Die Wakenitz (von slawisch *Vok(u)nica „Barsch-Fluss“vgl. , Mittelniederdeutsch: Wakenishttps://archive.org/stream/hamburgischechr00lappgoog/hamburgischechr00lappgoog_djvu.txt) ist ein rechter Nebenfluss der Trave im Südosten Schleswig-Holsteins, der den Ratzeburger See entwässert und etwa 14,9 Kilometer lang ist.

Seit der Eröffnung des Schaalsee-Kanals im Jahr 1925, eine Verbindung des Schaalsees mit dem Ratzeburger See, umfasst das Wassereinzugsgebiet der Wakenitz etwa 445 km².

Der Chronist Helmold von Bosau erwähnt sie Mitte des 12. Jahrhunderts in seiner Chronica Slavorum unter den Bezeichnungen wochniza oder wochenice.

Wegen seiner Urwüchsigkeit, die auch durch die entlegene Lage an der innerdeutschen Grenze bis 1989 bedingt und unterstützt war, wird der Fluss auch „Amazonas des Nordens“ genannt.

Verlauf mini|hochkant=1.4|Lübecker Landgraben Die Wakenitz ist der natürliche Abfluss des Ratzeburger Sees. Sie verlässt den See am nördlichsten Punkt bei Rothenhusen und verläuft in nordnordwestliche Richtung bis zum Stadtgebiet Lübecks. Bis zum Bau des Elbe-Lübeck-Kanals (1896–1900) umfloss die Wakenitz den Stadthügel und mündete südlich von Lübeck in die Trave. Nach dem Kanalbau wurde die Wakenitz durch einen Damm abgesperrt (Falkendamm) und u. a. über den Düker in den Krähenteich/Mühlenteich (s. u.) entwässert.

Die Wakenitz bildet über weite Strecken die Grenze zwischen den Bundesländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Der erste Abschnitt entlang der Grenze zu Mecklenburg wird von Schiffern und Seglern seit alters her Langer Jammer genannt, weil er so schmal ist, dass bei ungünstigem Wind nicht oder nur sehr mühsam aufgekreuzt werden kann. Andererseits waren die Uferverhältnisse mit ihren Auwäldern so dicht bewachsen, dass Lastkähne nicht getreidelt werden konnten.

Die Zuflüsse der Wakenitz:Geschichte: Die Wakenitz im Wandel der Zeit, Schilfprojekt der Thomas-Mann-Schule. Schattiner Mühlenbach, Grönau, Palinger Mühlenbach, Herrenburger Landgraben, Niemarker Landgraben.

Mit den in die Wakenitz von beiden Seiten einmündenden Herrenburger Landgraben und Niemarker Landgraben war die Wakenitz auch Bestandteil des mittelalterlichen äußeren Befestigungssystems der Lübecker Stadtbefestigung.

Die Überquerungen der Wakenitz:Allgemeine Betrachtung: Ökosystem Wakenitz – ein naturnahes Fließgewässer mit anthropogen veränderter Struktur, Schilfprojekt der Thomas-Mann-Schule in Kooperation mit der Universität zu Lübeck. Bogenbrücke bei Rothenhusen (2009), Fußgängerbrücke Nädlershorst bei Ziegelhorst, A 20 bei Groß Grönau (2004), Fußgängerbrücke, Überführung des Drägerwegs (1959), Eisenbahnbrücke (1936), Bahnstrecken Lübeck-Bad Kleinen und Lübeck–Lübeck-Schlutup, Wallbrechtbrücke (1969), St. Jürgend-Ring, B 75, Moltkebrücke (1973), Hüxtertoralleebrücke (1899, Querung des Dükerkanals), Straßenbrücke der Falkenstraße (Querung des Dükerkanals), Hüxtertorbrücke (Wakenitz-Querung bis zum Bau des Elbe-Trave-Kanals, dann Querung des Kanals), Mühlenbrücke (1913, zwischen Krähenteich und Mühlenteich), Nördliche Mühlendammbrücke (am ehemaligen Mühlengebäude) und Südliche Mühlendammbrücke (am ehemaligen Mühlengebäude, heute mit Wasserkraftanlage) vor Einmündung der Wakenitz in die Trave.

Hydrologie Regulierung und Hochwasserschutz mini|hochkant=1.7|Wakenitz bei Lübeck vor dem Bau des Elbe-Lübeck-Kanals (Karte nicht genordet) mini|Wakenitz nach dem Bau des Elbe-Lübeck-Kanals (um 1910)

Seit dem Mittelalter bis zum Bau des Elbe-Lübeck-Kanals (von 1896 bis 1900) war die Wakenitz für den Betrieb von Mühlen am Hüxterdamm auf eine Wasserspiegelhöhe von 4,18 m ü NN und am Mühlendamm auf 2,40 m ü NN aufgestaut.

