50px|rechts|Stadtwappen Timișoara

Die Geschichte Temeswars reicht bis zum Beginn des 1. Jahrhunderts zurück. Archäologische Ausgrabungen bestätigten Spuren von Menschenleben in der Gegend um das heutige Timișoara seit dem Neolithikum. Ursprünglich als ein römischer Wehrbau in der Zeit der Daker gegründet, war Temeswar im Mittelalter eine der bedeutendsten Festungen des Banats. Nach jahrhundertelanger Zugehörigkeit zum ungarischen Königreich fiel die Stadt für 164 Jahre an das Osmanische Reich, bevor sie bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Teil der Habsburgermonarchie wurde. Nach Jahren der Entbehrung war sie die auslösende Stadt für die Revolution gegen das kommunistische Regime in Rumänien. 2009 war Temeswar mit 311.586 Einwohnern nach Bukarest die zweitgrößte Stadt Rumäniens.citypopulation.de, Rumänien, Stand Januar 2009 Im Laufe ihrer Geschichte trug die Stadt Namen wie Zambara, Temeschburg, Temeswar, Temesvár und letztlich Timișoara.

Antike Das Römische Reich unter der Führung von Kaiser Marcus Ulpius Traianus eroberte in den zwei Dakerkriegen (101–103 und 105) die Region Dakien, die von den Siegern später Dacia Ripensis genannt wurde.

Der griechische Gelehrte Claudius Ptolemäus erwähnte in seiner Geographike Hyphegesis im Bereich des heutigen Temeswars einen römischen Wehrbau aus der Zeit der Daker mit dem Namen Zambara oder Zurobara., Anton Zollner: Aus der Vorgeschichte der Temeschburger Festung Es besteht Uneinigkeit darüber, ob diese Siedlung mit der Stadt Tibiscum identisch war.

Nach Herrschaft der Römer zogen andere Völker durch das Banat, so die Vandalen, die Goten, die Gepiden, die Sarmaten, und nach einer kurzen Herrschaft Konstantins des Großen folgten die Hunnen.

Mittelalter Frühmittelalter Von 553 herrschten die Awaren zweihundert Jahre lang über das Gebiet der heutigen Timișoaras und errichteten auf den Ruinen der Ortschaft Zambara eine neue Sieglung namens Beguey,, Timișoara, in englischer Sprache strategisch gelegen zwischen den Flüssen Beghei Bega (Theiß) und Temesch.PrimariaTM.ro, Geschichte der Stadt Timișoara

790 vertrieb Karl der Große die Awaren, wonach die Petschenegen ins Banat zogen. Auch Walachen, Kumanen und Bulgaren waren hier ansässig,Dr. Iliesiu gefolgt von den Magyaren zum Ende des Jahrtausends.

Es wird vermutet, dass die Festung schon im 10. Jahrhundert in awarischer Architektur errichtet wurde und sich, mit Wassergräben umgeben, an der Stelle des heutigen Nationaltheaters und Opernhauses Timișoara befand., Anton Zollner: Die Temeschburger Festung unter den Árpáden

Königreich Ungarn Stephan I. mini|hochkant|Statue des Heiligen König Stephans I. an der Fischerbastei in Budapest

Nach dem Sieg über den walachischen Herrscher Achtum wurde das Gebiet vom ersten ungarischen König Stephan I. in das Königreich Ungarn aufgenommen.Dr. István Berkeszi: Kleinmonographie der königlichen Stadt Temesvár, 1900 Die Temesch-Burg ist seit 1212 als Castrum Regius Temesvar mit einer von dem árpádischen König Andreas II. von Ungarn erlassenen Urkunde dokumentarisch belegt. Die Erwähnung der Stadt als Dibiscos, Bisiskos, Tibiskos, Tibiskon, oder Timbisko in einem Dokument des Byzantinischen Kaisers Basileios II. von 1019 gilt als umstritten.

Béla IV. Im Mongolensturm von 1241 fielen aus dem Norden die Mongolen ein und verwüsteten das Banat. Nach ihrer Vertreibung rief der ungarische König Bela IV. deutsche Siedler in das entvölkerte Land, welche die Festung wieder aufbauten., "Klein Wien" an der Bega – Temeswar Die aus Erde und Stein bestehenden Mauern der Festung wurden mit kalkgebundenen Steinen und Ziegeln befestigt, und die Wassergräben vertieft und erweitert.

Temescher Comes dieser Zeit waren Hetze oder Helze (1214), Gylet (1233), Mathäus (1235), Dionisius (1240) und Stefan Csáky (1270).Dr. Iliesiu (nach J. N. Preyer) König Ladislaus IV. besuchte 1278 die Festung in Begleitung des Bischofs von Csanád Gregor und versammelte hier sein Heer, welches er unter der Führung des Magisters Georgius gegen den walachischen Woiwoden Litowoj schickte.

