Ensembles Alte Heide. Die Kleinwohnungsanlage Alte Heide, 1919–1927 nach Plänen von Theodor Fischer erbaut, ist ein Ensemble von städtebaulicher und sozialgeschichtlicher Bedeutung. Als erstes Beispiel von Zeilenbauten in Deutschland wie auch als erstes großes Wohnungsbauprojekt für Arbeiter in München nach dem Ersten Weltkrieg nimmt die Alte Heide eine wichtige Stelle in der Entwicklung der gemeinnützigen Siedlungsbauten ein. (E-1-62-000-3)

Altschwabing. Das Ensemble Altschwabing umfasst die Teile des ehemaligen Dorfes Schwabing, die das historische Ortsbild noch im Wesentlichen geschlossen bewahrt haben, zusammen mit den architektonischen Erweiterungen im 18. und 19. Jahrhundert, wie sie sich als Zeugen feudaler und großbürgerlicher Vergangenheit exemplarisch fassen lassen sowie in einer Folge vorstädtischer und urbaner Elemente zum Ausdruck kommen. Schwabing, seit dem 5. Jahrhundert und damit lange vor München eine historisch-geographische Einheit und seit dem 8. Jahrhundert urkundlich nachweisbar, entwickelte sich unter der Herrschaft bayerischer Adelssippen zwischen der Landshuter Straße und dem ehemaligen westlichen Isar-Uferrand, wie er noch gegenwärtig am Kirchberg in Schwabing und am Baronbergl bei Biederstein kenntlich ist, von einer Ansiedlung mit Burgstall im Frühmittelalter zum Fischer- und Milchbauerndorf im Spätmittelalter. Die im Kern gotische Altschwabinger Dorfkirche hat sich in der Doppelanlage der Katholischen Pfarrkirche St. Silvester erhalten, mit malerischer Wirkung nach wie vor den traditionsreichen Platz am ehemaligen westlichen Isar-Hochufer behauptend. Weiterer historischer Schwerpunkt innerhalb des Ensembles ist der Nikolaiplatz, dessen westliche Bebauung in etwa den Standort der ehemaligen Pestkirche St. Nikolaus einnimmt, einer Gründung des 15. Jahrhunderts und zugehörig dem Leprosen- oder Sonder-Siechen-Haus, das von der Stadt München wohl als Entlastung der Leprosenanlage vom Gasteig an der nördlichen Ausfallstraße eingerichtet worden war. An den dörflichen Charakter Schwabings erinnert ein Teil der Bebauung der Gunezrainerstraße, wo der Wohnteil eines ehemaligen Vierseithofs des späten 18. Jahrhunderts einer Gruppe von Kleinhäusern gegenübersteht, die in der Tradition ehemaliger Söldner- bzw. Kleingütlerhäuser stehen. (E-1-62-000-4)

