Walter Helmut Brune (* 14. Februar 1926 in Bremen; † 5. November 2021Architektenkammer Nordrhein-Westfalen News vom 9. November 2021: Düsseldorfer Architekt Walter Brune verstorben, abgerufen am 10. November 2021RP online vom 9. November 2021: Erschaffer der Kö-Galerie und Schadow-Arkaden. Trauer um Düsseldorfer Architekt Walter Brune, abgerufen am 9. November 2021Am 5. November ist Walter Brune im Alter von 95 Jahren gestorben., Immobilien Zeitung, 10. November 2021) war ein deutscher Architekt, Stadtplaner und Immobilien-Unternehmer. Er nahm für die Entwicklung der Einzelhandelsarchitektur in Deutschland eine ähnlich bedeutsame Rolle ein wie dies Victor Gruen in den USA tat.

Biografie mini|Rhein-Ruhr Zentrum, eröffnet 1973, erweitert in den 1990er Jahren (Foto: 2014) Brune machte sich nach einer dreijährigen Praxis bei Gustav August Munzer in Düsseldorf 1950 selbständig. Er war zunächst für die Schwerindustrie tätig und baute bereits Anfang der 1950er Jahre als sehr junger Architekt das Steinkohlen-Bergwerk Prosper-Haniel sowie mehrere Kraftwerke, Fördertürme etc. Ende der 1950er Jahre wurde das Warenhaus-Unternehmen Karstadt auf ihn aufmerksam. Für diesen Konzern errichtete er 20 Jahre lang Warenhäuser. Der Höhepunkt war die Planung und Erstellung der Karstadt-Hauptverwaltung in Essen-Bredeney. Zahlreiche Bauten für Handel, Industrie und Verwaltung für andere Unternehmen fielen ebenfalls in diese Zeit.

Zwei Jahrzehnte lang, zwischen 1950 und 1970, entwickelte er neben den Großprojekten für zahlreiche Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Industrie (Helmut Horten, Wolf, Bauknecht etc.) deren Landhäuser im Bungalow-Typus, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit in den Architekturzeitschriften weltweit vorgestellt wurden.

Brune unterhielt seiner Zeit eines der meist beschäftigten Architekturunternehmen in der damaligen Bundesrepublik Deutschland mit Zweigbüros in New York, Teheran, Kabul sowie in den Niederlanden. Die Weltbank beauftragte ihn in Partnerschaft mit dem bekannten US-amerikanischen Architekten Marcel Breuer mit der Planung umfangreicher Entwicklungsprojekte. Für den Schah von Persien erstellte er die Planung einer neuen Stadt am Kaspischen Meer (Namak Abroud).

Unternehmer Die Gewinne legte Brune immer wieder in Grundstücken an, deren Bebauung er bereits in den 1960er Jahren parallel zu seinem Architekturbüro durchführte. So entstand bis zum heutigen Tage ein umfangreiches Immobilienunternehmen.

