mini|180px|rechts|Clemens Brentano(1778–1842) Die Gründung Prags ist ein historisch-romantisches Drama von Clemens Brentano, das, ab 1812 in Prag und BukowanSchultz, S. 179, 13. Z.v.o. geschrieben, im November 1814Feilchenfeldt, S. 95, Eintrag Oktober/November 1814 bei Conrad Adolf Hartleben in Pest und Gerhard Fleischer dem Jüngeren in Leipzig erschien.Faksimile Bayerische Staatsbibliothek München Das Stück, erster Teil einer nicht weiter ausgeführten Trilogie,Schultz, S. 179, 11. Z.v.o. wurde nie aufgeführt.Schulz, S. 624, 8. Z.v.o.Schultz, S. 183, 3. Z.v.o.

Böhmen um anno 740:Der Mägdekrieg habe um 740 stattgefunden (Schulz, S. 624, 21. Z.v.o.) Szenen aus dem Mägdekrieg wechseln mit Schlaglichtern auf den Kampf zwischen heidnischen Priestern und Missionaren aus dem Morgenland.

Stoff mini|Die Gründung Prags (1852)

Nach FrenzelFrenzel, S. 537–540 schrieb Brentano sein Stück auf der Grundlage der beiden Sagen von der Fürstin Libussa und vom Mägdekrieg in Böhmen. Die betreffenden Gestalten tauchen bei Cosmas, Dalimil, Hajek von Libotschan sowie bei Hans Sachs, Herder, Musäus und J. F. E. Albrecht auf.Nach Brentano griffen Grillparzer, K. E. Ebert und F. C. Schubert den Stoff auf. Opern: von Lannoy – Libussa, Böhmens erste Königin (1818/1819); Joseph Carl Bernhard und Conradin Kreutzer – Libussa – Romantische Oper in drei Akten (UA: 4. Dezember 1822 im Theater am Kärntnertor Wien); Josef Wenzig und Bedřich Smetana – Libuše (UA 1881).

Nach SchultzSchultz, S. 177 oben, S. 179 gehören Friedrich Creuzer, Joseph Görres und Friedrich Schlegel zu Brentanos Vordenkern. In Prag traf der Autor Josef Dobrovský und Joseph Georg Meinert.

Figuren Lapack, Priester Zwratka, Priesterin, Lapacks Weib Mägdeschar Libussa, Herrscherin Tetka, Priesterin, Libussas Drillingsschwester Kascha, Heilerin, Libussas Drillingsschwester Wlasta, Anführerin, Zwratkas Tochter Stratka, Anführerin Dobrowka, Rozhons Weib Slawische Männer Werschowetz Domaslaus Primislaus Slawosch Biwog Rozhon Stiason Andere Hubaljuta, Zauberschülerin der Zwratka Ziack, neunjähriger Knabe aus der Zauberschule Pachta, slawischer Christ Trinitas, Christin aus Byzanz Moribud, Sohn des Avarenkönigs

Inhalt

1. Akt Wlasta ist die Tochter der Priesterin Zwartka und des hinkenden Priesters Lapack. Zwartka hatte sich als junges Ding mit Tschart, dem Verneinenden, eingelassen. Tschart, Widerpart der Bilobogi, hatte ihr seinerzeit ein Nägelmal gekniffen. Seitdem ist Zwartka Zauberin. Sie verflucht den Hahnenschrei, kündigt er doch den hellen Tag an.

