mini|280px|Eule auf der Akropolis in Athen mini|Eule auf einem Tetradrachmon mini|Eule der historischen Drachme auf der Rückseite der griechischen 1-Euro-Münze

Die Redensart Eulen nach Athen tragen steht für eine überflüssige Tätigkeit. Sie geht auf den antiken griechischen Dichter Aristophanes zurück, der den Ausspruch in seiner Komödie Die Vögel um 400 v. Chr. prägte. Dort wird in Vers 301 eine herbeifliegende Eule mit den folgenden Worten kommentiert: (, griechische Wikisource)

(Anmerkung: ist verkürzt aus „Eule“ [Akkusativ] und steht im Singular.)

In der Übersetzung von Carl Friedrich Schnitzer und Wilhelm Siegmund Teuffel heißt es:

(Pisthetairos/Pisthetäros und Euelpides sind die zwei Hauptfiguren der Komödie.)

Für die Überflüssigkeit einer Handlung, für die der Spruch „Eulen nach Athen tragen“ steht, werden drei Herleitungen angegeben:Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten; Band 1 (1974). Freiburg, Basel, Wien: Herder Verlag; darin S. 249–250.

Zum ersten war die Eule – genauer die Eulenart Steinkauz – ein im damaligen Griechenland häufig vorkommender Vogel, der besonders in den klüftenreichen Abhängen der Akropolis hauste.

Zum zweiten stand die Eule als Symbol der Göttin Athene, der Schutzgöttin der Stadt, so dass sie in Athen präsent war (vergleiche Eule der Minerva) und sie also nicht extra nach Athen gebracht werden musste. Die Eule symbolisierte damals für die Athener die Klugheit (unter anderem deshalb, weil sie auch im Dunkeln sehen kann). Athenische Abbildungen zeigen tatsächlich den Steinkauz. Wolfgang Hildesheimer hat daraus 1954 die ironische Erzählung „Ich trage eine Eule nach Athen“ entwickelt.Wolfgang Hildesheimer: Lieblose Legenden. Diogenes, Zürich 1952; Suhrkamp, Frankfurt 1962, 1983.

Zum dritten – und so sind auch Übersetzungen ausgewiesen – wird der Ausspruch des Aristophanes mit Bezug auf die Münzen Athens verstanden, denn auf diesen – den damaligen Athener Drachmen – war das Tier abgebildet. Aristophanes bezeichnete es daher als überflüssig, Silbermünzen (mit der Eule) ins reiche Athen zu schicken – in Vers 1106 der gleichen Komödie heißt es:griechisch: (, griechische Wikisource);deutsch:

„Laurion“ steht hier metonymisch für die dortigen Silberminen und daher für die Münzen.

In der Kommentierung der Ausgabe von 1854 zu Vers 301 (Fußnote V. 301) heißt es entsprechend (in historischer Rechtschreibung):

Inwieweit sich die drei Deutungen ergänzten oder beeinflussten, bleibt offen. Der direkte Bezug des Aristophanes auf die Athener Münze ist aber naheliegend, da er sich in einer weiteren Komödie (Die Frösche) ebenso direkt auf die Athener Münze bezieht. Bei diesem Bezug beschreibt er die Verdrängung besserer Bürger durch schlechtere als Gleichnis der Verdrängung besserer Münzen durch schlechtere in Athen, womit er auch als ein Vorläufer der Begründung des Vorgangs gilt, der später in der Ökonomie Greshamsches Gesetz genannt wurde.Bernholz, Peter (2005): Die Bedeutung der Geschichte für die Wirtschaftswissenschaften und der ökonomischen Theorie für die Geschichtsforschung. In: Perspektiven der Wirtschaftspolitik, 6 (2), S. 131–150; doi:10.1111/j.1465-6493.2005.00173.x.

Die Eule als griechisches Symbol war bis zur Umstellung auf den Euro zu Beginn des 21. Jahrhunderts in die Griechische Drachme geprägt. Die Abbildung einer zwischen 490 und 220 vor Christus von Hand geschlagenen attischen Vier-Drachmen-Münze aus Silber wurde für die Rückseite der griechischen 1-Euro-Münze gewählt.

Die römische Geschichtsschreibung übernahm das Sprichwort als ( steht im Plural). Cicero verwendete die Redewendung mehrfach (in Griechisch) in Briefen in der Version .Cicero, Epistulae ad familiares VI,3 sowie IX,3; Epistulae ad Quintum fratrem II,15 (emendiert, vergleiche Cicero ad Quintum Fratrem II.15 (16): ) Um 1500 hat Erasmus von Rotterdam diese Variante gemeinsam mit der lateinischen Übersetzung in seiner Sprichwörtersammlung, den Adagia, aufgezeichnet.Siehe beispielsweise Ululas Athenas (Institut d'Histoire des Représentations et des Idées dans les Modernités [IHRIM, UMR 5317], Clermont-Ferrand). Er erwähnt auch, dass Lukian (2. Jahrhundert n. Chr.) die Wendung in seinem Werk Nigrinus () verwendet habe.

Im Laufe der Zeit haben sich – neben denen in der oben zitierten Übersetzung von 1854 – viele weitere Sprichwörter auf der Basis dieses Ausspruchs gebildet. So waren bereits im antiken Griechenland auch die Wendungen „Fische zum Hellespont bringen“ () oder „Krokodile nach Ägypten bringen“ () bekannt. Modernere Varianten lauten etwa „Bier nach München bringen“, „den Bäckerskindern Stullen geben“, im Englischen „Kohlen nach Newcastle (alternativ Birmingham) tragen“ (englisch: ), im Französischen "porter de l'eau à la rivière" ("Wasser ans Ufer tragen") oder im Russischen „mit dem eigenen Samowar nach Tula fahren“ (in der Stadt Tula werden die als Samoware bezeichneten Teekocher gefertigt). Ähnlich ist das lateinische „Holz in den Wald (tragen)“ (Horaz, Satiren I,10,34).

Des Weiteren existieren viele besonders regional und lokal bekannte Abwandlungen, so zum Beispiel in Norddeutschland „Torf ins Moor tragen“, in Franken „Wasser in die Pegnitz schütten“, im Moselfränkischen „Schnecken nach Metz treiben“ oder „Wasser in den Rhein tragen“.Saarpfalz. Blätter für Geschichte und Volkskunde. Saarpfalz-Kreis, Homburg 1993, , Heft 36, S. 43.

Literatur Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Herder, Freiburg 1994, ISBN 3-451-04400-5.

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