Eine logisch-historische Methode hat in der lange Zeit maßgeblichen, bis auf Friedrich Engels (1820–1895) zurückgehenden Interpretation Karl Marx (1818–1883) für die Darstellung seiner Kritik der politischen Ökonomie gewählt, indem er die ökonomischen Kategorien Ware, einfache, entfaltete, allgemeine Wertform, Geld und Kapital in einer logischen Reihenfolge entwickelt, welche in abstrakter Form die historische Entstehung dieser Kategorien widerspiegele. Diese Deutung ist bis heute umstritten.

Die logisch-historische Methode nach Friedrich Engels Nachdem 1859 Zur Kritik der Politischen Oekonomie. Erstes Heft erschienen war, schrieb Friedrich Engels eine Rezension für Das Volk, die Zeitung des Deutschen Arbeiterbildungsvereins in London. Marx hatte sich diesbezüglich an Engels gewandt. Engels sollte „[k]urz über die Methode und das Neue im Inhalt“ schreiben. Die Rezension gliedert sich in zwei Teile, in denen Engels auf die Methode eingeht; ein geplanter dritter Teil, in dem der ökonomische Gehalt behandelt werden sollte, wurde nicht veröffentlicht.

Im ersten Teil der Rezension behandelt Engels Marx’ Auffassung der Geschichte. Im zweiten Teil widmet Engels sich der Methode der Darstellung. Zunächst geht er auf Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) bzw. dessen Dialektik ein. Zwar sei Hegels Dialektik eine wissenschaftliche Methode, aber sie sei leider idealistisch und spekulativ. Marx habe es aber geschafft, Was der Kern denn sei, schrieb Engels nicht. Jedoch beschrieb er, wie Marx die Kategorien in seiner Darstellung angeordnet habe:„Die Kritik der Ökonomie, selbst nach gewonnener Methode, konnte noch auf zweierlei Weise angelegt werden: historisch oder logisch. Da in der Geschichte, wie in ihrer literarischen Abspiegelung, die Entwicklung im ganzen und großen auch von den einfachsten zu den komplizierteren Verhältnissen fortgeht, so gab die literargeschichtliche Entwicklung der politischen Ökonomie einen natürlichen Leitfaden, an den die Kritik anknüpfen konnte, und im ganzen und großen würden die ökonomischen Kategorien dabei in derselben Reihenfolge erscheinen wie in der logischen Entwicklung. Diese Form hat scheinbar den Vorzug größerer Klarheit, da ja die wirkliche Entwicklung verfolgt wird, in der Tat aber würde sie dadurch höchstens populärer werden. Die Geschichte geht oft sprungweise und im Zickzack und müßte hierbei überall verfolgt werden, wodurch nicht nur viel Material von geringer Wichtigkeit aufgenommen, sondern auch der Gedankengang oft unterbrochen werden müßte; zudem ließe sich die Geschichte der Ökonomie nicht schreiben ohne die der bürgerlichen Gesellschaft, und damit würde die Arbeit unendlich, da alle Vorarbeiten fehlen. Die logische Behandlungsweise war also allein am Platz. Diese aber ist in der Tat nichts andres als die historische, nur entkleidet der historischen Form und der störenden Zufälligkeiten. Womit diese Geschichte anfängt, damit muß der Gedankengang ebenfalls anfangen, und sein weiterer Fortgang wird nichts sein als das Spiegelbild, in abstrakter und theoretisch konsequenter Form, des historischen Verlaufs; ein korrigiertes Spiegelbild, aber korrigiert nach Gesetzen, die der wirkliche geschichtliche Verlauf selbst an die Hand gibt, indem jedes Moment auf dem Entwicklungspunkt seiner vollen Reife, seiner Klassiziät betrachtet werden kann.“MEW, Band 13, S. 474–475. Engels zog daraus den Schluss, dass vor dem Kapitalismus eine einfache Warenproduktion betrieben wurde. So schrieb er 1895 in seinem Nachtrag zum dritten Buch des Kapital: „Mit einem Wort: das Marxsche Wertgesetz gilt allgemein, soweit überhaupt ökonomische Gesetze gelten, für die ganze Periode der einfachen Warenproduktion, also bis zur Zeit, wo diese durch den Eintritt der kapitalistischen Produktionsform eine Modifikation erfährt.“MEW, Band 25, S. 909.

Als weiterer Beleg wird auch herangezogen:Emmerich Nyikos: Das Kapital als Prozeß - Zur geschichtlichen Tendenz des Kapitalismus. Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-631-59807-8, S. 635.

