mini|Katholische Pfarrkirche hl. Margareta in Sipbachzell mini|Pfarrkirche Sipbachzell mini|Langhaus, Blick zum Chor mini|Langhaus, Blick zur Empore Die der Hl. Margareta geweihte römisch-katholische Kirche am Sipbach wurde 1478 im spätgotischen Stil als Wehrkirche erbaut und liegt im Zentrum der Gemeinde Sipbachzell ca. 6 km vom zuständigen Stift Kremsmünster entfernt.

Geschichte Baugeschichte Es kann nicht genau datiert werden, wann die erste Kirche in Sipbachzell erbaut wurde, jedoch wird von Historikern der Erstbau zu einer Zeit vermutet, als die Kloster in der Umgebung, durch die an der Traun, im Jahre 943, geschlagenen „Hungarn“ verwüstet wurden und die flüchtenden Mönche im Umkreis Schutz suchten und dort vereinzelt Zellen und Kapellen erbauten. Einer alten Sage nach, soll einst an der Stelle der heutigen Kirche ein Heidentempel gestanden haben.

Im Jahre 1179 wird erstmals namentlich eine Kirche am Sipbach in einer Bulle von Papst Alexander III. () erwähnt. In einer gleichlautenden Bulle des Papstes Innozenz IV. aus dem Jahre 1248 wird eine Kirche unter den Filialen der Pfarre am Kirchberge angeführt, deren Erbauung auf das Jahr 1098 fällt. 1196 wird unter Abt Manegold, durch den Passauer Bischof Wolfker die Kapelle des Hl. Michaels am Kirchberge eingeweiht. Historiker vermuten, dass hierunter die Kirche am Sipbach zu verstehen sei, da hier schon immer der Hl. Erzengel Michael als zweiter Namenspatron verehrt wurde und auch sonst keine Nachweise zu finden sind, dass unter diesem Namen an dortiger Stelle eine Kapelle gestanden habe.

Eine Abschrift eines Ablassbriefes aus dem Jahr 1587 besagt, dass die heutige Kirche im Jahre 1478 unter Papst Sixtus IV. erbaut wurde. Das Gotteshaus sowie die später zugebaute Sakristei sind ganz aus Quaderstücken errichtet. Die altgotische Wehrkirche ist ein schlichter Zentralbau mit einem 32 Meter hohen Zwickelturm. Im dreischiffigen Innenraum befindet sich ein Netzrippengewölbe und sehenswerte Buntglasfenster mit Heiligen-Darstellungen. Die Beichtkammer wurde erst später, im Jahr 1857, aus den Steinen der alten Friedhofsmauer zugebaut.

