Das Oskar-Kellner-Institut war eine 1953 gegründete landwirtschaftliche Forschungseinrichtung, die 1970 im Forschungszentrum für Tierproduktion Dummerstorf-Rostock aufging, dem heutigen Forschungsinstitut für Nutztierbiologie.
Geschichte Das Oskar-Kellner-Institut hat seine Wurzeln in der 1. Deutschen Landwirtschaftlichen Versuchsstation, die 1852 in Leipzig-Möckern gegründet wurde. Von 1892 bis 1911 war Oskar Kellner Leiter dieser Versuchsstation. Hier erarbeitete und entwickelte Kellner das Stärkewertsystem, ein weit verbreitetes Futterbewertungssystem auf der Basis der Nettoenergie. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Tierernährungsforschung in Leipzig-Möckern eine selbständige Forschungseinheit, neben weiteren landwirtschaftlichen Einrichtungen, die aus der Versuchsstation hervorgingen oder durch Verlegung hinzukamen. In der Zwischenzeit erlangte in der Landwirtschaftlichen Versuchsstation Rostock unter der Leitung von Kurt Nehring die Forschung auf dem Gebiet der Tierernährung eine zunehmende Bedeutung.
Gründung Im Jahre 1953 erfolgte die Gründung des Oskar-Kellner-Instituts (OKI) als Forschungseinrichtung der „Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften zu Berlin“ (DAL), später „Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR“ (AdL). Kurt Nehring erhielt den Ruf zum Direktor dieses neuen Instituts. Es gliederte sich in die Instituts-Teile Leipzig mit dem Leiter L. Sperling und Rostock (Leiter Reinhard Schiemann).
Der Rostocker Instituts-Teil war zunächst provisorisch im Institut für Landwirtschaftliches Versuchs- und Untersuchungswesen untergebracht. In der sog. „Roten Villa“, einem Teil der Versuchsstation, wurden Anfang der 1950er Jahre Respirationsapparaturen für Ratten und Kaninchen, Tierversuchskapazitäten für die Bestimmung der Biologischen Wertigkeit von Eiweißfuttermitteln mit Hilfe von Albinoratten und Analysenkapazität für die papierchromatographische Bestimmung der Aminosäuren installiert. Wegen der ungenügenden Möglichkeiten für Tierexperimente, besonders mit landwirtschaftlichen Nutztieren, stellte Nehring bei der Akademie der DAL in Berlin den Antrag auf den Bau eines neuen Instituts für Tierernährung in Rostock.
Neues Institut in Rostock Die Grundsteinlegung für die neuen Gebäude des Oskar-Kellner-Instituts für Tierernährung in Rostock erfolgte 1954. Die Hauptgründe für die Standortwahl waren unzureichender Platz für eine Erweiterung am alten Standort Leipzig und die Nachbarschaft zum Institut für Tierzuchtforschung in Dummerstorf bei Rostock als Basis einer engen Zusammenarbeit der Forschungsgebiete Tierernährung mit der Tierproduktion und -züchtung.
Im „Hauptgebäude“ des neuen Instituts konnten 1956 die Arbeiten aufgenommen werden. In dem 3-geschossigen Gebäude boten verschiedene Laboratorien exzellente Bedingungen für Futtermittelanalysen sowie für Untersuchungen zur Proteinqualität mittels biologischer, chemischer und mikrobiologischer Methoden. Das „Respirationsgebäude“ wurde 1957 fertiggestellt. Das ebenfalls 3-geschossige Gebäude war in der Mitte des erhöhten Erdgeschosses mit 10 Respirationsanlagen für landwirtschaftliche Nutztiere ausgestattet. An den beiden Giebelseiten lagen Ställe; auf der einen für 16 Rinder mit Möglichkeiten für Verdauungsversuche und zur Harnsammlung und auf der anderen Seite die gleichen Einrichtungen für jeweils 10 Schweine und Schafe. Neben den Respirationskammern befanden sich in einem separaten Raum die Respirationspumpen und über den Kammern und Pumpen die Laboratorien für Sammlung und Analyse der Respirationsgase.
Das sogenannte „Isotopengebäude“ war ein kleineres Gebäude mit 2 Etagen. Das Obergeschoss war für die Anwendung von Isotopen insbesondere in der Proteinstoffwechselforschung eingerichtet. Im Erdgeschoss waren zunächst Räume für operative Eingriffe an Tieren (Legen von Fisteln, Kathetern, Anastomosen etc.) vorgesehen. Diese Arbeiten konnten aber teilweise in die Tierklinik verlegt werden, die in unmittelbarer Nähe entstand, so dass die Räume anderweitig Verwendung fanden (Labor- und Arbeitsräume, Bibliothek). Das „Wirtschaftsgebäude“ fand 1960 seinen Abschluss. Es hatte nur ein Erdgeschoss mit Möglichkeiten für Untersuchungen zur Futterkonservierung und für Fütterungs- und Verdauungsversuche. In diesem Gebäude war auch eine gut ausgestattete Werkstatt untergebracht.
