mini|Göritz Gutshaus und Stallung mini|Verfallener Dorfkrug mini|Göritzer Dorfstraße Göritz, , ist ein Ortsteil der Stadt Vetschau/Spreewald im Nordosten des südbrandenburgischen Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Der Ort wurde 1452 erstmals urkundlich erwähnt. Göritz ist Teil des amtlichen Siedlungsgebietes der Sorben/Wenden.

Lage Göritz liegt in der Niederlausitz im Spreewald. Umgeben ist der Ort von Vetschauer Ortsteilen und der Stadt Vetschau/Spreewald selbst. Im Nordwesten und Norden liegt Raddusch mit seinen Gemeindeteilen Radduscher Buschmühle und Radduscher Kaupen. Im Nordosten und Osten folgt Stradow. Im Süden grenzt Göritz an die Stadtgemarkung von Vetschau/Spreewald. Im Westen befindet sich die Gemarkung Koßwig und die ehemalige Wüstung Dubrau. Die Gemarkung Koßwig stößt keilartig bis zum Ortskern von Göritz in die Göritzer Gemarkung. Das Haus Kähnsdorfer Weg 6 gehört somit noch zu Koßwig.

Der Ort wird durch die 1938 erbaute Bundesautobahn 15 (damals Reichsautobahn Berlin – Breslau) quasi in zwei Teile geteilt. Fast parallel dazu verläuft zudem die L 49 (frühere B 115), die im Ort den Straßennamen Berliner Chaussee trägt. Ebenfalls parallel zu Autobahn und Landesstraße führt die Bahnlinie Bahnstrecke Berlin–Görlitz am Ort vorbei, die 1865/66 gebaut wurde. Göritz erhielt aber keine Haltestelle. Die nächsten Haltestellen sind in Raddusch oder Vetschau/Spreewald.

Zu Göritz gehört der Wohnplatz Göritzer Mühle, der östlich von Autobahn, Landesstraße und Bahnlinie am Mühlgraben liegt, der vom Göritzer Fließ abzweigt. Der Mühlgraben ist heute trocken gefallen und teilweise schon verfüllt.

Geschichte mini|Gedenkstein in der Dorfmitte Göritz wurde erstmals 1452 als Goritz erwähnt. Im Jahr 1484 wurde es erneut als Goritz genannt. Die Übersetzung wird mit kleiner Berg angenommen. Diese Übersetzung gilt jedoch nicht als sicher, da die niedersorbische Namensvariante mit ch beginnt. Diese wurde 1761 mit Chorize genannt. Der sorbische Name lässt auch eine Anknüpfung an das altsorbische Chorici mit einer Verbindung zum Personennamen Chor zu. Der Ortsname wurde 1816 als Göritz und 1880 als Chórice genannt. Die ursprüngliche Dorfform charakterisiert Rudolf Lehmann als Sackgasse. Geprägt war das Dorf durch das Rittergut Göritz.

Vor- und Frühgeschichte Von der Gemarkung stammt der Einzelfund eines Tongefäßes in Form eines Trinkhorns. Es wird in die jungbronzezeitliche Lausitzer Kultur datiert.

15. und 16. Jahrhundert Am 3. August 1452 belehnte der brandenburgische Markgraf Friedrich II. Witchen von Cathewicz (von Kottwitz) mit dem Dorf Göritz und mit einem Zins in Höhe von 4 Schock Geldes in Lobendorf. Das Dorf Göritz hatte Witchen von Cathewicz von Hans von Köckritz zu Drebkau gekauft, den Zins in Lobendorf von Marschalk Jorge von Schlieben. Im Lübbenauer Schöffenbuch erscheint das Dorf 1484 in der Schreibweise Goricz und Joricz.

1527 war das Dorf im Besitz der Brüder Dietrich, Wenzel und George von Kötteritz. Sie wurden am 5. November 1527 mit einem Freihaus in Calau, einem Vorwerk und Weinberg vor Calau, dem ganzen Dorf Göritz und mit dem halben Dorf Bolschwitz belehnt. Das Dorf Göritz hatte ihr Vater nicht lange davor erworben. 1538 verkauften sie ihren Besitz an Georg von Zauche, der am 14. Juli 1538 mit Göritz belehnt wurde. Nur wenig später (1542) verkaufte Georg von Zauche diese Güter wieder; das Freihaus in Calau ging an Dietrich von Kötteritz, halb Bolschwitz an Heinrich von Zabeltitz auf Gahlen, und das Dorf Göritz erwarb Eustach von Schlieben auf Seese. Letzterer erhielt am 10. Januar 1543 den Lehnbrief über seine neue Besitzung. Ihm gehörten neben Seese auch Stradow und Dubrau sowie weitere Rechte und Zinsen in anderen Dörfern. Am gleichen Tag erhielt auch die zweite Frau von Eustach von Schlieben, Katharina von Schapelow, den Lehnbrief über Schloss und Stadt Vetschau sowie dessen Zubehör leibgedingweise, d. h. sie bliebe in der Nutznießung der Güter auch nach dem Tod ihres Mannes bis zu ihrem eigenen Tod. Zu von Schliebens Begüterung Seese gehörte auch Göritz. Eustach von Schlieben starb am 22. März 1568.

