Das Klarissenkloster Sankt Clara in Köln war eine Niederlassung der Klarissen, des „Zweiten Ordens des Hl. Franziskus“. Die Gemeinschaft der Klarissen gestaltet ihr Leben nach dem Beispiel des heiligen Franziskus von Assisi und der heiligen Klara von Assisi (1193–1253) in Armut.

Die Klosteranlage in Höhe des heutigen Römerturmes wurde im Jahr 1306 bezogen und hatte als Konvent Bestand bis zur Säkularisation im Jahr 1802. Ludwig Arentz, H. Neu und Hans Vogts, in: Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, Band II, S. 278ff. mini|hochkant=1.20|Fresko der heiligen Klara von Simone Martini in der Kapelle der Unterkirche der Basilika San Francesco in Assisi (14. Jh.) Vorgeschichte Das spätere Klostergelände lag nach heutiger Bezeichnung innerhalb der Straßen „Auf dem Berlich“, Zeughausstraße, St. Apernstraße und Breite Straße. Das Gelände war anfänglich von Wein- und Nutzgärten bestanden; die Bauten befanden sich, beginnend am Berlich, an der Nordseite des Geländes. miniatur|Kloster und Kirche Sankt Clara, Köln. Mercatorplan 1571

Im Zusammenhang mit dem Grundstückserwerb des Klosters der Kölner Klarissen wurde „Richolf Parfus(e)“, einer der frühen Kölner Bürgermeister, als Besitzer der Liegenschaft erwähnt. Er besaß im Nordwesten des Bezirks der alten Römerstadt ein schon 1220 erwähntes Hofgut, welches er von Graf Wilhelm von Holland (vor 1265) zu Lehen erhalten hatte. Das betreffende Gelände war ein Wirtschaftshof mit einigen Nebengebäuden, dessen Grundstück eine Fläche von etwa 62 Ar erreichte. Das Anwesen lag an der Nordwestecke der alten Römermauer und erstreckte sich nordwärts entlang der hier etwa 80 Meter langen Mauer zwischen dem sogenannten „Parfusen-Wichhaus“ (s. a. Wiekhaus) und dem (später so bezeichneten) Klarenturm. Westlich des Grundstücks lag die etwa 105 Meter lange südlich verlaufende Mauerstrecke der alten Befestigung zwischen einem Eckturm und dem nächsten Halbturm. Unmittelbar neben dem Klarenturm ermöglichte eine kleine Pforte (Löwenpforte) auch den Grundstückszugang von dem tiefer gelegenen Grabenzug, der später den Namen Zeughausstraße erhielt.

Stiftung Im Mai 1265 wechselten die Besitzverhältnisse. Graf Wilhelm von Jülich und seine Gemahlin Richardis erwarben nun die Liegenschaft (in angulo veterum murorum exopposito porte, que levenporze dicitur) von Werner, Sohn und Erbe des Richolf Parfus(e).

Die Gräfin Richardis sowie ihren Söhnen Walram († 1297) und Gerhard stifteten mit Genehmigung des Papstes Benedikt und des Kölner Erzbischofs Wigbold auf dem neuerworbenen Gelände ein Franziskanerinnenkloster zu Ehren der heiligen Clara und stellten die Mittel zu dessen Errichtung zur Verfügung. Die Stiftung erfolgte spätestens 1297, dem Todesjahr des Mitstifters Walram.

In den Eintragungen des zuständigen Schreinsbezirks St. Christoph wurden 1306 diesbezüglich zu fünf Objekten Vermerke eingetragen. In den entsprechenden Aufzeichnungen hieß es:

Ptp. 1306 5 dom.: dom., quam inhabitat Gertrudis de Julianco, iuxta amtiquum murum extra portam Leonis versus s. Aprum; dom. contigua; dom. tertia (wird dem conventus s. Clare in Colonia construendus überlassen); 2 dom. contigue (durch Gertrudis de Julianco veräußert).Herman Keussen, Bd. II., S. 233, unter Verweis auf: Merlo, Koll.n. 174

