Fehrbellin (mit Betonung auf der letzten Silbe) ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg.

Geographie Fehrbellin liegt etwa 60 km nordwestlich von Berlin und 12 km südlich von Neuruppin.

Der namensgebende Kernort der Gemeinde Fehrbellin liegt am Nordrand des Ländchens Bellin, eines kleinen Höhenzuges. Größere Teile des Gemeindegebietes liegen im Havelländischen Luch südlich des Kernortes. Nördlich der Kernstadt erstreckt sich das vom Rhin durchflossene Rhinluch, das hier nur drei Kilometer breit ist. An dieser Stelle wurde im späten Mittelalter die „Bellinsche Fähre“ betrieben, woraus sich der Name der Stadt entwickelte. Mit zunehmender Verlandung des Luchs wurde anstelle der Fähre ein Damm aufgeschüttet, der Fehrbellin mit Neuruppin verbindet. Nördlich des Rhinluches liegt die Ruppiner Platte. Fehrbellin gehört mit einer Fläche von 268 km² zu den flächengrößten Gemeinden in Deutschland. Das Gemeindegebiet hat Anteil am Wald Zootzen.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Fehrbellin setzt sich aus folgenden Ortsteilen, bewohnten Gemeindeteilen und Wohnplätzen zusammen:

Ortsteile Die Gemeinde Fehrbellin gliedert sich in 17 Ortsteile:

Betzin, Brunne, Dechtow, Deutschhof, Hakenberg, Karwesee, Königshorst, Langen, Lentzke, Linum, Manker, Protzen, Stadt Fehrbellin, Tarmow, Walchow, Wall, Wustrau-Altfriesack

Bewohnte Gemeindeteile Bewohnte Gemeindeteile der Gemeinde Fehrbellin: Ortsteil Deutschhof: Deutschhof, Dreibrück, Kuhhorst und Ribbeckshorst. Ortsteil Langen: Langen und Dammkrug Ortsteil Königshorst: Königshorst, Lobeofsund, Mangelshorst, Nordhof, Sandhorst, Fredenhorst und Seelenhorst Ortsteil Wustrau-Altfriesack: Wustrau, Altfriesack und Zietenhorst

Wohnplätze Auf dem Gemeindegebiet existieren folgende Wohnplätze:

Albertinenhof, Berlowshof, Hakenberger Schleuse, Lentzker Mühle, Lentzker Siedlung, Rollinsruhe, Schäferei und Theresiendorf

Geschichte Überblick Am 28. Dezember 1216 wurde die Burgwardei „Belin“ (Fehrbellin) erstmals erwähnt, als der Brandenburger Bischof Siegfried II. bei seiner Amtsübernahme dem Brandenburger Domkapitel seine Archidiakonatsrechte bestätigte. Das Stadtrecht erhielt Fehrbellin 1294. Die Fähre über das Rhinluch und ein Knüppeldamm sind seit 1402 bezeugt. Fehrbellin liegt am Pilgerweg Berlin–Wilsnack, der seit dem Ende des 14. Jahrhunderts begangen wurde.

Der heutige Ortsteil Walchow wurde urkundlich erstmals 1445 als walchouw erwähnt. Im 17. Jahrhundert wurde der Ort vollständig zerstört. Im selben Jahrhundert siedelten sich Holländer und Pfälzer an.

1616 wurde die Rhinbrücke nach Neuruppin errichtet. Seit Beginn des 17. Jahrhunderts diente die Feldberger Dorfkirche als Pfarrkirche für Fehrbellin und als Hauptkirche des Ländchens Bellin. Patronatsherren waren zunächst die Bischöfe von Havelberg, dann die Herren von Bellin zu Bellin, seit 1657 das kurfürstliche Amt zu Bellin.

Langen, Manker, Walchow und Wustrau wurden im Dreißigjährigen Krieg 1638 durch kaiserliche Truppen niedergebrannt.

In der Schlacht bei Fehrbellin im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg besiegte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg am die Schweden und eroberte nach diesem Sieg bis 1678 das von den Schweden beherrschte Schwedisch-Pommern. Aus diesem Anlass schenkte Kaiser Wilhelm II. der Stadt Fehrbellin ein großes Reiterstandbild des Großen Kurfürsten. Es wurde von dem Berliner Bildhauer Fritz Schaper geschaffen und am 18. Oktober 1902 enthüllt. Die Schlacht ist ein zentrales Handlungselement in Heinrich von Kleists Drama Prinz Friedrich von Homburg.

