Grunewald ist ein Ortsteil im Westen des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Er wurde nach dem gleichnamigen Forst Grunewald benannt. Der Ortsteil zählt zu den wohlhabendsten Gebieten Berlins.

Geografische Lage Grunewald grenzt im Norden und Osten an die Ortsteile Westend, Halensee und Schmargendorf, im Süden an den Nachbarbezirk Steglitz-Zehlendorf mit den Ortsteilen Dahlem, Zehlendorf und Nikolassee. Die Havel bildet die westliche Grenze des Ortsteils Grunewald.

Der Ortsteil liegt im Zentrum des Berliner Villenbogens, der sich von Lichterfelde West südwestlich über Dahlem und Grunewald bis nach Westend erstreckt. Der größte Teil des Ortsteils wird von dem Forst Grunewald eingenommen.

Geschichte mini|links|Ortsteil Grunewald In den 1880er Jahren verkaufte der preußische Staat nach persönlicher Intervention von Reichskanzler Otto von Bismarck 234 Hektar des Forstes Grunewald an die Kurfürstendamm-Gesellschaft, ein Bankenkonsortium, das sich zum Ziel gesetzt hatte, nach dem Muster der überaus erfolgreichen Villenkolonien Alsen und Lichterfelde ein noch aufwändiger angelegtes Wohnviertel zu errichten. Wie in vielen Städten spielte auch hier die meist vorherrschende Westwindwetterlage eine Rolle, da die Abgase des Gewerbes und der Hausfeuerungen in die entgegengesetzte Richtung geweht werden. In diesem Zusammenhang wurde auch der Kurfürstendamm ausgebaut, und so entstand ab 1889 an seinem westlichen Ende ein neues nobles Wohnviertel, die Villenkolonie Grunewald, später auch inoffiziell „Millionärskolonie Grunewald“ genannt. Am 15. August 1898 wurde die Villenkolonie Grunewald durch Königlichen Erlass zur Landgemeinde erhoben.Amtsblatt der Regierung Potsdam, 1898, S. 375; .

Aufgrund baulicher Vorgaben waren große Grundstücke erforderlich, die nur zu einem geringen Teil bebaut sein durften. Grunewald entwickelte sich mit einer stilistisch sehr heterogenen Villenbebauung zu einer der wohlhabendsten Wohngegenden Berlins. Um 1870 wurden die künstlichen, in der glazialen Rinne der Grunewaldseenkette liegenden Seen Hubertussee (vorher: Torffenn), Herthasee (Rundes Fenn), Koenigssee (Langes Fenn) und Dianasee (Diebsloch) ausgehoben und über artesische Brunnen mit Wasser gefüllt. Sie wurden entlang des ehemals sumpfigen Geländes angelegt. Man erreichte damit gleichzeitig zwei Dinge: Zum einen beseitigte man damit Moorgebiete (Fenns), die man als Infektionsherde fürchtete, zum anderen entstanden gleichzeitig Attraktionen für die potenziellen Bewohner, da sich die Villen um die Seen gruppierten und die Seeufer sowie die Hangbereiche frei von jeder Bebauung blieben und zu privaten Garten- und Parkanlagen wurden.Ludewig Wittmack: Die Boothschen Koniferen im Grunewald bei Berlin. In: Gartenflora, 1893, Nr. 42, Paul Parey, S. 339–340 und Ausflug nach der Kolonie Grunewald. In: Gartenflora, 1899, 48. Jg., Paul Parey, S. 417 ff. In großer Zahl wählten Unternehmer, Bankiers, Akademiker und Künstler, oft jüdischer Religion, das inzwischen attraktive Gelände zum Wohngebiet.

Die für die Baumaßnahmen notwendigen Rodungen und die daraus resultierenden Holzverkäufe fanden ihren Niederschlag in dem Berliner Gassenhauer Im Grunewald, im Grunewald ist Holzauktion, der um 1892 entstand.Karl-Heinz Metzger: Die Villenkolonie Grunewald. Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin, berlin.de; abgerufen am 1. August 2015. Grüne Liga Landesverband Berlin e. V.; abgerufen am 1. August 2015. mini|Gedenktafel am Bahnhof Grunewald für die von hier in die Todeslager deportierten Juden

Bei der Eingemeindung aus dem Kreis Teltow nach Groß-Berlin 1920 wurden 6449 Einwohner in der Landgemeinde Berlin-Grunewald und 507 Einwohner im Forstgutsbezirk Berlin-Grunewald gezählt.

Im Zuge der Berliner Gebietsreform von 1938 kam ein großer Teil des Ortsteils vom Bezirk Wilmersdorf dem Bezirk Zehlendorf hinzu. Die Siedlung Eichkamp hingegen kam vom Bezirk Charlottenburg dem Bezirk Wilmersdorf, und damit dem Ortsteil Grunewald, hinzu.

Vom Bahnhof Grunewald aus erfolgte während der Shoah ab Oktober 1941 die Deportation der Berliner Juden vorwiegend in östlich gelegene Konzentrations- und Vernichtungslager. Hieran erinnert seit 1998 das Mahnmal Gleis 17.