Einzelhandel und Innenstädte mini|Kö-Galerie, Düsseldorf, eröffnet 1986 mini|Heuvel-Galerie, Eindhoven, Niederlande, eröffnet 1992 mini|Schadow-Arkaden, Düsseldorf, eröffnet 1994 mini|Königs-Galerie Kassel, eröffnet 1995 Seit Anfang der 1980er Jahre war er in Personalunion als Architekt, Entwickler, Consulter und Betreiber von innerstädtischen integrierten Einkaufszentren tätig, nachdem er 1970 bis 1973 das Shoppingcenter Rhein-Ruhr Zentrum in Mülheim an der Ruhr geplant hatte. An diesem Bautyp eines großen, nicht integrierten Einkaufszentrums auf einer Industriebrache im Ortsteil Heißen hatte er erkennen müssen, dass es einem „Ausbluten der Innenstädte“ Vorschub leistete.Chris Gerbing: Meet me at the Totem Pole. Shopping Malls des 21. Jahrhunderts oder die Realitäten virtueller Welten. In: Ulrich Gehmann (Hrsg.): Virtuelle und ideale Welten. (= Karlsruher Studien zur Technikgeschichte, Nr. 8.) KIT Scientific Publishing, Karlsruhe 2012, ISBN 978-3-86644-784-4, S. 111. (eingeschränkte Vorschau bei Google Bücher)Dieter Schraven: Ruhrgebietskiller Centro – ein Interview. Artikel (einschließlich Interview mit Walter Brune) vom 26. Januar 2010 im Portal ruhrbarone.de, abgerufen am 20. Juli 2014René Schleucher: Walter Brune. 60 Jahre Architekt mit Leib und Seele. (Artikel vom 11. Januar 2012 im Portal wz-newsline.de, abgerufen am 20. Juli 2014) Er entwickelte dann das Konzept einer Stadtgalerie, einer an die innerstädtischen Blockstrukturen angepassten Form einer multifunktional angelegten, postmodernen Einzelhandelsarchitektur, die er erstmals bei der Kö-Galerie in Düsseldorf umsetzte und bei den Schadow-Arkaden wiederholte. Die Stadt Eindhoven beauftragte ihn, mit Hilfe der Heuvel-Galerie das damals brachliegende Stadtzentrum neu zu beleben. Alte vorhandene Bausubstanz wurde hier mit neuer Architektur verbunden.

Nachdem er die Auswirkungen von konventionellen Einkaufszentren am Beispiel des Rhein-Ruhr Zentrums erkannt hatte, setzte er sich als „Stadtstreiter“ für die Erhaltung lebendiger Innenstadtzonen der Städte ein. Dies hinderte ihn gleichwohl nicht, das Rhein-Ruhr Zentrum in den 1990er Jahren zulasten der Innenstadt Mülheims noch beträchtlich zu erweitern. Unter anderem publizierte er die Bücher Angriff auf die City (2006), Centro Oberhausen – Die verschobene Stadtmitte (2009), Factory Outlet Center – Ein neuer Angriff auf die City (2014) und Stoppt die Verödung unserer Städte durch Shopping und Outlet Center vor den Stadtgrenzen (2018).

Vermögen mini|Prinzenpark: Glasarchitektur der Bürogebäude Prinzenallee 11 und 13, zentrale Platz der Anlage mit Springbrunnen, Düsseldorf-Heerdt (2022) Gemäß dem Manager Magazin hatte Brune 2013 ein Vermögen von ca. 600 Millionen Euro. Damit belegte er auf der Liste der 500 reichsten Deutschen Platz 200. Im Jahr 2019 wurde er vom Manager Magazin erstmals als Milliardär geführt. Sein Vermögen wurde auf eine Milliarde Euro geschätzt.

Auszeichnungen, Ehrungen 1966: BDA-Preis des Bundes Deutscher Architekten für den Bau eines Feingusswerkes 1987: ICSC European Shopping Center Award „Shopping-Center of the Year 1986“ für die 1986 fertiggestellte Kö-Galerie 1989: Bundesverdienstkreuz am Bande 1991: Bouwforum Leonardo da Vinci für die Heuvel Galerie in Eindhoven sowie 1992 ICSC-commendation for excellence für die Projektentwicklung eines innerstädtischen Shopping-Centers 1994: ICSC European Shopping Center Award für die Neugestaltung des Rhein-Ruhr Zentrums 1995: ICSC European Shopping-Center Award für die Schadow-Arkaden Düsseldorf 2005: urbanicom Preis für sein Lebenswerk als Architekt, Planer, Bauherr, Kulturbotschafter und medialer Streiter für die Stadt