Im frühen 18. Jahrhundert wurde das Havelländische Luch, gegen Ende des Jahrhunderts das Rhinluch trockengelegt. Seit 1840 entwickelte sich der Torfabbau, der der Brennstoffversorgung Berlins diente, zum wichtigen Wirtschaftszweig.

Seit 1880 führte die Strecke der Paulinenaue-Neuruppiner Eisenbahn durch Fehrbellin. Der Personenverkehr wurde 1970, der Güterverkehr 1995 eingestellt. 2011 wurde ein Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse errichtet.

Von 1940 bis 1945 bestand das Arbeitserziehungslager Fehrbellin (AEL), ein Frauen-Straflager der Geheimen Staatspolizei. Die Insassinnen, überwiegend ausländische Zwangsarbeiterinnen, mussten in der nahe gelegenen Bastfaserfabrik arbeiten. Nach dem Krieg produzierte die Fabrik als VEB Märkische Bastfaser weiter bis 1990.Cord Pagenstecher: Das Arbeitserziehungslager Fehrbellin in Nordwest-Brandenburg. In: Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern. 6 (1). 2002, S. 112 f. (Online-Version als PDF; 24 kB)Webseite zum Arbeitserziehungslager Fehrbellin auf berliner-geschichtswerkstatt.de

Verwaltungsgeschichte Fehrbellin und seine heutigen Ortsteile Betzin, Brunne, Dechtow, Deutschhof, Karwesee, Königshorst, Lentzke, Linum, Tarmow gehörten seit 1817 zum Kreis Osthavelland, Hakenberg, Langen, Manker, Protzen, Walchow, Wall, Wustrau und Altfriesack zum Kreis Ruppin in der preußischen Provinz Brandenburg. Die Orte wurden 1952 in den Kreis Neuruppin im DDR-Bezirk Potsdam eingegliedert. Seit 1993 liegen sie im brandenburgischen Landkreis Ostprignitz-Ruppin.

Am 1. Juni 1992 schloss sich die Stadt Fehrbellin mit 16 Gemeinden aus dem damaligen Kreis Neuruppin (Wustrau-Altfriesack, Langen, Wall, Linum, Dechtow, Karwesee, Königshorst, Hakenberg, Brunne, Lentzke, Betzin, Protzen, Manker, Tarmow, Walchow und Deutschhof) zum Amt Fehrbellin zusammen.

Am 7. Mai 2002 genehmigte das Ministerium des Innern den Zusammenschluss der Gemeinden Betzin, Deutschhof, Hakenberg, Karwesee, Königshorst, Manker, Tarmow, Wall und der Stadt Fehrbellin zur neuen Gemeinde Fehrbellin, der allerdings erst zum 26. Oktober 2003 rechtswirksam wurde. Zum 26. Oktober 2003 wurden die restlichen Gemeinden des Amtes Fehrbellin, also Brunne, Dechtow, Langen, Lentzke, Linum, Protzen, Walchow und Wustrau-Altfriesack per Gesetz in die Gemeinde Fehrbellin eingegliedert. Das Amt Fehrbellin wurde gleichzeitig aufgelöst. Seither ist Fehrbellin eine Titularstadt. Formal ist das am Ortsteilnamen „Stadt Fehrbellin“ erkennbar.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 2 675 1890 2 282 1910 1 839 1925 1 765 1933 2 156 1939 2 223 Jahr Einwohner 1946 3 875 1950 3 780 1964 2 984 1971 3 081 1981 3 213 1985 3 373 Jahr Einwohner 1990 3 292 1995 3 042 2000 3 045 2005 9 278 2010 8 771 2015 8 829 Jahr Einwohner 2020 8 971 2021 8 951 2022 9 060 2023 9 009 2024 9 076 2025 8.946

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Ostprignitz-Ruppin. S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2022

Die Zunahme der Einwohnerzahl 2005 ist auf den Zusammenschluss mehrerer Gemeinden zur neuen Gemeinde Fehrbellin im Jahr 2003 zurückzuführen.