17. Jahrhundert Erbe war der Sohn Hans von Schlieben aus der ersten Ehe von Eustach von Schlieben. Dieser Hans war mit Elisabeth von Blankenburg verheiratet. Deren Söhne Eustach, Hans Georg, Christoph, Joachim, Kurt (oder Konrad) und Eitelhans wurden am 5. Mai 1601 mit dem väterlichen Besitz in Seese und Vetschau belehnt. In der brüderlichen Teilung fielen Buckow, Dubrau und Göritz an Hans Georg von Schlieben.

Hans Georg von Schlieben starb aber 1637 ohne Leibeserben, sodass sein Besitz an seinen Neffen Erdmann (* 10. August 1632, † 13. Dezember 1686) den Sohn seines 1635 verstorbenen Bruders Eitelhans, und an seinen Bruder Eustach fielen. Nach der Teilungsurkunde erhielt der Neffe Erdmann Dubrau und Göritz. 1675 musste Erdmann Göritz wegen einer Schuld von 300 Talern an das geistliche Konsistorium der Niederlausitz verpfänden. Er hatte mit seiner Frau Sibylle Elisabeth von Birckholtz nur Töchter, die in der damaligen Zeit nicht lehnsberechtigt waren. Seine Lehngüter Dubrau und Göritz fielen nach seinem Tod 1686 an seinen Vetter Christian Dietrich von Schlieben auf Vetschau und Seese. Das Epitaph des Erdmann von Schlieben ist in der Wendischen Kirche in Vetschau/Spreewald an der Ostwand aufgestellt (leider durch den Aufgang zum Kanzelaltar halb verdeckt). Er ist dort als Erbherr von Stradow, Neuhausen, Göritz und Dubrau bezeichnet.

18. Jahrhundert Christian Dietrich von Schlieben auf Vetschau und Seese verkaufte Göritz und Dubrau nebst zwei Wiesen bei Stradow 1725 für 19.000 Taler und 100 Taler Schlüsselgeld an den kurfürstlich-sächsischen Kammerjunker Carl Gottlob von Nüßler, den späteren preußischen Justiz- und Landrat auf Weißensee. 1732 übertrug dieser die beiden Dörfer an seinen Bruder Erdmann Ferdinand von Nüßler, der sie 1735 für 23.000 Taler und 150 Taler Schlüsselgeld an Hans Georg von Stutterheim verkaufte. Hans Georg starb allerdings nur zwei Monate nach dem Kauf; Erben von Göritz waren seine Söhne Georg Friedrich und Otto Hieronymus. Sie hatten 1744/56 Streitigkeiten mit Johann Heinrich von Langen in Stradow wegen der Fischerei im Göritzer Mühlenfließ. Dieses bildet über eine längere Strecke die Grenze zwischen den Feldmarken von Göritz und Stradow. Zuerst übernahm Georg Friedrich die beiden Dörfer; er starb 1772 kinderlos in Dubrau. Daraufhin fielen die beiden Dörfer an seinen Bruder Otto Hieronymus, der jedoch ebenfalls unverheiratet war. Er starb 1796 und vererbte die beiden Dörfer seinen Schwestern Christiane Sofie und Christiane Euphrosyne. Diese verkauften Dubrau und Göritz 1797 für 4.600 Taler und 400 Taler Schlüsselgeld an Rochus August Graf zu Lynar auf Lübbenau, der die beiden Orte an seine Herrschaft Lübbenau anschloss.

19. und 20. Jahrhundert mini| Göritz, Ausschnitte aus den Urmesstischblätter 4150 Burg von 1846 und 4250 Vetschau von 1846, kombiniert Rochus August Graf zu Lynar starb am 1. August 1800 völlig überraschend, erst 27 Jahre alt. Die Güter kamen nun an seinen Zwillingsbruder Hermann Rochus Graf zu Lynar. Er bekam Ärger mit dem Fiskus, als er 1802 eine Schenke in Göritz einrichtete. Nach Tim Müller war das Rittergut Göritz 1812 im Besitz (Pacht?) eines Freiherrn von Beust.

