Die Kaukasusfront war ein Nebenkriegsschauplatz im Ersten Weltkrieg. Die Kriegsfront wurde eröffnet, als russische Truppen am 1. November 1914 die Grenze zur Türkei im Kaukasus überschritten. Das Russische Reich und das Osmanische Reich bildeten die Hauptkonfliktparteien in den Kämpfen im Kaukasus, in Ostanatolien und im Schwarzen Meer. 1917/18 schied Russland aus dem Krieg aus. Mit Aserbaidschan, Großbritannien, Armenien, der Kommune von Baku und der Zentralkaspischen Diktatur traten im Anschluss neue Parteien in den Konflikt ein.

Das Russische Reich dominierte in den Anfangsjahren auf diesem Kriegsschauplatz. So musste das Osmanische Reich zur Jahreswende 1914/1915 in der Schlacht von Sarıkamış eine vernichtende Niederlage hinnehmen. Bei der nachfolgenden russischen Gegenoffensive erlitten die Osmanen große Gebietsverluste in Ostanatolien. Der russische Vorstoß kam nach dem 23. Februar 1917 wegen der Auswirkungen der Februarrevolution zum Erliegen. Die russische Kaukasusarmee löste sich in der Folge der Revolutionswirren auf. An ihre Stelle traten Einheiten bestehend aus armenischen Freiwilligen, Irregulären und Soldaten des neu gebildeten armenischen Staates. 1918 traten auch Soldaten der Entente, die von den Fronten im Westen und in Mesopotamien kamen, unter dem Oberkommando von General Lionel Dunsterville auf diesem Kriegsschauplatz hinzu. Diese Einheit wurde Dunsterforce genannt. Auch das mit dem Osmanischen Reich verbündete Deutsche Reich entsandte mit der Deutschen Kaukasusexpedition Soldaten in die Region, um Öllieferungen zu sichern.

Der Konflikt, der im Hintergrund vom Völkermord an den Armeniern begleitet wurde, endete am 3. März 1918 mit dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk und dem Vertrag von Batumi vom 4. Juni 1918. Trotzdem gab es noch einige Auseinandersetzungen zwischen den Osmanen, der Zentralkaspischen Diktatur, der Republik Bergkarabach, der Dunsterforce und dem britischen Empire. Diese Konflikte endeten endgültig am 30. Oktober 1918 mit dem Waffenstillstand von Mudros.

Hintergrund Das Hauptziel des Osmanischen Reiches war die Rückgewinnung der Gebiete, die es im Russisch-Osmanischen Krieg 1877/78 verloren hatte. Dazu sollten die Städte Artvin, Ardahan, Kars und Batumi zurückerobert werden. Ein osmanisches Engagement an diesem Kriegsschauplatz machte die Verlagerung russischer Truppen von der Ostfront erforderlich.Hinterhoff: Marshall Cavendish Illustrated Encyclopedia. S. 499–503. Dadurch konnten wichtige russische Verbände gebunden werden. Das Deutsche Reich versorgte die Osmanen daher mit fehlenden Ressourcen. Die Kräfte der osmanischen dritten Armee sollten die Kriegsziele der Osmanen umsetzen. Kriegsminister Enver Pascha hoffte, dass ein Erfolg im Kaukasus den Weg nach Tiflis erleichtern und eine Revolte der muslimischen Kaukasier gegen Russland entfachen würde. Das strategische Ziel der Osmanen und der Deutschen war es, die Russen von den Ölfeldern am Kaspischen Meer abzuschneiden.The Encyclopedia Americana. 1920, v.28, S. 403. Russland betrachtete die Kaukasusfront als weniger wichtig als die Ostfront. Diese band den größten Teil der russischen Truppen und Ressourcen. Russland befürchtete aber, dass die Osmanen versuchen würden, Kars und Batumi zu erobern. Bei einem Treffen des russischen Außenministers Sasonow mit dem britischen Botschafter Buchanan und dem französischen Botschafter Paléologue im März 1915 sagte Sasonow, dass die Russen die osmanische Hauptstadt, den Bosporus, die Dardanellen, das Marmarameer, Südthrakien bis nach Enos-Midia, die Schwarzmeerküste vom Bosporus bis zum Sakaryafluss und bis hinter die Bucht von İzmit beanspruche (→ Abkommen über Konstantinopel und die Meerengen).Ronald Park Bobroff: Roads to glory – Late Imperial Russia and the Turkish Straits. 2006, S. 131. Das Zarenregime plante, die muslimische Bevölkerung Nordanatoliens und Istanbuls gegen die verlässlicheren Kosaken auszutauschen.Richard G. Hovannisian: Armenia on the Road to Independence, 1918. University of California Press, Berkeley and Los Angeles, 1967, S. 59.

