Torwart 200px|Eishockeytorwart Eishockeypositionen Torwart Verteidiger Linker Flügel – Center – Rechter Flügel Sonstige Enforcer – Grinder – Mannschaftskapitän – Pest – Power Forward – Rover

Der Torwart (oft auch einfach als Goalie oder vor allem in Großbritannien als Netminder bezeichnet) hat im Eishockey die Aufgabe, die Schüsse des Gegners abzuwehren und so den Torerfolg der gegnerischen Mannschaft zu verhindern. Im Profi-Eishockey handelt es sich um eine äußerst spezialisierte Position, die sowohl ein eigenes Training als auch eine spezielle Ausrüstung erfordert.

Aufgabenbereich und Reglement Die wichtigste Aufgabe des Torhüters ist das Abwehren der gegnerischen Schüsse. Er bildet damit das letzte Glied in der Verteidigungskette seiner Mannschaft und muss in einem durchschnittlichen Spiel etwa 30 Schüsse abwehren, wobei die Feldspieler ihn nach Kräften unterstützen und versuchen, das Ausspielen der Verteidigung bzw. des Torhüters zu verhindern. Ein wichtiges Augenmerk wird dabei auf die sogenannten Rebounds gelegt, also Schüsse, die der Torhüter zwar abwehren, aber nicht festhalten kann, und die daher die Gefahr eines schnellen zweiten Torschusses in sich bergen. Eine eingespielte Verteidigung kann diese Rebounds schnell aus der Gefahrenzone bringen und im Idealfall selbst einen Angriff über einen sogenannten Konter einleiten.

Im Lauf der Zeit hat sich das Aufgabengebiet des Torhüters aber wesentlich erweitert, sodass er heute oft auch eine aktive Rolle im Spielgeschehen übernimmt. So kann er hinter dem eigenen Tor den Puck stoppen und für einen eigenen Feldspieler vorbereiten. Im modernen Eishockey greift er oft auch aktiv mit Pässen in das Spielgeschehen ein und kann so durch einen Pass einen Angriff einleiten, jedoch hängt diese aktive Spielweise stark von den individuellen Fähigkeiten ab und birgt das Risiko in sich, dass der Puck von den gegnerischen Spielern abgefangen werden kann.

Das Spiel des Torhüters kann in manchen Fällen auch eine psychologische Wirkung auf die Mannschaft haben. Ein sicherer Torhüter ermöglicht eine offensivere Spielweise und kann in entscheidenden und knappen Situationen den nötigen Rückhalt geben.

Der Torraum miniatur|Der Torraum (goal crease) ist der halbkreisförmige Bereich vor dem Tor.

Speziell dem Goalie zugerechnet ist der halbkreisförmige Bereich vor dem Tor, der im Allgemeinen als goal crease (oder auch nur crease bzw. im Deutschen Sprachbereich als Torraum) bezeichnet wird. Innerhalb dieses Bereichs darf ein Torhüter von den gegnerischen Stürmern nicht bei der Ausübung seiner Tätigkeit behindert werden bzw. darf sich kein gegnerischer Spieler in diesem Bereich befinden, wenn ein Tor erzielt wird. Ein Verstoß gegen diese Regelung wird als Torraumabseits bezeichnet.Offizielles Regelbuch des internationalen Eishockeyverbands, PDF-Datei, (englisch), Regel Nr. 471, gültig von 2006 bis 2010

Der Torraum ist in den nordamerikanischen Profiligen etwas kleiner als üblich und an beiden Seiten durch eine senkrechte Linie begrenzt, die ihn insgesamt etwas schmaler machen. In Europa wird mit einem halbkreisförmigen Torraum gespielt.Regelbuch der NHL Abschnitt 1.7 (Goal Crease/Referee Crease), (englisch)Offizielles Regelbuch des internationalen Eishockeyverbands, PDF-Datei, (englisch), Regel Nr. 119, gültig von 2006 bis 2010

In einigen vor allem nordamerikanischen Ligen ist der Aktionsradius des Torhüters durch zwei Linien links und rechts hinter dem Tor beschränkt, die zusammen mit der Torlinie und der Bande hinter dem Tor einen trapezförmigen Bereich bilden (die sogenannte Goaltender trap zone oder einfach trapezoid). Der Torhüter darf nur innerhalb dieses Bereichs aktiv den Puck an einen Mitspieler passen. Tut er es außerhalb dieses Raums, so wird eine kleine Strafe ausgesprochen. Diese Regelung wurde zu Beginn der Saison 2004/05 in der nordamerikanischen Minor League American Hockey League getestet, um den Spielfluss zu unterstützen und bei Teams mit spielerisch starken Torhütern den Vorteil zu relativieren. Zur Spielzeit 2005/06 wurde diese Regel auch in die Statuten der National Hockey League aufgenommen.Regelbuch der NHL Abschnitt 1.8 (Goalkeeper restricted area), (englisch)Regelbuch der NHL Abschnitt 28.8 (Restricted Area), (englisch)