Karl I. mini|hochkant|Karl I. Robert von Ungarn(Széchényi Nationalbibliothek, Budapest) um 1360

1301 starb der letzte König vom Árpád-Stamm, nun bestieg Karl I. von Ungarn als erster Vertreter des Hauses Anjou den ungarischen Thron. Bald schon nach seinem Amtsantritt geriet er in einen Konflikt mit dem ungarischen Adel. Er besuchte 1307 zum ersten Mal Temeswar um die Siebenbürger und Banater Adligen für sich zu gewinnen. Bei diesem Anlass gab er Instruktionen zum Bau einer neuen königlichen Festung.

Die Begh (Bega – damals auch Kleine Temesch) verzweigte sich bei Temeswar in drei Arme, der mittlere davon floss entlang der heutigen Strada Alba Iulia. Die Temeswarer Festung aus der Zeit der Árpáden stand zwischen dem mittleren und dem westlichen Arm (in der Nähe der heutigen Staatsoper, siehe oben). Karl I. beließ die bestehende Festung aus Erde und erbaute zwischen dem mittleren und dem östlichen Arm eine neue Festung aus Stein, was vorübergehend zu zwei Temeswarer Festungen führte.

Auf dieser Insel ließ Karl I. in achtjähriger Bauzeit sein königliches Kastell bauen, einer der stärksten Wehrbauten des Mittelalters. Dieser Bau war die Grundlage für das spätere Schloss Hunyadi. Karl I. inspizierte in den Jahren 1313, 1314 und 1315 die Bauarbeiten, die von italienischen Baumeistern ausgeführt wurden. Das Schloss wurde zwischen 1307 und 1315 als Sitz für Karl I. gebaut, von wo aus er fast acht Jahre regierte. Temescher Comes der damaligen ungarischen Hauptstadt war der adlige Walache Nicolae Teutul.

Es war die prunkvolle und luxuriöse Blütezeit der Festung, deren Unterhalt allerdings beachtliche Kosten verursachte, zu deren Deckung der König die Kapitularvikare und die Orthodoxe Kirche heranzog. Während dieser Zeit hielt auch „unmoralisches“ Leben Einzug in die Burg, was besonders der König genoss., Anton Zollner: Temeschburg – die Hauptstadt Ungarns Nach der Verlegung der Hauptstadt nach Ofen (Buda) 1316 besuchte Karl I. die Festung 1330, als er über die Temeschburg gegen den walachischen Woiwoden Basarab zu Feld zog, wovon er allerdings nur mit wenigen Begleitern zurückkehrte. Zu seinem letzten Besuch fand er sich Ende Dezember 1332 ein. Nach seinem Tod 1342 ging das königliche Schloss in den Besitz der Krone über. Seither wurde der Ort in den Urkunden als Marktflecken Oppidum Themesvar bezeichnet.

1338 zogen dichte Schwärme von Wanderheuschrecken über das Land und vernichteten die Vegetation in der Region, so dass im darauffolgenden Jahr eine Hungersnot ausbrach. Danach folgte ein Erdbeben, und 1340 brach die Pest aus, was zahlreiche Opfer forderte.

Die Festung verlor vorerst an Bedeutung, und ihre Mauern waren dem Verfall ausgesetzt. Bedingt durch die drohende Expansion des Osmanischen Reiches nach Europa und den Einsatz von Schießpulver wurden die Befestigungsanlagen in den Folgejahren dem aktuellen Stand der Kriegstechnik angepasst. Beim Bau der Mauern wurden starke Eichenstämme eingesetzt und Palisaden errichtet, die von zwei bis drei Wassergräben umgeben waren. Die Mauern wurden mit Schießscharten ausgerüstet, und die Wehrtürme mit Kanonen besetzt.

Ludwig I. mini|hochkant|Ludwig, König von Ungarn und Polen

Der folgende König Ludwig I. der Große besuchte Temeswar zweimal. Das erste Mal zog er 1358 gegen den serbischen Herrscher Stefan Uroš V., und das zweite Mal führte er im Oktober und November des Jahres 1368 sein Heer über der Festung gegen den walachischen Woiwoden Vlaicu. Temescher Comes zu dieser Zeit waren Nikolaus Pap und Sigismund Andrásy (1333), Dionisie Bebec (1366), Ladislaus Korogh (1367), Benedikt Heem (1366, 1368, 1371), und Wladislaw (1370). 1371 wurde zum ersten Mal eine Komitatsverfassung eingeführt.

Nach dem Tode Ludwigs I. 1382 besuchte 1385 seine Witwe Königin Elisabeth mit ihrer Tochter Maria Temeswar, wo sie eine längere Zeit im Kastell der Festung lebten. Maria war seine Nachfolgerin auf dem ungarischen Thron. Unter ihrer Herrschaft brachen in Ungarn große Unruhen aus.