Durch alliierte Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg gerissene Lücken in der Bausubstanz wurden mit Ein- und Mehrfamilienhäusern der Nachkriegsarchitektur gefüllt. Während der Teilung Berlins lag Grunewald im Britischen Sektor.

In den Nachkriegsjahren wurde im Grunewald aus Schutt und Trümmern der zerstörten Innenstadtviertel auf dem Gelände der unvollendeten und verlassenen Wehrtechnischen Fakultät der Nationalsozialisten der Teufelsberg aufgeschüttet, benannt nach dem nahegelegenen Teufelssee. Der Teufelsberg ist heute die zweithöchste Erhebung Berlins. Während des Kalten Krieges errichteten die US-Streitkräfte auf dem Gipfel des Berges eine Flugüberwachungs- und Abhörstation. Nach dem Mauerfall und dem Abzug der Alliierten verfiel die markante Anlage zur Ruine. Aktuell steht das Gebäude leer. Inzwischen werden Führungen angeboten, die auch explizit auf die in den Nachwendejahren entstandene Streetart in und an den Gebäuden hinweisen.

Bewohner des Ortsteils leben sprachlich korrekt in (nicht im) Grunewald.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1880 140 1890 368 1900 3.230 1910 5.563 1919 6.649 1930 11.312 1938 12.961 Jahr Einwohner 1946 13.235 1950 9.848 1960 11.015 1970 12.580 1987 12.860 2000 11.487 Jahr Einwohner 2007 10.095 2010 11.515 2015 10.444 2020 11.176 2021 10.954 2022 11.269 2023 11.213 2024 11.154 2025 11.144

Quellen: 1871–1919 Gross-Berlin: Geographie der Weltstadt, Friedrich Leyden 1933; 1930–1987 Statistisches Jahrbuch von Berlin (jeweilige Jahre); ab 2007: Statistischer Bericht A I 5. Einwohnerregisterstatistik Berlin. Bestand – Grunddaten. 31. Dezember. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (jeweilige Jahre)

Sehenswürdigkeiten

Grunewaldturm Bahnhof Grunewald mit dem Mahnmal Gleis 17 Bismarckdenkmal am Bismarkplatz Villa Harteneck Villa Konschewski Villa Kemmann St.-Michaels-Heim (ehemals: Palais Mendelssohn) Villa Nathan Samuel / Leo Czapski Villa Noelle Löwenpalais Schildhorndenkmal Schlosshotel im Grunewald (ehemals: Palais Pannwitz) Steffi-Graf-Stadion Teufelsberg mit Abhöranlage der US-Armee Villa Walther Wohnhaus von Walther Rathenau Wissenschaftskolleg zu Berlin (ehemals: Villa Linde) mini|Grunewaldkirche in der Bismarckallee

Sakralbauten Katholische St.-Karl-Borromäus-Kirche Evangelische Grunewaldkirche

Diplomatische Vertretungen mini|Botschaft des Emirats Kuwait In Grunewald befinden sich die Botschaften der Länder Afghanistan Aserbaidschan Elfenbeinküste Katar Kuwait Laos Nordmazedonien Polen (vorübergehend) Serbien Kosovo

Verkehr mini|Bahnhof Grunewald

Der Bahnhof Grunewald wird von der S-Bahn-Linie S7 bedient. Diese Linie verbindet Ahrensfelde, die historische Mitte und die City West Berlins mit Potsdam.

Am Ostende des Ortsteils beginnt am Rathenauplatz der Kurfürstendamm, der von hier durch die gesamte City West führt und am Breitscheidplatz mit der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Charlottenburg endet. Ebenfalls vom Rathenauplatz ausgehend befindet sich eine Autobahnanschlussstelle des Berliner Stadtrings A 100.

Die AVUS, die vom Stadtring am Dreieck Funkturm zur Spanischen Allee in Nikolasee und weiter als A 115 zum Berliner Ring (A 10) führt, verläuft westlich parallel zu den Gleisen der S-Bahn. Die AVUS ist die Hauptverbindung für den Individualverkehr zwischen der Berliner Innenstadt und den Villenvororten am Großen Wannsee und Potsdam. Sie war 1921 die erste Autobahn der Welt. Sie teilt den Ortsteil Grunewald in zwei Hälften, wobei sich auf der östlichen Seite die Villenkolonie Grunewald befindet und auf der westlichen Seite der gleichnamige, beinahe unbewohnte Forst Grunwald. Anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 verliefen sowohl der Marathonkurs als auch der Kurs des Straßenradrennens über die AVUS.

