Das Lotus F1 Team war ein im Vereinigten Königreich ansässiger, zum luxemburgischen Investmentunternehmen Genii Capital gehörender Formel-1-Rennstall, der von 2010 bis 2015 unter wechselnden Bezeichnungen an der Formel-1-Weltmeisterschaft teilnahm. Er ging aus dem ehemaligen Renault-Werksteam hervor. Der Rennstall wurde bis zum Frühjahr 2012 von dem britischen Sportwagenhersteller Lotus Cars unterstützt; die Teambezeichnung sollte auf diese Verbindung hinweisen. Eine Beziehung zu dem traditionsreichen, von 1958 bis 1994 in der Formel 1 aktiven Rennstall Team Lotus besteht nicht; es gab auch keine Verbindung zu dem mit malaysischer Lizenz startenden Team Lotus Racing, das 2011 seinerseits die Bezeichnung Team Lotus nutzte. Nachdem Lotus 2015 in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, kaufte Renault den Rennstall im Dezember 2015 zurück. Ab der Saison 2016 bis 2020 trat das Team als Renault-Werksteam an, unter den Bezeichnungen Renault Sport F1 Team, Renault F1 Team und Renault DP World F1 Team. Seit 2021 trägt es den Namen Alpine F1 Team. Es nutzt weiterhin die in Großbritannien ansässige Basis des ehemaligen Lotus-Teams.

Geschichte des Teams mini|Lotus-Werk in Enstone, Oxfordshire Sitz des Teams ist die Gemeinde Enstone in Oxfordshire, England.

Entstehung

Das Lotus F1 Team ist Nachfolger des Renault-Werksteams, das sich von 2001 bis 2009 an der Formel-1-Weltmeisterschaft beteiligte. Renault hatte von 1977 bis 1985 ein eigenes, in Frankreich ansässiges Formel-1-Team unterhalten und mit ihm die Turbotechnologie im Grand-Prix-Sport etabliert. Nach zwischenzeitlichem Rückzug kehrte das französische Staatsunternehmen zu Beginn der Saugmotorära 1989 als reiner Motorenlieferant mit Erfolg wieder in die Formel 1 zurück. Nigel Mansell, Alain Prost, Damon Hill und Jacques Villeneuve (alle Williams) sowie Michael Schumacher (Benetton) gewannen zwischen 1992 und 1997 fünf Renault-Fahrer die Formel-1-Weltmeisterschaft. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts entschied sich Renault, wieder ein komplettes Formel-1-Team an den Start zu bringen. Statt ein eigenes Team aufzubauen, übernahm das französische Unternehmen den in Großbritannien ansässigen Rennstall Benetton, der seinerseits auf das 1981 erstmals angetretene Team Toleman zurückging.

2001 hieß das Team ungeachtet des neuen Eigentümers zunächst noch Benetton; zur Saison 2002 wurde dann der Namenswechsel hin zu Renault F1 vollzogen. Die Leitung des Rennstalls lag bei Flavio Briatore, der eine Reihe von Fahrern aus seinem Kader ins Team brachte. Erfolgreichster Pilot war der Spanier Fernando Alonso, der 2005 und 2006, nachdem die jahrelange Ferrari-Dominanz ein Ende gefunden hatte, für Renault die Fahrerweltmeisterschaft gewann. In beiden Jahren wurde das Team auch Konstrukteursweltmeister. Nachdem Alonso das Team Ende 2006 verlassen hatte, brach die Leistung des französisch-britischen Rennstalls stark ein. Tiefpunkt war das Bekanntwerden der sogenannten Crashgate-Affäre, einem beim Großen Preis von Singapur 2008 bewusst herbeigeführten Unfall des Renault-Piloten Nelson Piquet junior, durch den Piquets Teamkollege Alonso ein strategischer Vorteil verschafft werden sollte. Der Imageschaden, den die von Briatore und Pat Symonds zu verantwortende Affäre nach sich zog,Aufgrund dieser Affäre verlor Renault kurz vor dem Großen Preis von Singapur mehrere Sponsoren, unter anderem den Titelsponsor ING Groep: „Nach ‚Crashgate‘: Renault verliert den Titelsponsor“ (Motorsport-Total.com am 24. September 2009) war neben wirtschaftlichen Erwägungen ein Grund für die Entscheidung Renaults, sich mit Ablauf der Saison 2009 aus der Formel-1-Weltmeisterschaft zurückzuziehen.