Strukturelle Gliederung des OKI 1958–1970 Mit der weitgehenden Fertigstellung des 4-Gebäude-Komplexes erfolgte 1958 eine strukturelle Neugliederung des OKI. Damit einher ging die Auflösung des bisher weitgehend selbständigen Instituts-Teils Leipzig und Weiterführung als Außenstelle. Das Institut bestand nun aus den folgenden Abteilungen: Abteilung Ernährungsphysiologie: Leiter: K. Nehring bis 1963, danach H.-D. Bock, mit 7 wissenschaftlichen Mitarbeitern. Die AGen Aminosäurenanalytik, Isotope, Gärfuttermikrobiologie, Mikrobialanalytik und Biologische Wertigkeit kennzeichnen die wissenschaftlichen Arbeitsgebiete der Abteilung. Abteilung Futterbewertung: Leiter: R. Schiemann mit 3 wissenschaftlichen Mitarbeitern und den AGen Großtierrespiration, Kleintierrespiration und Chemische Untersuchungen. Außenstelle Leipzig: Wissenschaftler W. Klippel und E.-R. Franke Abteilung Futtermittelkunde: Verantwortlicher: Brigitte Knabe Abteilung Futterwerbung und Futterkonservierung: mit der Leitung beauftragt: W. Laube mit 3 wissenschaftlichen Mitarbeitern. Eine besondere Arbeitsgruppe Futterbau bestand von 1963 bis 1968 unter Leitung von F. Lüddecke, mit Sitz in Hohen Luckow.
1960er Jahre Im Jahre 1963 erhielt das Institut den 1000 ha großen Landwirtschaftsbetrieb in Hohen Luckow, Kreis Bad Doberan, zur Bearbeitung praktischer Fragestellungen u. a. zur Einrichtung einer Experimentalstation für Feldversuche zur Grobfutterproduktion und einer zweiten zur Futterkonservierung und für Fütterungsversuche mit entsprechender Produktionsbasis. So bestanden Voraussetzungen, die Grobfutterqualität beeinflussende Faktoren von Anbau, Kultivierung und Konservierung systematisch im Hinblick auf die Futterbewertung zu untersuchen.
Im selben Jahr wurde das OKI Leitinstitut für 5 Komplexthemen der Agrarforschung der DDR. Mit dem Jahreswechsel 1963/64 schied der Gründer und langjährige Direktor des Instituts, Kurt Nehring durch Emeritierung aus. Als Nachfolger im Amt des Direktors hatte Nehring Reinhard Schiemann vorgesehen. Politische Gründe ließen den Vorschlag jedoch nicht Realität werden. 1964 erhielt das OKI als Leitungsgremium einen Wissenschaftlichen Rat, mit Walter Laube als beauftragten Leiter, der schließlich zum Direktor des OKI und 1965 zum Professor der Akademie berufen wurde.
OKI und Forschungszentrum für Tierproduktion 1970 wurde aus bisher 3 selbstständigen Akademie-Instituten das Forschungszentrum für Tierproduktion Dummerstorf-Rostock gegründet. Das OKI stellte jetzt einen Bereich des Forschungszentrums dar, es behielt den Namen „Oskar Kellner“ und im Zusammenhang mit der Neuorganisation erfolgte eine weitere Veränderung der Abteilungsstruktur des Bereiches. Im Jahre 1972 erhielt Laube eine Berufung zum Direktor für Tierproduktionsforschung der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften in Berlin. Die Besetzung der Leitungsfunktion des Bereiches erfolgte kommissarisch; die eigentliche wissenschaftliche Leitung lag in den Händen der Abteilungsleiter. 1980 kam Laube nach Rostock zurück und übernahm wieder die Leitung des Bereiches. Nach seiner Emeritierung infolge längerer Krankheit mit Invalidisierung wurde 1985 U. Herrmann zum Bereichs-Direktor berufen, Ernennung zum Professor 1987.
Struktur des Bereiches Tierernährung „Oskar Kellner“ 1970–1989 Die Abteilungen, die von 1970 bis 1989 im Bereich Tierernährung „Oskar Kellner“ bestanden, waren in Arbeitsgruppen (AG) untergliedert. Abteilung Proteinstoffwechselforschung aus der Abt. Ernährungsphysiologie hervorgegangen, zählte 32 Mitarbeiter mit den Wissenschaftlern: H.-D. Bock (Abt.-Leiter), W.-B. Souffrant (Abt.-Leiter ab 1988), J. Wünsche (AG Mikrobiologie und Tierversuche), U. Hennig, Marlis Meinl, Edda Borgmann, K. Krawielitzki (AG Isotope), F. Kreienbring (AG Aminosäurenanalytik), Traute Völker (AG Präparative Chromatographie), Ruthild Schadereit (AG Biologische Wertigkeit)(bis 1975).
