mini|Lincke’sches Bad um 1825 mit Blick über die Elbe zum Schlösschen Antons, Radierung von Johann Friedrich Wizani Das Lincke’sche Bad war eine Ausflugsgaststätte mit Gartenwirtschaft, Sommertheater und Konzertsaal in Dresden. Zugleich war es eines der ersten Freiluftbäder.
Das Dresdner Hoftheater und bekannte Künstler wie Joseph Seconda, die Komponisten Christian Gottlob Neefe und Carl Maria von Weber sowie der Architekt Bernhard Hempel wirkten dort. Franz Grillparzer beschrieb das Theater 1826 bei einem Besuch und E. T. A. Hoffmann nutzte den Handlungsort für sein Stück Der goldne Topf. Daneben war das Bad ein beliebtes Motiv für Postkarten und Stiche, so etwa von Ludwig Richter.
Lage mini|Lincke’sches Bad im Stadtplan Dresdens von 1828 Das Bad wurde an der Mündung der Prießnitz hinter dem Schwarzen Tor angelegt und war mit der Neustadt durch eine Allee verbunden, damals mit der Adresse Schillerstraße 29.Adreß- und Geschäftshandbuch der königlichen Haupt- und Residenzstadt Dresden, 1866, S. 160. Das Grundstück befindet sich heute etwa zwischen dem Diakonissenkrankenhaus und Turmhaus Bautzner Straße 82 im Stadtteil Radeberger Vorstadt. In den 1950er Jahren wurden in der Nordwestecke aus geborgenen Sandsteinquadern Pergolen und Hochbeete angelegt, erst Mitte der 2010er Jahre wurde das Gelände mit einem Sportplatz, einer Laufbahn, einem Umkleidehaus und einem Parkplatz versehen.
Geschichte mini|Drachenschänke, Postkarte 1914 1734 wurde hinter dem Schwarzen Tor ein Lusthäuschen direkt an der Elbe errichtet, das 1753 die Konzession zum Ausschank für Bier und Wein („Drachenschänke“) sowie zum Backen, Schlachten und zur Haltung einer Schmiede erhielt. Nachdem der Arzt Peter Ambrosius Lehmann die Genehmigung für die Einrichtung eines Mineralbades erhalten hatte, ließ er 1763 dort ein Freiluftbad mit Badehäuschen anlegen, das 1824 28 Wannen sowie Sommerquartiere anbot und bis 1860 betrieben wurde. 1764 errichtete dort Christian Gottlob Reuß eine Gartenwirtschaft. 1766 erwarb Carl Christian Lincke das Areal und baute es zu einem Ausflugsort aus, indem er 1775/76 darauf ein Sommertheater für fahrende Theatergesellschaften errichtete, in der u. a. die Seylersche und die Secondasche Truppe einzogen.Eberhard Steindorf: Die Konzerttätigkeit der Königlichen musikalischen Kapelle zu Dresden (1817–1858). Institutionsgeschichtliche Studie und Dokumentation (= Dresdner Schriften zur Musik 11), Baden-Baden 2018, S. 21. Begünstigt wurde Lincke durch die 20 Jahre währende Steuerfreiheit. 1776 wurde ein neues „Commödien Hauß“ geschaffen, das hervorragende Bedingungen für die im Sommer auftretenden Musikertheater und Singspiele, später auch Opern bot, die damit die Lücke schlossen, die die kurfürstlichen Theater nicht bedienen konnten.
