sich Parteien und Fraktionen nicht völlig, einige Fraktionen bestehen aus mehreren europäischen Parteien, und in vielen Fraktionen finden sich außerdem Abgeordnete nationaler Parteien, die keiner europäischen Partei bzw. Parteienbündnis angehören. Derzeit gehören circa 88 % der Europaabgeordneten einer europäischen politischen Partei an. Trotz ihrer rechtlichen Anbindung an den EU-Rahmen haben viele der Parteien auch Mitglieder in europäischen Ländern außerhalb der EU, zum Teil als assoziierte Mitglieder. Die Parteien bilden auch die Grundlage für die Fraktionen bzw. Gruppen im Ausschuss der Regionen der EU, in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und im Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates.
Voraussetzungen Eine europäische politische Partei (im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 2004/2003 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 4. November 2003 über die Regelungen für die politischen Parteien auf europäischer Ebene und ihre Finanzierung) muss folgende Voraussetzungen erfüllen: Sie besitzt in dem Mitgliedstaat, in dem sie ihren Sitz hat, Rechtspersönlichkeit; sie ist in mindestens einem Viertel der Mitgliedstaaten durch Mitglieder des Europäischen Parlaments oder in den nationalen Parlamenten oder regionalen Parlamenten oder Regionalversammlungen vertreten, oder hat in mindestens einem Viertel der Mitgliedstaaten bei der letzten Wahl zum Europäischen Parlament mindestens 3 Prozent der abgegebenen Stimmen in jedem dieser Mitgliedstaaten erreicht; sie beachtet insbesondere in ihrem Programm und in ihrer Tätigkeit die Grundsätze, auf denen die Europäische Union beruht, das heißt die Grundsätze der Freiheit, der Demokratie, der Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie der Rechtsstaatlichkeit; sie hat an den Wahlen zum Europäischen Parlament teilgenommen oder die Absicht bekundet, dies zu tun. Erfüllt eine Organisation diese Voraussetzungen, kann sie sich bei der Behörde für europäische politische Parteien und europäische politische Stiftungen (APPF) registrieren.
Parteien
Registrierte Parteien Zwölf Parteien sind (Stand: 30. September 2025) bei der Behörde für europäische politische Parteien registriert: Name Abk. Gründung Fraktion Ausrichtung Sitze Parlament Kommission Rat x30px Europäische Volkspartei EVP 1976 EVP, Renew christlich-demokratisch, konservativ x30px Sozialdemokratische Partei Europas SPE 1992 S&D sozialdemokratisch x30px Patriots.eu PEU 2014 PfE rechtsextrem, nationalistisch Europäische Konservative und Reformer EKR 2009 EKR europaskeptisch, konservativ x30px Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa ALDE 1976 Renew liberal x30px Europäische Grüne Partei EGP 2004 Grüne/EFA grün Europa der Souveränen Nationen ESN 2024 ESN rechtsextrem 92x92px Allianz der Europäischen Linken für die Menschen und den Planeten ELA 2024 Die Linke linkspopulistisch, ökosozialistisch 88x88px Partei der Europäischen Linken EL 2004 Die Linke, fraktionslos links, sozialistisch x40px Europäische Demokratische Partei EDP 2004 Renew zentristisch x30px Europäische Freie Allianz EFA 1981 Grüne/EFA, EKR, Linke, EVP Regionalparteien x30px Europäische Christliche Politische Partei ECPP 2005 EKR, EVP, fraktionslos christlich-konservativ
Nationale Mitgliedsparteien Diese Tabelle enthält die nationalen Mitgliedsparteien der Europäischen politischen Parteien, die von der Behörde für europäische politische Parteien registriert sind bzw. den Antrag auf Registrierung gestellt haben. Gelistet sind nur stimmberechtigte Mitglieder, die im Europa-, im nationalen oder einem regionalen Parlament vertreten sind.
Weitere europäische Parteien und Parteienbündnisse im Europäischen Parlament Folgende nicht registrierten Parteienbündnisse bzw. transnationale Parteien sind im Europäischen Parlament vertreten: Name Abk. Gründung Art Ausrichtung Europaparlament Mitglieder Mitglieder Fraktion Deutschsprachig Weitere (Auswahl) x30px Volt Europa Volt 2017 Transnationale Partei föderalistisch G/EFA Volt Volt Volt VoltVolt Volt Volt Volt Europäische Kommunistische Aktion ECA 2023 Parteienbündnis kommunistisch, marxistisch-leninistisch fraktionslos PdA KKE x30px Animal Politics EU APEU 2014 Wahlbündnis Tierschutz, Tierrechtspolitik Die Linke Tierschutzpartei PvdD PAN PACMA x30px Europäische Piratenpartei PPEU 2013 Parteienbündnis Piratenpartei G/EFA Piraten Pirat PPS Pirate PP ČPS Píratar
Weitere Parteien und Bündnisse Neben den genannten Parteien gibt es einige weitere europaweite Gruppierungen, die transnational organisiert sind und teilweise bei Europawahlen antreten.
