Die historische Mutter-Rosa-Kapelle ist ein gotischer Sakralbau in Oberwesel am Mittelrhein in Rheinland-Pfalz unter dem Patronat der seliggesprochenen Franziskanerin Rosa Flesch. Bis 2008 wurde sie Wernerkapelle genannt.

Das kleine Bauwerk hat seinen Ursprung als Kapelle eines mittelalterlichen Bürgerhospitals, für die die Gründer das Heilig-Geist-Patrozinium gewählt hatten. Die Kapelle war – spätestens mit der Ersterwähnung eines zusätzlichen Patroziniums im Jahr 1656/57 – bis 2008 dem Werner von Oberwesel geweihtEduard Sebald: Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises Teil 2. Ehemaliger Kreis St. Goar, Stadt Oberwesel in 2 Bänden, hier ehemaliges Heilig-Geist-Hospital / Wernerkapelle S. 671 ff und trägt seitdem den Namen der Ordensgründerin Rosa Flesch, einer Schwester der Waldbreitbacher Franziskanerinnen von der allerseligsten Jungfrau Maria von den Engeln. mini|Heutige Kapelle, links Hospitalturm, Wehrgang, Durchfahrt Wernerstraße und vorne rechts Halbturm des D´Avisschen Hauses

Lage mini|Stadtpanorama mit Objektbezeichnung HOSPITALE (Mauerkrone Bildmitte) um 1581 Das Grundstück der ehemaligen Heilig-Geist-Kapelle lag als Teil einer bürgerlichen Hospitalstiftung an der rheinseitigen Wallstraße und Stadtbefestigung der frühen Kernstadt, die parallel zur Stadtmauer verlief und im Urkataster bis 1813 als Unterstraße bezeichnet worden ist. Sie hieß später (bis 1889) Untere Kirchstraße und war ausweislich erhaltener Urkunden und Darstellungen der Kupferstecher Georg Braun und Frans Hogenberg sowie Merian schon im Mittelalter, aber auch später eine dicht bebaute Straße. Erst im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde die Straße zwischen dem Roten Turm (auch Haagsturn) und dem Schaarplatz zur heutigen Wernerstraße der Stadt umbenannt.

Um die zum Inventar des Heilig-Geist-Hospitals gehörende Kapelle gruppierten sich seit dem späten 16. Jahrhundert mehrere Gebäude, die auf der Tafel von Braun & Hogenberg – in der Mauerkrone unterhalb des gotischen Kapellenbaus – als Hospitale bezeichnet sind. Wie damals üblich – beispielsweise sind Lage und Ausführung des ursprünglichen Heilig-Geist Hospitals und seiner Kapelle in Mainz vergleichbar – wurden solche Hospizeinrichtungen in der Nähe eines Stadttores erbaut und typischerweise in den Wehrgang einer Stadtmauer integriert. So lag die Oberweseler Einrichtung an der Nord-Süd-Achse des Durchgangsverkehrs und zugleich zwischen zwei der ersten vier ehemaligen Wehr- und Tortürmen der Kernstadt, dem Hospital- und dem Steingassentorturm, deren Straßen die Hauptverbindungen zur westlichen Befestigung der Stadt waren.Eduard Sebald: Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises Teil 2. Ehemaliger Kreis St. Goar, hier Stadt Oberwesel Band 2, Oberwesel Innenstadt, Unterstraße, S. 1000 fAnton Ph. Schwarz in: Bürger im Schutz ihrer Mauern. 800 Jahre Stadtbefestigung Oberwesel, Die Befestigung der Rheinseite S. 37

Geschichte Kapelle und Heilig-Geist-Patrozinium in den Quellen In einem Testament – ein Transsumpt des Jahres 1368 – fand sich eine erste sichere Erwähnung des Weseler Heilig-Geist-Hospitals für das Jahr 1305. Für das Jahr 1387 ist die Erhebung des Altars in der Hospitalkirche zu einem „Beneficium Ecclesiasticum“ durch den Trierer Erzbischof Kuno II. von Falkenstein belegt, der möglicherweise die Kapelle auch selbst stiftete. Baumeister und Prokuratoren sollen nach einer Angabe von 1388 die Schöffen H. MehrfrackeFindet 1357 als Heinz Meinfrancke auch Erwähnung bei Ferdinand Pauly in: Germania Sacra, Die Bistümer der Kirchenprovinz Trier. Das Erzbistum Trier 2., Liebfrauen in Oberwesel, Personalien S. 384 (dieser erst ab 1350 nachweisbar) und J. Ringrebe gewesen sein, die möglicherweise auch für den Bau der zugehörigen Kapelle verantwortlich zeichneten. mini|Winand von Steeg um 1426, kämpfte erfolglos für die Kanonisierung Werners In den Jahren 1426 bis 1429 führte Wynandus de Stega, Kanoniker des Kölner Andreasstiftes und amtierender Pfarrer in der Nachbargemeinde Bacharach, den Prozess zur Erreichung der Kanonisierung des angeblich von Oberweseler Juden getöteten Tagelöhners Werner aus Womrath, hatte damit aber bei der Römischen Kurie keinen Erfolg. In einem Exemplar damaliger Prozessakten des Verfahrens (noch vorhanden und heute in der Trierer Stadtbibliothek), wird neben anderen Dingen eine hölzerne Statue (später als Wernersäule bezeichnet) erwähnt, die («… et hoc in Weslia superiori Treverensiun diocesis, … ubi nunc est hospitale sancti Spititus… capella et Choro statua ejus lignea, … ») in der Heilig-Geist-Kapelle ihren Platz habe.