Im Dezember 2009 verkaufte Renault zunächst 75 Prozent der Teamanteile an das Luxemburger Unternehmen Genii Capital und zog sich aus dem operativen Geschäft des Rennstalls zurück. Später übernahm Genii Capital den Rennstall vollständig.Proton verstärkt Engagement bei Genii: Nachricht auf der Website www.motorsport-total.com (abgerufen am 3. Dezember 2011). Renault beschränkte sich ab 2010 darauf, mehrere Formel-1-Teams – darunter das ehemalige eigene Werksteam – mit Motoren zu beliefern.

2010 meldete sich das Team noch unter dem bisherigen Namen Renault F1 Team; 2011, nachdem eine Vereinbarung mit Lotus Cars abgeschlossen worden war, hieß es Lotus Renault Grand Prix. Mit Beginn der Formel-1-Weltmeisterschaft 2012 entfiel der Name Renault gänzlich; der Rennstall hieß seitdem Lotus F1 Team.

Namensstreit Team Lotus und Lotus Cars In der Saison 2011 traten zwei eigenständige Teams an, die den Namen Lotus in der Bezeichnung führten: einerseits das aus Renault hervorgegangene Team Lotus Renault GP, andererseits der 2009 von Tony Fernandes gegründete, mit malaysischer Lizenz fahrende Rennstall Lotus Racing (2011 als Team Lotus gemeldet). Während Lotus Renault GP seinen Namen auf den nach wie vor aktiven britischen Sportwagenhersteller Lotus Cars zurückführte, nahm der malaysische Rennstall Bezug auf den ehemaligen britischen Formel-1-Rennstall Team Lotus. Beide Unternehmen – Team Lotus und Lotus Cars – waren von Colin Chapman (1928–1982) gegründet worden; spätestens seit den 1980er Jahren waren sie aber rechtlich unabhängig und hatten abgesehen von Namen und Historie keine Bezugspunkte mehr. Die Rechte an dem Namen Team Lotus liegen bei dem britischen Rennfahrer David Hunt, der sie 1995 nach dem Konkurs des Rennstalls erworben hatte. Hunt gestattete Fernandes 2010, den traditionsreichen Namen für das malaysische Team zu verwenden.„Lotus ändert für 2011 den Teamnamen“ (Motorsport-Total.com am 24. September 2010)

Die Verwendung des Namens Team Lotus war Grund für einen Rechtsstreit zwischen dem malaysischen Team und dem Unternehmen Lotus Cars, das sich an dem ehemaligen Renault-Werksteam beteiligt hatte.„Renault-Shareholding: Die Fakten auf dem Tisch“ (Motorsport-Total.com am 4. Februar 2011) Beide Teams wollten den Namen „Lotus“ exklusiv, d. h. unter Ausschluss des jeweils anderen, für sich nutzen. Am 27. Mai 2011 bestätigte ein britisches Gericht, dass das malaysische Team Lotus der offizielle Nachfolger des traditionsreichen Namens ist und diese Bezeichnung zu Recht führt. Zugleich erlaubte das Gericht dem Unternehmen Lotus Cars, den Namen Lotus auch im Formel-1-Sport zu verwenden; Lotus Cars musste dabei aber auf den Zusatz „Team“ verzichten. Damit waren Lotus Cars und Genii Capital berechtigt, das ehemalige Renault-Werksteam als Lotus Renault GP zu bezeichnen. Tony Fernandez entschied sich im Herbst 2011 dazu, sein Formel-1-Team ab 2012 unter dem Namen Team Caterham zu melden.„Lotus-Namensstreit vor dem Ende?“ (Motorsport-Total.com am 27. August 2011, abgerufen am 22. Oktober 2011) Damit endete der Namensstreit nach mehr als einem Jahr.