Transnationale Parteien
Democracy in Europe Movement 2025 (DiEM25) wurde im Februar 2016 vom ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis gegründet. Seit 2019 gründeten sich mehrere nationale Wahlflügel, die unter dem gemeinsamen Namen MERA25 antreten. Der griechische Wahlflügel war zeitweise im Griechischen Parlament vertreten. Die Europäische Föderalistische Partei (EFP) setzt sich für Europäischen Föderalismus ein. Sie ist inzwischen hauptsächlich in französischsprachigen Regionen aktiv. Europa – Demokratie – Esperanto (E-D-E) setzt sich für den Gebrauch der Plansprache Esperanto auf europäischer Ebene ein.Offizielle Homepage von E-D-E. Die Partei nimmt seit 2004 regelmäßig in Frankreich an der Europawahl teil (0,08 % bis 0,18 %) und trat 2009 auch in Deutschland an (0,04 %).
Parteienbündnisse Vor dem Hintergrund des Kriegs in Israel und Gaza seit 2023 schlossen sich erst vier, später sechs vorwiegend muslimisch geprägte Parteien in einer Allianz namens Free Palestine Party zusammen. Stand 2025 gehören der Allianz das belgische Team Fouad Ahidar, das deutsche Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit, die französische Union des démocrates musulmans français, die niederländische Partei NIDA, die schwedische Partiet Nyans und die spanische Partido Andalusí an. Im Oktober 2010 wurde durch mehrere feministische Parteien das European Feminist Coordination Board gegründet.Feministiskt initiativs på internationell konferens – Rapport från European Feminist Parties Coordination Board meeting Gdansk, Poland (dänisch), zwanzigtausendfrauen.at, abgerufen am 24. Mai 2021. Der Verband, dem die deutsche Feministische Partei Die Frauen, die schwedische Feministiskt initiativ (FI), die polnische Partia Kobiet und die spanische Iniciativa Feminista angehören, strebte an, nach den Europawahlen 2014 mit einer Fraktion im Europäischen Parlament vertreten zu sein.Standard Europäischer Dachverband gegründet Die FI erreichte bei der Wahl einen Sitz und schloss sich der S&D-Fraktion an. Am 30. November 2018 gründeten Parteien aus Schweden, Dänemark, Deutschland, Rumänien, Spanien, Finnland, Polen and Italien das Feminists United Network Europe (FUN Europe). Die Mitglieder traten zu den Europawahlen 2019 und 2024 an, erreichten jedoch kein Mandat.Nytt feministiskt nätverk i Europa / New Feminist Network in Europe (schwedisch, englisch), mynewsdesk.com am 1. Dezember 2018; abgerufen am 24. Mai 2021. Nation Europa ist ein Netzwerk rechtsextremer Parteien, die die Ukraine unterstützen. Deutsches Mitglied ist Der Dritte Weg.
Geschichte
Erste Parteienbündnisse auf EG-Ebene (1957–1991) Bereits seit Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) 1952 gab es eine Zusammenarbeit der nationalen Parteien, die die verschiedenen Fraktionen im Europäischen Parlament bildeten. Diese basierten jedoch zunächst einzig auf einer gemeinsamen politischen Richtung und nicht auf einem echten organisatorischen Zusammenschluss. Der erste Schritt zu festeren Organisationsstrukturen erfolgte 1957 durch die Mitgliedsparteien der Sozialistischen Internationale in den EGKS-Mitgliedstaaten, die sich auf einem Kongress auf die Schaffung eines Verbindungsbüros verständigten. 1974 entstand daraus der Bund der Sozialdemokratischen Parteien der Europäischen Gemeinschaft, der erste formelle Parteienverbund auf Ebene der Europäischen Gemeinschaften. Auch Kleinparteien organisierten sich transnational, so zum Beispiel ab 1951 die neonazistische Europäische Soziale Bewegung und ab 1960 die Europäische Föderalistische Partei.