Mah Nà Mah Nà (auch als Mahna Mahna, Mah na Mah na oder Mah-Nà Mah-Nà nebst diversen anderen Schreibweisen geführtDie Schreibweisen und Akzentuierungen des Titels stellen seit 1968 sowohl bei den Plattenlabels als auch in den Datenbanken eine Sammlung aller denkbaren Möglichkeiten, die Lautfolge des Kernmotivs in Buchstaben wiederzugeben, dar; eine autorisierte Schreibweise ist nicht belegt.) ist der Titel eines Liedes von Piero Umiliani. Das Stück war ursprünglich Teil einer Filmmusik, die den italienischen Film Svezia, inferno e paradiso (Schweden – Hölle oder Paradies?) aus dem Jahr 1968 unterlegte, und hatte zunächst den Titel Viva la Sauna Svedese. 1969 gelangte es unter dem Titel Mah Nà Mah Nà in den USA über seinen Erfolg im Radio in die Hitparade.
Das Stück, angelegt im Prinzip des Call and Response einer männlichen und einer weiblichen Gesangsstimme, weist musikalisch Formen der Improvisation im Jazz auf und ist dem Genre des Easy Listening zuzuschreiben. Der Text besteht in einer Lautfolge ohne Sinn (Scat). Seiner eingängigen Melodie wegen wird das Lied auch als Ohrwurm bezeichnet. Es wurde durch seine Interpretationen aus dem Jahr 1969 im amerikanischen Fernsehkinderprogramm Sesame Street sowie in der in Großbritannien produzierten Muppet Show 1976 international bekannt. Mah Nà Mah Nà erfuhr zahlreiche musikalische Neufassungen und wurde in den verschiedenen Bereichen der Unterhaltungsindustrie und in der Werbung weltweit kommerziell verarbeitet.
Entstehung miniatur|hochkant=1.9|Eingangstakte mit dem Kernmotiv Mah Nà Mah Nà und den ersten beiden von drei Beantwortungen () Das Gesangsstück war zum ersten Mal in dem Film Svezia – Inferno e Paradiso, einer italienischen Produktion unter der Regie von Luigi Scattini, als Teil des Soundtracks zu hören, komponiert von Piero Umiliani. Der Film, eine Pseudodokumentation über das Sexualleben der schwedischen Bevölkerung, habe – so das Lexikon des Internationalen Films – eben jene „Klischeevorstellungen“ transportiert, die er „ausräumen zu wollen“ vorgab.Lexikon des Internationalen Films, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1991; Band 7, S. 3360 Das instrumentierte Lied untermalte eine kurze Sequenz, in der eine Gruppe junger, überwiegend blonder Frauen, in Wintermäntel gehüllt und mit Handtaschen, Köfferchen oder Handtüchern unterm Arm, durch eine verschneite Landschaft in ein Saunahäuschen strebt. Nach einem Schnitt in der nächsten Einstellung sieht man sie im Innern des Häuschens auf den Bänken sitzen, dicht gedrängt und nunmehr lediglich in Badetücher eingehüllt.Svezia – Inferno e Paradiso (1968, Ausschnitt) (abgerufen am 3. September 2011).
Viva la Sauna Svedese Nachdem der Soundtrack von Piero Umiliani im Juni 1968 eingespielt war, fehlten für einige wenige Szenen, darunter auch die in der Sauna, noch etwa fünf Minuten Musikuntermalung. Umiliani und Alessandro Alessandroni improvisierten mit Maurizio Majorana (Bass), Carlo Pes (Gitarre), Roberto Podio (Schlagzeug) und Antonello Vannucchi (Hammondorgel) – vier Orchestermusikern, die später in den 1970er Jahren unter dem Namen I Marc 4 auch als Quartett auftraten – spontan eine kurze Phrase. Das Ergebnis von 106 Sekunden nannten sie Viva la Sauna Svedese (Es lebe die schwedische Sauna) und spielten es mit den Stimmen von Alessandroni und dessen späterer Ehefrau Giulia de Mutiis ein.; siehe auch: bei: Cinema Suicide (abgerufen am 5. September 2011) Am 4. September 1968 hatte der Film in den italienischen Kinos Premiere. In der offiziellen Veröffentlichung des Soundtracks in Italien bei Umilianis Firma Omicron erschien die Sauna-Phrase nicht; sie war lediglich auf einer von ihm produzierten LP mit dem Titel Psichedelica (1968) enthalten, von der 200 Exemplare gepresst wurden und die nicht zum Verkauf, sondern zum Verleih an Lizenznehmer bestimmt war.Mah–Nà Mah-Nà. (… „VIVA LA SAUNA SVEDESE“) bei Piero Umiliani. The Official Site (abgerufen am 20. September 2011)