Umbau der Hofanlage Erste Nonnen des neuen Kölner Konventes entstammten dem 1283 gestifteten Neusser Klarissenkloster. Sie wurden dem 1210 gegründeten Orden der Franziskaner (fratres minores, Minderbrüder oder Minoriten) unterstellt, der seit 1222 eine Niederlassung in Köln hatte. Am 26. August 1304 bestätigte Ricardas Sohn Gerhard V. von Jülich vor den Schöffen des Bezirks St. Kolumba die Schenkung und bekundete, dass seine Mutter, sein Bruder Walram (Walramus) und er selbst das Areal in „platea berlinc“, das zuvor Richolf Parfuses Sohn Werner gehört hatte, zur Erbauung des Klosters abgetreten hätten.HASTK St. Klara Urk. 2, hier nach Siebert-Gasper, der Rennenberg-Codex Seite 83

Das Vermächtnis der 1304 verstorbenen Stifterin und ihrer Söhne sicherte die Finanzierung der klösterlichen Neu- und Umbauten der geplanten Klosteranlage, die im März 1306 begannen. Einige der Wohn- und Wirtschaftsgebäude des ehemaligen „Parfusenhofes“ wurden zweckmäßig hergerichtet und weiterhin benutzt. Die vorläufige Gebäudeanordnung bildete, unter Einbeziehung des vorderen sowie des nordwestlichen Eckturmes, einen Kreuzhof mit einer Fläche von etwa 32 × 35 Meter. Der Nordflügel der Klausur war wahrscheinlich mit einem ersten kleinen Oratorium verbunden, welches zum Bezug des Konventes am 12. August 1306, dem Festtag der heiligen Klara, in Anwesenheit des Erzbischofs Heinrich geweiht wurde. 1309 erhielt der Konvent ein päpstliches Privileg, welches ihm Steuerfreiheit einräumte.HAStK St. Klara Urk. 44, hier nach Siebert-Gasper, der Rennenberg-Codex Seite 87

Stiftungen, Mitgifte, Renten, Zinserträge und Privilegien Wie bei vielen Konventsgründungen, aber auch nach deren Etablierung, erhielt das Kloster große Schenkungen und Zuwendungen von Höfen, Grundstücken, Renten und Naturalien. Zu den aus Neuss entsandten ersten Nonnen stießen Töchter aus namhaften stadtkölnischen Familien, aber auch Töchter aus Adelsfamilien der näheren und weiteren Umgebung. Mit ihren eingebrachten Mitgiften trugen sie dazu bei, dass der Grundbesitz des Klosters sich rasch vermehrte. Die erzielten Erträge des zumeist in Pacht gegebenen Landes sorgten neben anderen Einkünften für wachsenden Wohlstand.

Am 16. Juni 1335 verkündete Cunigunde, die Witwe des Hermann von Metternich, dass sie gemeinsam mit Heinrich, Johann, Lodewich, Hermann, Arnold, Kathryn – einer Nonne – und Nesa, ihren Kindern und Erben, der Äbtissin des Konvents der hl. Clara zu Köln den „Hoff zu Roistorp“ mit 100 Morgen Ackerland, 8 Morgen Weingarten und 50 Morgen Busch für 100 Mark in Kölnischen Pfennigen verkaufe. Zeuge dieses Verkaufs war neben anderen Hermann von Roisdorf. Auch Ritter Hermann von Roisdorf selbst gab im Jahr 1349 dem Kölner Klarissenkloster, in das seine Tochter Irmgard eingetreten war, einen Morgen Weingarten in Bornheim. Details zu den Roisdorfer Besitzungen, die wohl bis zur Säkularisation Bestand hatten, sind noch heute in den Archiven NRW abrufbar.

Ein nicht unwesentlicher Grund für die große Anzahl Klöster in der mittelalterlichen Stadt – und auch Ursache des wachsenden Wohlstandes – war die Steuerfreiheit, die ihnen die Stadt aufgrund überkommener päpstlicher Privilegien unwillig einräumte.

Erweiterungen unter neuer Leitung Zwischen den Jahren 1328 und 1335 traten Isabella und Philippina, Töchter der Grafen Rainald von Geldern, in das Kloster ein. Isabella, die einige Jahre später zur zweiten Äbtissin des Klosters avancierte (als solche wurde sie 1340 und 1343 bezeugt), und ihre Schwester Philippina ermöglichten mit der Hilfe ihres Bruders Reinald einen größeren Neubau der Klosterkirche. Wegen unzureichender Geldmittel kamen die begonnenen Arbeiten jedoch 1343 nach Reinalds Tod vorerst zum Erliegen.

