Der Movie Park Germany bei Bottrop-Kirchhellen ist ein saisonaler Freizeitpark mit Schwerpunkt auf dem Thema Film. Neben auf Filmen basierenden Fahrgeschäften und Shows in sieben Themenbereichen gibt es Studios, in denen Fernseh- und Kinoproduktionen gedreht wurden. Der Park hat eine Gesamtfläche von rund 45 Hektar. Betrieben wird er von der spanischen Parques Reunidos.
Geschichte
Vorgeschichte und Bau (bis 1996)
Der Park wurde am 30. Juni 1996 als Warner Bros. Movie World, unter dem Motto „Hollywood in Germany“ eröffnet. Er entstand auf dem ehemaligen Gelände des Freizeitparks Bavaria Filmpark, der von 1992 bis Saisonende 1994 bestand.Bavaria Filmpark, abgerufen am 21. Februar 2019 Zuvor befand sich auf dem Gelände der Traumlandpark und davor der Kirchhellener Märchenwald. Zu Bavaria-Zeiten standen hier unter anderem ein von der Fernsehserie Raumpatrouille inspirierter Flugsimulator namens Orion-II (heute ein Spielplatz im Kinderdorf) und diverse Originalrequisiten aus Film und Fernsehen. Im Oktober 1993 wurde der Ausschuss für Stadtplanung und Umweltschutz der Stadt Bottrop darüber unterrichtet, dass Time Warner Entertainment Germany gemeinsam mit der Unternehmerfamilie Nixdorf den Park übernehmen wolle, um ihn nach dem Vorbild der australischen „Warner Bros. Movie World“ neu aufzubauen.
Vor dem Wirtschaftsausschuss des Landtags präzisierte Wirtschaftsminister Günther Einert am 26. Januar 1994 das Vorhaben: Die Investition solle 362 Millionen DM betragen; nach den Richtlinien des Regionalen Wirtschaftsförderungsprogramms könne der Park mit bis zu 18 Prozent Zuschuss auf die förderfähigen Kosten rechnen. Geplant seien 105 Vollzeitstellen sowie zahlreiche Teilzeit‑ und Saisonarbeitsplätze, umgerechnet rund 900 Dauerarbeitsplätze.
Die Landesregierung stellte im Februar 1994 einen einmaligen Zuschuss aus dem Förderprogramm – später mit gut 60 Millionen DM beziffert – sowie die bereits seit den 1980er‑Jahren vorgesehene Infrastrukturerschließung (Autobahnanschluss A 31/K 8, Lipperandstraße und Abwasserleitung zum Emscherverband) in Aussicht. Zugleich erinnerte sie daran, dass der frühere Bavaria‑Filmpark 1990 bereits rund 6,8 Millionen DM Strukturhilfen erhalten habe.
Die Grundsteinlegung erfolgte am 13. Mai 1994 im Beisein von Ministerpräsident Johannes Rau. Nach knapp zweijähriger Bauzeit fand am 29. Juni 1996 eine Vorabveranstaltung für geladene Gäste statt. Dabei verletzte sich einer von sechs Formationsspringern schwer und erlag später seinen Verletzungen. Am 30. Juni 1996 öffnete Warner Bros. Movie World Germany für das allgemeine Publikum. Warner Bros. Movie World (1996–2004) Mehrere Anlagen waren zur Eröffnung noch nicht betriebsbereit. Der Dark-Ride Bermuda-Dreieck und das Spezialeffekte-Studio Movie Magic gingen erst nach dem Sommer in Betrieb. Während dieser Anlaufphase verteilte der Park einen Verzehrgutschein im Wert von zehn DM. Die 3000 Plätze der Police-Academy-Stuntshow füllten an Ferientagen bis zu sechsmal täglich; an Hauptattraktionen wie dem Flugsimulator Batman Abenteuer oder der Achterbahn Lethal Weapon Pursuit bildeten sich regelmäßig Wartezeiten von etwa einer Stunde.
Die Parkleitung rechnete 1997 mit etwa zwei Millionen Besuchern, nach rund 1,2 Millionen Gästen in der verkürzten Eröffnungsphase des Vorjahres und zählte den Park damit bereits im Kreis der sieben besucherstärksten Freizeitparks Deutschlands.
Die Stadt Bottrop verzeichnete im selben Zeitraum deutliche Effekte im Tourismus: Die Hotelübernachtungen stiegen von rund 53.000 (1995) auf rund 70.000 (1996).
1997 fanden auf dem Gelände die Deutschlandpremieren von Batman & Robin und die Weltpremiere von Monty Spinneratz statt.