Berliner Straße. Das auf Grundlage eines Wettbewerbs 1978 verwirklichte Wohngebiet Berliner Straße bildet als einheitlich geplante Siedlung ein Ensemble. Die Siedlung ist ein herausragendes Beispiel für die einheitliche Weiterentwicklung von städtischem Raum in geschlossenen Strukturen und damit ist die Gesamtanlage für ihre Entstehungszeit eine wegweisende Anlage der postmodernen Siedlungsarchitektur. Die Ausführung auf der Vorgabe des Wettbewerbs erfolgte in mehreren Teilabschnitten. Die Bebauung entstand auf dem Gelände eines ehemaligen Straßenbahndepots mit Steinlager und galt als eine der letzten großen zusammenhängenden Freiflächen in Innenstadtnähe. Begrenzt wird die Siedlung im Norden durch die Schenkendorfstraße, im Osten durch die Ungererstraße mit dem angrenzenden Nordfriedhof, im Süden durch die Freiflächen des Ungererbades und im Westen durch die Randbebauung der Leopoldstraße. Die Landeshauptstadt München lobte 1978 einen zweistufigen Wettbewerb aus den der Architekt Peter Petzold mit den Landschaftsarchitekten Gottfried und Anton Hansjakob für sich entscheiden konnten. Diese Planung war Grundlage für die zukünftige Bebauung. Mit Hilfe dieses einheitlichen Konzeptes war es möglich trotz der Verteilung der einzelnen Gebäudeteile an unterschiedliche Architekturbüros einen einheitlichen Siedlungscharakter zu bewahren. Das städtebauliche Konzept beruht auf der Weiterführung des bestehenden Stadtgebietes durch eine städtische Blockrandbebauung mit ruhigen Innenhöfen und dem Einfluss einer Gartenstadtidee. Der Städtebau ist durch Straßen, Wege und Plätze differenziert und wird von begrünten Parkflächen begleitet. Die umlaufende Berliner Straße als auch die zentral hindurch laufende Schinkelstraße, welche im unteren Siedlungsteil nach Osten ausläuft, ist an den Straßenverkehr angeschlossen. Ein hoher Anteil der Siedlungsräume ist dem Straßenverkehr jedoch abgewandt und die Innenhöfe in geschlossene als auch halböffentliche Bereiche unterschieden. Diese Hierarchie der Außenräume und des Wegesystems ist entscheidend für das Freiraumkonzept innerhalb der Siedlung. Die unterschiedlichen Außenräume werden gezielt miteinander verbunden oder voneinander getrennt. Im Zentrum der Wohnanlage bildet ein See, welcher mit Wasser des Nymphenburger Kanals versorgt wird, den Mittelpunkt des Wegesystems. Die im Areal verteilten Kunstwerke betonen die einheitliche Planung des Areals. Die Gebäude wurden in verschiedenen Bauphasen und durch verschiedene Architekturbüros in den Jahren von 1982 bis 1987 auf der Grundlage des Städtebaulichen Konzepts des Wettbewerbs von 1978 errichtet. Die Landschaftsgestaltung lag in Händen von Gottfried Hansjakob und Anton Hansjakob. Zu den planenden Architekten zählen: Peter Zänker und Jörg Menzinger, Franz Ruf, Heinz Hilmer und Christoph Sattler, Friedrich Kurrent, Helmut Bier mit Hans Korn und Hansjürg Zeitler, Helmut von Werz mit Christoph Ottow, Erhard Bachmann und Michel Marx, Helmut Schöner-Fedrigotti, Georg Kowalczuk, Hans Ziegert und Peter Petzold, welcher den größten Abschnitt im Osten realisierte. Das Blockrandkonzept wird durch die Ausführung der Eckbebauungen als überkreuzenden Knotenpunkte in der Architektur hervorgehoben und dient als vereinendes Element in der Gebäudekubatur. Obwohl die Siedlung als Gesamtheit wirksam ist, unterscheiden sich die Bauten in ihrer Außengestaltung durch verschiedene Konzeptionen der Blockecke als auch durch gezielt unterschiedliche Formensprachen der Balkone, Fenster, Dachabschlüsse und Erschließungen. Eine besondere Rolle kann ebenfalls den Hauseingängen zugeschrieben werden, welche durch Hervorhebungen in der Fassadengestaltung kenntlich gemacht werden und den Straßenraum mit Eingängen, welche zum Teil über die Gebäudeecke erschlossen werden, neu definieren. An der Nordwestecke des Sees als auch im hinteren Verlauf der Schinkelstraße sind zwei Häuserteile unterführt, wodurch die Gebäude als Brücken oder Tore inszeniert werden. Die Wohnanlage ist durch die konstante Abstimmung von Architektur, Straßenraum und Grünflächen und deren Miteinander als zusammenhängendes Ganzes erkennbar. (E-1-62-000-104)

Leopoldstraße (Forum) mit Schackstraße. Der Beginn der Leopoldstraße hinter dem Siegestor bildet ein verbreitertes Forum, dessen Westseite von der Akademie der bildenden Künste eingenommen und dessen Ostseite mit einer einheitlich konzipierten Gruppe palastartiger Gebäude – ehemals herrschaftlichen Mietshäusern – begrenzt wird, die in den Jahren um 1900 von namhaften Architekten (Friedrich Thiersch, Martin Dülfer, Leonhard Romeis) entworfen wurden. Die beiden südlichen Häuser der Gruppe flankieren die völlig einheitlich von Romeis gestaltete kurze Schackstraße. Typisch für den Bereich ist die freistehende Bauweise samt Vorgärten. Zusammen mit der Akademie bildet das Siegestor mit dem Forum eine städtebaulich bedeutende Gelenkstelle zwischen Ludwigstraße und Leopoldstraße. (E-1-62-000-27)

