Pjatidoroschnoje (, bis 1947 Bladiau, , ) ist eine Siedlung in der russischen Oblast Kaliningrad. Sie gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Bagrationowsk im Rajon Bagrationowsk.
Geographie Das Dorf liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 35 Kilometer südwestlich von Kaliningrad (Königsberg), elf Kilometer nordöstlich von Mamonowo (bis 1947 Heiligenbeil) und neun Kilometer südöstlich von Laduschkin (Ludwigsort). Bis zur Küste des Frischen Haffs sind es sechs Kilometer. Die russisch-polnische Grenze liegt 15 Kilometer entfernt.
Ortsname Der heutige Name des früheren Bladiau leitet sich von den fünf Straßen (russisch ) ab, die sich im Ort treffen und von Mamonowo (bis 1947 Heiligenbeil), Snamenka (Groß Hoppenbruch), Primorskoje (Wolittnick), Laduschkin (Ludwigsort) und Nowosjolowo (Groß Rödersdorf) kommen.
Geschichte mini|Bladiau, südwestlich von Königsberg i. Pr. und nordöstlich von Heiligenbeil, auf einer Landkarte von 1910 Das Gründungsjahr von Bladiau ist 1337. Bis 1945 gehörte der Ort zum Landkreis Heiligenbeil des Regierungsbezirkes Königsberg in der preußischen Provinz Ostpreußen. Das zuständige Amtsgericht befand sich in Heiligenbeil.
Im Jahre 1874 wurde aus den beiden Gemeinden Bladiau und Lank (heute Iljitschjowka) der Amtsbezirk Bladiau gebildet, der bis 1945 bestand. 1932 wurde die Gemeinde Quilitten (Teil des heutigen Schukowka) nach Bladiau eingemeindet.
Im Jahre 1885 zählte Bladiau 1465 Einwohner. Ihre Zahl sank bis 1910 auf 1234 ab, betrug 1933 noch 1228 und 1939 noch 1217.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Bladiau im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt und anschließend zusammen mit der nördlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion besatzungsrechtlich in eigene Verwaltung genommen. 1947 wurde die russische amtlichen Bezeichnung Pjatidoroschnoje eingeführt.Wurde umbenannt durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad). Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets. Von 2008 bis 2016 gehörte Pjatidoroschnoje zur Landgemeinde Pogranitschnoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Bagrationowsk.
Pjatidoroschny selski Sowet/okrug 1947–2008 Der Dorfsowjet Pjatidoroschny selski Sowet (ru. Пятидорожный сельский Совет) wurde im Juni 1947 eingerichtet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Im Jahr 1954 wurde der Nowo-Moskowski selski Sowet an den Pjatidoroschny selski Sowet angeschlossen.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad) Bis zum Jahr 1962 lag er im Rajon Laduschkin. Nach dessen Auflösung gelangte der Dorfsowjet in den Rajon Bagrationowsk. Spätestens dann gelangten vermutlich die meisten Orte des im Jahr 1954 angeschlossenen Nowo-Moskowski selski Sowet in den Pogranitschny selski Sowet. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Pjatidoroschny selski okrug (ru. Пятидорожный сельский округ). Im Jahr 2008 wurden die Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Pogranitschnoje selskoje posselenije eingegliedert.
Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen KunzewoDer Ort hieß zunächst Wyssokoje. (Кунцево) Weßlienen Der Ort wurde 1950 (in Wyssokoje) umbenannt. Losowoje (Лозовое) Kahlholz Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Mamonowski. Er wurde vor 1975 verlassen. Moskowskoje (Московское) Partheinen Der Ort wurde 1947 umbenannt. Nekrassowo (Некрасово),ab 1993: Moskowskoje Mükühnen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 an den Ort Moskowskoje angeschlossen. Nowosjolowo (Новосёлово) Groß Rödersdorf Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Pjatidoroschnoje (Пятидорожное) Bladiau Verwaltungssitz Primorskoje (Приморское) Wolittnick Der Ort wurde 1947 umbenannt. Rybakowo (Рыбаково) Follendorf Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Mamonowski. Er wurde vor 1975 verlassen. Schukowka (Жуковка) Quilitten Der Ort wurde 1947 umbenannt. Snamenka (Знаменка) Groß Hoppenbruch Der Ort wurde 1947 umbenannt. Timirjasewo (Тимирязево) Newecken, Poplanken und Rauschnick Der Ort wurde 1950 umbenannt. Tropinino (Тропинино) Heide, Kreis Heiligenbeil Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Utkino (Уткино) Wolitta Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Wessjoloje (Весёлое) Balga (Ort) Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Mamonowski: Er verlor vor 1988 seine Eigenständigkeit. Der 1947 umbenannte Ort Bogdanowka (Jürkendorf) wurde ebenfalls zunächst in den Pjatidoroschny selski Sowet eingeordnet, kam dann (vor 1975) aber zum Stadtsowjet Mamonowski gorodskoi Sowet.
Verkehr Pjatidoroschnoje liegt an der Fernstraße A194 (zugleich Europastraße 28, ehemalige deutsche Reichsstraße 1).
Die nächste Bahnstation ist das 6 Kilometer entfernte Primorskoje (Wolittnick) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Mamonowo, einem Abschnitt der früheren Preußischen Ostbahn.
Kirche Kirchengebäude
Ein Kirchengebäude gab es in Bladiau vermutlich bereits 1337. Im Jahre 1735 wurde das Gotteshaus durch einen Brand stark beschädigt, danach aber wiederhergestellt. Das Kircheninnere überspannte eine bemalte Holzdecke von 1700, es gab wertvolle Beichtstühle sowie eine Gutsempore mit Gutsgestühl. Am Altar war Schnitzkunst mit der Figurengruppe Maria und Johannes unter dem Kreuz Jesu zu sehen. Der schwebende Taufengel war von Isaak Riga (1700).
Durch Artilleriebeschuss wurde die Kirche im Jahre 1945 stark zerstört, besonders der Turm. Nach 1975 sprengte man die Gebäudereste und beseitigte die Trümmer. Nur die Kirchenmauer mit dem Denkmal für die Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg blieb stehen. 1994 errichtete eine Gruppe von deutschen und russischen Studierenden unter der Leitung von Ernst von Glasow (ehemals Schulkind in Bladiau) ein Holzkreuz auf dem Platz der ehemaligen Kirche.
Von der Kirche überlebten zwei Glocken auf dem Hamburger Glockenfriedhof. Eine läutet heute in Stockheim, die andere kam in die Marienkirche in Geestemünde, wurde jedoch 1994 nach einer Beschädigung stillgelegt und leihweise an das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg abgegeben.Kirchengemeindelexikon Hannover: Bremerhaven-Geestemünde, Marien, abgerufen am 6. Februar 2024 Auch der Taufstein ist erhalten und befindet sich in einem privaten Museum in Pogranitschny (Hermsdorf).
Kirchengemeinde Bladiau ist bereits 1399 als Kirchdorf erwähnt. Bis 1945 gehörte es zum Kirchenkreis Heiligenbeil der Kirchenprovinz Ostpreußen der evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg ist das Bestattungsbuch der Jahre 1859 bis 1873 der Pfarre Bladiau vorhanden.
