mini|Philip K. Dick in den 1960er Jahren Philip Kindred Dick (* 16. Dezember 1928 in Chicago, Illinois; † 2. März 1982 in Santa Ana, Kalifornien), Pseudonyme Jack Dowland und Richard Phillips, war ein US-amerikanischer Science-Fiction-Autor. Bekannt ist er unter anderem für seine dystopischen Romane wie Träumen Androiden von elektrischen Schafen? oder Das Orakel vom Berge, die vielfach adaptiert wurden. Mit dem Filmklassiker Blade Runner, der wenige Monate nach Dicks Tod uraufgeführt wurde, avancierte der Autor zu einem wichtigen Ideengeber für Film- und Fernsehproduktionen.

Leben Philip Kindred Dick und seine Zwillingsschwester, Jane Charlotte Dick, wurden sechs Wochen vor dem errechneten Termin am 16. Dezember 1928 geboren. Ihre Mutter Dorothy Dick (geborene Kindred) erfuhr, wie damals üblich, erst mit der Geburt, dass sie Zwillinge erwartete. Aufgrund mangelnder Erfahrung der Mutter und schlechter ärztlicher Versorgung waren die Babys unterernährt und Jane starb fünf Wochen nach der Geburt am 26. Januar 1929. Dicks Vater, Joseph Edgar Dick, war zu dieser Zeit Ermittler im Landwirtschaftsministerium in Chicago.Lawrence Sutin: In: philipkdick.com, 2003 (englisch).

Zeit seines Lebens hatte Dick ein problematisches Verhältnis zu seinen Eltern, die beide im Staatsdienst arbeiteten. Die Familie zog in die Bay Area nach San Francisco. Als er fünf war, zog sein Vater nach Reno, und die Eltern ließen sich scheiden. Die Mutter nahm eine Stelle in Washington, D.C. an und zog mit ihrem Sohn dorthin. Von 1936 bis 1938 besuchte Dick die John Eaton Elementary School, auf der ein Lehrer bemerkte, dass er „Interesse und die Fähigkeit zum Geschichtenerzählen“ zeige. Ab Juni 1938 lebten er und seine Mutter wieder in Kalifornien.

Bereits als Teenager schrieb Dick seine ersten Gedichte und Kurzgeschichten. Aufgrund seiner traumatischen Jugendzeit war er vorübergehend in psychologischer Behandlung. Dick wechselte zur Berkeley High School. Er und die spätere Science-Fiction-Autorin Ursula K. Le Guin gehörten der gleichen High-School-Abschluss-Klasse von 1947 an, ohne jedoch einander zu kennen. Nach dem Abschluss besuchte er kurz die University of California. 1948 heiratete er Jeanette Marlin, die Ehe hielt nur sechs Monate.

Bis 1952 arbeitete er in einem Schallplattenladen und als Radiomoderator für klassische Musik. Er verkaufte seine erste Kurzgeschichte und begann mit der Arbeit an einem Roman. Von 1950 bis 1959 war er mit Kleo Apostolides verheiratet. Dick wurde wegen Querulantentums exmatrikuliert.

Dick war ein besessener Leser; er las Werke über Religion, Philosophie (besonders Metaphysik) und Gnostizismus, Ideen und Grundmotive, die in viele seiner Geschichten einflossen. Für kurze Zeit studierte er Germanistik; in seinen Romanen tauchten immer wieder deutsche Redewendungen auf. Seine finanzielle Situation war und blieb schlecht, worauf Dick seine Schreibtätigkeit erhöhte.

Aus der Ehe mit Anne Williams Rubinstein (1959 bis 1964) ging die Tochter Laura hervor. Seine Mainstream-Romane der 1950er und frühen 1960er Jahre konnte er nicht veröffentlichen; er wurde auf sein Genre festgelegt, als die Scott Meredith Literary Agency ihm all seine Entwürfe zurückgab. Lediglich eine seiner Arbeiten aus dieser Zeit, Confessions of a Crap Artist von 1959, wurde 1975 zu seinen Lebzeiten veröffentlicht.Bruce Gillespie: In: brg, Nr. 1, Oktober 1990. Er begann, sich für bewusstseinsverändernde Drogen zu interessieren, machte Versuche mit Amphetaminen und LSD. Unter Zuhilfenahme der Aufputschmittel schrieb er bis zu sechzig Seiten am Tag. Viele Erfahrungen dieser Zeit flossen später in den Roman A Scanner Darkly ein (zeitweise war Dicks Haus ein Treffpunkt für Drogenabhängige und Kriminelle).

1966 heiratete er Nancy Hackett, die Tochter Isolde (Isa) wurde 1967 geboren, die Ehe 1972 geschieden. Dick vermachte seine Manuskripte der Sammlung der California State University.

