mini|hochkant|Stammwappen derer von Polheim Pollheim (auch Pohlheim, Polheim, Polheimb, Polhaimb bzw. Pollheimer etc.) ist der Name eines der ältesten oberösterreichischen Adelsgeschlechter, mit Stammsitz in Pollham bei Grieskirchen. Die Familie von Polheim zählte zu den Apostelgeschlechtern und besaß zahlreiche Güter in Ober-, Niederösterreich und der Steiermark. Sie verzweigte sich in mehrere Linien, wobei im 16. Jahrhundert noch die Linien von Parz, von Wartenburg und von Leibnitz blühten. Die Adelsfamilie erlangte den Freiherren- und 1712 den Grafenstand und starb 1909 im Mannesstamm aus.

Geschichte Nach den nicht immer zuverlässigen Angaben Constant von Wurzbachs soll sich der Ursprung des Geschlechtes bis an den Anfang des 10. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen.Constant von Wurzbach: Polheim in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, 23. Band, Wien 1872. Pilgram von Polheim wird um 1073 urkundlich erwähnt. Die ununterbrochene Stammreihe beginnt mit Weichard von Polheim, der 1143 urkundlich auftritt.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band X, Band 119 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1999, S. 467.

Die Stammburg der Polheimer befand sich in Pollham bei Grieskirchen zuerst am Keltenhügel Rabenberg in Hainbuch. Nachdem die alte Burg zu klein wurde, errichteten die Polheimer ihr neues großzügiges Schloss im „Herrenholz“ in der Ortschaft Aigen. Das neue Schloss Polheim brannte im Mittelalter bis auf die Fundamentreste ab. Vom neuen Stammhaus im Herrenholz existieren immer noch die dazugehörigen Güter Dopplergut (Erdgeschoss im nahezu originalen Zustand) und das Schwarzlehnergut. Nach einer wundersamen Heilung von einer tödlichen Krankheit schenkte Reichsgraf Martin II. von Polheim das Dopplergut dem Stift Wilhering bei Linz, von dem im Kreuzgang an einem Fresko zu lesen ist.Rainer F. Schraml: Ein inschriftliches Zeugnis für die Polheimer aus dem 13. und frühen 14. Jahrhundert im Wilheringer Kreuzgang. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Jahrgang 157, Linz 2012, S. 154 (; demnach stiftete aber bereits Alberos III. Sohn Philipp um 1300 das Gaishofergut zu Pollham als Seelgerät).

In der Stadt Wels erwarb die Familie um 1200 einen bedeutenden Besitzkomplex. Dort errichtete Albero von Polheim das 1237 erstmals erwähnte Schloss Polheim (Wels). Der Besitz in und um Wels gehörte längere Zeit den drei Polheimer Linien gemeinsam und zuletzt der Welser Linie, bis er 1630 infolge Überschuldung verkauft wurde.

Im Jahr 1319 wurde mit Ortolf von Pollheim erstmals ein Polheimer als Inhaber der nahe dem Stammsitz gelegenen Herrschaft Wartenburg genannt, die danach über 300 Jahre im Besitz der Linie von Pollheim und Wartenburg verblieb. Einer der bedeutendsten Besitzer war Wolfgang von Polheim (1458–1512), der im nahegelegenen Oberthalheim das erste Kloster der Paulaner im deutschsprachigen Raum stiftete. Sein Sohn Cyriak von Polheim (1495–1533) und dessen Nachkommen schlossen sich der Reformation an. Im Zuge der Gegenreformation wurde die Herrschaft um 1640 von dem protestantischen Ludwig von Pollheim an den katholischen Tobias Nütz von Goisernburg veräußert.Georg Grüll: Herrschaftsarchiv Wartenburg. Oberösterreichisches Landesarchiv, Linz 1955, S. 2 (PDF, 335 kB; abgerufen am 13. Dezember 2021).

1369 kam der Ansitz der Herren von Leibnitz, das sogenannte Leibnitz-Schloss oder Polheim-Schloss, ein Burgmannensitz nahe dem erzbischöflich-salzburgischen Schloss Seggau in der Steiermark, bis 1575 an die Polheimer.

Nachdem die Polheimer bereits 1398 die Burg Tegernbach mit der Herrschaft Tegernbach sowie den Markt Grieskirchen erworben hatten,Gemeinde Grieskirchen: Schloss Parz. Abgerufen am 17. Oktober 2010. kaufte 1514 Sigmund Ludwig von Pollheim von Han(n)s Pürchinger die Herrschaft Parz und inkorporierte sie der etwa zwei Kilometer nordöstlich gelegenen Herrschaft Tegernbach. Das zerstörte Pollhamer Stammhaus liegt etwa 4 km nördlich.