Im Oktober 1968, im Zuge der Herstellung des Films für den amerikanischen Markt, wurden die Produzenten Edward B. Marks Music Co. (heute Teil der Carlin Music America Inc.) in New York auf diese 106 Sekunden des vollständig mitgelieferten Soundtracks aufmerksam und verwendeten das Stück gleich mehrfach zur musikalischen Untermalung des Streifens, der im August 1969 unter dem Titel Sweden: Heaven and Hell in New York erschienIMDb: Starttermine für Schweden – Hölle oder Paradies? (1968). Sie beschlossen, den Song als Jingle zu verwenden und ihn, auf gut zwei Minuten (2:08) verlängert, als Single auszukoppeln. Da der Titel Viva la Sauna Svedese den amerikanischen Produzenten für den eigenen Markt als zu schwierig auszusprechen erschien, nannten sie die Einspielung nach den gesungenen Eingangslauten Mah-Na–Mah-Na.Mah-Na – Mah-Nà. (… „VIVA LA SAUNA SVEDESE“) bei Piero Umiliani. The Official Site (abgerufen am 4. September 2011); Vgl. dazu auch: The Rebirth of „A Maestro“. Interview (engl./ital.) von Al Casey mit Piero Umiliani in der italienischen Zeitschrift Il Giaguaro Magazine 1:3 (2000); bei dubasylum.co.nz (abgerufen am 4. September 2011)
Erste Resonanzen miniatur|Single Mah Nà Mah Nà, 1968/69 (A-Seite) Auf der in den USA und in Kanada 1968 unter dem Label Ariel Records erschienenen LP Sweden Heaven And Hell stand der Titel auf der A-Seite jeweils an erster Stelle.Soundtrack 1968 US, 1968 Kanada bei Discogs (abgerufen am 5. September 2011) Die Single Máh-Ná–Mah-Ná (mit dem Titel You tried to Warn Me, ebenfalls aus dem Film Sweden: Heaven and Hell, auf der B-Seite)Piero Umiliani: Mah-Na-Mah-Na / You Tried To Warn Me bei Discogs (Abgerufen am 8. September 2011) wurde ein Radiohit in den USA und kam in die amerikanischen Charts. Am 6. September 1969 stand Mah Nà Mah Nà auf dem 5. Platz der Billboard Hot 100 und als Nummer 44 in der Rangliste der Musikzeitschrift Cashbox.Mah-Nà Mah-Nà. (… „VIVA LA SAUNA SVEDESE“) bei Piero Umiliani. The Official Site (abgerufen am 4. September 2011)
Als Giorgio brachte der Südtiroler Komponist Hansjörg „Giorgio“ Moroder bereits 1968 eine eigene Fassung des Songs von Umiliani heraus.Giorgio Moroder: Mah-Ná-Mah-Ná bei Discogs (abgerufen am 4. September 2011)Giorgio Moroder: Mah Nà Mah Nà (1968) (abgerufen am 26. Juni 2015) 1969 folgte der französische Chansonnier und Gitarrist Henri Salvador mit einer Version, die der Musik einen eigenen Liedtext unterlegte, betitelt Mais non Mais non.Henri Salvador: Mais Non, Mais Non (1969) bei Discogs (abgerufen am 26. Juni 2015)Henri Salvador: Mais Non, Mais Non (1969) (abgerufen am 26. August 2021)
Musik und Text Genre und musikalischer Stil Das Stück Mah Nà Mah Nà, musikalisch dem Jazz zugehörig, ist ein Novelty Song und dem Easy Listening zuzuordnen. Die Begleitstimmen sind durchgehend besetzt mit populären, originell eingesetzten Rhythmusgruppen-Instrumenten der Zeit, wie zum Beispiel der Hammondorgel und dem Xylophon. Durch das schnelle Tempo (ca. 200 BPM) und den humoristischen Charakter unterscheidet sich Mah Nà Mah Nà von verwandten Genres wie Muzak und Lounge-Musik.
