mini|Goldlager der Federal Reserve Bank von New York

Als Deutsche Goldreserven werden diejenigen Goldreserven bezeichnet, die im Eigentum der Deutschen Bundesbank stehen. Die Bundesrepublik Deutschland verfügt nach den USA über die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Dabei lagert etwas mehr als die Hälfte der Goldbestände in Frankfurt, nämlich 51,04 %. 12,06 % der Bestände hält die Bank of England in London und 36,90 % die Federal Reserve Bank of New York (Stand 2025).

Allgemeines Gemäß BBankG hält und verwaltet die Deutsche Bundesbank die Währungsreserven und mithin den Goldbestand. Dieser umfasste am 31. Dezember 2019 3.366.500 kg Feingold in Goldbarren. Ausgewiesen wurden diese Goldbestände in der Bilanz der Bundesbank mit 146,562 Mrd. Euro; 2021 waren es 173,821 Mrd. Euro; Ende 2023 dann 201,335 Mrd. und Ende 2024 270,580 Mrd. Euro. Für Mitte 2025 wurde ein Wert von 340 Mrd. Euro errechnet. Daneben besitzt die Bundesbank umfangreiche Währungsreserven.Bundesbank Geschäftsbericht 2019 (PDF; 1 MB), Seite 53 (Stand 31. Dezember 2019) – Abgerufen am 28. März 2019

Die Goldreserven der Bundesbank sind seit dem Ende der 1960er JahreLorenz Wolf-Doettinchem; Jan Christoph Wiechmann: Der letzte Schatz der Deutschen. In: Stern vom 1. Juli 2004 (). die zweitgrößten der Welt.Daniel Gratzla: Der Goldschatz der Bundesbank. In: Focus Online. vom 4. März 2011 (online). Nur die Vereinigten Staaten haben noch größere Goldreserven.

Die Bundesbank könnte die Reserven im Zuge einer Währungskrise verpfänden oder verkaufen.

Bestand und Lagerstellen

Jedes Jahr veröffentlicht die Deutsche Bundesbank einen „Bericht zum Goldbestand der Deutschen Bundesbank“, in dem Barren-, Melt- oder Inventarnummer, Barrenanzahl, Bruttogewicht, Feingewicht und Feingehalt sämtlicher im Besitz der Bundesbank befindlichen Goldbarren unter Angabe der Lagerstätte aufgelistet werden. Der Goldbestand der Bundesbank nahm in den Jahren 1998 bis 2024 von 3.551 auf 3.351 t, d. h. um 200 t ab. Mit dem Übergang vom Europäischen Währungssystem zur Europäischen Währungsunion übertrug die Bundesbank – wie alle am Eurosystem teilnehmenden Zentralbanken – Währungsreserven an die Europäische Zentralbank, darunter unter anderem 232 Tonnen Gold.

Im Jahr 2013 beschloss die Bundesbankdirektion ein neues Lagerstellenkonzept für die deutschen Goldreserven, nach dem ab 2020 die Hälfte der deutschen Goldreserven im Inland lagern sollte. Bis 2017 wurden 300 Tonnen Gold aus New YorkFrank Stocker: 300 Tonnen Gold aus New York nach Deutschland geholt. In: Die Welt. 9. Februar 2017. und 374 Tonnen aus Parisdpa: Der Goldschatz ist zurück. In: Handelsblatt. 23. August 2017. nach Frankfurt gebracht. Die damit verbundene Auflösung des Depots in Paris wurde damit begründet, dass Frankreich genauso wie Deutschland den Euro als Währung habe und Paris kein Handelsplatz für Gold wie etwa London sei. Während zum Jahresende 1998 nur 119 t Gold in Frankfurt lagerten (3,4 % des Gesamtbestands), waren es Ende 2024 1710 t (51,0 %).

Die Goldbestände in New York, Paris und London waren aufgrund anhaltender deutscher Exportüberschüsse entstanden. Die Importe aus Deutschland wurden von den Empfängerländern teilweise in Reservewährungen und teilweise in Gold bezahlt und das Gold wurde der Einfachheit halber und aus Kostengründen vor Ort eingelagert. Das Gold in New York, London oder Paris war also nicht aus Deutschland dorthin transportiert worden. Insofern sind immer wieder erhobene Forderungen nach „Zurückholung“ der deutschen Goldreserven irreführend. Während der Zeit des Kalten Krieges spielten auch sicherheitspolitische Überlegungen eine Rolle, d. h. man wollte das Gold an einem weit von der Sowjetunion entfernten Ort aufbewahrt sehen.