Die armenische nationale Befreiungsbewegung wollte eine armenische Republik errichten, was ihr im Mai 1918 auch gelang. Doch schon vorher – 1915 – wurden die Administration Westarmenien und die Republik Bergkarabach gegründet. Die Zentralkaspische Diktatur wurde unter Beteiligung der Armenier gegründet. Keines dieser drei Gebilde bestand lange.

Die Briten unterstützten die Russen, um die Loslösung des Kaukasus vom Russischen Reich zu verhindern. Die Ziele der Osmanen hätten auch die Anglo-Persian Oil Company (APOC) gefährdet, die das Recht hatte, in ganz Persien außer im Norden Öl zu fördern. Vor dem Kriegsbeginn im August 1914 handelte die britische Regierung eine Vereinbarung mit der APOC aus, um die Seeflotte mit Treibstoff zu versorgen.

Truppenstärke mini|Bildercollage zum Krieg am Kaukasus Osmanen Die Osmanen hatten ihre 3. Armee vor Ort stationiert. 1916 wurden die Truppen durch die Verlegung der 2. Armee verstärkt. Im Vergleich mit den Alliierten waren der osmanische Generalstab unter dem deutschen General Friedrich Bronsart von Schellendorf und die Organisation unterlegen.A. F. Pollard: A Short History Of The Great War. Chapter VI: The first winter of the war. Zu Beginn des Konfliktes hatten die Osmanen 100.000 bis 190.000 Mann, von denen viele schlecht ausgerüstet waren.

Russen Vor dem Krieg hatte die russische Kaukasusarmee 100.000 Mann unter dem nominellen Befehl des Generalgouverneurs des Kaukasus Illarion Woronzow-Daschkow. Der tatsächliche Befehlshaber war dessen Stabschef, General Nikolai Judenitsch. Kurz vor Beginn des Kaukasusfeldzugs mussten die Russen aber mehr als die Hälfte ihrer Soldaten aufgrund der Niederlagen in der Schlacht bei Tannenberg im August 1914 und der Schlacht an den Masurischen Seen an die ostpreußische Front verlagern. Lediglich 60.000 Mann blieben am Kaukasus zurück, die von den armenischen Generälen Towmas Nasarbekjan, Mowses Silikjan und Daniel Bek-Pirumyan kommandiert wurden. 1917 löste sich die Kaukasusarmee nach der Oktoberrevolution auf. Als die Russen sich aus Ostanatolien zurückzogen, hielten armenische Soldaten die Stellungen gegen die Osmanen. Es gab anfangs etwa 110.000 bis 120.000 armenische Kämpfer.Jacques Kayaloff: The Battle of Sardarabad. Mouton Publishers, Paris 1973, S. 73. Insgesamt kämpften 150.000 Armenier in verschiedenen alliierten Armeen gegen die Osmanen.Fridtjof Nansen: Armenia and the Near East. New York 1976, S. 310.

Armenier Im Sommer 1914 wurden in der russischen Armee Einheiten aus armenischen Freiwilligen eingerichtet. Diese Einheiten bestanden nicht aus armenischen Einwohnern des Zarenreiches, denn diese wurden schon an der Ostfront eingesetzt. Sie setzen sich aus Armeniern des Osmanischen Reiches zusammen und wurden von Andranik Ozanian, Drastamat Kanajan, Arschak Gafawjan und Sargis Mehrabjan kommandiert. Anfangs betrug ihre Zahl etwa 20.000 und sie standen außerhalb der russischen Militärkommandostrukturen. Mit der Zeit wuchs ihre Zahl und General Judenitsch entschloss sich 1916, die armenischen Verbände mit der russischen Kaukasusarmee zu vereinigen oder sie aufzulösen.

Andere armenische Milizen setzten sich aus sogenannten Fedajin zusammen und sammelten sich um bekannte Führer wie etwa Murad von Sebasteia (). Diese Partisaneneinheiten machten laut Boghos Nubar Pascha den größten Teil der armenischen Einheiten aus. Im Dezember 1917 gründete die Armenische Revolutionäre Föderation (Daschnak) mit Erlaubnis des Armenischen Kongresses von Ostarmenien Militärverbände. Das Korps stand unter dem Befehl von General Towmas Nasarbekjan. Drastamat Kanajan wurde zum Zivilkommissar ernannt. Das Korps war in drei Divisionen eingeteilt, die von Mowses Silikjan, Andranik Osanian und Michail Areschian angeführt wurden. Eine andere Einheit stand unter dem Befehl Oberst Korganians. Die Frontlinie von Van nach Erzincan wurde von diesen armenischen Verbänden gehalten. Ozanian soll 150.000 Mann zur Verfügung gehabt haben.Boghos Nubar, Präsident der Armenischen Nationalversammlung, erwähnte dies bei den späteren Friedensverhandlungen in Paris im Dezember 1918. Nach Gründung der Demokratischen Republik Armenien wurde Nazarbekian der erste Oberbefehlshaber des Landes.

