Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in der Demokratischen Republik Kongo ist gesellschaftlich tabuisiert, wenn auch homosexuelle Handlungen rechtlich nicht explizit strafbar sind. Allerdings wird Strafbarkeit durch das Anwenden anderer Vorschriften indirekt erreicht.
miniatur|Demokratische Republik Kongo
Geschichte Das Strafrecht der Demokratischen Republik Kongo basiert auf einem Dekret der belgischen Kolonialmacht vom 30. Januar 1940, das – mit mehreren Änderungen – bis heute in Kraft ist. Das Dekret basiert weitgehend auf dem belgischen Strafgesetzbuch von 1867.Toni Lokadi: Histoire du code pénal Congolais; abgerufen am 16. August 2026. Dieses wiederum steht in der Tradition des französischen Code pénal von 1810, den es ersetzte. Der französischen Code pénal kannte eine Strafbarkeit homosexueller Handlungen nicht.
2010 wurde ein Gesetzesentwurf des Abgeordneten und Bischofs Ejiba Yamapia geprüft, nach dem homosexuelle Handlungen unter Strafe gestellt werden sollten, eine Initiative, die scheiterte. Der Gesetzesentwurf sah unter anderem eine Strafe von fünf Jahren Gefängnis bei einvernehmlichen sexuellen Handlungen zwischen Personen gleichen Geschlechts vor.Sur la voie de la criminalisation de l’homosexualité?. In: Jeune Afrique vom 22. Oktober 2010; abgerufen am 16. August 2026. Ab 2014 debattierte das Parlament einen Gesetzentwurf des Abgeordneten Steve Mbikayi, der homosexuelle Handlungen mit einer Strafe von bis zu fünf Jahren bedrohte.Kongo debattiert Haftstrafen für LGBT. Auf: Queer.de vom 14. März 2014; abgerufen am 16. August 2026. Ein erneuter Versuch, homosexuelle Handlungen unter Strafe zu stellen, unternahm 2024 der damalige Parlamentsabgeordnete Constant Mutamba.DR Kongo: Nein zur Ausbeutung von LGBT*-Personen. Auf: all out ; abgerufen am 16. August 2026. Eine weitere Initiative gegen queere Menschen unternahm er, nachdem er Justizminister geworden war: Er wies den Generalstaatsanwalt beim Kassationshof an, Beteiligte an homosexuellen Handlungen zu verfolgen, ohne dass dafür eine Rechtsgrundlage bestand.RDC: les autorités et la justice durcissent le ton contre l’homosexualité. Radio France Internationale vom 25. Juni 2024; DR Kongo: Nein zur Ausbeutung von LGBT*-Personen. Auf: all out ; abgerufen am 16. August 2026..
Rechtliche Lage Strafbarkeit Gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen sind sowohl für Männer als auch für Frauen in der Demokratischen Republik Kongo nicht ausdrücklich kriminalisiert, allerdings wird Artikel 176 Code Penal Congolais (CPC – Strafgesetzbuch des Kongo)Code Penal Congolais – Décret du 30 janvier 1940 tel que modifié et complété à ce jour. Mis à jour au 30 novembre 2004. In: Journal Officiel de la République Démocratique du Congo Nr. 45 vom 30. November 2004; abgerufen am 16. August 2026. zur Wahrung der guten Sitten angewandt, um gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen zu kriminalisieren. Artikel 176 CPC bestimmt, dass alle Handlungen oder Verstöße, die gute Sitten öffentlich verletzen, mit einer Freiheitsstrafe von acht Tagen bis zu drei Jahren ohne Bewährung bestraft werden können.Artikel 176 CPC lautet: « Quiconque aura publiquement outragé les moeurs par des actions qui blessent la pudeur, sera puni d'une servitude pénale de huit jours à trois ans et d'une amende de vingt-cinq à mille zaïres ou d'une de ces peines seulement. » („Wer öffentlich die guten Sitten durch Handlungen verletzt, die das Schamgefühl verletzen, wird mit einer Gefängnisstrafe von acht Tagen bis zu drei Jahren und mit einer Geldstrafe von fünfundzwanzig bis tausend Zaïre oder mit nur einer dieser beiden Strafen bestraft.“). Die im Gesetzestext genannten „Zaïre“ stammen aus der Epoche vor der Wiedereinführung des Kongo-Francs, das Gesetz ist bezüglich der Strafmaße jedoch weiterhin gültig. So wurden etwa gleichgeschlechtliche Personen, die in der Öffentlichkeit küssten, strafrechtlich verfolgt (United States Department of State: 2021 Country Reports on Human Rights Practices: Democratic Republic of the Congo; abgerufen am 16. August 2026). Dies führt dazu, dass Beziehungen, die den heteronormativen Rahmen verlassen nur im streng privaten Raum statthaft sind.
Das Schutzalter liegt einheitlich bei 18 Jahren.
Zivilrecht, Ehe Gleichgeschlechtliche Paare werden rechtlich nicht anerkannt. Artikel 40 Abs. 1 der Verfassung der Demokratischen Republik Kongo besagt, dass jeder Mensch das Recht hat, eine Person seiner Wahl des anderen Geschlechts zu heiraten und eine Familie zu gründen.Constitution de la Republique Democratique du Congo; abgerufen am 16. August 2026.
Adoption ist sowohl gleichgeschlechtlichen Paaren als auch Paaren an denen eine Transperson beteiligt ist, aufgrund von Artikel 653 des Familiengesetzes (Code de la famille) verboten.Art. 653 des Code de la famille in der Fassung seit 2016.