Ausstattung und Geschichte der Kirche: 1620 wurde erstmals eine Turmuhr angeschafft. Im Jahre 1645 wurde der Kirchturm auf das heutige Niveau von 32 Metern erhöht. Eine Kopie eines Planes aus dem Jahr 1639 zeigt den Turm noch viel niedriger. 1649 wurde durch den Tischler Simon Hätinger aus Marchtrenk und dem Maler Theodor Schröder aus Wels ein Marien- und Floriani-Altar errichtet. 1657 wurde ein neuer Hochaltar errichtet. (Maler Georg Kirchl, Bildhauer Sebastian Brindler beide aus Kremsmünster, Tischler Simon Hätinger) 1663 Anschaffung von vier Tafeln für eine Sonnenuhr. 1688 wurden die Pfarrglocken in Linz umgegossen und anschließend wieder im Turm aufgehängt. 1691 Errichtung einer neuen Auffahrt. Im Jahre 1696 wurde ein neues Orgelwerk um 128fl aus Passau angeschafft und per Schiff nach Aschach und von dort mit Pferdefuhrwerken nach Sipbachzell gebracht. Diese Orgel wurde 1709 umgebaut und 1736 mit neuen Pfeifen ausgestattet und 1788 für unbrauchbar erklärt. 1731 Eindeckung des Kirchenportals und der „Kramerläden“ an der Kirchenwand. 1733 Kauf einer Floriani-Statue um 20fl. 1734 wird eine 113 Pfund schwere Kirchenglocke wegen eines „Schrickhs“ in Linz umgegossen. 1736 Anschaffung einer neuen Kanzel. 1812 wurde der Kirchturm mit einer erneuerten Turmuhr ausgestattet. Im Jahre 1820 wurde der 1658 errichtete Hochaltar durch einen neuen übertrieben einfachen Hochaltar ersetzt, den der Pater Nonnos Altwirth von einem Tischler in Vorchdorf fertigen ließ. 1829 sind drei Glocken durch Prälat Florian Oberchristl dokumentiert. Die Glocken wurden von Meister Johann Hollederer in Linz gegossen und durch Abt Josef Altwirth beim Kirchenportal in Kremsmünster feierlich geweiht. Im Ersten Weltkrieg musste die große Glocke für Kriegszwecke an die K&K Heeresverwaltung abgegeben werden. Die beiden anderen Glocken blieben vom Krieg verschont und wurden 1923 an andere Kirchen verkauft. 1831 Kauf einer neuen Kirchenuhr um 152fl. 1848 Anschaffung einer neuen Orgel mit 9 Registern um 500fl vom Orgelbauer Peter Heining aus Wels. 1856 wurden die beiden Seitenaltäre renoviert und im Juli 1859 wurde ein neuer Altar und eine neue Kanzel vom Kunstbildhauer Johann Fidelis Schönlaub aus München errichtet. Der neue Altar wurde am 22. Juli vom Prälaten Mitterndorfer eingeweiht. 1890 Das heute im Altarraum hängende Missionskreuz wird angeschafft. Am 19. Mai 1898 wurde eine neue Orgel vom Orgelbauer Johann Lachmayr durch Pater Karlmann Seybold eingeweiht. 1903–1904 wurde die Kirche teilweise restauriert. Die alten Fenster wurden gegen neue Buntglasfenster mit biblischen Szenen ersetzt. Die damaligen Spender wurden im unteren Teil der Fenster verewigt. 1906 kam die Marienstatue (Maria mit dem Jesuskind) vom Schnitzer Ludwig Linzinger aus Linz in die Pfarrkirche. Am 18. Jänner 1917 wurden bedingt durch den Ersten Weltkrieg alle Kirchenglocken bis auf die beiden Kleinsten entfernt und eingeschmolzen. Die beiden kleineren Glocken wurden 1923 an andere Kirchen verkauft. 1923, nach Ende des Ersten Weltkrieges wurden vier neue Glocken bei Oberascher in Salzburg bestellt, die Abt Leander Czerny am 10. Juni feierlich einweihte. Das Bronze-Geläute musste 1942, inmitten des Zweiten Weltkriegs, wieder abgeliefert werden und bestand aus folgenden Glocken: 1. Glocke (Herz-Jesu-Glocke, Ton a1) wog 650 kg, hatte einen Durchmesser von 100 cm. 2. Glocke (Zwölfer oder Florian-Glocke, Ton c2) wog 360 kg, hatte einen Durchmesser von 80 cm. 3. Glocke (Sterbe- oder Herz Maria-Glocke, Ton e2) wog 250 kg, hatte einen Durchmesser von 68 cm. 4. Glocke (Speis- oder Josef-Glocke, Ton as2) wog 62 kg, hatte einen Durchmesser von 48 cm. An der Süd-Ostseite der Kirche, rechts neben dem Eingang befand sich früher ein sehr beeindruckendes Freskengemälde des Hl. Christopherus. 1935 wurde dieses, durch den Wiener Professor Franz Windhager wieder neu restauriert. Einem alten Zeitungsartikel zufolge galt das 3–4 Meter hohe Bild als Sehenswürdigkeit von Sipbachzell. Leider hielten die Farben der Witterung nicht stand und so wurde dieses einzigartige Gemälde in den 50er Jahren restlos entfernt. 1942, inmitten des Zweiten Weltkrieges, wurden auf Anordnung der deutschen Reichsregierung die erst 19 Jahre alten Glocken abmontiert und für Kriegszwecke weiterverwendet. 1949 im Juli wurde das derzeitige Glockenquartett bei der Glockengießerei Oberascher in Salzburg-Kasern in einer kostengünstigen „Oberascher Speziallegierung“, einer sogenannten Neulegierung bestellt. Dabei erfolgte die Bestellung entgegen den dringenden Empfehlungen des Bischöflichen Ordinariates, das aus Qualitätsgründen ausdrücklich auf altbewährte Bronzeglocken verwies. Die Glocken, die aus einer zinnarmen Legierung bestehen, zählen leider zu den schlechtesten Nachkriegsglocken der gesamten Diözese. Ihnen fehlt leider völlig eine feierliche und wohlklingende Stimme, die Glocken normalerweise besitzen. 1950, am Palmsonntag dem 2. April, wurden die folgenden Glocken feierlich durch Abt Ignaz Schachermair eingeweiht: 1. Glocke (Herz-Jesu bzw. Hl. Margarita-Glocke) Ton g1, 618 kg, Durchmesser von 104 cm. 2. Glocke (Florian-Glocke, Ton b1) 368 kg, Durchmesser von 88 cm. 3. Glocke (Herz Maria-Glocke, Ton c2) 262 kg, Durchmesser von 78 cm. 4. Glocke (Josef-Glocke, Ton d2) 188 kg, Durchmesser von 69 cm. Im selben Jahr wurde auch der Kirchturm umfassend saniert und auch noch die Orgel auf elektrischen Betrieb umgerüstet. 1965–1966 wurde die Pfarrkirche vollständig restauriert und bekam ihr heutiges schlichtes Aussehen. Verbunden mit der Restauration wurden der Hochaltar, die beiden Seitenaltäre und die Kanzel entfernt. Das bis vor wenigen Jahren in der Kirche hängende Gemälde der Hl. Margareta wird aus Bad Goisern angeschafft. Der Bronzetabernakel stammt von Peter Dimmel aus Linz. 1972 bekam das Gotteshaus eine neue Orgel mit 12 Registern. Die neue Orgel stammt aus der Linzer Orgelbauwerkstätte Bruno Riedl. 2013 Restaurierung der Butzenglasfenster und der figuralen Verglasung. 2014 Fundamentabdichtung durch eine Spezialtonmischung und Drainagierung des Außenmauerwerkes sowie Erneuerung der Blitzschutzanlage, Dachrinnen und der Fallrohre. Verstärkungs- und Ausbesserungsarbeiten am Hauptdach sowie vollständige Erneuerung des Daches der Sakristei und des Beichtstuhlanbaues. 2015 Bau einer Sitzstufenanlage aus Konglomeratsteinen hinter der Kirche sowie Errichtung eines geschotterten Weges rund um die Kirche. 2020 Erneuerung des Glockenstuhls durch Fa. Schauer & Sachs. Der neue Glockenstuhl wurde dabei eine Etage tiefer, an seinem ursprünglichen dafür vorgesehenen Platz angebracht. Zusätzlich wurden dabei die Glocken umgehängt und die Läutanlage erneuert. 2021 Abtragung des alten, durch den Holzwurm stark geschädigten Turmhelm. Am 8. Februar wurde das neue, 15 Tonnen schwere Turmdach, mithilfe eines 120-Tonnen-Krans auf das ebenfalls sanierte Turmauflager gehoben. Der neue Dachstuhl wurde aus ca. 30 Festmetern, wintergeschlagenem Fichtenholz und die Mauerbänke aus Eichenholz gefertigt. Das gesamte Holz und die Kupferbahnen für den neuen Turmhelm wurden vom Stift Kremsmünster gespendet. Die feierliche Turmkreuz-Steckung erfolgte am 25. Juli, im Rahmen des Pfarrfestes.