Andere Es gab auch kurdische Milizen, die teilweise für die Osmanen, teilweise für die Russen kämpften.

Lionel Dunsterville wurde 1917 zum Befehlshaber über die Dunsterforce, die aus 1.000 australischen, britischen, kanadischen und neuseeländischen Soldaten bestand, ernannt. Die Dunsterforce hatte auch gepanzerte Fahrzeuge zur Verfügung.

Operationen Vorspiel Im Juli 1914 fand in Erzurum ein armenischer Kongress statt, bei dem die Armenier ihre Strategie für den Fall des Krieges zwischen Russland und dem Osmanischen Reich festlegen wollten.Richard G. Hovannisian: The Armenian People from Ancient to Modern Times. S. 244. Das regierende Komitee für Einheit und Fortschritt in Istanbul entsandte Naci Bey und Bahaeddin Şakir zum Kongress. Das Komitee wollte die Armenier auf Seiten der Osmanen wissen. Die Armenier beteuerten ihre Loyalität zum Reich, wollten aber unabhängig von der osmanischen Regierung agieren. Die Regierung in Istanbul kam zu dem Schluss, dass die Armenier detaillierte Pläne für die Zusammenarbeit mit den Russen hätten und im Kriegsfall gegen die Osmanen kämpfen würden.Edward J. Erickson: Ordered to Die: A History of the Ottoman Army in the First World War. S. 97.

1914 Nach dem Kriegseintritt des Osmanischen Reiches überschritt am 1. November 1914 die russische Armee die Grenze und begann mit der Offensive in Richtung Pasinler und Eleşkirt. Sie plante die Orte Doğubeyazıt und Köprüköy einzunehmen. Die offizielle Kriegserklärung Russlands an die Osmanen erfolgte am 2. November. Die Russen griffen mit 25 Infanteriebataillonen, 37 Kavallerieeinheiten und 120 Artilleriegeschützen an. Die Truppen bewegten sich in Form zweier Flügel. Der rechte Flügel, der aus dem I. kaukasischen Korps bestand, bewegte sich von Sarıkamış Richtung Köprüköy, das sie am 4. November erreichten. Das IV. russische Korps zog von Jerewan in die Ebene von Pasinler. Der Befehlshaber der osmanischen 3. Armee Hasan İzzet Pascha wollte wegen des harten Winters nicht in die Offensive gehen, sondern stattdessen defensiv bleiben und zur rechten Zeit angreifen. Doch er wurde von Kriegsminister Enver Pascha überstimmt und startete am 7. November mit dem XI. Korps und der gesamten Kavallerie seine Offensive. Diese wurde von kurdischen Stammeskriegern unterstützt. Jedoch schaffte es die Kavallerie nicht, die Russen einzukreisen und die Kurden erwiesen sich als unzuverlässig. Die Russen gewannen neues Terrain, doch die Osmanen hielten ihre Stellungen außerhalb von Köprüköy. Am 12. November verstärkte Ahmet Fevzi Pascha mit seinem IX. Korps das XI. Korps an der linken Flanke. Die 3. Armee drängte die Russen zurück und eroberte nach der Azap-Offensive zwischen dem 17. und 20. November Köprüköy zurück. Ende November hatte sich die Front stabilisiert und die Russen standen 25 km tief im gegnerischen Land auf einer Linie von Erzurum nach Sarıkamış. Der russische Erfolg an der südlichen Front gelang auch mit Hilfe der armenischen Freiwilligen, die die Orte Karaköse (heute Ağrı) und Doğubeyazıt (nördlich der Provinz Van) eingenommen hatten.Erickson, S. 54. Die osmanischen Verluste waren hoch: 9000 Tote, 3000 Gefangene und 2800 Deserteure.

Im Dezember 1914 besuchte Zar Nikolaus II. die Front. Er empfing den Vorsitzenden der armenischen Kirche zusammen mit dem Präsidenten des armenischen Nationalkonzils in Tiflis Alexander Khatisyan. Gegenüber diesen sagte der Zar: