mini|hochkant=1.5|Panke und Charité Graben im Stadtgebiet Berlin 1846 (aus Karte von J.C.Selter: links oben)

Die Kulturgeschichte der Panke umfasst die kulturhistorischen Aspekte der Panke, eines kleinen Flusses in Brandenburg und Berlin. Neben der Dahme und der Wuhle ist sie ein bekannter Berliner Nebenfluss der Spree. Die Panke hat eine Länge von 29 Kilometern, von denen sich 20,2 Kilometer auf Berliner Stadtgebiet befinden. Ihr Einzugsgebiet beträgt 198,3 km², davon 46,8 km² in Berlin. Nach ihr sind die brandenburgische Gemeinde Panketal und der Ortsteil Pankow im gleichnamigen Berliner Bezirk benannt.SenatStadt, Bestandsaufnahme, S. 10 (PDF; 1,9 MB).

Die Panke besitzt für den Raum von Bernau bis Berlin nördlich der Spree eine wichtige Bedeutung bei der Besiedlungsgeschichte. In der Nähe ihrer Mündung auf der rechten Spreeseite liegt der Ursprung von Berlin. Der Pankeraum zwischen dem älteren Bernau und Berlin stand somit seit der Ortsgründung in Beziehung zur Entwicklung der Stadt.Lee Jennings: Berlin and Colln 1237 – Karte mit Pankekauf. Durch die preußische Hauptstadt war die Panke neben der Spree ein Symbol der „Stadt Berlin“ und ebenfalls für die Orte im Barnim. Die Urbanisierung und die industrielle Entwicklung der Millionenstadt Berlin brachte viele Nachteile für den Fluss. Im Laufe des 20. Jahrhunderts nahmen Bestrebungen zu, die Lebensqualität entlang von Flussläufen zu verbessern. Die Panke in der Metropolregion Berlin ist dafür ein Beispiel.

Für viele Künstler im 19. und 20. Jahrhundert markierte der Fluss ihre Heimatstadt und er wurde oft bedichtet und besungen. Für die wachsende Millionenstadt und ihre Umgebung wurde neben der Spree besonders die Panke zu einem Sinnbild und Widerbild.

Geschichte Frühzeit und Mittelalter mini|Die Panke nahe ihrer Quelle östlich von Bernau-Pankeborn. Kein sprudelndes Flüsschen mehr wie noch vor 150 Jahren oder gar im Mittelalter.

Besiedelt waren die Gebiete in der Mittelsteinzeit (8000–6000 v. Chr.) durch Jäger und Sammler, sie zogen umher und hinterließen an den Flussufern Spuren durch Feuersteingeräte, Hirschgeweihäxte und Knochenspitzen. Die hiesigen Waldgebiete aus Eichenmischwald mit Linde, Rüster, Haselstrauch, Kiefern und Birken waren von Elch, Rothirsch, Auerochsen, Wisenten, Wildschweinen, Braunbären, Wölfen und Wildpferden besiedelt. Im Neolithikum (3000–1800 v. Chr.) siedelten sich dann Ackerbauern an, die auf den sandigen Hochflächen Weizensorten anbauten. Funde mehrerer Kulturen wurden im Gebiet ausgegraben. Durch Gräber und Keramikfunde ist die Anwesenheit belegt. Die Bauern benötigten Wasser für ihre Dauersiedlungen, für Wiesen und Ackerland wurden die Auenwälder zurückgedrängt; die Viehhaltung hielt die Weiden, der Pflug das Ackerland waldfrei. Im Übergang zur Bronzezeit und in der älteren Bronzezeit nahm die Bevölkerungsdichte in weiten Teilen Norddeutschlands allerdings wieder ab. Ein Grund könnte sein, dass die Viehwirtschaft auf Kosten des Ackerbaus zunahm. Erst in der jüngeren Bronzezeit mit der Intensivierung des Feldbaues durch bessere Methoden nahm die Bevölkerungszahl wieder zu. Teltow, Barnim und das Urstromtal wurden entlang der Wasserläufe besiedelt.P. Assmann u. a.: Der geologische Aufbau der Gegend von Berlin. SenBauWohn, Berlin 1957. Die Panke bot Wasser für die Siedler.

Aus der vorrömischen Eisenzeit (800 v. Chr. bis zur Zeitenwende) erscheint das Berliner Gebiet nur noch dünn besiedelt zu sein. Diese Annahme wird durch die Funde von Gräbern gestützt. Die Hortfunde legen die Vermutung nahe, dass auf Grund von Klimaänderungen nur die hochgelegenen, hochwasserfreie Talsandkuppen besiedelt sind. In der folgenden Römischen Kaiserzeit muss die Besiedelung aber wieder zugenommen haben, es fanden sich zahlreiche Funde auch an römischen Münzen und Gegenständen. Die Siedlungen zeugen von einer bäuerlichen Kultur, für die Jagd und Fischfang weniger wichtig war. Im Siedlungsgebiet wandern Burgunder und Semnonen ein. Im sechsten und siebten Jahrhundert müssen an den Rändern des Barnim einige Gehöfte wohlhabender Bauern existiert haben, wie sich aus reich ausgestatteten Körpergräbern, auch in Rosenthal, ergibt. In den späteren Jahren bis zum Beginn der askanischen Periode siedelten Spreeslawen ein, die sich im Schutze der Burgen Poztumpi, Spandow und Köpenick ansiedelten. Diese deckten ihren Bedarf zur Hälfte mit Ackerbau und Viehzucht und zur anderen Hälfte mit der Jagd.J. Herrmann: Neue Grabungen auf der Schloßinsel Köpenick. Ausgrabungen und Funde. Berlin 1956. Die Niederlage von Jacza gegen Albrecht den Bären förderte den Zustrom deutscher Bauern. Im Schutze der askanischen Burgen unter den Markgrafen Johann I. und Otto III. siedelten sie auch auf dem Barnim.

mini|hochkant|Jede Wassergabe verstärkt den Lauf nach dem Wegfall der Rieselfelder

In den alten Schriften findet man den Beleg, dass die Panke der früheren Jahre mehr Wasser geführt hat. Besonders im Frühjahr mit der Schneeschmelze war die Wasserführung reichlich. 1361 konnte „der Legende nach“ der Ritter Graf Udo von der gespaltenen Klaue immerhin „in seiner Rüstung in der Panke ertrinken“. Am Wasserlauf der 2010er Jahre ist es an dieser Stelle nur schwer vorstellbar, dass jemand ertrinken kann.

Die Siedlung Bernau wurde im 11. Jahrhundert auf der höher gelegenen Diluvialplatte erbaut. Das Sumpfgebiet mit den Quellbächen der Panke, das sich südlich bis nordöstlich um die Stadt zog, war im 14. Jahrhundert unbetretbar. Wenn der Feind drohte, wurde es durch Anstauen der Panke sogar unüberwindbar. Am Pankeunterlauf konnte damals bei dem vergleichsweise geringen Gefälle der Panke ein hoher Wasserstand in der Havel über den Rückstau in der Spree auch den Abfluss der Panke behindern. Die Besiedlung mindestens seit dem 13. Jahrhundert, besonders ab Mitte des 18. Jahrhunderts hat den Flusslauf verändert. Durch Wehre und Mühlen, Rodungen und Begradigungen wurde der natürliche Pankelauf verändert. Der Fluss musste den Bedürfnissen der Menschen folgen. Aus dem strudelnden Bach wurde innerhalb von 700 Jahren ein Kanal mit rechteckigem Durchfluss, faschiniert und eingemauert. Im Mittelalter wurde die Panke niveaugleich an Furten überquert. Die Bernauer Heerstraße, die mittelalterliche Verbindung von Spandau nach Stettin, wurde 1317 in den Ort Bernau verlegt, gegen Zahlung eines Durchfahrtzolls an den Bernauer Magistrat querten Kaufleute und Reisende an der Lage in Bernau Berliner Straße Höhe Viehtrift: abgerufen am 7. Juli 2010. die Panke. Über 90 Brücken unterschiedlichster Größe verbinden die befestigten, besiedelten und als Kulturland genutzten Ufer.

Ab Pankow auf eine Breite von durchgehend vier bis sieben Metern gebracht, hat die Panke bei mittlerem Stand eine Wassertiefe von etwa 30–40 Zentimeter. An den Kanalwänden sind nur noch wenige Zuflüsse – wohl für Regenwasser – zu finden. Brachten bis in die 1960er Jahre Abwässer im Rieselfeldbereich und im Stadtgebiet die Schmutzlast, sind es seither die Einleitungen von Regenwasser mit Straßenschmutz und Gummiabrieb. An der Bachsohle gibt es kaum querende Hindernisse, wo das Wasser plätschern könnte, um beim Verwirbeln Sauerstoff aufzunehmen. Mit Luftsauerstoff könnten Kleinlebewesen Schadstoffe abbauen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Sohle abgelagerte Schwermetalle werden nach den Untersuchungsberichten langsam wieder mobilisiert und durch Spree und Havel in die Elbe abgeführt.

Siedlungsraum Besiedelung Entlang des Flusslaufes finden sich im Raum Buch zwölf steinzeitliche Siedlungsplätze und zwei Gräberfelder aus der Jungbronzezeit, auch acht Fundstellen aus der römischen Kaiserzeit belegen eine Epoche, in der die Besiedlung auf den höher gelegenen Flächen des Barnim zunahm. In Zepernick wurden mehrere Siedlungsplätze gefunden, es wurden erhebliche archäologische Funde aus dem ersten bis dritten Jahrhundert unserer Zeitrechnung gemacht. Bis zum vierten Jahrhundert siedelten germanische Stämme, im Ergebnis der Völkerwanderung kamen Slawen, die Sprewanen, in das Gebiet. Unter Heinrich I. begann 929 die deutsche Kolonisierung, die allerdings mit dem Slawenaufstand stockte. Die hiesige Gegend war allerdings relativ menschenleer.