„Der Austausch von Waren zu ihren Werten oder annähernd zu ihren Werten erfordert also eine viel niedrigre Stufe als der Austausch zu Produktionspreisen, wozu eine bestimmte Höhe kapitalistischer Entwicklung nötig ist. … Abgesehn von der Beherrschung der Preise und der Preisbewegung durch das Wertgesetz, ist es also durchaus sachgemäß, die Werte der Waren nicht nur theoretisch, sondern historisch als das prius der Produktionspreise zu betrachten.“Karl Marx: Das Kapital. Band III, II. Abschnitt, 10. Kapital, MEW 25, S. 186.

Diese Interpretation von Marx’ Werk war lange Zeit sowohl im orthodoxen Marxismus, dem Marxismus-Leninismus als auch dem westlichen Marxismus unumstritten. In diesem Sinne hätte Marx entsprechende Überlegungen von Georg Wilhelm Friedrich Hegel fortgesetzt.Emmerich Nyikos: Das Kapital als Prozeß - Zur geschichtlichen Tendenz des Kapitalismus. 2010, S. 620. Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie. Band 1, 1840 3. Resultate für den Begriff der Geschichte der PhilosophieZwar zeugen Marx’ Grundrisse davon, wie Marx über die zu wählende Methode nachdachte, aber am Anfang seines Werkes Zur Kritik von 1859 erläuterte er seine gewählte Methode kaum. Marx selbst widersprach Engels’ Rezension jedenfalls nicht; jedoch kritisierten beide einander oft nur schonend. Zudem zitierte Marx die Rezension niemals – nicht einmal in relevanten Kontexten, wie zum Beispiel im Nachwort der Zweitauflage des ersten Bandes von Das Kapital.

Kritik Kritiker in realsozialistischen Staaten Bereits der sowjetische Theoretiker Isaak Iljitsch Rubin (1886–1937) kritisierte Engels’ historisierende Interpretation. Rubin sah in Marx’ dialektischer Darstellung der Kategorien, die für bestimmte Formen gesellschaftlichen Reichtums stehen, eine Form wissenschaftlicher Begründung: Marx leite aus einfacheren Kategorien komplexere Kategorien her und zeige, wie die Kategorien notwendig miteinander zusammenhingen.

Bereits Marx selbst habe begünstigt, dass seine Methode zu historisch gedeutet werde: Er habe die Kategorie der abstrakten Arbeit teils physiologisch bestimmt; daher werde diese Kategorie so gedeutet, als bezeichne sie etwas, was es in allen Gesellschaftsformationen gebe. Demgegenüber betonte Rubin, dass abstrakte Arbeit eine bestimmte historische Form sei, in der ein gesellschaftlicher Zusammenhang zwischen konkreten Arbeiten hergestellt werde. Um zu präzisieren, unterschied Rubin zwischen physiologisch gleicher Arbeit, gesellschaftlich gleichgesetzter Arbeit und abstrakter Arbeit.

Rubin interpretierte, wie Marx die Kategorie des Geldes entwickelte, nicht als abstrakte Entstehungsgeschichte des Geldes, sondern als eine Weiterentwicklung der Kategorien. Indem Rubin hervorhob, dass abstrakte Arbeit und Geld notwendig miteinander verbunden seien, unterschied er sich von vielen anderen Interpreten der Marxschen Wert- und Geldtheorie, laut denen abstrakte Arbeit historisch vor und logisch unabhängig vom Geld bestehen könne, auch wenn Rubin diese nicht explizit kritisierte.