Die zuvor gewährten Landeszuschüsse von rund 62 Millionen DM blieben Thema. Konkurrenten wie das Phantasialand warfen die Frage auf, ob das Projekt ohne diese Unterstützung tragfähig gewesen wäre. Die Diskussion um öffentliche Hilfen weitete sich 1998 auf das Beschäftigungsmodell des Parks aus. Während der Hauptsaison beschäftigte Movie World bis zu 1400 Saisonkräfte. Sie erhielten jeweils ein zweitägiges Servicetraining und arbeiteten anschließend maximal von Ende März bis Ende Oktober; in den Wintermonaten wechselten sie in der Regel in den Bezug von Arbeitslosengeld. Gewerkschaften sahen darin eine Form „verfestigter Saisonarbeit“ und kritisierten die zum Teil fehlende Anschlussbeschäftigung. Die Parkleitung und die Arbeitsagentur Essen bewerteten das Modell dagegen als Zwischenschritt in den regulären Arbeitsmarkt und hoben den Qualifizierungseffekt der Serviceschulungen hervor. Vertreter der Agentur verwiesen auf wachsenden Bedarf an flexiblen Arbeitszeiten in der Dienstleistungswirtschaft und bezeichneten den Freizeitpark als „Vorreiter für ein neues Verständnis von Arbeit“.
In der Saison 1998 setzte der Park zwar auf zusätzliche Marketingaktionen, blieb mit geschätzten Besucherzahlen aber hinter dem Rekordjahr 1997 zurück. Interne Berichte sprachen von einem „schlechten Jahr“. 1999 erhielt das Angebot mit der ersten Holzachterbahn in Deutschland (Wild Wild West) seine erste Großneuheit. Die Bahn bildete den Kern einer Western-Themenfläche.
Im Oktober 1999 gab Time Warner bekannt, 97 Prozent seiner Anteile an Premier Parks (ab März 2000: Six Flags) zu veräußern. Bestandteil des Vertrags waren ein langfristiges Lizenzabkommen zur Weiternutzung der Warner-Marken sowie eine Kooperation für einen „künftigen Park bei Madrid“. Premier Parks kündigte an, Konzept, Name und Belegschaft zunächst unverändert fortzuführen. Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium sah in dem Eigentümerwechsel „kein Problem“, da die vertraglich zugesagten Arbeitsplätze erhalten blieben.
Als Hauptgrund für die Trennung nannten Branchenbeobachter die anhaltend „enttäuschenden Besucherzahlen“ von rund zwei Millionen Gästen pro Saison – deutlich unter den ursprünglich kalkulierten fünf Millionen. Das Geschäftsjahr 1999 endete nach Presseangaben dennoch mit einem moderaten Plus, begünstigt durch die günstige Witterung. Mit dem Verkauf flammte die Diskussion über die Wirksamkeit der öffentlichen Hilfen erneut auf. Kritiker verwiesen auf die öffentliche Gesamtförderung sowie auf Infrastrukturmaßnahmen wie den direkten Autobahnanschluss. Befürworter hoben dagegen den touristischen Impuls für die Emscher-Lippe-Region hervor: Laut einer Studie der Emscher-Lippe-Agentur stiegen die Hotelübernachtungen zwischen 1994 und 1997 um rund 170.000.
Nach der Übernahme durch Premier Parks legte das Management 2000 eine klare Schwerpunktverschiebung hin zu familientauglichen Angeboten vor. Kern der „Familienoffensive“ waren neue Kinderattraktionen, darunter die Wilde Maus Tom & Jerry’s Mouse in the House sowie der Breakdance Josie’s Bathhouse mit überdimensionierten Waschzubern.
Parallel löste eine aggressive Rabattpolitik – Tagesaktionen mit Eintrittspreisen ab zehn DM – eine öffentliche Debatte aus. Der VDFU sprach von „Vernichtungswettbewerb“ und warf der Betreibergruppe Preisdumping auf Basis früherer Landeszuschüsse vor.
Movie Park Germany (seit 2004) Im April 2004 verkaufte Six Flags seine europäischen Parks an Palamon Capital Partners, welche die alte Gruppe unter dem neuen Namen StarParks weiterführte. Im Zuge dessen wurde der Park im Jahr 2005 in Movie Park Germany umbenannt; die alten Looney-Tunes- und DC-Comics-Lizenzen wurden zum Teil durch neue von Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), 20th Century Fox und Nickelodeon ersetzt, was zur Folge hatte, dass die bekannten Charaktere nach neun Jahren im Park durch neue ersetzt wurden. Palamon kündigte zugleich Investitionen von rund zehn Millionen Euro und einen grundlegenden Umbau mit stärkerer Familienausrichtung an.
In der Saison 2006 eröffnete der Park die neue MGM-Studio-Tour und ein überarbeitetes Hollywood-Film-Museum. Beides geschah unter einer neuen Kooperation mit dem Hollywood-Filmproduktionsstudio Metro-Goldwyn-Mayer.