Zusammenarbeit mit der Lotus-Gruppe Der britische Automobilhersteller Lotus, der mehrheitlich der malaysischen Proton-Gruppe gehört, ging Anfang 2011 eine Verbindung mit Geniis Formel-1-Rennstall ein. Zunächst wurde berichtet, das Team arbeite in technischer Hinsicht mit dem Automobilhersteller zusammen, der außerdem Anteile am Rennstall erworben habe. Tatsächlich hatte Lotus Cars 2011 und 2012 lediglich die Stellung eines Titelsponsors und besaß zudem die Option, Anteile am Team zu übernehmen. Davon machte Lotus indes keinen Gebrauch.Diese Einzelheiten wurden anlässlich der Beendigung der Kooperation im April 2012 bekannt. Vgl. „Lotus-Gruppe beendet Sponsoring des Formel-1-Teams“: Nachricht vom 6. April 2012 auf der Internetseite www.motorsport-total.com.

2012 ging der Rennstall vereinbarungsgemäß unter der Bezeichnung Lotus F1 Team an den Start. Nachdem zwei Rennen gefahren waren, beendeten Genii und die Lotus-Gruppe ihre Zusammenarbeit im April 2012. Die Lotus-Gruppe, die seit mehreren Monaten ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachgekommen war, gab angesichts finanzieller Schwierigkeiten ihre Stellung als Hauptsponsor mit sofortiger Wirkung auf. Genii verzichtete auf die Zahlung der ausstehenden Sponsorgelder und erhielt im Gegenzug die Erlaubnis, das Team weiterhin unter dem Namen Lotus an den Start zu bringen.„Lotus-Gruppe beendet Sponsoring des Formel-1-Teams“: Nachricht vom 6. April 2012 auf der Internetseite www.motorsport-total.com. Das Team erhielt die Nutzungsrechte am Namen Lotus bis 2017.Lotus behält Namen bis 2017: Nachricht vom 10. April 2012 auf der Internetseite www.motorsport-total.com.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten Ungeachtet der sportlichen Erfolge war die Formel-1-Weltmeisterschaft 2013 für das Team von wirtschaftlichen Schwierigkeiten geprägt. Kimi Räikkönens Gehalt wurde nur mit erheblicher Verzögerung gezahlt, nachdem dieser öffentlich damit gedroht hatte, das Team in der laufenden Saison zu verlassen. Im September gab Räikkönen bekannt, den Rennstall zum Ende des Jahres zu verlassen und zu Ferrari zurückzukehren. Der einzige Grund für diesen Wechsel sei die Tatsache, dass Lotus sein Gehalt nicht bezahlen könne. Wegen einer Rücken-Operation bestritt er die letzten beiden Rennen der Saison nicht mehr für Lotus, nachdem er bereits zuvor beim Großen Preis von Abu Dhabi angekündigt hatte, die beiden Rennen auszulassen, wenn das ausstehende Gehalt nicht gezahlt werde. In den Medien wurden zudem Vermutungen geäußert, Ferrari habe ihm nahegelegt, sich bereits zu diesem Zeitpunkt operieren zu lassen und so die Rennen auszulassen, damit Ferrari in der eng umkämpften Konstrukteurswertung vor Lotus bleibe. Nach Ablauf der Saison 2013 verlor Lotus zahlreiche Mitarbeiter, die zu Konkurrenzteams wechselten. Im Januar 2014 verließ Éric Boullier den finanziell angeschlagenen Rennstall und wechselte zum Konkurrenten McLaren, wo er die Funktion des Renndirektors wahrnahm.

2014 gab es erneut Berichte über finanzielle Schwierigkeiten des Rennstalls. So gab Renault im Mai 2014 an, dass unter anderem ausstehende Rechnungen von mehreren Kundenteams (offenbar Caterham und Lotus) die Gründe dafür seien, dass die Entwicklung des Renault Energy F1 2014 nicht wie gewünscht weiterbetrieben werden könne. Nachdem Caterham und Marussia bekanntgaben, insolvent zu sein und beim Großen Preis der USA nicht mehr antraten, erwogen Force India, Lotus und Sauber den Boykott des Rennens, um die Inhaber der kommerziellen Rechte, CVC Capital Partners und Bernie Ecclestone, zu zwingen, finanzielle Zugeständnisse zu machen.