Ebenfalls zu dieser Zeit wurde auch der Heilig-Geist-Altar der Kapelle erwähnt, der als Pfründe des Johan Schalk, eines Klerikers des Bistums Trier aus Oberwesel bezeichnet wurde, der aber fernab im Dienst eines Bischofs an der Römischen Kurie im Vatikan stand. 1578 teilte ein Oberweseler Dechant dem Trierer Erzbischof Jakob III. von Eltz mit, dass die durch eine Lade geschützte Wernersäule im Hospital der Stadt noch immer ausgestellt sei und die folgende Aufschrift trüge: „Anno Domini 1287 hat Wernerus Wammenraidt den Dodt gelitten den 13. Calendas Maij hierin ist die Säul St. Wernerus“.

So wie der Dechant die Bezeichnung Hospital wählte, so erscheint die Kapelle auch unter den Bezeichnungen markanter Bauwerke auf dem Kupferstich von Braun & Hogenberg des Jahres 1581. Dort erhielt die Gesamtanlage die Bezeichnung „Hospitale“. 1593 legte eine Inventur den örtlichen Besitzstand an Gebäuden des Hospitals offen. In der Aufzählung der Immobilien wurden unter anderem angeführt: ein „Sommerhauß“, die „Capelle oder Kirch“, ein „Kelterhauß“, ein „Wagenhauß“ und ein Innenhof. Auf weitere, auch in Nachbarorten vorhandene Besitzstände wurde nicht eingegangen. 1656/57 erschien anlässlich einer Visitation im Abschlussprotokoll neben dem Hauptpatrozinium des Heiligen Geistes die erste Erwähnung des Wernerpatroziniums («…Habet sacelum sub invocatione Spiritus sanct. Patronus: sanctus Wernerus. Altare unum »). Etwa 30 Jahre später kam es 1689 zu einer teilweisen Zerstörung des Hospitals und der Kapelle.

Zerstörungen im Pfälzischen Erbfolgekrieg Am Ende des Pfälzischen Erbfolgekriegs setzten Truppen Ludwigs XIV. bei ihrem Abzug 1689 unzählige Gebäude Oberwesels in Brand, wobei die Bebauung ganzer Straßenzüge vernichtet wurde. Eine der stark betroffenen Straßen war die parallel zum Rheinufer verlaufende, damals vom Roten Turm bis zum Schaarplatz reichende „Unterstraße“, an der auch das Heilig-Geist Hospital mitsamt seiner Kapelle abbrannte.

In späterer Zeit (1916) wurde von dem Kölner Kunsthistoriker Edmund Renard festgestellt, dass in einer Aufstellung aus Akten des Jahres 1697 der entstandene Brandschaden mit 6200 Talern beziffert worden war. Dazu kam noch der Verlust der Glocke sowie der Wert des zerstörten Kirchenzierrates, der mit 200 Talern angegeben war.Eduard Sebald: Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises Teil 2. Ehemaliger Kreis St. Goar, hier Stadt Oberwesel Band 2, Öffentliche Gebäude S. 896 f, Unterstraße S. 1000 ff sowie Band 1, ehemaliges Heilig-Geist-Hospital / Wernerkapelle S. 671 ff

Untersuchungen, Spuren und Erkenntnisse mini|links|Steinmetzzeichen am mittleren Eckquader An der zweigeschossigen Kapelle hinterließen Steinmetze mehrere Markierungen in Form von Steinmetzzeichen. Zwei von insgesamt fünf dieser althergebrachten zünftigen Markierungen sind an der äußeren Apsis und weitere im Mauerwerk der Straßendurchfahrt erhalten. Zur Baugeschichte des Unterbaus und des ursprünglichen oberen Kirchenbauwerks fehlt den Fachleuten der Nachweis exakter Datierungen, wie sie in Oberwesel etwa bei einigen hochmittelalterlichen Bauwerken durch dendrochronologische Untersuchungen von Balken gewonnen werden konnten. Dies könnte der Zerstörung durch Brand geschuldet sein, der keine Holzbauteile verschonte. Diesem Brand fiel, die Kapelle betreffend, wohl zuerst deren Dachstuhl zum Opfer, sodass ein Satteldach mit einem spitz aufragenden Dachreiter in den Darstellungen ab dem 18. Jahrhundert nicht mehr auftaucht.