Göritz und Dubrau wurden 1839 in Allodium (Eigen) umgewandelt. 1839 fand die Separation in Göritz statt. Die bisherigen Lassgüter wurden nun Eigentum der Bauern und Kossäten. Sie mussten allerdings als Ausgleich für die Ablösung der Dienste und Wegfall der Abgaben die Hälfte des Landes ihrer Güter an die Grundherrschaft abtreten. Die Größe des Gutsbesitzes stieg nun auf 228 ha an, gegenüber 121 ha an bäuerlichen Gütern. Die Grafen zu Lynar verkauften Göritz 1842 an den Rechnungsrat Carl Friedrich Pittelko in Potsdam. Dubrau blieb dagegen bei der Herrschaft Lübbenau. Berghaus nennt für 1853 Rudolf Pittelko als Besitzer des Rittergutes Göritz. Das Gut hatte Sitz und Stimme in der Ritterkurie des niederlausitzischen Landtages. Es hatte damals eine Größe von 893 Morgen 12 Quadratruten, davon entfielen 621 Morgen 7 Quadratruten auf Ackerflächen, 61 Morgen 91 Quadratruten auf Wiesen, 66 Morgen 30 Quadratruten auf Forstland. Die Schatzung betrug 906 Taler.

1879 war das Pittelkosche Rittergut Göritz verpachtet an einen Amtmann Semming/Semmig. Unter den industriellen Anlagen des Gutes ist eine Ziegelei gelistet. 1885 war das Rittergut Göritz an Carl Pittelko verpachtet. Als Besitzer ist aber immer noch Rudolf Pittelko eingetragen. Das Rittergut blieb im Besitz der Familie Pittelko bis um/nach 1910. Damals gehörte zum Gut eine Ziegelei und eine Brennerei. Ab 1914 ist nun Georg Geisler als Besitzer aufgeführt. Er führte Brennerei und Ziegelei weiter. Ihm gehörte das Rittergut auch noch 1929. Das Gut umfasste damals 220 ha, davon waren 180 ha Acker, 18 ha Wiesen, 8 ha Weiden, 7 ha Forst und 7 ha Unland (nicht zu bewirtschaften). In den Ställen standen 16 Pferde und 80 Stück Rindvieh, 30 davon waren Kühe. Er betrieb noch die bereits genannte Brennerei. Die Ziegelei hatte er 1920 aufgegeben. Die Brennerei arbeitete bis 1945. Der Besitzer des Gutes wohnte zumindest 1937 nicht mehr auf dem Gut. Ein (Guts-)Vogt verwaltete das landwirtschaftliche Anwesen. 1937 war Reinhold Heidler Gutsvogt, 1941 Hermann Skupin.

Kommunale Geschichte Vor dem Dreißigjährigen Krieg soll es südlich des Dorfes am Beltener Weg eine Töpferei gegeben haben, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde.

1708 lebten vier Bauernfamilien, vier Gärtnerfamilien und zwei Büdner in Göritz. 1718 werden nur noch drei Hüfner genannt, die Gärtner werden nun Kossäten, die zwei Büdner Häusler genannt. Das Dorf hatte eine Schatzung von 906 Gulden. 1755 hatte der Ort 104 Konsumenten, davon 59 Männer und 45 Frauen, Die durchschnittlich Ernte in Dresdner Scheffel betrug 669 ¼ Scheffel Korn, 25 ½ Scheffel Weizen, 31 ½ Scheffel Gerste, 218 Scheffel Hafer, 18 9/16 Scheffel Erbsen, 24 Scheffel Heidekorn (= Buchweizen), 20 Scheffel Lein und 32 Scheffel Hirse.

Die Bevölkerungsstruktur war 1810: vier Ganzbauern/Vollbauern, vier Ganzkossäten/Vollkossäten und sieben Häusler oder Büdner. 1820 hatte der Ort 130 Einwohner, die in 19 Häusern wohnten. Separat ausgewiesen ist die Göritzer Wasser- und Windmühle, wo in einem Wohnhaus sechs Personen wohnten. 1823 war die Bevölkerungsstruktur: vier Bauern, vier Kossäten, vier Büdner oder Häusler.

1842 hatte der Ort 21 Häuser und 112 Einwohner. Zum Dorf gehörte eine Wasser- und eine Windmühle. Das Dorf stand unter der Jurisdiktion der Standesherrlichen Justizkanzlei in Lübbenau. Das Urmesstischblatt 4250 Vetschau von 1846 verzeichnet südlich des Ortes einen Weinberg. Wahrscheinlich ist der Weinbau schon im 18. Jahrhundert eingestellt worden.

1861 wurden in Göritz insgesamt 21 Wohnhäuser gezählt, in denen 184 Personen wohnten. 1867 ist Göritz als ein Dorf mit einer Wassermühle, einer Windmühle und einer Ziegelei beschrieben. Es hatte 22 Wohnhäuser und 180 Einwohner. Die Ziegelei lag westlich des Dorfes und wurde später durch den Tagebau Seese-Ost geschluckt. 1871 standen im Gemeindebezirk 18 Wohnhäuser mit 119 Einwohnern, zum Gutsbezirk gehörten 4 Häuser mit zusammen 59 Einwohnern.

1850 waren noch etwa 41 % der Einwohner wendischsprachig. 1867 gaben nur noch 4,7 % der Einwohner an, wendischsprachig zu sein. Nach anderen Angaben lebten im Jahr 1880 noch mindestens 33,7 Prozent wendischsprachige Personen im Ort.