Spezielles Reglement Entgegen den Feldspielern darf ein Torhüter den Puck „einfrieren“ und kann damit das Spiel unterbrechen. Hierzu wird der Puck vom Torhüter mit dem Fanghandschuh bedeckt bzw. festgehalten. Der Torhüter hat jedoch auch die Möglichkeit, den Puck nach einem Save an einen der Mitspieler weiterzupassen und das Spiel somit am Laufen zu halten. In Situationen, wo der Torhüter den Puck zwar aufhält, aber nicht genau weiß, wo dieser sich befindet, kann er sich mit dem ganzen Körper auf den Puck legen und so das Spiel ebenfalls unterbrechen.

Ein Torhüter darf die rote Mittellinie nicht überschreiten. Damit zusammenhängend ist es ihm auch nicht erlaubt, zur Spielerbank zu fahren, es sei denn, er verlässt das Eis (siehe Empty-Net-Situationen) bzw. er wird durch einen anderen Torhüter ersetzt.Offizielles Regelbuch des internationalen Eishockeyverbands, PDF-Datei, (englisch), Regeln Nr. 590–595, gültig von 2006 bis 2010

Wie auch Feldspieler darf ein Torhüter niemals mit einem gebrochenen Schläger weiterspielen. Es ist ihm jedoch nur während des laufenden Spiels erlaubt, zur Spielerbank zu fahren und den Schläger zu ersetzen oder einen neuen Schläger zu erhalten. Tut er dies während einer Unterbrechung, so wird eine kleine Bankstrafe verhängt.Offizielles Regelbuch des internationalen Eishockeyverbands, PDF-Datei, (englisch), Regel Nr. 556, gültig von 2006 bis 2010

Erhält ein Torhüter eine kleine Bankstrafe, so sitzt ein Mitspieler diese für ihn auf der Strafbank ab, die Strafe selbst jedoch wird auf dem Spielbericht dem Torhüter zugesprochen. Wird eine große Strafe ausgesprochen, die eine Spieldauer- oder Matchstrafe zur Folge hat, so muss der Torhüter durch einen Ersatztorwart oder einen Feldspieler ersetzt werden, dem zehn Minuten zum Anlegen der Ausrüstung zugesprochen werden.Offizielles Regelbuch des internationalen Eishockeyverbands, PDF-Datei, (englisch), Regel Nr. 511, gültig von 2006 bis 2010

Ein Torhüter darf unter normalen Umständen nicht zum Mannschaftskapitän ernannt werden.Regelbuch der NHL Abschnitt 6.1 (Captain), (englisch) Zu dieser Regel gab es mit Roberto Luongo, dem ehemaligen Kapitän der Vancouver Canucks aus der National Hockey League, jedoch auch eine Ausnahme. Allerdings durfte Luongo das charakteristische C nicht offiziell auf dem Dress tragen. Stattdessen ließ er den Buchstaben im Kinnbereich seiner Maske in das Design integrieren. Ebenso war es ihm untersagt, im Spielverlauf mit den Schiedsrichtern zu diskutieren. Diese Aufgabe übernahmen seine Assistenten.

Empty-Net-Situationen miniatur|Der Schiedsrichter (oben links) zeigt eine Strafe an und wartet darauf, dass das zu bestrafende Team (weiß) in Puckbesitz kommt. Gleichzeitig verlässt der Torwart (rechts, schwarz) sein Tor und fährt zur Spielerbank, damit der Extra-Angreifer eingreifen kann.

Im Normalfall ist der Torhüter der einzige Spieler einer Mannschaft, der sich während der gesamten Dauer des Spiels auf dem Eis befindet. Hierzu gibt es jedoch zwei wichtige Ausnahmen. Wird eine Strafe gegen die gegnerische Mannschaft angezeigt, so unterbricht der Schiedsrichter das Spiel erst, wenn der Gegner Kontrolle über den Puck erlangt. Dies bedeutet, dass der Gegner aus eigener Kraft in dieser Zeit kein Tor schießen kann. Der Torhüter wird daher kurzzeitig durch einen weiteren Feldspieler ersetzt, um die Möglichkeit für einen eigenen Torerfolg zu erhöhen.