Kirchspiel Das großflächige Kirchspiel Bladiau zählte 46 Ortschaften und reichte im Nordwesten an die Bahnlinie Heiligenbeil – Königsberg (Preußen), im Südosten bis an die frühere Reichsautobahn Berlin–Königsberg und heutige russische Regionalstraße 27A-002 (ex R 516). Zu den Kirchspielorten gehörten (* = Schulorte):
Baumgart Bladiau* (Pjatidoroschnoje) Bolbitten Dösenbruch Fedderau Fuchsberg Groß Rödersdorf* (Nowosjolowo) (Groß) Windkeim* Grund Grünwiese* (Berjosowka) Haselau (Bogdanowka) Heide b. Fedderau (Tropinino) Heide b. Pottlitten Jarft Jarftthal Jürkendorf (Bogdanowka) Kaul Kirscheiten Klein Rödersdorf Klein Windkeim Königsdorf* Lank* (Iljitschowka)mit Lankhof Lokehnen (Jablotschkino) Mühlenwalde Mükühnen (Moskowskoje) Packerau (Jasnoje) Pammern Pannwitz Paplauken (Timirjasewo) Partheinen* (Moskowskoje)m. Milchbude (Adlig) Pohren (Rasdolnoje) Pottlitten (Perwomaiskoje) Quilitten (Schukowka) Rauschnick (Timirjasewo) Rejothen Sandkrug Schölen (Wetrowo) Schreinen Stuthenen Wangnieskeim* Warnikam Wedderau Weißer Falke Weßlienen (Kunzewo) Wolittnick (Primorskoje)
Pfarrer bis 1945 Bis 1801 waren im Kirchspiel Bladiau zwei Geistliche tätig, zwischen 1888 und 1926 wurde dem Pfarrer ein Hilfsprediger zur Seite gestellt:
Frantz Freudenhammer, 1531 Andreas Finkelthaus, 1538 Andreas Bierwohl, bis 1595 Sebastian Pole, 1579–1597 Johann Hönicke, 1595–1631 Heinrich Steinwarter, 1607–1609 Christoph Teuschner, 1609 Erdmann Schmeller David Dargatz, 1631–1654 Conrad Schepelius, ab 1654 Bernhard Struwius, 1665–1668 Heinrich Koncius (Kuntzius), bis 1673 Salomo Rundstädt, 1676–1701 Johann Birnbaum, bis 1678 Wilhelm Sartorius, 1678–1705 Daniel Hintz, 1702–1705 Sigismund Schlesiger, 1705–1715 Johann Ludwig Wahl, 1705–1730 Michael Hein, 1717–1744 George Heinrich Nicolai, 1731–1751 Gottfried Walter, 1744–1763 Gottfried Fritsch, ab 1752 Johann Daniel Krantz, 1763–1776 Christian Gottlieb Ferlo, 1777–1784 Christian Gottlieb Wolff, 1779–1802 Friedrich Ludwig Bruno, 1785–1786 Ernst Christian Myr, 1787–1791 Johann David Schurich, 1791–1801 Christian B. Fabricius, ab 1803 Otto Ferdinand Dittrich, 1835–1840 Carl Ernst Dittrich, ab 1840 Karl Ludwig Volkmann, 1853–1860 Friedrich Wilhelm Julius Kleist, 1860–1886Kleist (1813–1886) war Angehöriger des Corps Masovia. Julius Th. V. Migge, 1888–1889 Carl Louis E. Winkler, 1889–1905 Paul Johannes Glage, 1890–1894 Gottfried H.J. Podlech, 1894–1898 Paul R. G. Schlecht, 1898–1899 Otto Gerß, ab 1900 Ernst Ludwig Bartsch, ab 1902 Paul Johannes Glage, 1905–1934 Oskar Arthur Siegmund, 1906–1908 Ernst Wachhausen, 1908–1919 Eugen Gatz, ab 1923 Walter Horn, 1925–1926 Heinrich Geiger, 1934–1945
Persönlichkeiten Johann Christoph Döbel (* 9. Dezember 1640 in Bladiau; † 1713 in Berlin), deutscher Bildhauer Christian Gottlieb Röckner (* 5. Mai 1766 in Bladiau; † 1. Juni 1828 in Marienwerder), lutherischer Feldpropst
Literatur Bladiau, Dorf, Kreis Heilgenbeil, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Bladiau (meyersgaz.org). Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen. 1898, S. 40–45 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 107–108 (Google Books). Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968. Emil Johannes Guttzeit: Die Kirche in Bladiau und ihre familiengeschichtlichen Denkmäler. Heiligenbeil 1930. Iselin Gundermann: Die Evangelische Pfarrkirche zu Bladiau in Ostpreußen. Frankfurt am Main 1969.
Weblinks Bladiau (ostpreussen.net) Amtsbezirk Bladiau (Territorial.de) Die Pfarrer der Kirche von 1401 bis 1945
Pjatidoroschnoje bankgorodov.ru
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Rajon Bagrationowsk