mini|Schloss Parz Anschließend ließ Sigmund Ludwig von Pollheim mit Genehmigung von Kaiser Maximilian I. die alte Burg in Tegernbach abtragen und errichtete, teilweise mit deren Abbruchmaterial, neben dem kleinen Wasserschloss Parz ein dreigeschossiges Renaissanceschloss mit weitläufigen Wirtschaftsgebäuden, das man anfangs daher auch als Neu-Tegernbach bezeichnete und das später Schloss Parz genannt wurde.Historisch-topographische Matrikel oder geschichtliches Ortsverzeichnis des Landes ob der Enns. Wien 1863, S. 40 (). Sigmund Ludwig von Pollheims gleichnamiger Sohn (1531–1598) baute das Schloss zu seiner heutigen Form aus und machte es zu einem geistigen Zentrum des Protestantismus in Oberösterreich. Es besitzt die größten Renaissance-Fresken nördlich der Alpen mit einzigartigen Darstellungen der Reformation. Nach dem Tod des kaiserlichen Kämmerers und Reichshofrates Gundacker von Polheim (1575–1644) wurde die Herrschaft Parz veräußert.

Neben den Hauptsitzen Wels, Wartenburg und Parz gehörten den Polheimern im Lauf der Jahrhunderte eine Reihe von weiteren Herrschaften und Schlössern (siehe unten: Besitztümer).

1712 wurden die Gebrüder Franz Ludwig und Ehrenreich Andreas von Polhaimb und Warttenburg vom Freiherrenstand in den reichs- und erbländisch-österreichischen Grafenstand erhoben.Ernst Heinrich Kneschke: Polheim, Grafen. In: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Band 7, Ausgabe 7, 1867, S. 207–208 (). Die Familie war mit den bedeutendsten Geschlechtern der Habsburgermonarchie und darüber hinaus verwandt, darunter den von Starhemberg, Salm, Puchheim, Abensberg und Traun, Liechtenstein, Schaunberg, Stubenberg, Walsee, Öttingen, Borsselen und von Bourbon-Montpensier.

Graf Andreas Ehrenreich von Pollheim († 1735) wurde hochstiftisch augsburgischer Premierminister und später Präsident des Geheimen Ratskollegiums von Pfalz-Neuburg.Webseite zur Familie von Winkelhausen Seine Witwe Therese Wilhelmine von Pollheim-Winkelhausen († 1757) wurde 1743 zur Fürstäbtissin des Kanonissenstifts Lindau gewählt und war eine spendenfreudige kirchliche Mäzenin.

Das Geschlecht der Polheimer starb 1909 im Mannesstamm aus.

Wappen Blasonierung: Das Stammwappen zeigt einen siebenmal von Silber und Rot schräglinks geteilten Schild; auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein geschlossener (oder auch offener), wie der Schild bezeichneter Flug.Burgenseite - HeraldikGenealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band X, Band 119 der Gesamtreihe, Limburg (Lahn) 1999.

Bekannte Familienmitglieder mini|hochkant|Wolfgang Freiherr von Polheim (1458–1512) Albero II. von PolheimAlbero II. ist laut Zedler 1741, Spalte 1165, der Sohn von Weickhard II.; in neuerer Literatur ist damit aber der 1253 gestorbene Albero gemeint, vgl. Marckhgott 1982/83, S. 32, 34 und 37 oder (* ?; † 1253): Landrichter von Österreich ob der Enns Wichard von Pohlheim (* 1237; † 1282): Passauer Bischof (1280–1282); vom 16. bis 20. Jahrhundert irrtümlich den Polheimern zugerechnetWalter Aspernig: Bischof Wichard von Passau (1280-1282), ein Polheimer und Mitbegründer des Welser Minoritenklosters? In: Festschrift 50 Jahre Musealverein Wels 1953-2003 (= 33. Jahrbuch des Musealvereines Wels 2001/2002/2003). Wels 2004, S. 63 (Zusammenfassung; gesamter Artikel S. 47–63, ). Weichart von Polheim (* 1263; † 1315): Domherr (spätestens ab 1292), Dekan (1307) und Erzbischof (ab 1312) von SalzburgDHI: Die Besetzungen der deutschen Reichsbistümer (PDF; 289 kB). Kasper von Polheim (* ?; † 1387 in Wien): letzter männlicher Erbe der alberonischen Linie;Martin von Polheim. Abt des Stiftes Kremsmünster 1376–1399. In: benediktinerlexikon.de, abgerufen am 17. November 2019. Bruder von Martin von Polheim Martin von Polheim (* ?; † 1399): Abt des Stiftes Kremsmünster Martin II. von Polheim (* um 1450 Lichtenegg im Hausruckviertel; † 2. Juni 1498 in Steyr); Rat von Kaiser Maximilians I.

