Die HMCS Prince Robert (Kennung: F56) war ein kanadischer Hilfskreuzer, der zu Beginn des Zweiten Weltkrieges (1939) aus einem kleineren Passagierschiff für den Dienst an der kanadischen Pazifikküste entstanden war. Das Schiff war dort zuvor zwischen 1930 und dem Kriegsbeginn im Passagier- und Fährdienst im Einsatz gewesen. Nach Sicherungsaufgaben im Pazifik wurde das Schiff im späteren Kriegsverlauf zu einem Flugabwehrkreuzer umgerüstet. Letzte Einsätze der Prince Robert waren die erneute Inbesitznahme von Hongkong sowie die Repatriierung kanadischer Kriegsgefangener nach Kriegsende. Nach 1946 wurde das desarmierte Schiff wieder im zivilen Rahmen eingesetzt und an eine Reederei in London verkauft, die es als Charlton Sovereign vorrangig im Passagierdienst nach Australien einsetzte. 1952 erfolgte ein Weiterverkauf nach Italien, wo ein größerer Umbau des Schiffes erfolgte. Unter dem neuen Namen Lucania diente der ehemalige Hilfskreuzer bis zu Beginn der 1960er Jahre als Passagierschiff auf den Routen nach Westindien und nach Südamerika. Im Jahr 1962 wurde das Schiff schließlich außer Dienst gestellt und abgewrackt.

Bau der Prince Robert mini|links|Prince Robert als Fährschiff an der Pazifikküste Das Schiff wurde 1929 mit den Schwesterschiffen Prince Henry und Prince David von der Canadian National Steamship, einer Tochtergesellschaft der Canadian National Railway (CNR), als Fähre und Passagierdampfer in Auftrag gegeben und im September 1929 in Birkenhead auf der Werft von Cammell, Laird & Company auf Kiel gelegt. Der Stapellauf fand am 3. April 1930 statt, die Indienstnahme erfolgte im August 1930.

Ausstattung und bautechnische Details Das Schiff war bei Indienstnahme maximal 117,35 Meter lang – zählte also damit zu den kleineren Passagierschiffen – und 17,37 Meter breit. An Bord war Platz für insgesamt 404 Passagiere, wobei 334 Reisende in der ersten Klasse und 70 Personen in der dritten Klasse (im Zwischendeck) untergebracht werden konnten. Der Dampfer war für seine Größenverhältnisse verhältnismäßig luxuriös ausgestattet: Neben einem Sonnendeck, wo Sportübungen abgehalten werden konnten, standen den Passagieren ein Konzertraum, ein Rauchersalon und ein großer Speisesaal (im Heckbereich des C-Decks) zur Verfügung. Fast alle Kabinen an Bord waren mit aufwendigen Holztäfelungen verziert.

Insgesamt befanden sich zwölf Rettungsboote, sechs an jeder Seite der Aufbauten, an Bord. Das Schiff besaß drei Schornsteine und eine Maschinenanlage, die aus sechs ölbefeuerten Yarrow-Kesseln und zwei Parsons-Getriebeturbinen bestand. Der maximale Treibstoffvorrat lag bei 1.470 Tonnen Öl. Zusätzlich befanden sich zwei Reservekessel für Hilfsmaschinen an Bord. Die Maschinen leisteten rund 14.500 WPS und ermöglichten dem Schiff eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 22,5 Knoten (rund 42 km/h).

Vorkriegszeit Ab Mitte 1930 wurde die Prince Robert entlang der kanadischen Westküste im Linienverkehr zwischen Seattle und Vancouver eingesetzt. Die Folgen der Great Depression gingen aber auch an ihr nicht spurlos vorüber; so musste etwa die Absicht, sie auf der Route nach Alaska einzusetzen, vorerst wegen zu geringer Passagierzahlen aufgegeben werden.airmuseum.ca In den Wintermonaten wurde der Dampfer zeitweilig sogar aufgelegt. 1932 unternahm das Schiff eine ausgedehnte Kreuzfahrt durch die Karibik und entlang der amerikanischen Ostküste, wobei unter anderem die Bermuda-Inseln, Boston und New York besucht wurden. Ab August 1932 wurde die Prince Robert schließlich auf der Route nach Alaska eingesetzt und lief dabei regelmäßig den Glacier-Bay-Nationalpark sowie Ketchikan und Juneau in Alaska an.