Indem Marx die einfache Zirkulation von Ware und Geld untersuche, betrachte er, so Rubin, auf relativ abstrakter Ebene ein Moment der kapitalistischen Produktionsweise. Dabei seien Wert und Warenproduzenten auf eine besondere Art bestimmt; diese Bestimmungen würden voraussetzen, dass es Klassen gebe. Zudem tauchten laut Rubin diese Bestimmungen später in komplexeren Kategorien bzw. konkreteren Stufen der Darstellung wieder auf: die Verhältnisse zwischen den Produzenten nähmen die Form von Geld, Kapital, Lohn und Profit an. Die entsprechenden Kategorien seien somit logische Versionen der Kategorie des Wertes. Rubin sah daher in der Analyse der einfachen Zirkulation keine abstrakte Skizze einer historischen Epoche, in der einfache Warenproduktion geherrscht habe. Rubin grenzte sich explizit von Engels’ Deutung ab, wonach Wert- und Preiskategorie jeweils für verschiedene historische Epochen, die aufeinander gefolgt seien, stünden. Rubin konzedierte, Marx selbst habe eine solche Deutung mit Passagen begünstigt, wonach „die Werte der Waren nicht nur theoretisch, sondern historisch als das prius der Produktionspreise zu betrachten“ seien. Jedoch sah Rubin einen Gegensatz zwischen Engels und Marx. Engels hatte 1895 in seinem Artikel Wertgesetz und Profitrate in Die Neue Zeit behauptet, dass Wertgesetz habe zwar in einer vorkapitalistischen Gesellschaft einfacher Warenproduktion volle Gültigkeit besessen, aber in der kapitalistischen Gesellschaft, in der die Preisform den Wert nicht adäquat wiedergebe, gelte das Wertgesetz nicht mehr vollkommen. Rubin entgegnete, Marx habe solche Mythen bereits in der klassischen politischen Ökonomie entdeckt und kritisiert. Rubin verwies darauf, wie Marx sich in Theorien über den Mehrwert mit Robert Torrens (1780–1864) und dessen Kritik an David Ricardos (1772–1823) Verteidigung des Wertgesetzes auseinandergesetzt hatte. Um die Spannungen zu lösen, verwies Rubin auf das Methodenkapitel der Einleitung von Zur Kritik der Politischen Ökonomie. Anstatt die Kategorien als unmittelbar empirische zu deuten, gehören laut Rubin die Kategorie des Wertes im ersten Band von Das Kapital und die Kategorie des Produktionspreises aus dem dritten Band zu derselben Theorie der kapitalistischen Wirtschaftsweise; die beiden Kategorien befänden sich jedoch auf verschiedenen Ebenen: die Wertkategorie auf einer abstrakteren, die Produktionspreiskategorie auf einer konkreten Stufe der Darstellung. Die einfacheren Kategorien existierten, so Rubin,

Die Bedingungen, um das Marx-Engels-Verhältnis zu problematisieren, waren unter Josef Stalin (1878–1953) ungünstig. So fiel etwa Rubin den Säuberungen zum Opfer. Später wurde es leichter. So gab es in den 1970er Jahren in Moskau an der Lomonossow-Universität Kontroversen. Der Forscher Vladimir Petrovic Schkredov, der Rubin rezipierte und auch Hans-Georg Backhaus’ Werke in seinen Seminaren behandelte, bestritt die historische Lesart. Nach Schkredov behandle Marx am Anfang von Das Kapital einen kapitalistischen Warentausch in unmittelbarer abstrakter Form und keine vorkapitalistische einfache Warenproduktion, wie sein Kontrahent N. Chessin meinte. Auch Forscher in der DDR rezipierten diese Debatte und kritisierten die historische Lesart von Engels, wie etwa Wolfgang Jahn (1922–2001) und Rolf Hecker (* 1953), was sich in mehreren Forschungsbeiträgen niederschlug.

Japanische Kritiker In Japan wird die Frage nach dem Marx-Engels-Verhältnis seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg diskutiert. So bestritt Sekisuke Mita (1906–1975) die logisch-historische Interpretation. Nach Mita stütze sich Marx auf eine analytische Methode, die der klassischen politischen Ökonomie angehöre, und füge ihr eine dialektische Methode der Entwicklung hinzu.

Laut Kan’ichi Kuroda (1927–2006) sei die Theoriebildung von Kozo Uno (1897–1977) mit der Interpretation, wonach Marx am Anfang von Das Kapital eine einfache Warenproduktion behandele, nicht vereinbar. Uno griff Marx’ theoretische Arbeit auf und modifizierte sie. Charakteristisch für Unos eigene theoretische Arbeit war, dass er drei Ebenen deutlich auseinanderhalten wollte, nämlich eine reine kapitalistische Gesellschaft, verschiedene historische Stadien des Kapitalismus (Merkantilismus, Liberalismus, Imperialismus) und die Untersuchung einer bestimmten kapitalistischen Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit. Ebenso wollte Uno die Zirkulation, Produktion und Distribution theoretisch klar voneinander trennen. Uno begann die Darstellung der reinen kapitalistischen Gesellschaft mit der Zirkulation, wobei nur die Formen der Zirkulation behandelt werden sollten; demnach müsse die Produktion bzw. die abstrakte Arbeit als Wertsubstanz der Ware später dargestellt werden.

Französischer Strukturalismus