Bernhard von Pollheim (* 1456; † 1504): Administrator der Diözese Wien (1500–1504)Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz - Regesta Imperii. Wolfgang von Polheim (* 1458; † 1512): Freiherr; von 1501 bis zum Tode Oberhauptmann und Regent in den niederösterreichischen Landen; Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies; Gründer des ersten Paulanerklosters in deutschen Landen in Oberthalheim bei Timelkam, wo er auch begraben istDiözese Linz: Reinprecht von Pollheim (* ?; † 1466): Verweser der Hauptmannschaft ob der Enns (1439–1449); im begraben Cyriak von Polheim (* 1495; † 1533): Sohn des Wolfgang von Polheim; unterstützte die Lehre Luthers; begraben in der St.-Anna-Kirche in Oberthalheim Kasimir von Polheim (* ?; † 1565): begraben in der St.-Anna-Kirche in Oberthalheim Hans Cyriak von Polheim und Wartenburg (* 1558; † 1582): Freiherr; Scholar Rektor der Universität Rostock (Wintersemester 1576-1577) Gundacker von Polheim (* 1575; † 1644): Stadtgründer von Grieskirchen (1613); kaiserlicher Kämmerer und Reichshofrat Seyfried von Polheim (* ?; † 1676): begraben in der St.-Anna-Kirche in Oberthalheim Therese Wilhelmine von Pollheim-Winkelhausen (* ?; † 1757): kurpfälzische Obersthofmeisterin; Fürstäbtissin des Kanonissenstifts Lindau (1743–1757)

Besitztümer

Oberösterreich Hauptsitze Schloss Polheim in Wels: im Besitz von etwa 1200 bis 1630 Herrschaft Wartenburg: im Besitz von 1319 bis 1640 Schloss Parz bei Grieskirchen: im Besitz von 1514 bis Mitte des 17. Jahrhunderts

Weitere Besitze Seisenburg bei Pettenbach: im Besitz von 1120 bis 1329 Schloss Steinhaus in Steinhaus: im Besitz von vor 1257 bis 1629 Schloss Weißenberg: im Besitz zwischen 2. Hälfte 13. Jahrhundert bis 1362 Burg Rechberg: im Besitz im 14. und 15. Jahrhundert Schloss Irnharting: im Besitz zwischen 1479 und 1551 Schloss Puchheim in Attnang-Puchheim: im Besitz von 1551 bis 1627

Niederösterreich Der Feste Hof unterhalb von Schloss Hof in Engelhartstetten: im Besitz von 1507 bis um 1600

Steiermark Schloss Burgau in Burgau (Steiermark) Schloss Neudau in Neudau Schloss Polheim, Teil von Schloss Seggau bei Leibnitz: im Besitz von 1369 bis 1575

Der Stammbaum der Polheimer (Quellen:) Linie der Herren von Polheim, begründet von Pilgram

Die älteste Linie der Polheimer wurde von Pilgram von Polheim begründet. Er lebte um 1073.

1: Pilgram von Polheim; lebte um 1073

2: Dietrich von Polheim; 1108 im Diensten von Markgraf Ottokar von Steyr 2: Weickhard I. von Polheim († vor 1099); Herr zu Polheim und Wartenburg 3: Albero von Polheim; lebte um 1120; ledig gestorben 3: Friedrich von Polheim 3: Mainhard von Polheim; 1121 schenkte dem Kloster St. Nicolai vor Passau Güter 3: Heinrich von Polheim; Herr zu Seisenburg; lebte um 1126 (⚭) Adelheid 4: Arnold von Polheim; Herr von Wartenburg; Vogt des Klosters Traunkirchen 4: Gumbald von Polheim; lebte um 1150 4: Ulrich I. von Polheim; lebte um 1150 4: Weickhard II. von Polheim († nach 1168); Herr zu Polheim und Wartenburg (⚭) Geuta von Rechberg 5: Weickhard III. von Polheim; lebte um 1189 5: Arnold von Polheim; lebte um 1189 5: Gundacker von Polheim; lebte um 1174 5: Albero I. (II.) von Polheim; Herr von Polheim (⚭) Agatha von Capellen 6: Dietrich von Polheim († nach 1218 Kreuzzug von Damiette) 6: Hartneid von Polheim 6: Elisabeth von Polheim (⚭ 1213) Otto von Brechtoldsdorf 6: Adelheid von Polheim; 1225 Äbtissin im Kloster Traunkirchen 6: Ulrich II. von Polheim († 1229); Herr von Polheim zu Seisenburg (⚭ 1180) Euphemia von Messenbach 7: Leopold von Polheim; 1235 bei einem Turnier in Würzburg 7: Mechtild von Polheim (⚭) Werner von Thurn; Ritter 7: Albero II. (III.) von Polheim († 1253); Herr von Polheim und Seisenburg; 1230–1240 Hauptmann ob der Enns (⚭) Chunegunde von Rohr 8: Heinrich II. von Polheim († 1303); Herr zu Polheim und Rechberg; 1295 Hauptmann zu Enns (⚭) Geutha von Weissenberg → Linie von Heinrich II. 1454 ausgestorben 8: Hedwig von Polheim (⚭ 1268) Conrad von Haßlau 8: Corona von Polheim (⚭ 1274) Ludwig von Zelcking 8: Agathe von Polheim (⚭ 1288) Otto Heußler von Wildenstein