mini|Nationalflagge Costa Ricas Die Geschichte Costa Ricas umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik Costa Rica von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Sie reicht mindestens bis 8000, möglicherweise bis 12.000 v. Chr. zurück.Iván Molina Jiménez, Steven Paul Palmer: The History of Costa Rica. UCR, San José 2006, S. 3. Bis zur Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert n. Chr. lebten nach Robert Carmack bis zu 400.000 Menschen im heutigen Staatsgebiet.Robert M. Carmack: Perspectivas sobre la historia antigua de Centroamérica. In: Robert M. Carmack (Hrsg.): Historia General de Centroamérica. Band 1: Historia Antiqua. Sociedad Estatal Quinto Centenario, Madrid 1993, S. 300.
Zwar erreichte Christoph Kolumbus bereits 1502 das Gebiet des heutigen Costa Rica, doch setzte die Kolonisierung durch Spanien erst 1560 ein. Diese Kolonialphase, in der die Region von eher geringer Bedeutung war, endete 1821 mit der Unabhängigkeitserklärung. 1823 bis 1838 war Costa Rica Mitglied eines mittelamerikanischen Staatenbundes, machte sich aber 1838 selbstständig. Kaffee und Bananen bildeten bald die wirtschaftliche Basis und brachten eine konservative Grundbesitzerschicht hervor.
Erst 1889 kam es zu ersten freien Wahlen, doch wechselten sich danach autoritäre Präsidenten ab, deren Regime Züge einer Diktatur trugen. 1948 kam es zu einem Bürgerkrieg, bei dem rund 2000 Menschen ums Leben kamen. José María („Don Pepe“) Figueres Ferrer gründete die Zweite Republik, bald folgte die Abschaffung der Armee, 1983 die Neutralität. Dieses und die zunehmende Prosperität brachten dem Land den Beinamen „Schweiz Mittelamerikas“ ein. Von 2006 bis 2010 war der Friedensnobelpreisträger von 1987The Nobel Peace Prize 1987, Óscar Arias Sánchez, Präsident Costa Ricas, das 2007 einem Freihandelsabkommen mit den USA beitrat.
Früheste Kulturen bis zur Kolonialzeit (vor 10.000 v. Chr. bis zum 16. Jahrhundert)
Der Nordwesten, die Nicoya-Halbinsel (Nationalpark Barra Honda), war der südlichste Ausläufer des Nahuatl, der Süden und die Mitte des Landes waren hingegen vom südlichen Chibcha geprägt. Costa Rica war mit seinen Vulkanen und Gebirgszügen, aber auch mit seinen küstennahen Sümpfen ein Sperrriegel zwischen den Hochkulturen des Nordens und des Südens, so dass es nur zu einem spärlichen Austausch der Kulturen untereinander kam.
mini|Vorkolumbianische Tonware aus Nicoya
Der Osten trug ausgeprägt südamerikanische Züge. Die dort lebenden Kariben sowie die Boruca und Chibcha im Südwesten waren halbnomadische Jäger und Fischer, die Yuca, Kürbis und Pflanzenknollen ernteten, Coca kauten und in palisadenumwehrten Dörfern lebten. Die matriarchalischen Chibcha entwickelten ein Sklavensystem und waren hervorragende Goldschmiede. Zudem fertigten sie präzise geformte Granitkugeln, die Steinkugeln von Costa Rica, welche aus unbekannten Gründen die Gräber am Río Térraba, auf der Caño-Insel und in der Golfito-Region füllen. Eine Schrift entwickelten sie nicht.
mini|Räucherofen mit Krokodildeckel (500–1350) Die größte archäologische Stätte ist Guayabo, an den Hängen des Turrialba, über 50 km östlich von San José. Sie existierte von 1000 v. Chr. bis etwa 1400, und wurde von vielleicht 10.000 Menschen bewohnt. Als besonders kunstvoll gelten die Tonwaren und die Metallarbeiten. Die Goldbearbeitung stand bereits um 600 auf einem Höhepunkt, besonders in den Gebirgsregionen. mini|Olmekenfigur aus dem Museo del Jade Marco Fidel Tristán Castro in der Hauptstadt Dort lebten Corobicí, die in kleinen Hochlandtälern wohnten, und die Nahuatl, die aus Mexiko um 1500 einwanderten. In dieser Zeit wurde die Nicoya-Halbinsel in der nordwestlichen Provinz Guanacaste in das ausgedehnte mesoamerikanische Kultursphäre einbezogen. Besonders die Chorotega, die die größte indigene Gruppe darstellten, wiesen dabei kulturelle Eigenheiten ihrer nördlichen Nachbarn auf. Sie selbst kamen im 14. Jahrhundert aus dem Süden Mexikos, ihr Name bedeutet Flüchtendes Volk. Sie errichteten Städte mit Zentralplätzen und brachten ein Agrarsystem mit Bohnen, Mais, Kürbis und Flaschenkürbissen mit. Sie besaßen einen Kalender, schrieben Bücher auf Hirschpergament und stellten hochentwickelte Keramiken sowie anthropomorphe Figuren her, die heute im Jade-Museum von San José stehen.