Mit den Kreuzzügen gegen die slawischen Heiden kam Zuzug von jenseits der Elbe ins Gebiet der Polaben und Sprewanen. Albrecht der Bär (aus Ballenstedt) ließ bei seiner Kolonisierungspolitik Dörfer im Panketal anlegen. Am Lauf der Panke ist ein Flecken Wedding belegt, als am 22. Mai 1251 der Markgraf den Besitzwechsel der „Mühle an der Panke“ vom Ritter Fridericus de Chare an die Nonnen des Benediktinerinnenklosters in Spandau bestätigt.Ernst Fidicin: Die Gründung Berlins. Ferdinand Dümmler, Berlin 1840 Um 1230 entstanden die Dörfer Zepernick und Schwanebeck und zu dieser Zeit auch das Dorf Buch. Unweit der Quelle entstand auf einer eiszeitlichen Sanderfläche der Ursprung der Stadt Bernau. An der Mündung der Panke entstand Berlin mit seiner Nachbarsiedlung Cölln. Berlin feierte 1987 die 750-Jahr-Feier.

mini|Der Schlosspark Buch 1607 eingerichtet wurde 1813 durch das Anlegen von Parkgewässern zum offenen Landschaftspark, 1907 wurde er öffentlich zugänglich und Erholungsgebiet für die Patienten der Kliniken und Altenheime

Anfangs war Bernau durch einen Palisadenzaun geschützt und die Panke floss durch die Stadt. Als 1317 die „Bernauer Heerstraße“ in die Stadt verlegt wurde, bildete der Zoll an einer Furt durch die Panke (etwa an der Straße „Viehtrift“) eine gute Einnahme für den Magistrat. Im 15. Jahrhundert verstärkte Bernau die Stadtbefestigung durch ein dreifaches Wall- und Grabensystem, das vom Pankewasser gespeist wurde. Die Stadtmauer ist noch erhalten, die Gräben allerdings sind trocken.

Die Panke förderte mit ihrem Lauf sicher die Ansiedlungen auf den höher gelegenen Eiszeitdünen im Panketal, und die Siedler nutzten das Wasser der Panke. Eine Panke-Mühle gab es bereits im 13. Jahrhundert.

Wassermühlen mini|Das symbolische Wasserrad einer Mühle, an der Badstraße

Bemerkenswert gegenüber dem modernen Erscheinungsbild ist die mittelalterliche Nutzung der Panke durch Wassermühlen. Diese nahmen mit dem jeweiligen Mühlenstau Einfluss auf den Grundwasserstand und die Morastbildung. Neun Wassermühlen wurden an der Panke gezählt.

Zu erwähnen sind die ehemalige Wassermühle in Pankow, die in Gesundbrunnen und die urkundliche Erwähnung der Mühle im Wedding von 1251. Im Schlosspark von Buch stand seit 1375 eine Getreidemühle mit zwei Wasserrädern und einer Ölstampfe. Die Pankower Mühle entstand 1542 und besaß drei unterschlächtige Wasserräder, teilweise waren 60 Arbeiter beschäftigt. Durch Hochwasser wurde sie mehrfach geschädigt, da sie keinen Mühlenstau besaß. 1830 wurden zwei Bütten der Papiermühle betrieben. Wegen Hochwasserschäden wurde der Mühlenbetrieb eingestellt. 1854 erfolgte der Umbau der Mühle zum Herrenhaus. So blieb der Platz erhalten für eine Sommergaststätte im Bürgerpark. 1610 entstand eine Schrotmühle südwestlich von Bernau. Sie litt unter Wassermangel und wurde gleichzeitig als Windmühle betrieben. Als sie 1888 verfallen war, wurde die Mühle abgebrochen. 1662 stand eine Papiermühle auf dem Gelände der Berliner Charité. In der Nähe (→ Platz vor dem Neuen Tor) wurde 1700 eine Schleif- und Poliermühle gebaut, die 1779 zur Toback-Mühle wurde und ab 1804 zur „Königlichen Eisengießerei“ gehörte. 1732 wurde eine Walkmühle in Niederschönhausen in Betrieb genommen, die 1731 zur Papiermühle umgerüstet wurde. Dabei wurde eine Loh- und Mahlmühle angebaut. 1794 brannte diese Mühle ab, wurde aber 1805 als Mahlmühle wieder aufgebaut und bestand bis 1891.