UC 71 war ein deutsches U-Boot vom Typ UC II, das während des Ersten Weltkrieges von der Kaiserlichen Marine eingesetzt wurde.

Geschichte Das Boot wurde am 12. Januar 1916 bei Blohm & Voss in Hamburg bestellt. Der Stapellauf fand am 12. August 1916 statt. Die Übergabe vom Hersteller Blohm & Voss an die Kaiserliche Marine und die Indienststellung fanden am 28. November 1916 statt.

Nach einer ausführlichen Erprobung wurde UC 71 am 3. März 1917 in Flandern der II. U-Flottille Flandern zugeteilt. Am 13. Oktober 1918, nach der Aufgabe der flandrischen Stützpunkte wegen des allgemeinen deutschen Rückzugs, wurde es zur I. U-Flottille der Hochseeflotte versetzt, wo es bis zum Kriegsende am 11. November 1918 verblieb. UC 71 führte 19 Feindfahrten durch, wobei es 61 zivile Schiffe mit einer Gesamtverdrängung von 110.688 BRT versenkte. Zusätzlich beschädigte es 17 zivile Schiffe und ein militärisches Schiff.

Bei diesem militärischen Schiff handelte es sich um die Dunraven, eine britische U-Boot-Falle. Am 8. August 1917 kam es zu der Begegnung beider Schiffe und zu einem Feuergefecht. Dabei wurde die Dunraven stark beschädigt, konnte aber nicht ohne Risiko vom U-Boot versenkt werden, weil diese schon alle Torpedos verschossen hatte. Deshalb drehte UC 71 ab und überließ das britische Schiff seinem Schicksal. Während des Gefechtes starb ein britischer Matrose. Die Dunraven sank während des Bergungsversuchs durch den britischen Zerstörer Christopher am 10. August 1917. Der Kommandant des U-Boots war zu der Zeit Oberleutnant zur See Reinhold Saltzwedel.

Das größte von UC 71 versenkte Schiff war der belgische Passagierdampfer Élisabethville (7.017 BRT), der am 6. September 1917 in der Biskaya durch einen einzelnen Torpedo versenkt wurde. Dabei kamen 14 Menschen ums Leben. Das britische Passagierschiff Rangara war mit 10.040 BRT zwar größer, wurde aber nur beschädigt und nicht versenkt.

Versenkung Nach dem Waffenstillstand von Compiègne (1918) sollte UC 71 nach Großbritannien ausgeliefert werden. Bei der Überführung sank das Boot am 20. Februar 1919 unmittelbar südlich von Helgoland auf der Position in etwa 20 Meter Wassertiefe. Dabei kam niemand ums Leben.

Wissenschaftler der Universität Kiel haben 2015 herausgefunden, dass der Untergang nicht auf schlechte Wetterverhältnisse zurückzuführen war. Es handelte sich vielmehr um eine Selbstversenkung durch die eigene Besatzung.

Beforschung Untersuchungen des Wracks in den Jahren 2001 und 2014 deuten darauf hin, dass UC 71 von seiner Besatzung versenkt wurde.Erster Weltkrieg: Untersuchungen am Wrack von U-Boot UC-71 - SPIEGEL ONLINE 6. Mai 2015.

Im Juli 2016 wurde die Netzsäge von UC 71 geborgen.Dr. Florian Huber | U-Boot UC 71 – persönliche Webseite des zuständigen Unterwasserarchäologen Von dem Seemann Georg Trinks, der 18 Monate lang als Maschinist auf UC 71 diente, sind persönliche Tagebücher erhalten. Deren Inhalt ist in dem am 19. Februar 2019 erschienenen Buch „Kein Engländer soll das Boot betreten!“ Die letzte Fahrt von UC 71 nachgedruckt.Florian Huber: „Kein Engländer soll das Boot betreten!“ Die letzte Fahrt von UC 71. Rowohlt Verlag, Reinbek 2019, ISBN 978-3-498-03044-5.Huber: „Kein Engländer soll das Boot betreten!“ (Hardcover) - Rowohlt. Dort wird die Versenkung, die bisher nur vermutet wurde, belegt. Die Tagebücher sollen zukünftig (Stand: 22. Juli 2019) im Museum Helgoland zu besichtigen sein.