Der bisher zumeist mit dem Jahr der angeblichen Ermordung des Werner von Oberwesel (1287) in Zusammenhang gebrachte Baubeginn wurde in Anbetracht der Erschließung weiterer archivalischer Ressourcen, aber auch durch Ergebnisse vergleichender Materialuntersuchungen und handwerklicher Gestaltungsformen (etwa erhaltene Teile des Gewändes oder des Maßwerks) ähnlicher regionaler Bauwerke, als wenig wahrscheinlich erachtet. Der Grundriss der oberen Kapelle stellt sich in einem ungefähr quadratischen Joch mit einem 5/8-Schluss dar, er soll aber nicht genau den Maßen des Unterbaus entsprechen, sondern ist etwas nach innen versetzt. Dies ließ die Fachleute annehmen, dass der Gesamtbau nicht in „einem Guss“ entstand, jedoch konnte nicht nachgewiesen werden, ob der Unterbau einst das Untergeschoss einer Vorgängerkirche oder der eines Privathauses war. Die lange Bauzeit der Kapelle – die Vollendung des Bauwerks datiert man zwischen 1340 und 1350 – erklärt man mit knappen Geldmitteln, die für eine einfache Spitalkirche zur Verfügung standen.

Möglicherweise haben auch die Veränderung der politischen Situation der Stadt um 1309 eine Rolle gespielt, als der Status der Freien Reichsstadt verloren ging und sich die dann kurtrierische Stadt auch finanziell erst konsolidieren musste. So hatten die frühgotischen Maßwerkfenster nur schmale Gewändeprofile und ebenso reduziert waren die Rippen- beziehungsweise Gurtkonsolen gefertigt worden. Diese wiesen Ähnlichkeit mit den Konsolen der Seitenschiffe in der Liebfrauenkirche auf, woraus Rückschlüsse zur zeitlichen Einordnung gezogen werden konnten.

Der gewölbte Unterbau lehnt sich an der Westseite der rheinseitigen Stadtmauer an und nutzt diese gleichsam als zusätzliche Stabilisierung. Die für gotische Kirchen typischen Strebepfeiler des Kapellenaufbaus ruhen an der Ostseite auf der Stadtmauer, wobei der Wehrgang durch diese hindurch geführt wurde.

Teilweiser Wiederaufbau um 1700 Die Kapelle mit ihrem Unterbau auf Straßenniveau und den sie stadtseitig umstehenden Fachwerkbauten, zu denen damals wie heute auch Hospitalgebäude gehörten, war von der Zerstörung nicht verschont geblieben. Sie wurde am Anfang des 18. Jahrhunderts als eine in der Länge verkürzte Saalkirche mit 5/8-Schluss des Chores wiedererrichtet, sodass sie nun an ihrer Westseite völlig freistand. Dort hatte der einjochige, mit einem Kreuzrippengewölbe ausgestattete Kapellenstumpf als vorläufigen Abschluss eine Notwand erhalten, die als Fachwerk ausgeführt wurde und erst rund 100 Jahre später Verputz erhielt. Den Dachstuhl des kargen Wiederaufbaus versah man nun, abweichend vom ursprünglich rein gotischen Bauwerk – dem Geschmack der Zeit entsprechend – mit einer barocken Haube.

Baudetails, Abmessungen und Materialien Die exakten Abmessungen des ursprünglichen Bauwerks sind nicht bekannt. Nach einer 1916 vorgenommenen Bauaufnahme und einem rekonstruierten Grundriss schloss Baumeister Heinrich Riebel auf drei, Renard auf vier im Krieg zerstörte Joche, die gleichmäßig große Felder westlich des nun bestehenden Joches gebildet hatten.

Für die Maße des Unterbaues werden folgende Daten angegeben: Länge ca. 18,5 m, Tiefe der Ostjoche 4,20 m, Höhe ca. 4,1 m, Breite der Ostjoche 13,5 m, Breite der Westjoche 8,2 m und eine Mauerstärke in den Westjochen von 2,5 m. Auf diesem Sockelgeschoss erhob sich der heutige Oberbau. Er erhielt eine Länge von ca. 12,5 m, eine Breite von ca. 8,25 m, eine Gewölbehöhe von 12 m, eine Dachhöhe von 5,1 m und die Höhe der Schweifhaube, die einen ehemals schlanken Dachreiter ersetzt hatte, betrug dann ca. 23,5 m. Die Mauerstärken des Kapellenobergeschosses erreichten ca. 0,75 m.