mini|Rembrandt, Die Taufe des Kämmerers oder Die Taufe des Eunuchen, um 1626. mini|hochkant|Philippus tauft den Kämmerer von Äthiopien, Taufsteinaufsatz in der Pfarrkirche St. Martin, Unteressendorf (Oberschwaben) mini|Darstellung des Taufortes auf der Madaba-Karte (das Gebäude mit dem runden Becken über der roten Schrift)

Der Eunuch der Kandake war ein Würdenträger der nubischen oder äthiopischen Königin Kandake. Nach biblischer Überlieferung war er der erste Nichtjude, der getauft wurde.

Biblische Überlieferung Die biblische Erzählung in der schildert die Taufe des Kämmerers der Kandake durch den Diakon Philippus. Datiert wird die Erzählung in das erste Jahr nach der Auferstehung Christi. Bei der Kandake handelte es sich möglicherweise um die für die Zeit um 50 n. Chr. bezeugte Amanitore.

Auffällig an der Erzählung ist, dass der Getaufte ausdrücklich als εὐνοῦχος / Eunuch bezeichnet wird. Nach durften Entmannte nicht in die jüdische Gemeinde aufgenommen werden und waren vom Tempelgottesdienst ausgeschlossen. Der Prophet Jesaja dagegen bewertete die Gesetzestreue und Frömmigkeit eines (nicht zur Gemeinde gehörenden) Eunuchs als gottgefälliger als die reine Zugehörigkeit zum Volk Israel (). Trotzdem konnten Eunuchen auch zur Zeit Jesu nicht zum Judentum übertreten.Schneider: εὐνοῦχος. In: Gerhard Kittel (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament. 2. Bd. Δ–Η. Stuttgart 1950, S. 763–767.

Die Taufe des Kämmerers der Kandake ist die erste in der Apostelgeschichte berichtete Taufe eines Nichtjuden. Erst in wird von der Taufe des römischen Hauptmanns Cornelius berichtet. Auch in dieser Geschichte wird der Taufende, in diesem Fall Simon Petrus, vom Heiligen Geist ausdrücklich aufgefordert, die Grenzen der Zugehörigkeit zum Judentum und zum Volk Israel zu überschreiten und auch Nichtjuden in die Gemeinde aufzunehmen. Anders als Cornelius, dessen Taufe zum ersten Anlass der Beschäftigung der Urgemeinde mit der Frage ihres Verhältnisses zur Taufe von Heiden und der Aufnahme von Heidenchristen in die Gemeinde wurde, die im Apostelkonzil geklärt wurde, kam der Eunuch nach seiner Taufe offensichtlich nicht mehr in Kontakt zur Urgemeinde.

Tradition Der Kirchenvater Irenäus von Lyon bezeichnete den Eunuch der Kandake als einen Gottesfürchtigen, einen dem Judentum Nahestehenden, und ersten christlichen Missionar in Äthiopien.Irenäus: Adversus Haereses 3, 12, 8 und 4, 13, 2 Eusebius von Caesarea nennt ihn den ersten Getauften unter den Heiden. Nach ihm soll er den Märtyrertod gestorben sein.Euseb: Kirchengeschichte 2, 1, 16

In der Spätantike lokalisierten Pilger die Stelle, wo die Taufe stattgefunden haben soll, am Philippusbrunnen bei der Garnisonsstadt Beth-Zur nördlich von Hebron. Dort wurde eine Kirche mit einem Taufbecken vor dem Gebäude errichtet. Die Basilika und das Taufbecken sind auf der Mosaikkarte von Madaba aus der Mitte des 6. Jahrhunderts dargestellt.Othmar Keel, Max Küchler, Christoph Uehlinger: Orte und Landschaften der Bibel: ein Handbuch und Studien-Reiseführer zum Heiligen Land, Band 2. Göttingen 1982, S. 715–722 Die griechische Beschriftung lautet übersetzt: „Das (Heiligtum) des heiligen Philippus, wo, wie man sagt, Kandake der Eunuch getauft wurde.“ Fälschlicherweise ist der Titel der äthiopischen Königin als Name ihres Kämmerers angegeben. Nach verschiedenen späteren Traditionen soll sein Name (Simeon) Bachos oder Djan Darada gewesen sein. Den Namen Simeon verdankte er wohl der Identifizierung mit dem genannten Simeon Niger.

Bis heute führt sich die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche auf den Eunuchen zurück.Lothar Störk: Der Eunuch Der Kandake Als Missionar Südarabiens Und Ceylons. Studien zur Altägyptischen Kultur 26 (1998), S. 239–250. Nach koptischer und byzantinischer Tradition verkündigte er nach seiner Bekehrung zum Christentum das Evangelium in Südarabien (Arabia eudaimon) und in Ceylon (Taprobane).Lothar Störck: Der Eunuch der Kandake als Missionar Südarabiens und Ceylons. In: Studien zur Altägyptischen Kultur. Bd. 26, Buske, Hamburg 1998, , S. 239–250, Abstract und erste Seite. Die Griechisch-Orthodoxe Kirche feiert seinen Gedenktag am 27. August.Moses the Ethiopian, the Black Saint & Teacher (& other Ethiopian saints in the Orthodox Church)

Künstlerische Darstellung In der christlichen Kunst ist die Taufe des Kämmerers verhältnismäßig selten dargestellt. Die meisten Darstellungen stammen aus den calvinistischen Niederlanden ab der Mitte des 16. Jahrhunderts. Das berühmteste Beispiel ist Die Taufe des Kämmerers von Rembrandt van Rijn von 1626. In der niederländischen Kunst verschwindet die Taufe des Kämmerers bald nach 1660 weitgehend. Das Motiv wurde aber in Deutschland im 18. Jahrhundert populär, häufig als Kopie dieses und weiterer Abbildungen von Rembrandt. Weblinks Predigt von Johanna Will-Armstrong zu Apg 8,26–30

Einzelnachweise

Kategorie:Christlicher Missionar Kategorie:Eunuch Kategorie:Person im Neuen Testament Kategorie:Geboren im 1. Jahrhundert v. Chr. oder 1. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 1. Jahrhundert Kategorie:Mann Kategorie:Nubien Kategorie:Person des Christentums (Äthiopien)