Sigismund mini|hochkant|Kaiser Sigismund, Porträt eines böhmischen Meisters (1436/37)

Ungarische Adlige unter Johann Horváth nahmen Maria gefangen und sperrten sie in das Kastell Novigrad in Dalmatien, wo sie von ihrem Gatten, dem späteren römisch-deutschen Kaiser Sigismund von Luxemburg befreit wurde. Sigismund bestieg 1387 auch den ungarischen Thron., Anton Zollner: Die Temeschburger Festung bis zum Ende der Anjou-Dynastie Hierauf ernannte er Stefan Losonczy (auch Lossontzy oder Losoncius) zum Temescher Comes, vertrieb den Rebellenführer Johann Horváth aus Syrmien und verfolgte ihn, bis dieser schließlich in Fünfkirchen (Pécs) hingerichtet wurde.

Zwischen 1389 und 1391 machte König Sigismund die Festung zu seinem Standort. Von hier zog er gegen den serbischen Herrscher Stefan. Temeswar diente dann als Kommandozentrum des Königs im Kampf gegen die 1392 zum ersten Mal in Syrmien und 1396 dann in das Banat einfallenden Osmanen. Nur die Temeswarer Besatzung konnte Plünderungen verhindern. Sigismund kehrte 1396, 1397, 1409, 1426 und 1428 hierher zurück.

In der Schlacht von Nikopolis im Jahr 1396 wurde das französisch-ungarische Heer durch eine osmanische Streitmacht vernichtend geschlagen, und die Osmanen drangen bis in die Nähe Temeswars vor, wobei es zu Verwüstungen und Verschleppungen kam. Nach seiner Flucht aus Konstantinopel über Dalmatien berief Sigismund 1397 in Temeswar den Reichstag ein. Hier sollte der Adel des Landes verpflichtet werden unter seiner Heerführung gegen den einfallenden Feind zu kämpfen. Die Adligen erkannten diese neue Gefahr nicht und verweigerten ihren Beitrag. Der König rief zur Überzeugung des Adels 1399 erneut den Reichstag in Temeswar ein. Sigismund wählte diesen Treffpunkt, um im Notfall schnell gegen die Türken ziehen zu können.

Temeswar lag an der Frontlinie der Expansion aus dem Orient. Allerdings entspannte sich die Lage in der Region durch die Angriffe des mongolischen Heerführers Timur auf das osmanische Reich. Dieses unterlag in der Schlacht bei Ankara 1402 mit 70.000 Soldaten einer erdrückenden Übermacht von 160.000 turkmongolischen Kriegern. Sultan Bayezid I. wurde gefangen genommen und in einem Käfig nach Kleinasien verschleppt. Einige Monate später starb er in der anatolischen Stadt Akșehir. Für etwas mehr als ein Jahrzehnt existierte das Osmanische Reich nicht mehr.

Temescher Comes waren Ladislaus Sarow (1392), Nikolaus Csáky und Nikolaus Marcyaly (1396–1402), sowie der Walache Nikolaus Garai (1402), und Philippo Scolari (1407–1424). Letzterer ließ zahlreiche italienische Künstler und Baumeister nach Temeswar kommen, die dem Comes eine Residenz in italienischem Stil errichteten. Unter ihnen waren auch der Maler Lodovico Mazzolino und der Architekt Amantini., Anton Zollner: Die Temeschburger Festung unter dem Hause Luxemburg

1418 (eine andere Quelle nennt den Juli 1416) setzte der osmanische Bey von Bosnien Ikah, Ishak oder Ikah-Beg mit zwei Heeren über die Donau und fiel in das Temescher Gebiet ein.birda.de, Zeittafel zur Geschichte der Donauschwaben

Seine Truppen wurden aber von Nikolaus Péterfy verjagt und er selbst umgebracht. 1419 vertrieb König Sigismund die Türken sogar aus Serbien und Bulgarien. Während der König dann aber in Böhmen gegen die Hussiten kämpfte, verwüsteten die Osmanen mehrmals das Banat. Temescher Comes waren zwischen 1424 und 1439 Stefan Rozgony und Stefan Bathos. Sigismund hielt sich 1428 wieder längere Zeit in Temeswar auf, nachdem er vor den Toren der Golubatscher Burg eine große Niederlage erlitten hatte. Er verstarb 1437.

Der Nachfolger Sigismunds, Albrecht II., regierte nur von 1437 bis 1439. Als er im September 1439 an die Donau zog, um Smederevo von den Osmanen zurückzuerobern, brach in seinem Lager die Ruhr aus, der auch er zum Opfer fiel.