Von Rothenhusen bis zum Hüxterdamm betrug das Gefälle der Wakenitz auf 10 km nur einige Zentimeter. Dies führte in der Vergangenheit bei lang anhaltenden Niederschlägen zu Überflutungen in Ratzeburg und entlang des Ratzeburger Sees. Mit dem Bau des Schaalsee-Kanals im Jahr 1925 und dem zeitgleich erstellten Wasserkraftwerk Farchau, wurde eine Verbindung des Schaalsees mit dem Ratzeburger See hergestellt. Damit wurde das Wassereinzugsgebiet der Wakenitz auf etwa 445 km² erweitert.

Im Zuge des Ausbaus des Elbe-Lübeck-Kanals (1896–1900) wurde der Kanal im Lübecker Bereich im Flussbett der Wakenitz verlegt, wobei die Wakenitz durch den Bau des Falkendamms vom Krähenteich getrennt wurde. Durch den Bau des Dükerkanals und des Dükers unter der Kanal-Trave (unterhalb der heutigen Rehderbrücke/) erfolgt nunmehr der Abfluss der Wakenitz erst in den Krähenteich und dann unter der Mühlenstraße hindurch in den Mühlenteich, weiter über die Wehranlagen der alten Lübecker Stadtmühlen am Mühlendamm in die Stadt-Trave. Der Niveauunterschied zwischen Wakenitz und Trave beträgt damit 3,50 Meter.

Neben dem Auslass des Dükers im Krähenteich gibt es ein auf quadratischem Grundriss mit Holzaufbau errichtetes Pumpenhäuschen. Es versorgte seit 1908 das Elektrizitätswerk in der Mengstraße mit Kühlwasser sowie die Badeanstalt am Hüxterdamm mit Rohwasser.

Zum Jahreswechsel 1965/66 drohte ein starkes Hochwasser der Wakenitz den Falkendamm zu brechen, in der Folge wäre der Ratzeburger See leergelaufen. Durch den Einsatz von Schläuchen der Feuerwehren konnte ein Brechen verhindert werden.1900 - die Stadt wandelt ihr Gesicht. Ein hierzu erstelltes Gutachten zur Ermittlung der erforderlichen Leistungsfähigkeit der Abläufe der Wakenitz in die Trave kommt zu dem Ergebnis, dass die Kapazität des Ablaufes auf mindestens zehn Kubikmeter pro Sekunde erhöht werden müsste, um das anfallende Oberflächenwasser schadlos ableiten zu können. Parallel zur vorhandenen Hochwasserentlastung unter der Falkenstraße hindurch zum Klughafen aus dem Jahre 1923 sollte eine weitere Hochwasserentlastung gebaut werden.

In den Jahren 2004 und 2005 wurde ein neuer Hochwasserüberlauf mit größerer Leistung am Falkendamm gebaut und die provisorischen Überläufe am Dükereinlauf an der Rehderbrücke später entfernt. Die zusätzliche Stahlbetonrohrleitung am Falkendamm mit einem Durchmesser von zwei Metern und 85 Meter Länge kann bis zu 9,9 Kubikmeter Wasser pro Sekunde von der Wakenitz zur Kanaltrave ableiten. Zusätzlich dient eine kleinere Wehranlage an der Wakenitz zur Regelung des Wasserstandes. Zusammen mit der am Falkendamm bestehenden Rohrleitung (2,7 m³/s) und dem Abfluss durch den Dükerkanal (7,4 m³/s) verdoppelt sich die ursprüngliche Leistungsfähigkeit auf etwa 20 m³/s.Hochwasserschutz an der Wakenitz wird ausgebaut, Hansestadt Lübeck, 17. Juni 2004.

Die Abflussdaten der Wakenitz, die an der Eisenbahnbrücke gemessen werden, schwankten in den Jahren von 2016 bis 2022 zwischen < 1 m³/s und über 9 m³/s, wobei die höchsten Abflussdaten jeweils im Januar auftraten.C. Külls: Untersuchungen der Wasserqualität von Wakenitz, Krähenteich und Mühlenteich im Jahr 2023.

Die Sicherung des Abflusses der Wakenitz in die Trave besteht damit aus drei verschiedenen Rohrsystemen: Dem Düker unter der Kanaltrave hindurch vom Dükerkanal zum Krähenteich und Mühlenteich und von dort über eine Wehranlage in die Stadttrave, der Hochwasserentlastung unter der Falkenstraße hindurch zum Klughafen und dem – Jahre später geschaffenen – parallel verlaufenden Überlaufbauwerk am Falkendamm.

Wasserqualität Das saubere Wasser der Wakenitz wurde bis 1972 zur Trinkwasserversorgung Lübecks benutzt. Um diesen Zustand zu erhalten, ist u. a. das Befahren des Gewässers mit motorgetriebenen Fahrzeugen genehmigungspflichtig. Hierdurch wird der Einsatz von Verbrennungsmotoren stark eingeschränkt und ist nur für Rettungs-, Sicherungs- und Schleppboote sowie für die Fahrgastschiffe der „Wakenitz Schifffahrt Quandt“ zulässig.

