mini|hochkant|Evangelische Kirche
Marienthal (pfälzisch: Maiedahl) ist ein Stadtteil der im rheinland-pfälzischen Donnersbergkreis liegenden Stadt Rockenhausen. Bis 1979 war er eine selbständige Gemeinde.
Lage Der Ort liegt etwa sieben Kilometer östlich der Kernstadt im Nordpfälzer Bergland unweit des Donnersbergs, des mit 687 m höchsten Berges der Pfalz. Durch den Westen der Gemarkung fließt der Appelbach, der das Siedlungsgebiet jedoch nicht berührt. Am südwestlichen Siedlungsrand verläuft der Mordkammertalbach, ein linker Nebenfluss des Appelbachs. In ihn mündet der Königsbach. In nächster Nähe liegen die Ortsgemeinden Falkenstein, Ruppertsecken und Dannenfels.
Geschichte Um 1145 wurde das Prämonstratenserinnenkloster Marienthal durch Graf Ludwig III. von Arnstein als „valle sancte Marie“, im heutigen Ortsbereich gegründet und der Aufsicht des Abtes von Münsterdreisen unterstellt. In seinem Umfeld entwickelte sich das heutige Dorf. Um 1250 bis 1277 wurde die Kirche des Klosters erbaut. Im Jahre 1541 fiel der Besitz an die Kurpfalz, das Kloster bestand damals schon nicht mehr und seine Kirche war Pfarrkirche. Nach der Reformation nutzte man sie als protestantisches Gotteshaus von Marienthal und trug sie 1843 wegen Baufälligkeit ab. In der Zeit von 1848 bis 1850 wurde am gleichen Platz die heutige protestantische Kirche gebaut, unter Verwendung von zahlreichen Spolien (Maßwerkfenster, Pfeiler, Portal) aus der alten, gotischen Klosterkirche.
Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Marienthal in den Kanton Rockenhausen im Departement Donnersberg eingegliedert. Nach dem Wiener Kongress von 1815 wurde der Ort im selben Jahr Österreich zugeschlagen. Ein Jahr später wurde er wie die gesamte Region dem Königreich Bayern zugeordnet. Von 1818 bis 1862 war Dörnbach Bestandteil des Landkommissariat Kirchheim, später Landkommissariat Kirchheimbolanden, das anschließend in ein Bezirksamt umgewandelt wurde. Am 1. Dezember 1900 wechselte die Gemeinde in das neu geschaffene Bezirksamt Rockenhausen.
1928 hatte Marienthal 371 Einwohner, die in 78 Wohngebäuden lebten. Von 1939 an war die Gemeinde Bestandteil des Landkreises Rockenhausen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Marienthal innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte der Ort in den neu geschaffenen Donnersbergkreis, drei Jahre später wurde er zudem Bestandteil der ebenfalls neu gebildeten Verbandsgemeinde Rockenhausen. Der Ortsgemeinderat von Marienthal beschloss am 25. Juli 1977, der Nachbarstadt Rockenhausen beizutreten, was am 10. Juni 1979 vollzogen wurde. 1990 feierte Marienthal sein 800-jähriges Bestehen.
Religion Ab 1827 hatte Marienthal eine Synagoge, die 1912 zu einer Scheune umfunktioniert wurde. Auf der Gemarkung der benachbarten Ortsgemeinde Falkenstein liegt der 1850 angelegte Jüdische Friedhof, auf dem auch die Juden aus Marienthal beerdigt wurden. 1928 lebten noch vier Leute jüdischen Glaubens in Marienthal. Die Protestanten gehörten seinerzeit zur Pfarrei von Rockenhausen, die Katholiken zur Pfarrei Gerbach.
Heute ist Marienthal eine eigenständige protestantische Pfarrei im Dekanat Alsenz-Lauter der Evangelischen Kirche der Pfalz, die zusätzlich Ruppertsecken, Würzweiler und einige Höfe in der Umgebung umfasst.
Politik Ortsbezirk Marienthal ist als Ortsbezirk ausgewiesen und wird von einem Ortsbeirat und einen Ortsvorsteher politisch vertreten.
