mini|hochkant=1.4|Südfassade des Neuen Schlosses

Das Schloss Starhemberg, auch Schloss Eferding genannt, steht im Zentrum der oberösterreichischen Stadt Eferding und ist mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung in der Zeit von 1630 bis 1660 seit rund 450 Jahren im Besitz der fürstlichen Familie Starhemberg. Es steht unter Denkmalschutz ().

Am gleichen Ort stand schon im 12. Jahrhundert ein Amtssitz des Bistums Passau, der im 14. Jahrhundert an die Grafen von Schaunberg verkauft wurde. Diese ließen den heutigen Nordflügel errichten, dem im 16. Jahrhundert eine kleine Vorburg im Süden vorgelagert war. Nach dem Aussterben der Schaunberger im 16. Jahrhundert ließen deren Erben, die Starhemberger, die damalige Burg zu einem Schloss ausbauen und umgestalten, ehe die Anlage während des 18. Jahrhunderts im Stil des Klassizismus ein letztes Mal verändert wurde. Derzeitiger Eigentümer des Anwesens ist der neunte Fürst von Starhemberg, Georg Adam.

Schloss Starhemberg ist Mitglied im österreichischen Verein Via Imperalis, der sich um die Förderung und Erhaltung des europäischen Kulturgutes kümmert. Neben einer privaten Bibliothek sind in den Schlossgebäuden drei Museen untergebracht, die sich mit der Geschichte Eferdings und der Schlossbesitzer befassen. Zudem wird die Anlage seit 1987 als Kulturzentrum genutzt, in dem zahlreiche öffentliche Veranstaltungen stattfinden.

Geschichte Die Anfänge Eferding gehörte im Mittelalter zum Herrschaftsbereich der Passauer Bischöfe, die im 12. Jahrhundert an der Stelle des heutigen Schlosses einen Herrenhof besaßen. Einen Hinweis auf die Existenz dieses bischöflichen Amtssitzes findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1167, in der Bischof Albo von Passau Gebhard von Wilhering das Burgrecht auf einem Hof in Eferding bestätigte. Aus ihm dürfte sich eine spätere Burg entwickelt haben, die 1255 als Castro nostra Euerdinge eine erste urkundliche Erwähnung fand. In jenem Jahr übergab Bischof Otto von Lonsdorf die Burghut an Konrad von Hartheim.

Die Stadtburg der Schaunberger (1367–1559) Am 4. November 1367 verkaufte der geldbedürftige Bischof Albert III. Stadt und Burg als ewiges Lehen für 4.000 Gulden an den Grafen Ulrich I. von Schaunberg und seinen Bruder Heinrich VII. Während der Schaunberger Fehde, in der Reinprecht II. von Walsee im Auftrag des Habsburger Herzogs Albrechts III. Eferding belagerte und einnahm, war die Burg ab Januar 1382 kurzzeitig an die mit den Schaunbergern verbündeten Rosenberger verpfändet. Nachdem sich Heinrich VII. nach der verlorenen Fehde den Habsburgern unterworfen hatte, erhielt er die Burg Eferding 1383 als österreichisches Afterlehen zurück.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts bauten die Schaunberger die Burg neu, und dieser Neubau wurde 1416 von Graf Johann II. von Schaunberg unter der Bezeichnung „neue Veste“ in einem Heiratsbrief als Witwensitz für seine Frau Anna von Pettau bestimmt. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um den heutigen nördlichen Hauptbau, der an der Nordostecke der damaligen Stadt lag. Die Stadtburg wurde durch einen stadtseitigen Graben im Süden und Westen sowie einen weiteren zwingerähnlichen Graben vor dem Nord- und dem Ostflügel geschützt. Die Stadtmauer Eferdings übernahm an der Nord- und Ostseite die Funktion einer Ringmauer, die dort an der Burg nicht vorhanden war. Weiteren Schutz boten drei Rundtürme im Osten, Westen und Südosten, die zugleich die dem Palas südlich vorgelagerte kleine Vorburg sicherten. Der südöstliche von ihnen stellte zur damaligen Zeit eine Art Hauptturm der Anlage dar. Aufgrund seiner geringen Höhe und Mauerstärke kommt er als Bergfried aber nicht in Frage. Wozu der östliche Rundbau diente, kann heute nicht mehr ermittelt werden, da er im Rahmen von Bauarbeiten zwischen 1785 und 1788 vollständig abgetragen und durch einen Zubau ersetzt wurde. Der Turm an der Westseite konnte als Torturm identifiziert werden. Direkt neben seinem Tor befand sich eine Fußgängerpforte. Ob die Burg zu jener Zeit eine Zugbrücke besaß, ist nicht gesichert.