Bildung Grunewald-Grundschule Hildegard-Wegscheider-Gymnasium Walther-Rathenau-Gymnasium Europäische Akademie Berlin Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin

Persönlichkeiten Der Ortsteil hatte und hat viele prominente Bewohner aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft: mini|hochkant|Gedenktafel für Max Reinhardt am Haus Fontanestraße 8 mini|hochkant|Gedenktafel für Hermann Sudermann und Rolf Lauckner am Haus Bettinastraße 3 mini|Gedenktafel für Isadora Duncan und Engelbert Humperdinck mini|Gedenktafel für Hans Ullstein am Haus Bettinastraße 4

Gustav Ahrens, 1894–1914: Schwedlerstraße 4–6 Max Alsberg, 1925–1933: Richard-Strauss-Straße 22 Fritz Ascher, 1942–1945: Lassenstraße 28, 1945–1970: Bismarckallee 26 Berthold Auerbach, wohnte ab 1859 in der später nach ihm benannten Auerbachstraße; 1938 änderte die nationalsozialistische Bezirksverwaltung diesen Straßennamen wegen der jüdischen Abkunft Auerbachs nach dem vogtländischen Ort Auerbach in „Auerbacher Straße“. Ingeborg Bachmann, Hasensprung 2 und Koenigsallee 35Ingeborg Bachmann, Hans Werner Henze, Hans Höller: Briefe einer Freundschaft: mit 8 Faksimiles. 2. Auflage. Piper, 2006, ISBN 3-492-04608-8, S. 509. Friedrich Bär, Humboldtstraße 13 Michael Ballhaus, Wangenheimstraße 20 Vicki Baum, 1926–1932: Koenigsallee 43–45 Walter Benjamin, 1913–1928: Delbrückstraße 23 Jack O. Bennett, 1974–2001: Trabener Straße 68a Jeanette Biedermann, Koenigsallee Leo Blumenreich, Wildpfad 28 Siegmund Bodenheimer, Richard-Strauss-Straße 29–33 Dietrich Bonhoeffer, Wangenheimstraße 14 Karl Bonhoeffer, 1916–1935: Wangenheimstraße 14 Artur „Atze“ Brauner, Koenigsallee 18 Arno Breker, 1940: Koenigsallee 65 Emil Bücherl, Wangenheimstraße Eva Cassirer, Wildpfad 28 Sarah Connor, seit 2010 Emma Cotta, Auguste-Viktoria-Straße 4, danach 1945–1957: Caspar-Theyß-Straße 14 Hans Delbrück, Kunz-Buntschuh-Straße 4 Isadora Duncan, Trabener Straße 16 Werner Eisbrenner, Bismarckallee 32a Gisela Fackeldey Lyonel Feininger, 1908–1913: Königstraße 32 Lion Feuchtwanger, 1930–1933: Regerstraße 8 Joschka Fischer Samuel Fischer, Erdener Straße 8 Carl Fürstenberg, Koenigsallee 53 Joachim Gottschalk, Seebergsteig 2 (seit 2003: Toni-Lessler-Straße) Gustaf Gründgens, bis 1937: Hagenstraße 31a Maximilian Harden, 1894–1923: Wernerstraße 16 Adolf von Harnack, 1911–1930: Kunz-Buntschuh-Straße 2 Gerhart Hauptmann, Trabener Straße 54 und Hubertusallee Johannes Heesters, 1936–1943 und nach 1946: Hubertusbader Straße 16 Hilde Hildebrand, bis 1976: Bismarckallee 22 Heinrich Himmler, Hagenstraße 22 Christian Kraft zu Hohenlohe-Öhringen, Humboldtstraße 22 Marianne Hoppe, Caspar-Theyss-Straße 14 Camilla Horn, 1936–1937: Knausstraße 10–12 Engelbert Humperdinck, 1901–1912: Trabener Straße 16 Harald Juhnke, Richard-Strauss-Straße 26 / Lassenstraße 1 Curd Jürgens, Douglasstraße 13–15 Helmut Käutner, Koenigsallee 18g Alfred Kerr und seine Frau Julia, 1910–1921: Gneiststraße 9, 1921–1929: Höhmannstraße 6 und 1929–1933: Douglasstraße 10 Michael Kerr, 1921: Gneiststraße 9, 1921–1929: Höhmannstraße 6 und 1929–1933: Douglasstraße 10 Judith Kerr, 1923–1929: Höhmannstraße 6 und 1929–1933: Douglasstraße 10 Harry Graf Kessler, 1925–1930: Höhmannstraße 6 Erich Kips, 1912–1915, Herthastraße 20 Hildegard Knef, Bettinastraße 12, Brahmsstraße 12 Felix Koenigs, in der nach ihm benannten Koenigsallee 1 Viktor de Kowa, Königsmarckstraße 9 Fritz Kreisler, 1924–1939: Bismarckallee 32a Klaus-Rüdiger Landowsky, Fontanestraße Helene Lange, Kunz-Buntschuh-Straße 7 Else Lasker-Schüler, 1913: Humboldtstraße 13 Rolf Lauckner, 1931–1954: Bettinastraße 3 Lilli Lehmann, 1891–1929: Herbertstraße 20 Otto Lessing, 1894–1910: Wangenheimstraße 10 und Atelier Caspar-Theyß-Straße 12 Robert Ley, 1933–1945: Herthastraße 13–15 Richard Löwenthal, 1963–1991: Höhmannstraße 8 Harry Meyen, Winkler Straße 22 Franz von Mendelssohn der Jüngere, 1899–1935: Bismarckallee 23, „Mendelssohn-Palais“ Brigitte Mira, 1970–2005: Koenigsallee 83