Ortsbeirat Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsvorsteher als Vorsitzendem.
Ortsvorsteher Richard Schmidt wurde am 22. Dezember 2025 erneut Ortsvorsteher von Marienthal, nachdem er dieses Ehrenamt bereits von 1999 bis 2014 ausgeübt hatte. Da für eine am 9. November 2025 angesetzte Direktwahl kein Wahlvorschlag eingereicht wurde, oblag die Neuwahl des Bürgermeisters gemäß rheinland-pfälzischer Gemeindeordnung dem Ortsbeirat, der sich einstimmig für Richard Schmidt aussprach.
Zwischen 2014 und 2025 hatte Thomas Bauer das Amt inne. Nach seiner erstmaligen Wahl 2014 war er bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 mit einem Stimmenanteil von 79,01 % und am 9. Juni 2024 als einziger Bewerber mit 80,8 % jeweils für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt worden. Am 17. Juli 2025 teilte er jedoch mit, sein Amt zum folgenden Monatsende aus persönlichen Gründen vorzeitig niederzulegen. Bis zur Amtseinführung des neuen Ortsvorstehers führte sein Stellvertreter Rudolf May die Amtsgeschäfte weiter.
Kultur Mit dem Gebäude der ehemaligen Synagoge, der protestantischen Pfarrkirche und dem südwestlichen Strebepfeiler der hochgotischen Klosterkirche befinden sich in Marienthal drei Objekte, die unter Denkmalschutz stehen. Die 1848/50 errichtete Ortskirche auf den Grundmauern der von etwa 1250 bis 1277 erbauten und 1843 abgerissenen frühgotischen Klosterkirche ist die bedeutendste Sehenswürdigkeit. Die vom Vorgängerbau übernommenen Maßwerkfenster stehen auf der gleichen Stilstufe wie die in Hof Iben. Im Inneren der Kirche befinden sich zwei aufwendige Renaissance-Grabmäler der Grafen von Daun-Falkenstein von 1575 und 1587.Dieter Krienke (Bearbeiter), Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 15: Donnersbergkreis, Werner’sche Verlagsbuchhandlung, Worms 1998, S. 467, 468; ISBN 3-88462-153-XGeorg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Rheinland-Pfalz und Saarland, Deutscher Kunstverlag, München 1984, S. 646; ISBN 3-422-00382-7
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Südöstlich des Siedlungsgebiets befand sich früher mit der Grube bei Marienthal ein Bergwerk, in dem Kupfer abgebaut wurde, das im Rhyolith schwach vererzt war. 1953–1969 Institut für Physik und Chemie der Grenzflächen: Nachdem der in Fachkreisen äußerst renommierte Physiker und Chemiker Karl Lothar Wolf 1953 zunächst in Kirchheimbolanden in den Räumen des Gymnasiums, das er leitete, ein Laboratorium für Physik und Chemie der Grenzflächen aufgebaut hatte, zog dieses 1954 als Institut nach Marienthal um. Wolf finanzierte die Grenzflächenforschung mit Spenden aus der Industrie und Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 1962 übernahm die Fraunhofer-Gesellschaft das Institut, unter dem Namen Fraunhofer-Institut für Physik und Chemie der Grenzflächen IGf. Anfang 1969 starb Wolf, der geplante Umzug an den Hochschulort Stuttgart erfolgte dennoch im gleichen Frühjahr.
Verkehr In Rockenhausen befindet sich ein Bahnhof der Alsenztalbahn. Die Buslinie 901 des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar verbindet den Ort jeweils stündlich mit Rockenhausen und Kirchheimbolanden. Außerdem liegt Marienthal an der Landesstraße 386 und an der Deutschen Schuhstraße.
Persönlichkeiten Karl Lothar Wolf (1901–1969), Chemiker und Hochschullehrer, baute in Marienthal ein Institut auf und starb hier.
Weblinks
Stadtteil Marienthal auf den Seiten der Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Donnersbergkreis Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Donnersbergkreis) Kategorie:Gemeindeauflösung 1979 Kategorie:Rockenhausen Kategorie:Ortsbezirk von Rockenhausen