Übergang von der Stadtburg zum Schloss (1559–1785) mini|Ausschnitt aus dem 1649 veröffentlichten Kupferstich Matthäus Merians mit der Pfarrkirche Eferdings und dem dahinter liegenden Schloss

Anfang des 16. Jahrhunderts verlegten die Schaunberger ihren Hauptsitz von der Stammburg Schaunberg nach Eferding. Mit dem Aussterben ihres Geschlechts durch den Tod des Grafen Wolfgang II. am 12. Juni 1559 kam die Burg in Eferding neben anderen Besitztümern und Vermögenswerten über die Kinder von Wolfgangs Schwester Anna, die 1530 Erasmus I. von Starhemberg geheiratet hatte, an die Familie von Starhemberg. Erasmus II. von Starhemberg verkaufte im Jahr 1604 das Bräuhaus der Schlossanlage in der heutigen Schmiedstraße an einen Eferdinger Bürger, jedoch ohne die mit dem Haus verbundene Bierbraugerechtigkeit. Eine aus dem Jahre 1608 stammende Urkunde, die Grundstücksgeschäfte nahe dem heutigen Bräuhaus zwischen Erasmus II. und dem Rat der Stadt Eferding dokumentiert, legt nahe, dass am heutigen Ort ein neues Gebäude als Bierbrauerei errichtet wurde.

Während des 16. Jahrhunderts wurde die Anlage grundlegend umgebaut. So entstand zum Beispiel auf älteren Fundamenten an der Nordostecke in der Stadtmauer ein weiterer Zugang, durch den man jedoch nicht in den damals zweistöckigen Palas gelangen konnte. Dieser wurde vermutlich um 1600 mit einem dritten, wesentlich höheren Geschoß aufgestockt und durch ein Stiegenhaus ergänzt. Im Vorburgbereich entstanden zwei lange Flügeltrakte an der Ost- und der Westseite. Nach 1625 erfolgte ein weiterer Ausbau der Anlage. Dabei wurde an der südlichen Seite ein weiterer zweigeschoßiger Gebäudeflügel errichtet, sodass die dann vierflügelige Schlossanlage einen rechteckigen Innenhof begrenzte. Der Westflügel erhielt hofseitig einen Arkadengang, dessen Bögen von Pfeilern getragen wurden. Auf der ältesten Abbildung des Schlosses, einem 1649 veröffentlichten Kupferstich von Matthäus Merian aus der Topographia Germaniae, ist die Anlage mit vier Scharwachttürmchen und einem dominanten Uhrturmaufsatz abgebildet.

In zwei vom Wiener Baumeister Andreas Zach im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts angefertigten Grundrissplänen ist der damalige Bauzustand der Anlage festgehalten.

1630 musste der durch den Dreißigjährigen Krieg in finanzielle Nöte geratene Graf Erasmus II. von Starhemberg den Besitz an seine Hauptgläubiger, die Herren Füll von und zu Grünerzhofen, verpfänden und als Protestant das Land verlassen. Nach dem Aussterben der Grünerzhofer 1660 konnte jedoch der 1643 in den Reichsgrafenstand erhobene Konrad Balthasar von Starhemberg die Anlage zurückerwerben. Sein Sohn Ernst Rüdiger folgte dem Vater 1687 als Herr von Eferding nach und ist als Verteidiger Wiens bei der Zweiten Türkenbelagerung bekannt. mini|hochkant|Georg Adam I. ließ das Schloss im 18. Jahrhundert umgestalten

Das Repräsentationsschloss des Andreas Zach (ab 1785) Der am 18. November 1765 in den Reichsfürstenstand erhobene Georg Adam I. von Starhemberg, ab 1783 Oberhofmeister am österreichischen Kaiserhof in Wien, ließ das Schloss seiner Vorfahren in der Zeit vom Sommer 1785 bis 1788 im Stil des Klassizismus umgestalten. Die Pläne dazu lieferte der Baumeister Andreas Zach. Die Veränderungen betrafen hauptsächlich den frühneuzeitlichen Süd- und den Westflügel. Ost- und Nordflügel blieben mit Ausnahme der Keller gänzlich unberührt. Die Änderungen im Westtrakt beschränkten sich auf den Abbruch des alten Torturms und den Ausbau des zweiten Stockes. Im Gegensatz dazu fand im Südflügel durch eine Entkernung des Inneren, den Abbruch des westlichen Turms und den Bau eines zweiten Stockwerkes eine starke Veränderung des Erscheinungsbildes statt. Durch die Schaffung eines durch den Fürsten selbst entworfenen kleinen vorgelagerten Schlossgartens erhielt der Südtrakt eine besondere Betonung. Die Baukosten betrugen nicht einmal 100.000 Gulden. Bis in das 18. Jahrhundert erfolgte der Abbruch der letzten wehrhaften Verteidigungsanlagen der ehemaligen Burg, dazu gehörte unter anderem das Verfüllen der Gräben an der West- und Südseite.