Ende 2022 hatte der Goldbestand nach Angaben der Bundesbank einen Wert von 184 Milliarden Euro. Ende 2021 belief sich der wertmäßige Anteil des Goldes an den Währungsreserven der Bundesbank auf rund 66 %. 1972 lag der Anteil noch unter 30 %, was maßgeblich an dem damals viel niedrigeren Goldpreis lag.

Die Unversehrtheit der Goldbarren wird regelmäßig zerstörungsfrei mittels Ultraschall, mit einem Röntgenfluoreszenzspektrometer (um die Zusammensetzung des Materials an der Oberfläche zu analysieren) und mit einer speziellen digitalen Präzisionswaage geprüft. Die Bundesbank verkauft jährlich einige wenige Tonnen Gold an das Bundesfinanzministerium zur Prägung von Gedenkmünzen;Bundesbank.de: (PDF) ansonsten kauft und verkauft die Bundesbank kein Gold. + Deutsche Goldreserven Feingewicht in t (gerundet)Lagerstandort 31.12.1998Tabelle: Entwicklung und Aufgliederung der Goldbestände der BdL/BBk seit 1950 (PDF; 69 kB) 31.12.2016 31.12.2017 (Stand 31. Dezember 2017) – Abgerufen am 2. März 2018 31.12.2018Goldbarren-Inventurliste der Bundesbank (Stand 31. Dezember 2018) – Abgerufen am 2. April 2019 31.12.201931.12.202031.12.202131.12.202231.12.202331.12.202431.12.2025 Bundesbank, Frankfurt119 1.619 1.7101.7101.7101.7101.7101.7101.7101.715,51.710 Federal Reserve System, New York1.537 1.236 1.2361.2361.2361.2361.2361.2361.2361.239,61.236,2 Bank of England, London1.521 432 427423420416412409407406,3403,9 Banque de France, Paris374 91 000000000Insgesamt3.551 3.378 3.3743.3703.3673.3623.3583.3553.3533.361,43.350,2

Entwicklung Gründerzeit und Erster Weltkrieg Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 forderte und erhielt das Deutsche Reich von Frankreich Reparationen in Höhe von fünf Milliarden Französischen Francs. So flossen dem Deutschen Reich große Mengen Gold und Silber in Münzform zu (5-Franc-Stücke enthielten 45 Gramm Feinsilber, 10-Franc-Stücke enthielten 2,9032 Gramm Feingold). Diese waren einer der Auslöser für den Wirtschaftsboom in der Gründerzeit.

Ein kleiner Teil von 120 Mio. FF wurde als Reichskriegsschatz im Juliusturm der Zitadelle Spandau eingelagert und fiel nach dem Ende des Ersten Weltkrieges zurück an Frankreich. Laut der New York Times wurden 1919 rund 90 Mio. Goldmark (umgerechnet ca. 4,5 Mio. Britische Pfund) über Amsterdam nach London geliefert, der Artikel spekuliert als deren Ursprung ebenfalls die Zitadelle Spandau.Britain gets German Gold, The New York Times vom 13. September 1919 Darüber hinaus wurden 1921 weitere 450 Mio. US-Dollar in Gold von Deutschland („über Holland und England“) nach New York verschifft, und insgesamt bereits 748 Mio. US-Dollar seit Mitte 1920.Bankers' view of the gold import movement, The New York Times vom 21. August 1921

Zweiter Weltkrieg Kurz nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 ließ das NS-Regime die Goldreserve und die Devisenreserven Österreichs, die aufgrund der deflationistischen Wirtschaftspolitik der Regierungen in den 1930er Jahren beachtliche Bestände erreicht hatten, in das devisenarme Deutschland transportieren. So gerieten mehr als 2,7 Milliarden Schilling an Gold und Devisen unter NS-Kontrolle.Manfred Jochum: Die Erste Republik in Dokumenten und Bildern. Wilhelm Braumüller Universitäts-Verlagsbuchhandlung, Wien 1983, S. 247.

Auf Grund der deutschen Bedrohung verlagerte Belgien ein Drittel seiner Goldreserven ins Vereinigte Königreich, ein Drittel nach Kanada und die Vereinigten Staaten und nahezu den Rest nach Südfrankreich. Frankreich verschiffte bei Ausbruch des Krieges den größten Teil dieses Goldes nach Dakar im Senegal (statt es, wie von der belgischen Regierung gefordert, in die Vereinigten Staaten zu senden.) Nachdem Deutschland 1940 Belgien und Frankreich besetzt hatte, forderte das deutsche Außenministerium die Übergabe der im Senegal befindlichen belgischen Goldreserve. 1941 veranlassten französische Beamte des Vichy-Regimes den Transport von 4.944 Kisten mit 198 Tonnen Gold, die nach einigen politischen Scheinmanövern am 9. Oktober 1942 offiziell in den Besitz von Vertretern der Deutschen Reichsbank kamen. Die Barren wurden danach eingeschmolzen, in Preußische Staatsmünzen geprägt und in die Schweiz gebrachtGötz Aly: Hitlers Volksstaat. Fischer, Frankfurt 2005, S. 162 ff., um von den Erlösen Waren und Munition von neutralen Ländern zu kaufen. (Die Banque de France erstattete der Belgischen Nationalbank nach Kriegsende eine Kompensation für den Verlust dieses Goldes.)