In den folgenden Jahren bis zum Kriegsbeginn 1939 pendelte die Prince Robert als Routendampfer auf dieser Strecke, wobei die Reisepassage – die jeweils elf Tage dauerte – vergleichsweise teuer war und zwischen 100 und 215 United States Dollar kostete (was und inflationsbereinigt und auf 215 Dollar bezogen immerhin US-Dollar entsprechen würde).airmuseum.ca

Kriegsausbruch und Umbau zum Hilfskreuzer Bereits vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges waren von Seiten der kanadischen Marine Untersuchungen dahingehend unternommen worden, welche Passagierschiffe im Kriegsfall zu Hilfskreuzern umgebaut werden konnten, wobei auch die Prince Robert und ihre Schwesterschiffe erfasst worden waren. Am 3. September 1939, zwei Tage nach dem deutschen Überfall auf Polen und am Tage der Kriegserklärung Großbritanniens an das Deutsche Reich, wurde die Prince Robert von der britischen Admiralität requiriert. Als Mitglied des Commonwealth befand sich Kanada ebenso mit Deutschland im Krieg, auch wenn die eigentliche Kriegserklärung Kanadas erst am 10. September 1939 erfolgte.

Ende Oktober 1939 verlegte die Prince Robert deswegen nach Vancouver und wurde dort, auf der Werft von Burrard Dry Dock Ltd., zu einem Hilfskreuzer umgebaut. Die Kosten für diesen Umbau betrugen etwa 700.000 US-Dollar. Dabei wurden die beiden obersten Decks entfernt und durch Aufbauten, die denen eines Kreuzers ähnelten, ersetzt. Zudem wurden alle Kabinen und der Rauchersalon ausgebaut und einer der drei Schornsteine entfernt. Im Gegenzug wurde das Schiff mit vier QF-6-inch/40-Geschützen in Einzelaufstellung und zwei 76-mm-Flak, welche hinter dem achteren Schornstein aufgestellt wurden, bewaffnet. Die 6-inch-(152-mm)-Geschütze stammten allerdings aus dem Jahre 1896 und waren stark überaltert. Zudem wurden vier 12,7-mm-Maschinengewehre und zwei Abwurfvorrichtungen für Wasserbomben am Heck installiert.

Am 31. Juli 1940 wurde der Dampfer als Hilfskreuzer HMCS Prince Robert schließlich in Dienst gestellt. Die Besatzung umfasste nun 241 Mann.

Einsätze im Zweiten Weltkrieg von 1940 bis 1943 Bereits kurz nach der Indienstnahme wurde entschieden, dass die Prince Robert vor der Westküste Mittelamerikas eingesetzt werden sollte, um dort operierende deutsche Versorger und eventuell auch Handelsstörer zu bekämpfen. Am 11. September 1940 lief der Hilfskreuzer unter dem Kommando des Kapitäns C.T. Beard aus Esquimalt (südlich von Vancouver) aus und nahm Kurs auf die mexikanische Westküste.

Die Aufbringung des deutschen Frachters Weser mini|Die Elbe des NDL,Schwesterschiff der Weser Der kanadische Hilfskreuzer sollte den Hafen von Manzanillo (Mexiko) überwachen, da es Hinweise gab, dass das dort seit 1939 liegende deutsche Motorschiff Weser den Hafen verlassen wollte. In den Abendstunden des 25. September sichtete die Prince Robert die Weser (9.179 BRT), die den Hafen von Manzanillo verlassen hatte und nach Meinen der Kanadier Richtung Südamerika laufen wollte. Die Weser, die im Juli 1940 von der Kriegsmarine requiriert worden war, hätte in der Südsee den deutschen Hilfskreuzer Orion mit Treibstoff und Proviant versorgen sollen. Die Prince Robert folgte dem deutschen Motorschiff bis zum Verlassen der mexikanischen Hoheitsgewässer. Nach dem Abfeuern eines Warnschusses aus einem der 152-mm-Geschütze und nachdem die Suchscheinwerfer des Hilfskreuzers die Weser angestrahlt hatten, drehte das deutsche Schiff bei und wurde um 23:15 Uhr von einem aus 27 Mann bestehenden Prisenkommando der Prince Robert geentert. Die Besatzung der Weser leistete dabei keinen Widerstand. An Bord des deutschen Schiffes erbeuteten die Kanadier unter anderem 2630 Tonnen Dieselkraftstoff und 600 Tonnen Schmieröl. Obwohl die Weser zuvor für eine mögliche Selbstversenkung im Falle einer Aufbringung präpariert worden war, unterließen die Deutschen diese Absicht allerdings. Vermutlich war sich die deutsche Besatzung nicht sicher, ob die Kanadier sie nach einer Selbstversenkung auch tatsächlich retten würden.

Die Weser wurde von Prince Robert bis nach Esquimalt eingebracht. Dort wurde sie überholt und in Vancouver Island umbenannt. Sie diente fortan in der kanadischen Handelsmarine. Am 15. Oktober 1941 wurde das Schiff im Atlantik vom U-Boot U 558 torpediert und versenkt, wobei 105 Menschen ihr Leben verloren.wrecksite.eu

Einsätze im Pazifik 1941 Nach der Einbringung der Weser nach Esquimalt verlegte der Hilfskreuzer wieder in den Südpazifik, lief Callao an und patrouillierte zeitweilig unter anderem vor der Magellanstraße. Die Suche nach deutschen Versorgern oder Handelsstörern verlief indessen ergebnislos. Weihnachten 1940 verbrachte die Crew der HMCS Prince Robert im Hafen von Valparaíso. mini|HMT Awatea Zu Beginn des Jahres 1941 wurde der Hilfskreuzer aufgrund der zunehmenden Spannungen mit Japan in den westlichen Pazifik verlegt und dort zur Sicherung von Transporten kanadischer Truppen nach Hongkong abkommandiert; unter anderem eskortierte die Prince Robert hierbei den Truppentransporter Awatea (13.492 BRT), der im November 1941 fast 2000 meist kanadische Soldaten nach Hongkong brachte.airmuseum.ca

Auf dem Rückmarsch von Hongkong, auf halbem Weg zwischen Hawaii und Esquimalt, wurde der Hilfskreuzer am 7. Dezember 1941 vom japanischen Angriff auf Pearl Harbor überrascht. Am gleichen Tag empfing die Besatzung des Schiffes auch einen Hilferuf des amerikanischen Frachters Cynthia Olson (2140 BRT), der etwa 130 Seemeilen südwestlich der Position der HMCS Prince Robert von einem japanischen U-Boot torpediert worden war. Obwohl der Hilfskreuzer sofort Kurs auf den Havaristen nahm und anschließend das Seegebiet weiträumig absuchte, konnten keine Überlebenden gefunden werden. Das amerikanische Schiff war mit seiner gesamten Besatzung von 35 Mann gesunken.

Die Sicherung der kanadischen und amerikanischen Westküste 1942 Zu Beginn des Jahres 1942 erhielt die HMCS Prince Robert in Esquimalt ein Asdic-Gerät zur U-Boot-Jagd, ein Radar zur Luftraumüberwachung und vier einzeln aufgestellte 20-mm-Kanonen zur Verstärkung der Flugabwehr. Im Anschluss daran patrouillierte das Schiff zwischen März und Juni 1942 vor der Küste von British Columbia und übernahm Sicherungsaufgaben.

Nach der japanischen Landung auf den Aleuten wurde das Schiff im Juni 1942 zur US-Marine detachiert und übernahm in den folgenden Monaten mehrere Fahrten zur Versorgung der amerikanischen Stützpunkte auf der Kodiak-Insel. Diese Missionen, die bis November 1942 durchgeführt wurden, forderten von dem Schiff und der Besatzung oft extreme Leistungen: Bei teils eisigen Temperaturen, oftmals im Sturm und bei Regen und Schnee, froren die optischen Geräte ein und waren die einzeln an Oberdeck aufgestellten Geschütze häufig nicht oder nur unter großen Mühen zu bedienen, da sie völlig vereist waren.

Der Umbau zum Flakschiff mini|Geschützturm 1943 Im Winter 1942/43, nach dem Ende der Fahrten zur Kodiak-Insel, ging der Hilfskreuzer in Vancouver in die Werft, um die Witterungsbeschädigungen beseitigen zu lassen. Da man mittlerweile aber erkannt hatte, dass die bestehende Bewaffnung der HMCS Prince Robert hoffnungslos veraltet war, entschied man sich zu einem erneuten und völligen Umbau des Schiffes. Aus dem Hilfskreuzer sollte ein modern bewaffnetes Flugabwehrschiff werden.

Zu diesem Zweck wurde der Dampfer im Januar 1943 vorläufig außer Dienst genommen und erneut auf der Werft von Burrard Dry Dock Ltd. eingedockt. Während dieses zweiten Umbaus wurden alle bisherigen Waffen von Bord gegeben. Stattdessen erhielt die HMCS Prince Robert nun zehn moderne 102-mm-Geschütze Mk XVI in fünf Zwillingslafetten, zwei standen vor der Brücke und drei auf dem Achterschiff, acht 40-mm-Flak in zwei Vierlingslafetten und zwölf einzeln aufgestellte 20-mm-Kanonen vom Typ Oerlikon.airmuseum.ca Zudem kamen ein Radar zur Feuerleitung und zur Luftraumbeobachtung an Bord. Vier einzelne Wasserbombenwerfer ersetzten ferner die beiden alten Abrollvorrichtungen für Wasserbomben am Heck.

Am 7. Juni 1943 wurde das neue Flugabwehrschiff HMCS Prince Robert in Dienst genommen. Zum Zeitpunkt der Indienststellung war es das feuerstärkste Flakschiff der kanadischen Marine und es übertraf an Feuerkraft sogar manchen alliierten Flugabwehrkreuzer.

Kriegseinsätze von 1943 bis 1945