Antidiskriminierungsgesetzgebung Es gibt in der Demokratischen Republik Kongo nur wenige Bestimmungen, die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung verbieten, und keine, die Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität verbietet. Artikel 3 und 4 des Gesetzes zum Schutz der Rechte von Menschen, die mit HIV/Aids lebenLoi n° 08/011 du 14 juillet 2008 portant protection des droits des personnes vivant avec le VIH/SIDA et des personnes affectées; abgerufen am 16. August 2026., von 2008, verbieten Stigmatisierung und Diskriminierung Betroffener, ihrer Sexualpartner, Kindern oder Eltern. Unter den Personen, die das Gesetz als „vulnerable Gruppen“ schützt, nennt Artikel 2 Absatz 5 auch homosexuelle Menschen. Artikel 132 des Gesetzes über Telekommunikation und Informations- sowie KommunikationstechnologienLoi n° 20/017 du 25 Novembre 2020 relative aux telecommunications et aux technologies de l’information et de la communication; abgerufen am 16. August 2026. legt fest: „Verboten sind das Erheben und das Verarbeiten von personenbezogenen Daten, die die rassische, ethnische oder regionale Herkunft, die Abstammung, politische Meinungen, religiöse oder philosophische Überzeugungen, die Gewerkschaftszugehörigkeit, das Sexualleben, genetische Daten oder ganz allgemein Daten zum Gesundheitszustand der betroffenen Person offenlegen“. Artikel 245 Absatz 2 des Gesetzes 23/10 über digitale Angelegenheiten von 2023 schützt personenbezogene Daten, die das Sexualleben oder die sexuelle Orientierung einer Person offenlegen.Ordonnance – Loi n° 23/10 du 13 Mars 2023 portant code du numérique; abgerufen am 16. August 2026.
Regelungen zu Konversionstherapien und Beschränkungen zum Eingriff bei intersexuellen Minderjährigen bestehen nicht.ILGA-database (Weblinks).
Regelungen für Transpersonen Rechtliche Regelungen dazu bestehen nicht.ILGA-database (Weblinks).
Soziale Lage Allgemeingesellschaftlich Homosexualität gilt in der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung als unmoralisch, eine Ansicht, die von einflussreichen Kirchen – sowohl römisch-katholische als auch evangelikale Kirchen – gestützt und gefördert wird.
Queere Menschen im Kongo erleben Diskriminierung und Feindseligkeit. Sie werden gesellschaftlich und vom Staat häufig stigmatisiert.
Queere Selbsthilfe-Organisationen Das Dekret Nr. 4 (2001)Loi n° 004/2001 du 20 Juillet 2001 portant dispositions generales applicables aux associations sans but lucratif et aux etablissements d'utilite publique. regelt unter anderem die Registrierung zivilgesellschaftlicher Organisationen. Bisher wurde Organisationen die Registrierung verweigert, wenn sie in ihrer Satzung Bezug auf queere Themen nahmen.ILGA-database (Weblinks). Aus diesem Grund können Selbsthilfeorganisationen nur im Verborgenen arbeiten oder widmen sich in der Hauptsache gesellschaftlich anerkannter Arbeit wie der HIV-Prävention. Der ILGA sind 14 derartige Organisationen bekannt.Member organisations; abgerufen am 17. August 2026. Darunter befinden sich unter anderem: Savie ASBL mit Sitz in Bukavu, ist im Osten und Süden des Landes aktiv. Savie ASBL unterstützt queere Geflüchtete, Binnenvertriebene sowie transgeschlechtliche Sexarbeiterinnen, die von extremer Armut und Gewalt betroffen sind. Sie leistet Nothilfe, vergibt Mikrokredite und schult lokale Unternehmen in Sachen Inklusion.Homepage von Savie ASBL; abgerufen am 17. August 2026. Jeunialissime wurde 2012 gegründet und ist im Bereich Kinshasa aktiv. Die Arbeit der Organisation richtet sich auf soziale Inklusion, psychosoziale Betreuung und Sichtbarkeit von jüngeren LSBTIQ*-Menschen.Homepage von Jeunialissime; abgerufen am 17. August 2026. Rainbow Sunrise Mapambazuko ist eine Menschenrechts- und Selbsthilfegruppe, die Betroffene nach Übergriffen rechtlich berät und Schutzräume organisiert.Homepage von Rainbow Sunrise Mapambazuko; abgerufen am 17. August 2026. Oasis RD Congo ist eine Organisation, die sich für sexuelle Gesundheit, Aufklärung und die Rechte sexueller Minderheiten einsetzt.Oasis RD Congo auf Instagram; abgerufen am 17. August 2026.Der Internet-Auftritt von Oasis RD Congo war am 17. August 2026 aus dem Netz genommen.
Transpersonen In der Demokratischen Republik Kongo ist der Glaube weit verbreitet, dass Trans-Frauen Hexen und für einen Großteil des Elends im Land verantwortlich seien, was zu erheblicher Gewalt gegen sie führt.Daniel Itai: Congolese rebel group displaces transgender people. Auf: Blade vom 30. Januar 2023; abgerufen am 16. August 2026.
Siehe auch Gesetze zur Homosexualität Gleichstellung (Homosexuelle)
Weblinks ILGA: ILGA-database – Democratic Republic of Congo; Stand: 17. August 2026
Anmerkungen
Einzelnachweise
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