Die Wakenitz weist eine allgemein sehr gute Wasserqualität auf und ist daher ein beliebtes Badegewässer. Die zur Überwachung der Badegewässerqualität erhobenen hygienischen Indikatoren Escherichia und Intestinale Enterokokken lagen 2025 für die Flussbadestelle, Naturbad Falkenwiese deutlich unter den zulässigen Grenzwerten.Untersuchungsergebnisse von der Flussbadestelle an der Wakenitz, Hansestadt Lübeck.

Sauerstoffgehalte entlang der Wakenitz Die Messungen des Sauerstoffgehaltes entlang der Wakenitz (in jeweils in ein Kilometer Abständen) im Jahr 2021 ergaben von Januar bis März Werte zwischen 14 mg/L und 10 mg/L, die in den Sommermonaten von Juni bis August bereichsweise auf 6 mg/L zurückgingen.

Die Wasserqualität des Krähenteiches und des Mühlenteiches wird neben jahreszeitlichen Einflüssen wesentlich durch die Verweilzeit des Wassers im Krähenteich und Mühlenteich bestimmt, sie beträgt durchschnittlich 4-5 Tage. Wegen der geringen Fließgeschwindigkeit und der für einen ursprünglichen Fluss relativ großen Tiefe erfolgt auf diesem Weg nur eine geringe Durchmischung und damit geringe Belüftung.

Die Messungen der Sauerstoffkonzentration im Krähenteich im Jahr 2021 zeigten eine saisonale Veränderung, Tagesschwankungen und eine Reaktion auf einzelne Niederschlagsereignisse. Die Werte lagen im Minimum zwischen ca. 2-3 mg/L und erreichten maximale Werte von ca. 12,5 mg/L. Die häufigsten Werte lagen zwischen 6 und 8 mg/L.

Die Messungen der Sauerstoffkonzentration im Mühlenteich zeigten ähnliche saisonale Veränderungen und Tagesschwankungen. Vor allem in der 2. Juli-Hälfte 2021 gab es eine Phase starken Sauerstoffmangels im Mühlenteich, die Sauerstoffwerte lagen deutlich unter 5 mg/L. In den vergangenen Jahren war es im Spätsommer vereinzelt zu Fischsterben gekommen, im Krähenteich, u. a. am 14. August 2018.Christoph Külls: Untersuchungen der Wasserqualität an Wakenitz, Krähenteich und Mühlenteich, Bericht zu den Messungen im Sommer und Herbst 2021, Labor für Hydrologie und Internationale Wasserwirtschaft, Technische Hochschule Lübeck.C. Külls und Marcel Kock: Untersuchungen der Wasserqualität von Wakenitz, Krähenteich und Mühlenteich im Jahr 2023, Dezember 2023.

Qualitätsnormen/Beurteilungswerte: Nach der Oberflächengewässerverordnung (OGewV, 2016) gibt es keinen Grenzwert für die Sauerstoffkonzentration in Fließgewässern. Ein Wertbereich (Orientierungswerte) zwischen 7 und 9 mg/L zeichnet einen sehr guten ökologischen Zustand aus, ein Wertebereich zwischen 4 und 8 mg/L zeigt noch einen guten ökologischen Zustand. Die Sauerstoffkonzentration unter 4 mg/l kann bereits zum Fischsterben führen.Oberirdische Gewässer, Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz – Parameterblatt, Sauerstoff, Januar 2023.

Geschichte 12. bis 19. Jahrhundert Die Wakenitz – als natürliche Grenze zwischen dem Herzogtum Lauenburg und der Hansestadt Lübeck – war gleichzeitig eine wichtige Handelsroute. Holz, das über den Ratzeburger See und die Wakenitz nach Lübeck transportiert wurde, machte den Fluss zu einer wirtschaftlichen Lebensader der Region.Björn Raschovsky: Die Wakenitz, der Amazonas des Nordens, Lübecker-Hafenrundschau.

Mit der Gründung und Erbauung der Stadt Lübeck auf dem Höhenrücken zwischen der Trave und Wakenitz durch Graf Adolf II. (Schauenburg und Holstein) im Jahr 1143 gewann die Wakenitz für Lübeck zur Stadtbefestigung, Trinkwasserversorgung und als Energielieferant zum Mühlenbetrieb außerordentliche Bedeutung.Lübeck: Festschrift den Theilnehmern der 67. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte, Druck: H. G. Rahtgens, Lübeck 1895

In den Jahren 1157 bis 1159 kam es zu erheblichen Auseinandersetzungen zwischen Graf Adolf II. und Herzog Heinrich dem Löwen um den erfolgreichen Handelsplatz Lübeck. Um den Grafen zu schädigen, gründete der Herzog kurzerhand einen Handelsplatz an der Wakenitz, an einem bis heute nicht genau lokalisierten Platz am Ostufer der Wakenitz, den er Löwenstadt nannte. Bereits nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass die Wakenitz für den Transport von großen Warenmengen nicht geeignet war. Der Herzog und der Graf einigten sich und so war die Neugründung Lübecks 1159 (nach Zerstörung der Stadt durch eine verheerende Feuersbrunst) möglich geworden.