Die Drillinge Libussa, Tetka und Kascha sind Töchter des verstorbenen Herzogs Krokus. Dieser Fürst war Chechs Nachfolger. Als Kinder der Elfe Niva sind die drei Jungfrauen besonders begabt. Libussa hat sogar seherische Fähigkeiten. Zu ihrem 20. Geburtstag huldigt man den drei Fürstentöchtern mit je einem goldenen Apfel – Tetka mit dem Apfel des Himmels, Kascha mit dem Apfel der Erde und Libussa mit dem Apfel des Lebens. Von Zwartka, ihrer einstigen Lehrerin, bekommen die Drillinge auch Zauberäpfel, um die Jungfrauen an Tschart zu binden. Der Prahlhans Lapack will zum Nachfolger des Krokus gekrönt werden – auch, weil er der Neffe des Verstorbenen ist. Das Volk von BöheimBöheim ist Brentanos Wort für Böhmen schwankt. Erst soll Tetka, dann Kascha und schließlich Libussa die Krone tragen. Libussa wird durch Losentscheid gekrönt. 2. Akt Gleich am Tag nach der Krönung muss sich die Herrscherin an der Spitze ihrer wehrhaften MägdescharMägde sind hier kriegerische Jungfrauen; vergleichbar den Amazonen. gegen einfallende Avaren behaupten. Stratka, eine von Libussas Anführerinnen, hat Moribud, den Sohn des Königs der Avaren, gefangen genommen. Moribud, der stärkste Feind, ist mit Zwartka im Bunde. Die Zauberin vergiftete seinen Pfeil, doch das Geschoss verfehlte Libussa und traf Zwartkas Tochter Wlasta. Die Getreue hatte sich im Getümmel in die Schusslinie geworfen. Zwartka verflucht Lapack. Auch den neunjährigen Ziack, ihren begabten Zauberschüler, hat er, ebenso wie die Tochter, in die Dienste Libussas gehetzt. Der Kampf geht weiter. Libussa bestimmt WerschowetzWerschowetz wird von Brentano auch noch Wrsch und Wrschowetz genannt und Domaslaus als ihre Heerführer gegen die Avaren, obwohl es einst deren Väter waren, die Säge und Beil an die Eiche legten, in deren Stamm die Mutter Niva wohnte. Stratka liebt zwar den kühnen Werschowetz, doch ihre Meinung über die Männer ist nicht die Beste: Verflucht sei Jeder, dem ein Bart entspringt! Der dir, der mir, der einer andern Magd Mit Schmeichelreden böse Fesseln schlingt, Und fleht, und drängt, und schlingt, und schwört, und klagt, Bis er ihr löst den Gürtel ihrer Zucht, Daß sie, gebunden mit des Schooßes Frucht An seinen Herd, die Sclavinn ekler Lust, Des Elends Lastthier, seines Hofes Besen, Dem Kind verzweifelnd flucht an müder Brust, Die herrlich, frei und selig sonst gewesen.Brentanos Schreibung: Quelle S. 126, Vers 2162 Libussa gibt den „Mägdlein“ weitgehende Entscheidungsfreiheit. Ihre Schwester Kascha verlässt den Jungfernstand und folgt dem Krieger Biwog, einem „Riesenmann an Muth und Stärke in edle Sclaverei“. Libussas zustimmender Kommentar: „Gebährend und erhaltend mögt ihr nützen.“ Die Fürstin schickt die Männer in den Krieg gegen die Avaren. 3. Akt Als die Männer siegreich heimkehren, kommt es im Wald zu Rangeleien mit der wachenden Mägdeschar. Aber Mit flachen Klingen und mit scharfen Worten Ist nur die leere Luft verwundet worden.Quelle S. 239, Vers 4485 Werschowetz wirft Stratka den Kopf Moribuds vor die Füße. Stratka wirft den Kopf ins Opferfeuer. Die heimkehrenden Krieger ziehen weiter und machen bei Primislaus, einem armen Pflüger, Halt. Der Krieger Slawosch teilt Primislaus Neuigkeiten mit. Es „soll ein neuer Gott gegossen werden“. Pachta, „ein slavischer Bildner, der in Byzanz Christ geworden“, hat „den Ofen zum Guß“ neben der ehemaligen Hütte des Krokus bereits erbaut. Wie ihr Volk ist sich Libussa über den neuen Gott noch im Unklaren. Sein Bild werde „Das Aug’ ergötzen“. Pachta stellt richtig: „Gott ist’s und kein Götze.“ Der Priester Lapack spottet über das Christentum: Doch wie erklärest du der Jungfrau Sohn, Der jungfräulich empfangen und geboren? so fragt er und hat auch gleich eine höhnische Antwort parat. Vermutlich habe die Jungfrau aus Verlegenheit behauptet, ihr Sohn „sey von einem Gotte“Quelle, S. 262, Vers 4948. Libussa, „der freien Böhmen freie Herzoginn“ hat ganz andere Sorgen. Ihre Mägdeschar meint, „sie darf sich nimmer einem Mann ergeben“. Libussas Gedanken gehen in dieselbe Richtung. Freier sind ihr lästig. Nach dem Willen ihrer Krieger aber soll sich die Fürstin alsbald vermählen: „Ein Mann nur mach’ uns von den Dirnen frei.“ Primislaus weist die Männer zurecht. Das Volk habe Libussa auf den Thron gesetzt und wenn sie keinen Mann wolle, so sei das der Männer Schuld. Der kleine Lauscher Ziack macht böses Blut. Er hat gehört, die Mägde wollen jedem Knaben den rechten Daumen abhauen, damit er nie ein Schwert fassen kann. In die Schar der Mägde wird sogar Dobrowka, eine Frau, aufgenommen. Sie war Rozhon, ihrem Mann davongelaufen, nachdem er sie verprügelt hatte. Auf diese Art hatte sich dieser Krieger an Libussa gerächt, von der er in einem Nachbarschaftsstreit um eine mythische Eiche kein Recht bekommen hatte. Nun, von der Schlacht gegen die Avaren heimgekehrt, verbreitet Rozhon das Gerücht, „Libussa lasse jeden dort [auf ihrem Schloss] ermorden, von dessen Liebe sie gesättigt worden.“ Er will Libussa verjagen und durch einen Fürsten ersetzen. Seinem Worte folgt die Tat. Als er Wlasta mit dem Beil attackiert, wird Rozhon von Primislaus mit einem Schwertstreich hingestreckt. Auch Wlasta sinkt blutend. Es sieht so aus, als stünden patriarchalische Verhältnisse in Böheim bevor. Rozhon dankt im Sterben den Göttern, dass ihn keine Magd erschlug. Primislaus will seinem letzten Wunsche willfahren und den Krieger unter jener Grenzeiche beerdigen, um die er vor der Fürstin vergeblich gestritten. Als die rachsüchtige Dobrowka das Haupt des toten Gatten nachdrücklich begehrt, wird sie von Domaslaus rücklings durchbohrt. Als Werschowetz mit seinen Kriegern vor Libussas Schloss auftaucht und sich besorgt nach dem Befinden der Herrscherin erkundigt, nimmt sie ihm seine Besorgnis nicht ab. Das weitere Verhalten der Krieger gibt Libussa Recht. Das Heer will nicht eher von dannen ziehn, bis die Herrin einen Mann erwählt: „Wähl’ einen Herrn, ein Herr sey dir vermählt!“ 4. Akt Indes gießt Pachta für die drei Töchter des Krokus ein Muttergottesbild, ein Cruzifix und einen PelikanQuelle S. 309, 81.. Die heidnische Priesterin Tetka will der Christ als erste zum Glauben, Lieben, Hoffen bekehren. Zwartka bemerkt das wohl.