Von 1816/17 bis 1858 pachtete das Königliche Hoftheater bzw. König Friedrich August I. das „Theater auf dem Linckeschen Bade“ neben dem Morettischen Opernhaus als zusätzlichen Spielort für die Sommermonate.Eberhard Steindorf: Die Konzerttätigkeit der Königlichen musikalischen Kapelle zu Dresden (1817–1858). Institutionsgeschichtliche Studie und Dokumentation (= Dresdner Schriften zur Musik 11), Baden-Baden 2018, S. 421, 454. 1853 folgte ein von Bernhard Hempel errichteter großer Konzertsaal,Helas, S. 196 (Hempel, Bernhard) der allerdings 1859 abbrannte. Ein Jahr zuvor wurde auch der Theaterbau abgerissen.Heinz Quinger: Dresden und Umgebung. Geschichte, Kunst und Kultur der sächsischen Hauptstadt, Köln: DuMont 1999, S. 197 (Link zur Seite). 1867 erfolgte die Neueröffnung als „Grand Théâtre des Varietés“. 1901 bestanden ein elegantes Weinrestaurant, eine Tunnelschänke, ein Saal sowie ein Konzertgarten und zahlreiche Veranden, die zusammen als „Restaurationsgarten“ bekannt waren, der mindestens bis in die 1920er Jahre bestandDresden-Lexikon.de: Lincke’sches Bad und von dem berichtet wird, dass er 1911 15.000 Sitzplätze aufwies. Während der Luftangriffe auf Dresden gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Areal weitgehend zerstört. Lediglich die „Drachenschänke“ am Körnerweg blieb erhalten, die bis Mitte der 2000er Jahre noch als Restaurant genutzt wurde, nach Umbauten im Jahr 2006 nun aber Wohnungen beherbergt.
Aufführungen mini|Theater auf dem Linkeschen Bade, Zeichnung von C. Aßmann 1798 mini|Theater auf dem Bade bei Dresden, Kupferstich von 1837 Die wöchentlichen Vorstellungen des Dresdner Hoftheaters im Lincke’schen Bad und die Gartenkonzerte waren berühmt und zahlreich besucht. Die Ankündigungen für diese wurden im „Dresdner Anzeiger“ sowie in den Dresdner Nachrichten gemacht. Bei den Aufführungen wirkten zahlreiche berühmte Persönlichkeiten mit, unter anderem die Schauspieltruppe um Joseph Seconda (zwischen 1790 und 1816 hier engagiert), die Sänger und Schauspieler des Residenztheaters sowie Carl Maria von Weber und E. T. A. Hoffmann als Dirigenten. Am 30. April 1866, dem Vorabend der Einweihung des Neubaus der Kreuzschule am Dresdner Georgplatz, ist im Saal des Bades die „dramatische Kleinigkeit: Dornröschen“ uraufgeführt worden, ein von den Kreuzschülern Hermann Unbescheid (späterer Studienrat und Prof. Dr.) geschriebenes und von Johannes Gelbke vertontes Singspiel. Am Abend des Weihetages, dem 1. Mai 1866, ist im Beisein des Königs und der sächsischen Prinzen die Aufführung wiederholt worden.
Rezeption Franz Grillparzer besuchte 1826 ein Konzert und stellte fest: „Nachmittags im Linkeschen Bade. Hübscher Ort. Großes Konzert gegen eine Groschen Einlage. Übrigens weniger schlecht, als der Preis vermuten ließ. Die Weiber alle mit der Strickerei in der Hand. Die Leute sehen sehr gutmütig, aber langweilig aus. Noch kein schönes, kaum ein paar hübschen Mädchen gesehen. Ich glaube, die Dresdnerinnen kommen mit 30 Jahren zur Welt, bis jetzt sah ich beinahe noch keine junge.“Nickel, S. 87 (Beliebte Dresdner Vergnügungsorte)
Das Bad fand auch Eingang in die Literatur: Neben zahlreichen zeitgenössischen Reiseführern erwähnt auch E. T. A. Hoffmann das Bad in einer seiner Erzählungen:
Literatur
Manfred Wille: Urbild der Biedermeiergastlichkeit. In: Dresdner Neueste Nachrichten vom 27. Februar 2012, S. 16. Joachim Albrecht: Der umstrittene Aufenthalt der Juden in Linckeschen Bad in Dresden um 1800. In: Medaon – Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung 7 (2010), S. 1–6.
Weblinks
auf dresden-neustadt.de
Einzelnachweise
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