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Fehrbellin besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde aus 18 Gemeindevertretern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 62,6 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 24,7 % 5 23,7 % 4 Starke Dörfer 26,0 % 5 23,6 % 4 AfD – – 20,3 % 1 SPD 18,6 % 3 12,8 % 2 Kreisbauernverband Ostprignitz-Ruppin – – 4,7 % 1 Die Linke 13,5 % 2 4,5 % 1 Pro Protzen – – 3,7 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 10,5 % 2 3,4 % 1 Brandenburgisches Dorf Walchow 6,6 % 1 3,4 % – Insgesamt 100 % 18 100 % 15

Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD vier Sitze, von denen drei unbesetzt bleiben, weil die Partei nur einen Kandidaten nominiert hatte.

Bürgermeister 1998–2003: Klaus-Peter Rolf 2003–2019: Ute Behnicke (parteilos)Kommunalwahlen 26. Oktober 2003. Bürgermeisterwahlen, S. 29 seit 2019: Mathias Perschall (SPD)

Perschall wurde in der Bürgermeisterwahl am 1. September 2019 mit 50,9 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 1. September 2019 Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74

Wappen

Flagge und Dienstsiegel Die Flagge ist rot-weiß-rot (1:3:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.

Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Gemeinde mit der Umschrift .

Logo der Gemeinde mini|Touristisches Logo bis Mitte 2021 alternativtext=Schriftzug der Gemeinde Fehrbellin mit drei Pinselstrichen in Grün, Rot und Blau sowie drei Icons, die Natur, Kultur und Wasser symbolisieren.|mini|Touristisches Logo seit Mitte 2021 Die Gemeinde Fehrbellin führte seit dem 27. Oktober 2005 ein gemeinsames Logo für Tourismus und Kultur. Es wurde bei einem durch die Gemeindeverwaltung Fehrbellin ausgeschriebenen Wettbewerb durch Beschluss der Gemeindevertreter am 27. Oktober 2005 als offizielles Logo der Gemeinde Fehrbellin bestätigt. Entworfen wurde das Logo von Tom Berger aus Neuruppin, der im Vorstand des gemeinnützigen Vereins FKK Fehrbelliner Karneval Klub e. V. mitarbeitet.

Das Logo vereinte die Landschaftselemente Luchwiesen und Wälder sowie Flüsse und Teiche als vorherrschende Landschaft in der Gemeinde Fehrbellin. Als überragendes Bildelement ist die Bronzeviktoria der Siegessäule bei Hakenberg als stilisiertes Element mit verarbeitet. Als Kontrast dazu steht in Rot das Auge des Betrachters dieser Landschaft.

Am 17. Juni 2021 beschloss die Gemeindevertretung ein neues touristisches Logo.Amtsblatt der Gemeinde Fehrbellin, 17. Jg. Nr. 4 Seite 8 vom 17.11.2021 Das neu gewählte Logo zeigt mit drei handgemalten Pinselstrichen die Hauptfarben Natur mit Wiesen und Wäldern (Grün), Aufmerksamkeit für Kultur und Veranstaltungen (Rot) und Wasser (Blau) als Marker (Symbolfarben). Darin eingebettet sind die Alleinstellungsmerkmale Wiesen, Furchen der landwirtschaftlichen Felder und Hügel, die weithin Aufmerksamkeit erregende Bronzeviktoria in Hakenberg und Wasser nicht nur als Flüsse und Bäche, sondern auch als kleine Seen mit Wellen. Der Schriftzug »Gemeinde Fehrbellin« hält wie selbstverständlich alle diese Merkmale zusammen.

Partnerschaften Fehrbellin unterhält seit 1990 mit Dülmen in Nordrhein-Westfalen eine Städtepartnerschaft. Einzelne Ortsteile sind darüber hinaus weitere Partnerschaften eingegangen:Website Fehrbellin – Home, abgerufen am 23. August 2018 Ortsteil Brunne mit Momchilovtsi im Süden Bulgariens Ortsteil Langen mit Langen (Hessen), mit Langen bei Bremerhaven und mit Kamenné Zboží in Tschechien Ortsteil Linum mit Bolatice in Tschechien, mit Rudy in Polen und mit Nagykovácsi im Norden Ungarns

Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=0.7|Stadtkirche Fehrbellin

Stadtkirche Fehrbellin