UC 71 liegt in 23 m Tiefe und steht seit 2012 unter Denkmalschutz. Im April 2023 wurden von Tauchern mit vier Unterwasserkameras Videoaufnahmen vom U-Boot gemacht. Wegen geringer Sichtweite zeigt jedes Einzelbild nur einen kleinen Ausschnitt der Ansicht des Boots. Unter Forschungstaucher und Projektleiter Florian Huber wurden 30.000 Einzelbilder aus den Videos extrahiert und bis September 2023 mittels Software zu einer 3D-Gesamtansicht zusammengefügt. 2024 wurde ein materielles 3D-Modell ausgedruckt und im Museum Helgoland ausgestellt.Ausstellungseröffnung U-Boot-Wrack "UC 71" ndr.de, 15. April 2024, abgerufen am 15. April 2024. Die geborgene 4 Meter lange Netzsäge des Bootes ist im Bunkerstollen Unterland ausgestellt.

Erfolge Die genauen Versenkungserfolge durch die Minen sind schwer zu verifizieren, da keine eigenen Berichte der Kommandanten die Versenkung unmittelbar nachweisen können.

Erfolge von UC 71 Datum Schiffsname Nationalität Tonnage Bemerkung 30. März 1917 Edernian 3.588 Beschädigt 30. März 1917 Saint Louis III 97 30. März 1917 Scarcelle 49 31. März 1917 Primrose 113 3. April 1917 Ellen James 165 4. April 1917 Pensiero 2.632 5. April 1917 Gower Coast 804 5. April 1917 San Fulgencia 1.558 7. April 1917 Caminha 2.763 9. April 1917 Themistoclis 1.895 9. April 1917 Valhall 750 10. April 1917 Ranvik 5.848 12. April 1917 Edelweiss 192 18. April 1917 Heim 1.669 23. April 1917 Cenobic 16 2. Mai 1917 Westland 108 5. Mai 1917 Simon 150 15. Mai 1917 Boreas 192 16. Mai 1917 Hendrika Johanna 134 17. Mai 1917 Jakoba 107 17. Mai 1917 Mercurius 80 18. Mai 1917 Annetta 177 14. Juni 1917 Wega 839 15. Juni 1917 Wapello 5.576 26. Juni 1917 Normandy 543 Beschädigt 28. Juni 1917 Marne 4.019 29. Juni 1917 Driskos 2.833 3. Juli 1917 Orleans 2.823 4. Juli 1917 Sentoppen 2.349 6. Juli 1917 Løvstakken 3.105 6. Juli 1917 Victoria 2 2.798 8. Juli 1917 Vendee 1.295 3. August 1917 Aube 1.837 4. August 1917 Afrique 2.457 Beschädigt 4. August 1917 Cairnstrath 2.128 7. August 1917 Port Curtis 4.710 8. August 1917 Dunraven 3.117 6. September 1917 Elisabethville 7.017 7. September 1917 Mont De Piete 38 7. September 1917 Kleber 277 8. September 1917 Setubal 1.201 9. September 1917 Myosotis 1.250 Beschädigt 10. September 1917 Vikholmen 494

Kommandanten 28. November 1916 bis 25. April 1917 Hans Valentiner 26. April bis 9. Juni 1917 Hugo Thielmann 10. Juni bis 13. September 1917 Reinhold Saltzwedel 14. September 1917 bis 28. Januar 1918 Ernst Steindorff 29. Januar 1918 – 13. August 1918 Walter Warzecha 14. August 1918 – 11. November 1918 Eberhard Schmidt

Literatur

Florian Huber: „Kein Engländer soll das Boot betreten!“ Die letzte Fahrt von UC 71. Rowohlt Verlag, Reinbek 2019, ISBN 978-3-498-03044-5.

Weblinks UC 71 auf uboat.net (englisch) UC 71 und der U-Boot-Krieg im Ersten Weltkrieg – Zeitsprung (Podcast)

Fußnoten

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