Ochtmissen ist ein Stadtteil der Hansestadt Lüneburg in Niedersachsen. Der Stadtteil zählt mehr als 3000 Einwohner und liegt etwa drei Kilometer nordwestlich von Lüneburg. Ochtmissen zählt zu den ältesten Dörfern im Landkreis und war bis 1974 eine eigenständige Gemeinde.
Geschichte Im Gebiet von Ochtmissen bestand vor etwa 70.000 Jahren während der letzten Eiszeit ein Lagerplatz der Neandertaler, der 1993 beim Bau der A 39 entdeckt wurde. Die Archäologen Hartmut Thieme und Pascale Richter vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege fanden auf einer Fläche von 400 m² ca. 500 Feuersteinartefakte, darunter 44 Faustkeile und Keilmesser. Gemeinsam mit den Fundstellen von Lichtenberg und Lebenstedt belegt der Fund, dass sich Neandertaler auch in Zeiten großer Kälte in der weitgehend offenen Landschaft der nordeuropäischen Tiefebene aufgehalten haben.Ochtmissen – das Faustkeilparadies der letzten Eiszeit bei Niedersächsisches Landesamt für DenkmalpflegeGianpiero Di Maida, Jutta Winsemann, Markus Fuchs, Niklas von Soest, Thomas Terberger: A bifacial paradise—The site of Ochtmissen, Germany, and its lithic assemblage in the context of the last glacial (early MIS 4) in the north-central European Lowland in Boreas vom 2. Juli 2026
Ochtmissen wurde vor mehr als tausend Jahren gegründet und ist damit eine der ältesten Siedlungen im Landkreis Lüneburg. Im Jahre 1717 kam es zu einem Streit mit der Gemeinde Vögelsen wegen zwei Fuhren Plaggen, wobei Ochtmissen Recht bekam. Eine von den Ochtmissern geforderten Prüfung hatte zum Ergebnis, dass die Plaggen zum Schnedegericht Lüne gehörten und somit nach Ochtmissen. Abgerufen am 18. Dezember 2009
1925 zählte das Dorf 193 Einwohner, 1933 waren es 249 und 1939 bereits 271.Michael Rademacher: Stadt und Landkreis Lüneburg, Begleitband, n. 87.
Am 1. März 1974 wurde das Dorf anlässlich einer Gebietsreform nach Lüneburg eingemeindet.
Politik Ortsrat Der Ortsrat, der Ochtmissen vertritt, setzt sich aus neun Mitgliedern zusammen. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.
Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:
Ortsbürgermeister Der Ortsbürgermeister des Stadtteils ist Jens-Peter Schultz (SPD).
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|links|Wohn- und Wirtschaftsgebäude von 1833, traufständiger Fachwerkbau in Vierständerbauweise mit Backsteinausfachung unter Halbwalmdach, Ochtmisser Straße 1; eines der wenigen Gebäude aus der vorindustriellen Epoche mini|Speicherbau des 17. Jahrhunderts auf einer historischen Hofstelle in der Ortsmitte, Ochtmisser Straße 5, Fachwerkbau mit Backsteinausfachung unter Satteldach in Reetdeckung In Ochtmissen befindet sich die Grundschule „Schule am Sandberg“ mit etwa 80 Schülern und 5 Lehrkräften. Außerdem gibt es in der Ortsmitte eine Kindertagesstätte. Die Kita befindet sich heute im Hotmann-Weg. Zuvor hieß dieser Werner-Jansen-Weg. Wegen der nationalsozialistischen Vergangenheit Werner Jansens, der in Ochtmissen gewohnt hat, entschloss sich der Kulturausschuss Lüneburgs am 30. Oktober 2008 zu einer Umbenennung.Auszug - Umbenennung des Werner-Jansen-Wegs in Ochtmissen, auf ratsinfo.stadt.lueneburg.de
Wirtschaft und Infrastruktur Über die Anschlussstelle Lüneburg-Nord besteht eine Anbindung an die A 39, die nördlich am Ort vorbeiführt.
Parallel zur Autobahn verläuft die Bahnstrecke Lehrte–Hamburg-Harburg. Die nächstgelegenen Bahnstationen sind Bardowick und Lüneburg. Bis zur Stilllegung führte die Bahnstrecke Wittenberge–Buchholz durch den Ort. An dieser Strecke gab es in Ochtmissen auch einen Haltepunkt.
Weblinks Seite der Stadt Lüneburg über Ochtmissen
Einzelnachweise
Kategorie:Stadtteil von Lüneburg Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Lüneburg) Kategorie:Gemeindeauflösung 1974