Im Oktober 1972 schrieb Dick Briefe an das FBI und das Bezirksbüro des Sheriffs von Marin County. In diesen Briefen behauptete Dick, er sei von einem Vertreter einer geheimen, „offensichtlich anti-amerikanischen“ Organisation angesprochen worden, für die er verschlüsselte Botschaften in seinen Büchern unterbringen sollte, was er abgelehnt habe. Im Anschluss beschuldigte Dick den Schriftsteller Thomas M. Disch, in seinem Roman Camp Concentration aus dem Jahr 1968 solche Geheiminformationen verschlüsselt zu haben.Philip K. Dick's Tall Tales. In: thesmokinggun.com 8. Februar 1999, Dicks Brief an das FBI. Dick entwickelte eine Paranoia gegenüber FBI und KGB und machte diese später für einen Einbruch in sein Haus verantwortlich, bei dem Schriftstücke gestohlen wurden.

1973 heiratete Dick mit Leslie Busby seine fünfte Ehefrau, im gleichen Jahr wurde der gemeinsame Sohn Christopher geboren. In Vancouver beging er einen Selbstmordversuch und begab sich anschließend in Behandlung in ein Drogen-Rehabilitationszentrum.

Im Februar und März 1974 hatte Dick eine Reihe von Visionen, nachdem er sich von einer zahnärztlichen Behandlung mit Natriumpentothal erholt hatte. Den Rest seines Lebens versuchte er herauszufinden, ob diese Erlebnisse psychotischen oder göttlichen Ursprungs gewesen waren. Er beschrieb seine Visionen als Laserstrahlen und geometrische Muster, durchsetzt mit kurzen Bildern von Jesus und dem antiken Rom. Er machte sich auf die Suche nach rationalen und religiösen Erklärungen für seine Erfahrungen. Seine Studien mündeten in der Niederschrift der Bücher VALIS, Die göttliche Invasion und Die Wiedergeburt des Timothy Archer (VALIS-Trilogie).

United Artists kaufte die Filmrechte an Dicks Roman Träumen Androiden von elektrischen Schafen?, der von Ridley Scott unter dem Titel Blade Runner verfilmt wurde. Dick wurde in die Entstehung dieses Films eingebunden, konnte einige Szenen noch sehen, erlebte seine Uraufführung im Juni 1982 aber nicht mehr.

Philip K. Dick erlitt am 18. Februar 1982 in seinem Haus in Santa Ana in Kalifornien einen Schlaganfall, infolge dessen er in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Ein weiterer Schlaganfall brachte dort seine Gehirnaktivitäten zum Erliegen. Am 2. März 1982 wurden die lebenserhaltenden medizinischen Geräte abgeschaltet. Seine Asche wurde nach Fort Morgan in Colorado gebracht, um dort im Grab seiner Zwillingsschwester beigesetzt zu werden.Lawrence Sutin: Philip K. Dick. Göttliche Überfälle. Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt a. M. 1994, ISBN 3-627-10236-3.Christian Gaca: Das Leben von Philip Kindred Dick. In: philipkdick.de, März 2002.

Ihm zu Ehren wurde 1982 der Philip K. Dick Award für zeitgenössische Science-Fiction-Literatur ins Leben gerufen. 2005 wurde Dick postum in die Science Fiction Hall of Fame aufgenommen. 2017 wurde ein Asteroid nach ihm benannt: (9004) Peekaydee.

Werke Veröffentlichungsgeschichte und Themen Philip K. Dick schrieb 118 Kurzgeschichten und 43 Romane und gilt als einer der bedeutendsten Science-Fiction-Autoren.Biogramm. In: Philip K. Dick: Und jenseits – das Wobb. Sämtliche SF-Geschichten. Aus dem Amerikanischen von Walter Grossbein, Band 1, Haffmans Verlag bei Zweitausendeins, 3. Auflage, Leipzig 2014, ISBN 978-3-86150-808-3, S. 640. In seinen Werken geht es vornehmlich um moralische Fragen und das Verhalten von Menschen in alternativen Welten. Er erhielt den Hugo Award für The Man in the High Castle, 1962 (deutsch Das Orakel vom Berge) und den John W. Campbell Award für Flow My Tears, The Policeman Said, 1974 (deutsch Eine andere Welt).

Viele Bücher Dicks werden heute zu den modernen Klassikern der amerikanischen Literatur gezählt. Auch die Liste der Verfilmungen seiner Romane bzw. Kurzgeschichten ist beträchtlich. Hierzu zählen: Blade Runner, Total Recall, Screamers, Impostor, Minority Report, Paycheck, A Scanner Darkly, Next und Der Plan. Andere Filme, wie eXistenZ (mit dem Hinweis Cookies to Philip K. Dick), referenzieren Dicks Arbeiten und Ideen.