Martiusstraße. Bei dem Ensemble Martiusstraße handelt es sich um eine Reihe herrschaftlicher Mietshäuser, die Anfang des 20. Jahrhunderts als geschlossene Konzeption innerhalb von zwei Jahren im damals zeitgemäßen Jugendstil entstanden. Die Martiusstraße war als verbindendes Straßenstück zwischen der damals noch als Schwabinger Landstraße bezeichneten Leopoldstraße und der Königinstraße bereits um 1885 konzipiert worden. Bebaut wurde sie zwischen 1906 und 1908 im westlichen Abschnitt bis zum damaligen Kaulbachplatz, heute Kißkaltplatz. Als östlicher Endpunkt der Achse Elisabeth-/Franz-Joseph-Straße wurde auch die Martiusstraße bevorzugter Bereich für herrschaftliche Mietshäuser in Schwabing. Anton Hatzl, Architekt und Besitzer gleichzeitig, ließ an der Nordseite eine geschlossene Reihe von vier Bauten (Nr. 1, 3, 5, 7), südlich gegenüber eine Gruppe von zwei Objekten (Nr. 4, 6) errichten. Unter einheitlicher Konzeption entstanden an dem kurzen, geraden Straßenstück viergeschossige vornehme Mietshäuser in der dem neubarocken Jugendstil charakteristischen Plastizität und reichen Ornamentierung. Die angrenzenden Gebäude ergänzen den Straßenraum. (E-1-62-000-32)

Nordschwabing. Bei dem Ensemble Nordschwabing handelt es sich um einen stadtbaugeschichtlich bedeutsamen Quartiersbereich aus der Wende vom geometrischen zum malerischen Städtebau. Im Kaiserplatz und den ihm benachbarten Straßenabschnitten ist als besondere städtebauliche Leistung fassbar, wie über einem technokratisch entwickelten und zweidimensional gedachten Straßenschema eine bauliche Realität sich manifestieren konnte, die mit Differenzierungen im stadtbaugeschichtlich moderneren Bebauungsplandenken sich messen lässt. Zwei städtebauliche Konzeptionen, die in der 2. Hälfte des 19. Jh. die Stadtgestalt Münchens in entscheidender Weise geprägt haben, sind hier zueinander vermittelt: die traditionell-geometrische Stadterweiterung und der nach dem Stadterweiterungswettbewerb von 1892 unter Theodor Fischer durchgesetzte malerische Städtebau. Im Schnittpunkt dieser beiden Prinzipien gelang nicht nur die homogene Platzschöpfung Kaiserplatz und eine Zentrenbildung für den neuen Stadtteil Nordschwabing mit der Pfarrkirche St. Ursula als Orientierungsfaktor und städtebaulichem Merkzeichen weithin, sondern auch die Schaffung neuer städtebaulicher Elemente, wie Hauptverkehrs- und Wohnnebenstraßen, beides unter Wahrung überschaubarer Straßenabschnitte für die Perspektive des Fußgängers mit entsprechenden architektonischen Pointierungen zu dessen Orientierung im städtischen Raum. Im Ansatz vollzogen wurde damit der stadtbaugeschichtlich wichtige Schritt vom quantitativen Straßenschema zum differenzierteren Bebauungsplan, vom Platzschema zum Platzbild, von der Rasterbebauung der Maxvorstadt zum städtischen Quartier. (E-1-62-000-42)

Ohmstraße. Das Ensemble Ohmstraße umfasst den nach Osten vom Englischen Garten und nach Westen von der Kaulbachstraße eingefassten Straßenabschnitt.

Im ehemaligen Burgfriedenbereich entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf dem Gelände des „Schönfeldes“ die kleine sogenannte Schönfelder Vorstadt. Diese reichte zunächst bis zur Veterinärstraße. Nach der Wende zum 20. Jahrhunderts wurde das nördliche Gebiet um die Ohmstraße einbezogen. Das Ensemble bildet den ungestörten östlichen Straßenzug. Es handelt sich um eine zusammenhängende Gruppe von reich gegliederten Mietshäusern in den Formen des Jugendstils.

Die Baulücke Ohmstraße 18 schloss man 1993 mit einem Neubau, der das historische Umfeld respektie. (E-1-62-000-46)