miniatur|Ueli Gegenschatz auf der TED 2009 Ueli Gegenschatz (* 3. Januar 1971 im Appenzellerland; † 13. November 2009 in Zürich) war ein Schweizer Extremsportler. Er galt als der bekannteste Schweizer Base Jumper (Objektspringer), Gleitschirmflieger und Fallschirmspringer.Er war der bekannteste Basejumper der Schweiz, Tages-Anzeiger online, 13. November 2009 (Archiv).
Leben Tätigkeiten Gegenschatz absolvierte 1989 im militärischen Vorkurs für FernspäherHeute Fallschirmaufklärer, früher Fallschirmgrenadiere. seinen ersten Fallschirmsprung. Er wurde daraufhin zwar nicht Fernspäher, doch blieb er dem Springen treu: 1990 flog er erstmals mit einem Gleitschirm und gehörte fortan als Amateur zur erweiterten Weltspitze. Er war jahrelang Mitglied des Schweizer Paragliding Teams und gründete 1995 zusammen mit Hannes Arch und Andreas Hediger das Red Bull Acro Team. 1997 vollzog er in Norwegen seinen ersten Objektsprung von einer 1000 Meter hohen Felswand. Nebenbei arbeitete er als Versicherungsberater.
Der zuletzt in Speicher beheimatete Gegenschatz galt als Idol und Pionier der Schweizer Extremsportszene. Er hielt diverse Extremsportweltpremieren. Insgesamt absolvierte er ca. 6000 Sprünge.Das ist pervers, Artikel auf 20min online (Bildstrecke Bild 7), 15. November 2009 Dabei waren ca. 1500 Objektsprünge, wobei er sich nur einmal nennenswert verletzte (Fussbruch).
Der letzte Sprung mini|Sunrise Tower mit Sockelbau (rechts)
Am 11. November 2009 sprang Gegenschatz anlässlich eines Werbeauftritts im Auftrag von Red Bull vom 88 Meter hohen Zürcher Sunrise Tower. Dabei erfasste ihn ein Windstoss, worauf er zuerst auf eine Kante des 25 Meter hohen Sockelbaus der Türme und danach unkontrolliert auf dem Boden aufschlug.Tod eines Extremsportlers: Scharfe Kritik an Red Bull diepresse.com, 17. November 2009. Wahrscheinlich hatte er sich beim Aufprall auf den Vorbau die Hüfte gebrochen und konnte deswegen den Aufprall auf den Asphalt nicht steuern; dadurch verletzte er sich zusätzlich am Kopf.ARD-Dokumentation Die dunkle Seite von Red Bull (Video bei YouTube), Aussage ab 16:06. Zunächst noch ansprechbar, erlag er zwei Tage später im Alter von 38 Jahren im Universitätsspital Zürich seinen schweren Verletzungen.
Da nur wenige Monate zuvor mit Eli Thompson ein anderer Objektspringer während Dreharbeiten für einen Promotionfilm von Red Bull tödlich verunglückt war, wurde nun Kritik an Red Bulls Marketing laut. Die Hinterbliebenen verteidigten allerdings Red Bull in einem offenen Brief, in dem sie daran erinnerten, dass der Antrieb zu dem gefährlichen Extremsport von Gegenschatz selbst ausging: „Das Basejumpen war ein Teil seines Lebens, auf den er niemals hätte verzichten wollen – auch im vollen Bewusstsein aller möglichen Konsequenzen.“
Nach dem Tod des Motocross-Fahrers Eigo Satō im Februar 2013 entstand die ARD-Dokumentation Die dunkle Seite von Red Bull (2013). Sie thematisiert den Tod von Gegenschatz und fünf weiteren von Red Bull gesponserten Extremsportlern und wirft dem Konzern vor, die Sportler bewusst allzu riskanten Aktionen auszusetzen.ARD-Dokumentation Die dunkle Seite von Red Bull Angaben auf programm.ard.de In dem Film erklärt der Vater eines verunglückten Sportlers, selbst ein ehemaliger Profi-Abfahrtsläufer, warum Dreharbeiten die Gefahr erhöhen können: Bei riskanten Bedingungen würde ein Sportler, wenn er allein ist, auf bessere Bedingungen am nächsten Tag warten. Wenn aber alles für den Filmdreh bereitsteht, gebe es mehr Druck, „es jetzt zu machen“.ARD-Dokumentation Die dunkle Seite von Red Bull (Video bei YouTube), Aussage ab 34:47. Der Sprecher der Polizei erklärte zum letzten Sprung von Ueli Gegenschatz: „Es waren böenartige Winde, und das war natürlich aufgrund dieser Situation sicher ein Risiko.“ARD-Dokumentation Die dunkle Seite von Red Bull (Video bei YouTube), Aussage ab 15:10. Freunde von Gegenschatz gaben unterschiedliche Antworten auf die Frage, ob er unter dem durch den festgesetzten Termin, die Prämie von Red Bull und den Aspekt der Folgeaufträge entstandenen Druck ein Risiko eingegangen war, das er unter anderen Bedingungen vielleicht gemieden hätte.ARD-Dokumentation Die dunkle Seite von Red Bull (Video bei YouTube), 16:40 bis 17:45.
Bedeutende Sprünge miniatur|Der „Pilz“ in der Eiger-Nordwand 1989: erster Fallschirmsprung 1990: erster Gleitschirmflug 1997: erster Objektsprung in Norwegen von einer 1000 Meter hohen Klippe 1998: 1. Platz im Skysurf Challenge Cup in Perris, Kalifornien 2000: Extremhöhensprung mit Sauerstoffunterstützung (Absprunghöhe: 10.000 m ü. M., Aussentemperatur −55 °C) 2000: erste Person mit einem Objektsprung vom „Pilz“ („Mushroom-Rock“) in der Eiger-Nordwand 2002: erste Person mit einem Objektsprung vom Matterhorn (Absprunghöhe 4200 m ü. M.) 2002: 22 Objektsprünge von den Petronas Towers in Kuala Lumpur 2005: erste Person, die an einem Tag (11 Stunden und 45 Minuten) Objektsprünge vom Eiger, dem Mönch und der Jungfrau (jeweils an der höchstmöglichen Stelle) absolvierte 2005: 1. Platz bei den Summer Outdoor Games in Interlaken in den „Aerial Disciplines“ 2007: erster Wingsuit-Objektsprung von Eiger und Jungfrau 2007: Wingsuitflug über den Popocatépetl 2008: 1. Platz bei den Winter Outdoor Games in Chamonix 2008: Objektsprung vom Eiffelturm in Paris (Quelle:)
Weblinks
Die Basejumper von Lauterbrunnen SF-Dokumentation mit Ueli Gegenschatz, 2008 (46:48 Min.) Vortrag von Ueli Gegenschatz bei TED, 2009 (Video, 11:55 Min., englisch), mit deutschem Transkript Philippe Reichen: «Man hat zu ihm aufgeschaut». In: Tagblatt.ch, 17. November 2009.
Einzelnachweise
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