Eine Wiederaufnahme der Bautätigkeiten wurde wohl durch gute Beziehungen zwischen der Äbtissin und dem Kölner Erzbischof ermöglicht, da ein wahrscheinlich durch Walram von Jülich erwirkter besonderer päpstlicher Ablass zum Bau der Kirche in Anspruch genommen werden konnte. Wie der Inschrift des Hochaltars der Klosterkirche zu entnehmen war, wurde der Neubau im Jahr 1347 fertiggestellt und eingeweiht.

Skriptorium miniatur|Blatt eines Stundengebetbuches (Antiphonale) aus dem Skriptorium Um 1340 gaben die Minoriten ihr Skriptorium zur Herstellung von Handschriften wegen der Abwanderung des führenden Buchmalers ihres Konvents nach Trier auf. Diese so zum Erliegen gekommene klösterliche Erwerbsmöglichkeit übernahmen nun die nach wie vor den Minoriten unterstehenden Klarissen. Die dann in deren Skriptorium ausgeführten Arbeiten schlossen eine entstandene „Marktlücke“, und die durch Auftragsarbeiten erzielten Gewinne trugen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation bei.

Über einen Zeitraum von etwa 45 Jahren, von 1315 bis 1360, betätigten sich die Nonnen von St. Klara als Buchmalerinnen. Sie standen damit in der Tradition der Kölner Minoriten, deren Kunst der Buchmalerei sie übernommen hatten. Sie fertigten in ihrem Skriptorium fein verzierte, großformatige Handschriften an, welche zu so genannten Codices gefasst wurden.Eine tabellarische Übersicht aller Handschriften aus dem Klarissenkloster bei Johanna Christine Gummlich: Bildproduktion und Kontemplation. Ein Überblick über die Kölner Buchmalerei in der Gotik unter besonderer Berücksichtigung der Kreuzigungsdarstellungen. Weimar 2003, S. 74–82. Es waren Einzelstücke mit kunstvoll gemalten Lettern, Miniaturen und oftmals mit Noten versehene Arbeiten, die sie für den Eigenbedarf, aber auch als Auftragsarbeiten schufen. Die Herstellung eines Stückes war in der Regel eine Gemeinschaftsarbeit der das Latein beherrschenden geistlichen Konventsschwestern. Eine Ausnahme bildeten die Arbeiten der Hadwig vom Horne und die der Loppa vom Spiegel. Sie waren aufgrund ihrer künstlerischen Talente zuständig für das Schreiben des Textes, das Ziehen der Notenlinien, das Eintragen der Noten sowie für die Gestaltung des Buchschmucks.

Weiterentwicklung miniatur| Der heute im Kölner Dom aufgestellte Klarenaltar, ein um 1350 entstandener Flügelaltar, befand sich ursprünglich in der Kölner Franziskanerinnenkirche Einhundert Jahre später, zu einer Zeit, in der vom Konvent kostbares Inventar erworben wurde, findet sich ein Bericht des „Rütger von Gymnich“, Rentmeister des Klosters. Er beschrieb 1456 einige Interna des mittlerweile gewachsenen Konventes: Die alte Küche (wohl die des Parfusehofs) versorgte drei Remter, je einen im Ober- und Untergeschoss, sowie auch den des Kapitelhauses, da dies wohl aufgrund einer hohen Anzahl der Konventualinnen auch als Refektorium diente. Das „Stechuis“ war die Bezeichnung des Dormitoriums, des großen gemeinsamen Schlafsaales der Nonnen. Die Pforte der damaligen Klosteranlage befand sich „nächst dem Turm“, möglicherweise war damit der in späterer Zeit als „Römerturm“ bezeichnete Turm gemeint. Durch Ankauf einiger ostwärts (am Berlich) gelegener bebauter Grundstücke wuchs das Klostergelände, sodass Weingärten und Innenhof wesentlich erweitert werden konnten.

Äußeres Kirchenbauwerk miniatur|St. Clara, neben dem Römerturm (um 1670)