Im Falle eines knappen Rückstandes gegen Ende des Spiels wird der Torhüter oft auch ohne vorher angezeigte Strafe aus dem Spiel genommen. In einem solchen Fall besteht jedoch das Risiko, dass die gegnerische Mannschaft Kontrolle über den Puck erlangt und so ihrerseits ein weiteres Tor erzielt. Solche Tore werden als Empty Net Goal bezeichnet.

Ausrüstung Da Eishockeytorhüter im Spielgeschehen auch Schlagschüsse mit Geschwindigkeiten von bis zu 170 km/hChara's record shot aufhalten müssen, verfügen sie über eine äußerst effektive Schutzausrüstung. In den Anfangszeiten des Spiels beschränkte sich diese oft auf die sogenannten leg pads (Beinschoner), was regelmäßig Verletzungen der anderen Körperteile zur Folge hatte. Heute besteht die Ausrüstung der Torhüter aus High-Tech-Materialien, die einerseits die bei den Schüssen freiwerdenden Energien gut absorbieren können und andererseits dem Spieler maximale Bewegungsfreiheit gewähren. Die wichtigsten Teile der Ausrüstung sind:

Beinschoner (leg pads): Die an den Unterschenkeln getragenen Schützer, die auch dem Aufhalten des Pucks dienen. Die Größe der Schoner ist heute detaillierten Reglements unterworfen. Sie sollten mindestens acht bis zehn Zentimeter über die Knie reichen, um einerseits diese effektiv zu schützen und andererseits im Butterfly das Schließen der Lücke zwischen den Beinen zu ermöglichen. Blocker: Der an der Stockhand getragene Protektor dient einerseits dem Schutz der Hand und des Gelenks, andererseits können damit Schüsse abgewehrt bzw. in die Rundung hinter dem Tor abgelenkt werden, um so den Puck aus der Gefahrenzone vor dem Tor zu bringen. Fanghandschuh: Dieser dient dem Fangen des Pucks bei hohen Schüssen und wird auch eingesetzt, um den Puck „einzufrieren“ und so das Spiel in gefährlichen Situationen zu unterbrechen. Ursprünglich entwickelte sich der Fanghandschuh (englisch auch oft als glove oder trapper bezeichnet) aus einem modifizierten Baseballhandschuh. Die heutigen Modelle verfügen über ein Netz, das zwischen Daumen und Zeigefinger eingearbeitet ist und das Fangen bzw. Festhalten des Pucks erleichtert. Wurde der Fanghandschuh früher mit den Fingern voran vor dem Körper gehalten, so bevorzugen heutige Spieler die offene Haltung des Handschuhs, das heißt, mit der Handfläche in Richtung des Schützen. Schlittschuhe: Die Schlittschuhe des Torhüters verfügen im Vergleich zu denen der Feldspieler über flachere Kufen, die auch anders geschliffen sind, um spezielle Bewegungsabläufe wie den shuffle zu ermöglichen. Torwartschläger (stick): Die Torwartschläger sind an der Unterseite breiter als die Schläger der Feldspieler und werden vom Torhüter im normalen Spiel weiter unten an der Stelle gehalten, wo der Schläger sich verbreitert. Sie dienen neben dem Pass-Spiel vor allem dem Abdecken des five hole zwischen den Beinen und dem Ablenken des Pucks in die Rundungen hinter dem Tor. Es gibt Schläger für beide Händigkeiten, jedoch gibt es auch hier Ausnahmen. Der Kanadier Travis Scott – als gelernter und später umgeschulter Rechtsfänger – verwendet beispielsweise immer noch einen Schläger für Rechtsfänger. Torwartmaske (mask): Die Torwartmaske dient dem Schutz von Kopf und Hals. Moderne Modelle sind aus Fiberglas und besitzen eine einzelne Öffnung vor Augen und Nase, die mit einem Gitter geschützt ist. Diese Version der Torwartmaske kann die Kräfte eines auftreffenden Pucks besser ableiten als die zwischenzeitlich favorisierte Version eines Feldspieler-Helms mit Gitter. Die Masken werden von den Torhütern meist individuell gestaltet und stellen innerhalb der Eishockey-Szene auch eine eigene Kunstform dar.

Reglement Die Ausrüstung des Torhüters unterliegt strengen Regeln, deren Einhaltung auch während des Spiels von den Offiziellen überprüft werden darf. Vor allem die Größen der einzelnen Teile der Ausrüstung sind genau vorgegeben.

Torhüterschläger: Der Schläger darf eine maximale Gesamtlänge von 163 cm aufweisen, wobei der breitere untere Teil maximal 71 lang und 9 cm breit sein darf. Die Schaufel darf eine Länge von 39 cm und eine Breite von 9 cm aufweisen. Blocker: Der Blocker darf eine maximale Größe von 38,1 in der Höhe und 20,32 cm in der Breite nicht überschreiten.