Harmonik und Form miniatur|Vereinfachte Darstellung des Akkordschemas () miniatur|Chromatisches Motiv (Call): Mahna Mahna () miniatur|Erste Beantwortung (Response 1) des chromatischen Themas miniatur|Zweite Beantwortung (Response 2) des chromatischen Themas miniatur|Dritte Beantwortung (Response 3) des chromatischen Themas () Die harmonische Anlage besteht in einfachen, halbtaktigen II-V-I-VI Turnarounds, Akkordwiederholungen aus der Harmonik der Jazzimprovisation. Die plagale Kadenz I-IV-I am Ende bietet die Erweiterung des regulären Achttakters zur 9- oder 10-taktigen Phrase an. Die spätere Version der Muppets weist in den Soloepisoden der singenden Mahna-Puppe meist Zehntakter auf. Damit werden kompositorische und improvisatorische Versatzstücke, die dem Hörer vertraut sind, mit einer überraschenden Regelwidrigkeit kombiniert, die hier in den scheinbar verlängerten Phrasen, einem alten Ohrwurmtrick, besteht.Zu musikalischen Strukturen des Ohrwurms siehe zum Beispiel Günther Stockinger: Anatomie des Ohrwurms. Gespräch mit dem Musikforscher Hermann Rauhe über das Erfolgsgeheimnis von Hits und Evergreens. In: Spiegel Special 12/1995
Melodik und Songzitate Die Melodie ist nach dem Call-and-Response-Prinzip auf zwei Stimmgruppen verteilt. Das erste melodische Fragment, der „Call“ Mah Nà Mah Nà, fällt dabei der solistischen Männerstimme zu. Die aus vier Tönen bestehende, abwärts gerichtete chromatische Folge wird weniger als melodischer Verlauf, sondern eher als Sprechgesang wahrgenommen. Das zunächst nicht folgerichtig einzuordnende Lick – eine in anderem Kontext durchaus geläufige Floskel – bewirkt einen skurrilen, dem Nonsenstext angepassten musikalischen Effekt, indem es als Zielton den Tritonus der Tonart – im Notenbeispiel das Fis, die verschiedenen Versionen sind jedoch teilweise auch in anderen Tonarten als C-Dur gesetzt – erreicht. Erst die folgenden, identischen Wiederholungen der Phrase machen diesen befremdlichen Melodieton als Terz der Doppeldominante verständlich.
Die „Response“ wird in den meisten Versionen von zwei oder mehr unisono singenden hohen Frauenstimmen vorgetragen. Ihre Figur ist melodisch und rhythmisch abwechslungsreicher als der „Call“, die drei hauptsächlichen Phrasen lehnen sich in Melodie und Sprachlauten an den im Jazz gebräuchlichen Scat-Gesang an, der dem Musikhörer in den 1960er Jahren noch vertraut war. Die chromatische Linie des „Call“ wird aufgegriffen und weiterverarbeitet; sie zielt, harmonisch moderat, in die konsonante Durterz. Die abschließende Wendung der weiblichen „Response“ führt die Melodie über den aus Gospel und Soul seinerzeit bekannten Plagalschluss in den Grundton des Akkords, hier im Beispiel das C, den der Hörer als Auflösung erwartet.
Die Improvisation interpoliert im schnellen synkopischen Rhythmus des Alla-breve-Takts Phrasen aus der Schwedischen Rhapsodie (1903) von Hugo AlfvénHugo Alfvén: Rhapsodie (1903) (abgerufen am 12. September 2011), aus Santa LuciaSanta Lucia (Mario Lanza, 1957) (abgerufen am 12. September 2011), Boogie Woogie Bugle BoyBoogie Woogie Bugle Boy (The Andrews Sisters, 1941) (abgerufen am 26. Juni 2015) und dem Jazzstandard Lullaby of Birdland.Lullaby of Birdland (George Shearing) (abgerufen am 28. Oktober 2011) Die Schlagzeugbegleitung besteht durchweg in genre- und zeittypischen, vereinfachten Jazz- und Latin-Beats.
Text Der Text ist dadaistischer Nonsens, eine Lautfolge ohne Sinn. Er besteht aus einem dialogischen Refrain in drei Teilen, der in den verschiedenen Versionen unter Beibehaltung des Rhythmus immer wieder lautliche Veränderungen erfuhr und ursprünglich diese Folge an Konsonanten und Vokalen aufwies:
Mahna mahna Tie tie pa tie pie Mahna mahna Tie tie pa tie Mahna mahna Tie tie pa tie pie Pa tie pie pa tie pie Pa tie pie di di die di
Im Gegensatz zum weiblichen „Pa-tie-pie“-Part erhält die männliche „Mahna“-Partie, die mit zugehaltener Nase und a cappella vorgetragen wird, den Kadenzen in der Instrumentalmusik vergleichbare eigene Lautfolgen, so zum Beispiel:
Mah mahna mahna mahna Mah mah mah Mah mah mah Mahna mah mah ma … (oder:) Mahna mahna mahna mahna Mahma ma ma ma ma Mamana ma ma mah nat mah mah … (oder:) Mah nat mah nat ma naa Mah nat mah nat ma naa … (usw.)Text lautlich der deutschen Aussprache angeglichen nach Mah Nà Mah Nà (englisch) Die „Mahna“-Kadenzen wurden in späteren Versionen gelegentlich um weitere Vokale ergänzt, so zum Beispiel in den Versionen der Muppets um „e“ und „i“. Die drei Antworten auf das „Mahnamahna“ behielten indes, auch in den späteren Versionen, stets ihren jeweiligen Text bei.
Erfolgsgeschichte im Fernsehen