Die Werke Dicks sind gekennzeichnet durch einen leicht verständlichen, publikumsnahen Schreibstil, transparente und authentische Figuren und eine fesselnde Tiefe der Handlung. In: buecherwahn.ch. Seine Geschichten sind oft ernüchternd und demaskierend. Das Erkennen der Wirklichkeit ist immer wieder zugleich Problem wie auch Spannungsmoment in seinen Romanen,Rezension zu: Ubik. In: revsomol.de. viel mehr als etwa die Entwicklung einer Story zum passiven Konsum. Im Stil des Philip K. Dick wird der Leser szenenweise von der Gedankenwelt des einen Protagonisten in die des nächsten geführt.Rezension zu: Die drei Stigmata des Palmer Eldritch. (Archiv) In: x-zine.de, 2002. Auf diese Weise entsteht ein Pluralismus, der eine kategorische Absage an den Ich-Erzähler verkörpert und dennoch die Protagonisten nicht unreflektiert von außen betrachtet, sondern ihre teilweise gegensinnigen Ansichten, aber auch Weltvorstellungen nebeneinander stellt. Viele Geschichten enden weder glücklich noch tragisch, sondern lassen den verwirrten Leser am Ende des Buches allein.Rezension von Michael Matzer zu: Mozart für Marsianer. In: rezensionen.literaturwelt.de.

Dick ist gelegentlich als Drogen-Autor beschrieben worden.vgl. dazu auch die Rezension von Simon Croll zu: Minority Report. In: scireview.de / le buchfink, Januar 2003.Dick selbst merkte dazu an, dass er als Vorlage für seinen „klassischen LSD-Roman“ The Tree Stigmata of Palmer Eldritch (1965) nur einen Artikel von Aldous Huxley gelesen, aber keinen Zugang zu LSD gehabt hatte: Interview mit Dick (1979), hier von Minute 49:30 bis 50:00. Damit verbunden ist die Loslösung des Realen von der individuellen Wirklichkeit. Denn im gewissen Sinne – so Dick – verdränge jeder Mensch Teile der Realität. Dick beschäftigt sich immer wieder mit dem Glauben oder Geist als Bindeglied oder Barriere zwischen den Menschen, im Zusammenhang mit einer der Religionen, mit der Philosophie (Existentialismus) oder der Wissenschaft. Drogen, Konsum, Kapitalismus, Gesellschaft, Medien, Machtmissbrauch, Verfolgungswahn, Psychoanalyse, Überwachungsstaat und immer wieder der Zweite Weltkrieg in alternativen Szenarien (z. B. gewinnen in Das Orakel vom Berge Deutschland und Japan den Krieg und besetzen Amerika) mischen sich mit den „klassischen“ Themen (Raum- und Zeitreisen, Telepathie, genetische Mutationen, Außerirdische etc.) der Science-Fiction. Das Besondere bei Dick ist dabei, dass alle Handlungsstränge einer typischen Dick-Logik folgen, die zur Katastrophe führt, die aber keine Katastrophe ist, sondern nur das Erkennen des ganz normalen Wahnsinns. Die Erkenntnis als Dauerthema in Dicks Werk ist also ein zweischneidiges Schwert,Rezension zu: Marsianischer Zeitsturz. (Archiv) In: x-zine.de, 2002. und es ist den autobiografischen Zügen seiner Werke zuzurechnen, dass diese Erkenntnis oft gleich wieder relativiert wird, das Gefühl des Erlangens tieferer Einsicht weicht dann sofort der Panik, sich (möglicherweise) erneut in einer „gefälschten“ Realität zu befinden. Dick teilt mit dem Leser so die inneren Fragen seines Selbst auf eine authentische Art und Weise und macht sich und sein Werk dadurch äußerst interessant.

Dicks Universum ist ein unbequemes und fehlerhaftes. Seine Protagonisten sind keine Helden,«Philip K. Dick. Das Vater-Ding», Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.07.2000. In: Perlentaucher, 21. Juli 2000. die Figuren sind den sozialen Milieus der 1950er und 1960er Jahre abgeschaut.Vgl. Kolja Mensing: Milieustudie der amerikanischen Mittelschicht. In: Deutschlandradio, 18. September 2009, Rezension zu Unterwegs in einem kleinen Land.Micha Wischniewski: Jenseits der bürgerlichen Fassade. In „Zeit aus den Fugen“ analysiert Philip K. Dick die USA der 50er Jahre. In: literaturkritik.de, Nr. 2, 1. Februar 2005.