Bretton-Woods Die heutigen deutschen Goldreserven stammen aus der Zeit des Bretton-Woods-Systems (1944–1973) und der Europäischen Zahlungsunion (1950–1958), als Staaten mit Leistungsbilanz-Defiziten denjenigen mit Leistungsbilanz-Überschüssen Gold überschrieben.

Von 1945 bis 1950 hatte Deutschland keine Goldreserven.Entwicklung der Goldbestände Bundesbank.de vom 18. Januar 2013 – Abgerufen am 6. Februar 2018. 1948 wurde die Bank deutscher Länder (Vorgängerin der Bundesbank) gegründet. Sie besaß 1951 zum ersten Mal Gold; der Bestand am Jahresende 1951 betrug 24,5 Tonnen. 1968 erreichte die Goldmenge im Eigentum der Bundesbank einen Hochstand; zum Jahresende 1968 betrug sie 4.033,8 Tonnen. Die Bundesbank (bis 1. August 1957 Bank deutscher Länder) erhielt das Gold in New York (Sitz der FED), London (Sitz der Bank of England) und Paris (Sitz der Banque de France) und beließ es angesichts des Kalten Krieges dort.

Im Jahr 1969 sank der Goldbestand durch den Verkauf von 14 Millionen Unzen Gold an die FED auf 3.625,4 Tonnen. In den Jahren 1970 bis 1973 nahm der Goldbestand leicht zu.

Nach Bretton-Woods Nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems 1973 blieb dieser Bestand bis 1977 fast unverändert bei etwa 3.658 Tonnen. 1977 ließ die Bundesbank Goldbestände von ihrem Depot bei der Bank of England auf das BIZ-Depot bei der Bank of England übertragen und erhielt im Gegenzug eine Gutschrift auf ihrem Goldkonto bei der BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) in Basel.

Im Jahr 1998 wurden der Bundesbank das 1979 im Rahmen der EWS-Gründung in den Fonds für Währungspolitische Zusammenarbeit (EFWZ) eingebrachte Gold (23,8 Mio. Unzen = 740 Tonnen) zurückübertragen. Nachdem die Bundesbank im Januar 1999 6,5 % ihrer physischen Goldreserven (7,46 Mio. Unzen, ca. 232 Tonnen) an die EZB übertrug (als deutschen Anteil der Währungsreserven) erwog sie im Januar 2004 den Abbau der Reserven um weitere 20 % innerhalb der folgenden fünf Jahre.Deutsche Bundesbank: Vorstandsbeschluss zur Erneuerung des Goldabkommens. (). Zu diesem Zeitpunkt betrug die Menge der Reserven 3440 Tonnen,N.N.: Union kritisiert geplante Verkäufe der Goldreserve. In: Manager-Magazin vom 30. Januar 2004 (online). ein Jahr darauf 3433 t.Gerald Braunberger: Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Nr. 15/2005 (17. April 2005), S. 47 (faz.net). Die Bundesrepublik Deutschland, zusammen mit anderen europäischen Staaten, verpflichtete sich 2009 im dritten Central Bank Gold Agreement, insgesamt nicht mehr als 400 t Gold pro Jahr über einen 5-jährigen Zeitraum zu veräußern. Im März 2012 betrug der Bestand jedoch immer noch 3396 t.Goldreserven sollen durchleuchtet werden. In: Die Wirtschaftswoche. 23. Oktober 2012.

Der Marktwert betrug infolge des damals hohen Goldpreises zeitweise 136 Mrd. Euro.109.194 Tausend Unzen. Deutsche Bundesbank: Währungsreserven und Fremdwährungsliquidität der Bundesrepublik Deutschland. I. Währungsreserven und sonstige Fremdwährungsaktiva ( ), abgerufen am 5. Mai 2012. Ende 2014 nannte die Bundesbank einen Goldbestand von 3.384,2 Tonnen Gold.

Diskussion um die Lagerung im Ausland Seit 1998 unterscheidet die Bundesbank in ihren Bilanzen nicht mehr zwischen (physisch vorhandenem) Gold und Goldforderungen.Manfred Gburek: Das Geheimnis des deutschen Goldschatzes. In: Wirtschaftswoche vom 3. November 2011 (). (PDF, S. 172) (PDF, S. 198).