Die kriegerischen Chorotega hatten Sklaven und eine von Priestern und Adel beherrschte, von scharfen Klassengrenzen gekennzeichnete Gesellschaft.
Spanische Eroberungsversuche (1502 bis ca. 1530) Am 18. September 1502 landete Christoph Kolumbus als erster Europäer an der Atlantikküste Costa Ricas, nachdem ein Hurrikan seine Schiffe beschädigt hatte und die Moral der Besatzung sank. Kolumbus suchte daher für 17 Tage Zuflucht in der Bucht von Cariari (wie er sie nannte) (nahe Limón)..Cariari National Wetlands Er wurde dort freundlich empfangen. Die Indigenen gaben ihm zwei junge Mädchen, dazu angeblich viel Gold. Er nannte das fruchtbare Gebiet La Huerta (Der Garten). Das Gebiet hatte vielleicht 20.000 Einwohner, wie Christopher Baker 1994 schätzte.
1506 entsandte der König von Spanien einen Gouverneur, Diego de Nicuesa, um die Atlantikküste von Veragua zu kolonisieren. Doch er lief mit seinem Schiff vor der Küste Panamas auf Grund und versuchte nordwärts zu marschieren. Die dortigen Indianer griffen sie jedoch in Guerillataktik an und verbrannten ihre Ernten, um ihren Vormarsch zu stoppen. Eine zweite Expedition unter Gil González Dávila brach 1522 von Panama auf. Davila erlangte reichlich Gold, was dem Land den Namen Costa Rica, Reiche Küste eintrug.
Davilas Priester tauften viele Indianer, doch von ihnen verstarb die Mehrzahl an Hunger und Krankheiten. Auch die Expedition verlor mehr als 1000 Mann, ähnlich wie spätere Expeditionen. Innere Streitigkeiten, die Feindschaft der Indianer, aber auch Piratenüberfälle zerstörten die Kolonien. 1524 gründete Francisco Hernández de Córdoba die erste Siedlung am Pazifik, Bruselas nahe dem heutigen Puntarenas. Sie hielt sich nur bis 1527 oder 1528.Iván Molina Jiménez, Steven Paul Palmer: Historia de Costa Rica, Editorial Universidad de Costa Rica, 1997, S. 21.
Guatemala wurde 1543 zum Kernland der Landbrücke, die dem Vizekönig von Neuspanien unterstand, doch Costa Rica war längst wieder von den Spaniern verlassen worden.
Spanische Kolonialherrschaft (1560 bis 1821)
Erst in den 1560er Jahren setzten nach vier Jahrzehnten neue Kolonisierungs- und Christianisierungsversuche ein. Doch hatten Pocken und Tuberkulose inzwischen zahlreichen Indigenen das Leben gekostet. Die übrigen flohen in die Berge, vor allem in die Talamanca-Berge. Nur auf der Nicoya-Halbinsel wurde eine nennenswerte Population von Chorotega versklavt.
Ab 1560 wurde sie systematisch kolonisiert, spanische Konquistadoren unter Führung von Juan Vázquez de Coronado gründeten 1562 Cartago, das von 1563 bis 1823 Hauptstadt Costa Ricas war. 1565 erhielt die Stadt ein Wappen und den Wahrspruch Muy Noble y Muy Leal (Besonders edel und besonders loyal). Sie lag in über 1400 m Höhe am Fuß des Vulkans Irazú oder Iaratzu (grollender Berg).
Die große Entfernung Costa Ricas zum Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum Guatemala, und die geringe wirtschaftliche Bedeutung machten die Kolonie zu einer der ärmsten in ganz Amerika, wie ein spanischer Gouverneur 1719 schrieb.Winners and losers: how sectors shape the developmental prospects of states, Cornell University Press, Ithaca, New York 1994
Dabei fielen zahlreiche Indianer den Pocken zum OpferThe Story Of … Smallpox – and other Deadly Eurasian Germs, wodurch für die Encomiendas zu wenige indigene Arbeitskräfte zur Verfügung standen, die den Grundherren eine steile Hierarchie und eine umfassende Freistellung von Arbeit ermöglicht hätten. Infolgedessen zeigte Costa Rica eine Neigung zu egalitäreren Strukturen, die Eroberer mussten ihre Äcker selbst bewirtschaften.
Auch nach einem Jahrhundert bestand Cartago nur aus einigen Adobe-Häusern und einer einzigen Kirche, die beim Ausbruch des Irazú 1723 verbrannten. Um stadtähnliche Siedlungen hervorzubringen, zwang man die Bevölkerung um die neu zu errichtenden Kirchen zu wohnen, gründete 1717 Heredia (Cubujuquie), San José (Villaneuva de la Boca del Monte) 1737 und Alajuela (Villa Hermosa) 1782. Weizen und Tabak wurden exportiert und ermöglichten eine dichtere Besiedlung der Meseta Central.
Die Vermischung mit den Indigenen war, im Gegensatz zu den meisten spanischen Kolonien, eher gering. Keine Mestizenklasse wurde von spanischen Siedlern unterdrückt, die Armut hatte eine angleichende Wirkung.
Nur Nicoya und Guanacaste am Pazifik waren über Straßen mit Nicaragua und Panama verbunden. Hier entstand eine ausgedehnte Viehwirtschaft. Dazu wurden die Indianer gezwungen auf den Haciendas zu arbeiten. Die Grundherren führten zu ihrem Ersatz zahlreiche schwarze Sklaven ein.
An der karibischen Küste entstanden hingegen Kakaoplantagen, nach deren Niedergang wurden sie von Tabakplantagen abgelöst. Als Antwort auf die zunehmende Piraterie schloss Spanien allerdings 1665 die Häfen und ruinierte damit den Handel. Die Region wurde zum Rückzugsgebiet für Schmuggler und Piraten, was wiederum die staatliche Autorität unterminierte.
1809 wurde aus der Provinz Costa Rica eine Provinz Spaniens. Mit der Charta von Cadiz entstanden 1812 Deputationen für die Provinzen, von ihnen war die Diputaciòn Provincial de Nicaragua y Costa Rica auch für Costa Rica zuständig. Nicoya und die dortige Zentralregion hatten einen gemeinsamen Gesandten zu den Cortes nach Spanien geschickt.
Unabhängigkeit (ab 1821) und Konföderation (1823 bis 1838)
Am 15. September 1821 erklärte Costa Rica zusammen mit anderen Kolonien die Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Spanien. Während sich die anderen mittelamerikanischen Staaten für einen Anschluss an die Zentralamerikanische Konföderation entschieden, entschloss sich Costa Rica eilig für den Anschluss an das mexikanische Reich des Agustín de Iturbide. Erst von 1823 bis 1839 gehörte es zur Konföderation. Die Hauptstadt Costa Ricas, die Mexiko unterstützte, wurde 1824 durch Präsident Juan Mora Fernández, der dieses Amt bis 1833 innehatte, in das 1738 gegründete San José verlegt, das eine unabhängige, republikanische Verfassung bevorzugte. 1843 wurde die Universidad de Santo Tomás gegründet, die spätere Universidad de Costa Rica. Dabei stand die Stadt in scharfer Konkurrenz zu Cartago, das ebenso konservativ war wie Heredia, während die anderen beiden Städte San José und Alajuela liberaler waren. 1823 kam es zum Bürgerkrieg. Die kurze Schlacht in den Ochomogo-Hügeln gewannen die republikanischen Kräfte von San José. Guanacaste löste sich zudem von Nicaragua und schloss sich ihm ein Jahr später an. Zugleich lähmten Grenzstreitigkeiten und vor allem die in den anderen Staaten vorherrschende Repression die Konföderation, so dass Costa Rica 1838 seine Unabhängigkeit erklärte. Hier spielten weder die massive Unterdrückung, noch ein unabhängiges Militär eine bedeutende Rolle.
Juan Mora Fernandez etablierte ein funktionsfähiges Rechtssystem, gründete die erste Zeitung und baute das Bildungssystem aus. Er ermutigte zum Kaffeeanbau, wozu er kostenlos Land ausgab. Dennoch griffen im September 1835 die anderen drei Städte San José an.
Braulio Carrillo, ein Diktator, löste 1838 Costa Rica aus der Konföderation. Der honduranische General José Francisco Morazán Quezada stürzte Carrillo jedoch 1842. Morazans Ehrgeiz und die erhöhten Steuern zur Finanzierung seiner Pläne führten zu seinem Sturz 1843.
Eigenstaatlichkeit, Kaffeebarone (ab 1838) mini|Republik Costa Rica in den Grenzen von 1850 mini|Monumento Nacional de Costa Rica Detalle mini|Staatswappen und Fahne der Republik Costa Rica Währenddessen stieg eine neue Führungsgruppe auf, die jedoch in sich zerstritten war, die Kaffeebarone, die Cafetaleros.
Sie taten sich zusammen, um José María Castro Madriz zu stürzen. Castro, ein Aufklärer, hatte eine höhere Schule für Mädchen gegründet und Pressefreiheit durchgesetzt.