Pfarrgeschichte 1420 tauchen erstmals historische Beweise für eine eigene Pfarre in Sipbachzell auf. In einem Streit-Dokument zwischen Abt Jacob zu Kremsmünster und dem Pleban Heinrich zu Weißkirchen wird hier erstmals ein Andreas, Pleban in Sipbachzell, als Zeuge mit angeführt. Der Pfarrbezirk wurde vermutlich zum größten Teil von der Mutterkirche am Kirchberge und zu Teilen aus den Pfarren Thalheim und Weißkirchen entnommen. Der damalige Pfarrbezirk erstreckte sich der Länge nach auf 2 Gehstunden und der Breite nach auf 1 ¼ Gehstunden. Er umfasste 8 Ortschaften mit 220 Häusern und 1400 Einwohnern. Die Grenzen gingen im Osten bis zur Pfarre Kematen, im Süd-Osten und Süden bis zur Pfarre Kirchberg bei Kremsmünster, im Westen bis zur Pfarre Steinhaus und im Norden bis zur Pfarre Weißkirchen und Eggendorf.

Filialen Einst gehörte die Kapelle, des fast zur Gänze abgerissenen Schlosses Leombach, als Filiale zur Kirche in Sipbachzell. Mit dieser Kapelle war ein Beneficium verbunden, welches der einstige Besitzer und Herr des Schlosses Leombach (Hans Meuerl), mit Einwilligung des damaligen Lehensherrn und Patrons der Kirche zu Sipbachzell, im Jahre 1393 dem Abt Martin II. zu Kremsmünster gestiftet hatte. Dieses Beneficium war unter Abt Alexander II. käuflich an das Stift Kremsmünster gelangt. Noch heute findet man bei der Ortskirche Grabsteine der Nachkommen des Hans Meuerl. Ein Grabstein des edlen Herrn Ulrich Meuerl (gestorben 1488) und seiner Gemahlin befindet sich an der Außenfassade, sowie ein Grabstein eines Bernhard Meuerl (gestorben 1514) und seine Gemahlin Elisabeth Pirchingerin ist im Inneren in die Kirchenwand eingelassen.

Pfarrer von Sipbachzell um 1234 Berthold de cella 1280–1295 Ulrich de cella 1295–1345 Bertholdus II., plebanus um 1393 Georg, plebanus 1416–1434 Andreas, plepanus 1480–1488 Georg Everdinger 1495–1506 Hans Hertinger (event. Herbinger) 1509–1515 Leonhard Schoppenhauer 1519 Paul Prunhofer 1542 Ulrich (weiterer Name nicht bekannt) 1592–1596 Wolfgang Stocker (war Prior und versorgte die Pfarre) 1596–1601 Pater Jacob Lutz, Pfarrvikar 1605 Johann Busch, Provisor 1606 Kaspar Manuch, Provisor 1607–1608 Gallus Lanz 1615 Philipp Tratschenpaur 1628 Leonhard Sauspacher 1631–1637 Theoderich Reich, Pfarrer 1637–1639 Jakob Holtzursprünglich aus Köln, später in der Pfarre Buchkirchen tätig. Walter Aspernig: Eine Abrechnung des Buchkirchner Pfarrers Jakob Holtz über die Erneuerung des Vorgängerbaus der Kirche zu Mistelbach. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Jahrgang 151, Linz 2006, S. 129–140 (). 1639–1640 Agapitus Kolperger