Im August 2006 wurde die zweispurige Achterbahn Cop Car Chase (vorher Lethal Weapon Pursuit) stillgelegt und demontiert, da eine Reparatur aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu teuer gewesen wäre. Der freigewordene Platz wurde für den im Mai 2007 eröffneten neuen Themenbereich Santa Monica Pier genutzt. Der an das kalifornische Vorbild Santa Monica Pier angelehnte Bereich nutzt zudem einen Teil der Fläche des ebenfalls teilweise demontierten, teilweise umgestalteten Themenbereiches Downtown (zuvor Marienhof). Hauptattraktion des Bereiches ist der deutschlandweit erste stationäre Disk’O Coaster.
Außerdem wurden für die Saison 2007 die Wonderland Studios (Kinderland) mit dem nickelodeon LAND um 15.000 m² erweitert. Der in Zusammenarbeit mit dem deutschen Fernsehsender Nick gebaute Themenbereich beschäftigt sich ausschließlich mit den Figuren und Themenwelten des Senders. Zu den Attraktionen gehören eine Familien-Hängeachterbahn (Jimmy Neutron’s Atomic Flyer) und eine Wasserattraktion (Spongebob Splash Bash). Zudem brachte die Saison 2007 einen Mottowechsel mit sich, statt „Ein Tag wie im Film“ heißt es nun „Hurra! Ich bin im Film“ (bis 2004 hieß der Slogan „Hollywood in Germany“). Mit der Eröffnung des nickelodeon LAND wurden alte Attraktionen wie z. B. Dishwasher umthematisiert.
Für die Saison 2008 wurde das Kinderland Wonderland Studios in das nickelodeon LAND integriert. Dafür wurden alte Kinderattraktionen versetzt bzw. abgerissen und andere Attraktionen umgestaltet. Außerdem wurde eine Wildwasserbahn an der Stelle der Go-Kart-Bahn errichtet; letztere wurde abgerissen. Eine weitere neue Attraktion ist ein Flugkarussell vom Typ Aviator. Der neue Bereich wurde im Mai 2008 eröffnet. Im Roxy-4D-Kino wurde ein Film um SpongeBob Schwammkopf durch Shrek und wiederum zur Saison 2012 wurde Shrek durch Ice Age ersetzt. Dazu wurden das Roxy-4D-Kino neu gestaltet und eine neue Preshow installiert.
Seit 2007 ist man dabei, die Gehwege des Parks zu pflastern. Mittlerweile sind das gesamte nickelodeon LAND, die Mainstreet und die Vine Street gepflastert.
Am 19. Mai 2010 wurde bekannt gegeben, dass der Park ab dem 17. Mai 2010 von Parques Reunidos, dem zweitgrößten Betreiber von Freizeitparks in Europa, übernommen wurde.
Zum 15. Geburtstag des Parks, am 18. Juni 2011, wurde in der Halle, die ehemals die Gremlins Invasion beherbergte und seit 2005 nur noch zu Halloween genutzt wurde, die Kombination aus Achterbahn und Themenfahrt Van Helsing’s Factory eröffnet. Die Achterbahn wurde von der Firma Gerstlauer gebaut, die Thematisierung lehnt sich frei an die Figur des Vampirjägers Van Helsing aus dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 2004 an. Bei der Achterbahn und auch bei der Show Shadows of Darkness, die die Figur des Van Helsing benutzt, handelt es sich nach Aussage des Parks um Attraktionen, die ohne Lizenzen auskommen. Neben Shadows of Darkness, welche die X-Men Show (lief 2010 und 2011 im Studio 7) ersetzt, wurden für das Jahr 2012 drei weitere Shows überarbeitet.
Als Neuheit im Jahr 2014 wurde The Lost Temple eröffnet, ein 4D-Simulator vom Typ Immersive Tunnel von Simworx. In der weltweit ersten Anlage dieser Art gibt es eine Simulationsfahrt mit 360-Grad-Projektionen durch einen unterirdischen Tempel, der von Dinosauriern bevölkert wird. Die Bahn befindet sich neben dem Fundbüro in der Nähe des Eingangs. Die Besucher nehmen in einer als Forschungsbus gestalteten Gondel Platz und werden in einen Raum mit einer 360°-Leinwand gefahren. Neben dem 3D-Film und den Bewegungen des Expeditionsbusses erhalten die Besucher spezielle 3D-Shutter-Brillen, die sich den Kopfbewegungen der Fahrgäste anpassen, um ein noch realistischeres dreidimensionales Gefühl zu ermöglichen. Der Film wird in einer Videoauflösung von 10k auf die Leinwände projiziert. Das Additional Sound Design und die Voice Recordings stammen von IMAscore.