Ein Forschungsschwerpunkt war die Analyse der Aminosäurenzusammensetzung der Futtermittelproteine mit verschiedenen Methoden in Abhängigkeit vom technischen Progress. Die systematischen Untersuchungen von Einflüssen der Düngung der Futterpflanzen, der Konservierung und Aufbereitung auf die Proteinzusammensetzung resultierte in Aminosäurentabellen für die Fütterung und Mischfutterproduktion. Ein zweiter, tierbezogener Schwerpunkt beinhaltete die Themen: Biologische Wertigkeit verschiedener Futtermittel in Abhängigkeit von Herkunft und Aufbereitung, ermittelt an Wistar-Ratten. Praezaekale Aminosäurenresorption unter Verwendung von ileo-rektostomierten Schweinen. Aminosäuren- und Proteinretentionskapazität in Abhängigkeit vom Alter der Tiere, von Körpermasse und Geschlecht sowie von der Aminosäuren- und Energieversorgung. Turnover von Protein und Aminosäuren, mittels Isotopentracern bestimmt, als Basis für die Modellierung dieser Prozesse (Multicompartment-Modell). Untersuchungen zum Protein- und Aminosäurenbedarf verschiedener monogastrischer Tierarten.
Die Publikation der Ergebnisse erfolgte zusammengefasst in einer Monografie. Beides, die Aminosäurentabellen einschließlich der für die Proteinsynthese bis zum Dünndarmende verfügbaren Aminosäuren und die Empfehlungen zum Protein- und Aminosäurenbedarf monogastrischer Tiere fanden in der Mischfutterproduktion und Fütterung der Schweine und von Geflügel Anwendung. Ein Fortschritt in der Tierernährung lag in der Protein- und Aminosäurenbewertung auf der Grundlage der ilealen Verdaulichkeit. Die Kenntnisse über den Aminosäurengehalt der Futtermittel und den Bedarf der Tiere bildeten Zielsetzungen für die Pflanzenzüchtung zur weiteren Verbesserung der Aminosäurengehalte in Getreide und Raps. Durch die aktive Mitarbeit in verschiedenen nationalen und internationalen Gremien waren diesbezügliche Erfolge zu verzeichnen.
Abteilung Energieforschung früher Futterbewertung, zählte 40 Mitarbeiter mit den Wissenschaftlern R. Schiemann (Abt.-Leiter), L. Hoffmann (AG Kleintierrespiration), W. Jentsch (AG Großtierrespiration), M. Beyer, Hildegard Wittenburg (AG Chemische Untersuchungen), Monika Klein(AG Kalorimetrie), G. Henseler.
Die Abteilung Energieforschung verfügte in der bis 1965 bestehenden Außenstelle in Leipzig-Möckern über 3 Respirationsapparate für Schweine und 2 mit Laufband für Pferde. In Rostock waren es zunächst 3 Apparate für Kaninchen und 8 für Ratten nach dem Haldane-Prinzip. Im neuerbauten Institut kamen 4 Respirationsanlagen für Rinder (Bild 9), 4 für Schweine oder Kälber (Bild 10) und 2 für Schafe hinzu, die alle nach dem Pettenkofer-Prinzip arbeiteten. Später erfolgte in eigener Konstruktion der Aufbau von 2 Großkammern für Gruppen landwirtschaftlicher Nutztiere, Abschluss 1976, durch die Institutswerkstatt mit Vakuumpumpen für die Gasdurchsatzförderung und Flussmessern zur Gasmengenmessung. Die Kammern für Kaninchen wurden in 6 Einzelkammern für Geflügel umgerüstet und durch 2 für kleine Geflügelgruppen ergänzt. 1967 erhielten die Rinderkammern für die Messungen an laktierenden Kühen eine Kannenmelkanlage. 1980 wurden alle 12 Respirationskammern für Großtiere isoliert und die Klimatisierung zur Durchführung von Versuchen bei 3–35 °C rekonstruiert. Bedeutungsvoll war die Installation der Computersteuerung der Anlagen und die kontinuierliche Messung des Gaswechsels und Erfassung der Daten.
Die Forschungsarbeiten der Abteilung Energieforschung können grob in 4, sich allerdings überschneidende Abschnitte unterteilt werden. Im 1. Abschnitt erfolgte die Aufarbeitung des Nachlasses der Professoren Kellner und Fingerling parallel zu Entwicklungsarbeiten betreffs Respirationsanlagen und Gasanalyse.