Da die Mitglieder der Starhemberg-Familie immer hohe Ämter am Wiener Hof innehatten oder diplomatische Posten im Ausland bekleideten, war das Schloss im 19. Jahrhundert nur selten dauerhaft bewohnt. In jener Zeit fanden nur wenige bauliche Eingriffe statt. Zu den nennenswerten zählen die gotisierende Hoffassade des Palas und ein Turmaufbau, der Ende des 19. Jahrhunderts schon wieder abgetragen wurde. Aufgrund der Rolle Ernst Rüdiger Starhemberg als Bundesführer der österreichischen Heimwehr enteigneten ihn die Nationalsozialisten im Jahr 1938. Das Schloss wurde anschließend für den Reichsarbeitsdienst genutzt; Ernst Rüdiger Starhemberg erhielt es nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wieder zurück. 1956 mussten die Eigentümer aus finanziellen Gründen einen Teil des wertvollen Bibliotheksbestandes sowie der Waffensammlung versteigern lassen. Die angebotenen Bücher erregten besonders durch den erstklassigen Erhaltungszustand und die hohe Qualität der Einbände Aufsehen. Neben einem Manuskript-Fragment des Willehalm aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, bedeutenden Werken von Johannes Kepler (Ephemerides) und den Annales Ferdinandei kam auch eine Sammlung von sogenannten Gothic Stories, englischen Geister-, Schauer- und Schreckensromanen in 360 Bänden zur Versteigerung.

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das einstige Bräuhaus noch als Bierdepot genutzt und im Jahr 1978 von der Stadt Eferding gekauft.

Heutige Nutzung Das Schloss dient dem Oberhaupt der Familie Starhemberg als Wohnsitz. Daneben beherbergt es drei Museen und wird als Kulturzentrum Eferdings genutzt.

Schlossbibliothek Die nicht öffentliche Bibliothek des Schlosses bietet ein großes Spektrum an literarischen Werken und spiegelt die Interessensgebiete der Schlossherren über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten wider. Aktuell enthält die Schlossbibliothek rund 6000 Bände. Neben deutschsprachigen Büchern umfasst sie Werke in englischer, französischer und spanischer Sprache, sowie vereinzelt auch Bücher in italienischer und lateinischer Sprache. Die englisch- und französischsprachigen Werke können jener Zeit zugerechnet werden, in der sich Georg Adam I. von Starhemberg als kaiserlicher Botschafter am französischen Hof in Paris und sein Sohn Ludwig am englischen Hof in London aufhielten. Bei den Publikationen auf Spanisch handelt es sich vorwiegend um moderne Literatur. Fürst Heinrich Rüdiger prägte diesen Bibliotheksteil durch seine Interessen an Politik und Schauspiel. Der Bestand umfasst Werke wie zum Beispiel die Theaterbände Trilogie der Freiheit, Der Zopf im Rahmen und Spiele und Eskapaden, die sowohl in deutscher als auch in spanischer Sprache verfügbar sind. Die Mehrheit der deutschsprachigen Bücher stammt größtenteils von Schlössern der Starhemberger, die im 20. Jahrhundert verkauft wurden. Durch unsachgemäße Lagerung sind diese Bücher in einem schlechten Zustand. Gut erhaltene Werke wechselten bei einer Versteigerung im Jahr 1956 den Besitzer. Der noch erhaltene Bibliotheksbestand bietet trotzdem eine übersichtliche und geschlossene Darstellung der Rechtsverhältnisse im Kaiserreich, der Verwaltung, des Militärs und des österreichischen Kaiserhauses. Zudem umfasst er alle Werke des Europaabgeordneten Otto von Habsburg und viele Werke aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.

Schlossmuseen Seit 1962 beherbergt der Nordflügel des Schlosses zwei Museen: das Stadtmuseum Eferding, das mit dem Fürstlich Starhemberg’schen Familienmuseum kombiniert ist, und das kleinere Heimwehrmuseum mit einer umfassenden Sammlung von Ausstellungsstücken wie Dokumenten, Fahnen und Plakaten zur Geschichte der österreichischen Heimwehr.