Bedingt durch der Männer Toben, gibt Libussa den Widerstand gegen einen Gemahl auf: „Braut ist die Jungfrau, denn die Zeit ist brünstig.“ Werschowetz und Domaslaus bekommen von Libussa einen Korb. Die Herrscherin möchte den Pflüger Primislaus zum Gatten erwählen. Als Tetka und Kascha die Schwester zu ihrer Wahl beglückwünschen, entgegnet die Seherin Libussa, sie tat allein, was ihr im Traum die Götter befahlen. Wlasta, die sich keinem Manne beugen wolle, tritt so heftig gegen die Entscheidung Libussas auf, dass sich die Fürstin von der verdienstvollen Anführerin trennen muss. Die Verstoßene, ein Ungeheuer geworden, geht zu ihrer Mutter. Zwartka gibt der Tochter einen Hexentrank. Die Zauberin will gegen die Anhänger der neuen Religion mit allen Mitteln kämpfen. Zwartka verspricht ihrem Tschart: „Ich werde dir schlachten, die deiner nicht achten.“ Stratka, von Libussa ausgeschickt, sucht Wlasta auf. Wlasta erklärt ihr Verhalten: Sie liebe Primislaus. Werschowetz und Domaslaus kommen hinzu und wollen die Mägdeschar für ihr Komplott gegen Libussa gewinnen. Als Domaslaus vorschlägt, während der Machtübernahme den Pflüger auf seinem Felde zu erstechen, wird er von Wlasta erstochen. Werschowetz flieht entwaffnet vor Stratka zu Primislaus. Der Pflüger hindert Stratka daran, den Flüchtling zu erschlagen. Vom Feind wird Werschowetz zum Freund des Primislaus. Dann betritt auch Wlasta das Feld des Pflügers. Die Verzweifelte, mit dem blutigen Schwerte in der Hand, bittet Primislaus um Hilfe gegen die Wirkung des Hexentrankes. Einer Mörderin hilft der Pflüger nicht. Primislaus kann es zunächst nicht glauben. Er soll der Gemahl Libussas werden! Werschowetz zieht dem Pflüger die Bastschuhe aus und legt ihm die Goldschuhe an. Primislaus spricht: „Leb’ wohl, mein Pflug, ich muß den Thron begrüßen!“ Wlasta möchte sterben und verflucht die Männer. 5. Akt Zwartka nennt jene drei frommen Bilder, die Pachta gegossen hat, „unsinnige Götzen“Quelle, S. 406, Vers 7925 und stürzt sie vom Fels hinab in die Moldau. Trinitas, eine Christin, die Pachta aus Byzanz nach Böheim gefolgt ist, bekehrt Hubaljuta, eine von Zwratkas Zauberschülerinnen, zum Christentum. Trinitas wird von Zwartka mit dem Pfeil erschossen, während sie Hubaljuta in der Moldau tauft. Slawosch eilt herbei, erschlägt die Todesschützin und wirft sie hinab.