Werk Bauten und Entwürfe (Auswahl) 1951–1954: Wohnhaus Barbarahof in Düsseldorf, Am Bauenhaus 49 1951–1955: Tagesanlagen der Zeche Franz Haniel in Bottrop 1956–1957: Haus Horten in Düsseldorf-Lohausen (Leuchtenberger Kirchweg 63, abgerissen, heute stehen hier Einfamilienhäuser) 1957–1958: Haus Hoseit in Konstanz 1957–1959: Haus Kauermann in Düsseldorf 1958–1959: Haus im Weinberg im Elsass 1958–1959, 1964–1965: Haus Schwietzke in Düsseldorf 1958: Karstadt-Warenhaus in Bremerhaven 1959: Haus Stoeckel in Ratingen-Breitscheid 1959/1960: Outils-Wolf Gartengerätefabrik in Wissembourg 1959–1961: Haus Dr. Roeckerath in Düsseldorf 1960–1961: Jagd- und Forsthaus in Carp, Eifel 1961–1962: Haus Teigler in Moers 1961–1963: Haus Heimsoth in Bergisch Neukirchen 1961–1964: Haus Dr. Berg in Düsseldorf 1963–1965, 1975: Haus Engler in Meerbusch-Osterath 1964–1965: Karstadt-Warenhaus in Celle 1965–1969: Karstadt-Hauptverwaltung in Essen 1967–1968: Haus Starke in Essen-Bredeney 1969–1970: Haus Leendertz in Krefeld 1971–1972: Haus Josef Brune in Düsseldorf 1970–1975: Münsterpark in Düsseldorf 1983–1986: Kö-Galerie in Düsseldorf 1986: Zeitturm in Kaiserswerth (zusammen mit Benno Werth) 1989–1992: Heuvel-Galerie in Eindhoven 1988–1993: Schadow-Arkaden in Düsseldorf 1992–1995: Königs-Galerie in Kassel 1997: Prinzenpark in Düsseldorf-Heerdt

Schriften Die Stadtgalerie. Ein Beitrag zur Wiederbelebung der Innenstädte. Campus-Verlag, Frankfurt am Main / New York 1996, ISBN 3-593-35479-9. (mit Rolf Junker, Holger Pump-Uhlmann) (Hrsg.): Angriff auf die City. Kritische Texte zur Konzeption, Planung und Wirkung von integrierten und nicht integrierten Shopping-Centern in zentralen Lagen. Droste, Düsseldorf 2006, ISBN 3-7700-1264-X. (mit Holger Pump-Uhlmann) (Hrsg.): Centro Oberhausen – Die verschobene Stadtmitte: Ein Beispiel verfehlter Stadtplanung Immobilien Zeitung, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-940219-09-1. Factory Outlet Center – Ein neuer Angriff auf die City. Immobilien Zeitung, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-940219-24-4. Stoppt die Verödung unserer Städte durch Shopping und Outlet Center vor den Stadtgrenzen. Immobilien Zeitung, Wiesbaden 2018, ISBN 978-3-940219-46-6

Literatur Holger Pump-Uhlmann: Der erweiterte Lebensraum: Bungalows von Walter Brune. Jovis Verlag Berlin 2008, ISBN 978-3-86859-009-8. Holger Pump-Uhlmann (Hrsg.): Vom Kaufhaus zur Stadtgalerie – Bauten für den Handel von Walter Brune. Jovis Verlag Berlin 2011, ISBN 978-3-86859-093-7. Holger Pump-Uhlmann (Hrsg.): Arbeitswelten – Büro- und Verwaltungsbauten von Walter Brune. Immobilien Zeitung, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-940219-22-0. Holger Pump-Uhlmann (Hrsg.): Wohnungsbauten von Walter Brune. Immobilien Zeitung, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-940219-40-4. Jeannette Beissel von Gymnich: Walter Brune – sein Leben, sein Werk. Knesebeck, München 2021, ISBN 978-3-95728-350-4.

Weblinks Dieter Jandt: Erschütternde Bausünden – Der Wandel des Architekten Walter Brune, SWR2 Leben, 31. März 2020 Vater der Einkaufs-Architektur: Der Düsseldorfer Architekt Walter Brune wurde 90 Jahre – und ist seit 55 Jahren als Architekt erfolgreich

Einzelnachweise

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